Pünktlich zum 1.6. muss ich doch noch berichten, was sich am 1.5. in den wilden Straßen der Hauptstadt zugetragen hat.
Niemand wird überrascht sein, nun von roten Fahnen, fordernden Parolen, markigen Worten und verwegenen Unzügen zu lesen. Dennoch trug es sich ein klein wenig anders zu, denn ausgerechnet zum 1. Mai rief das Team der Victoria Bar zum bewährten “Wandertag der Schule der Trunkenheit”, den ich glücklicher Weise auch in diesem Jahr wieder als Co-Moderator zum historischen Berlin begleiten durfte.
Zunächst die Fahne:
Unter der roten Fahne – eine Sonderanfertigung zum Wiegenfest des Webers – versammelte sich eine Schar wackerer Gesellen und Gesellinnen, um dem Tag der Arbeit den einen oder anderen Drink abzuringen. Genossen! wurden diese dann während der Wanderung.
Es galt demnach, Pfade des Nachtlebens damals, gestern und heute zu erkunden und Orte aufzusuchen, die Getränke-Geschichte schrieben, rührten und schüttelten. Teilweise im Geiste, teilweise real suchten wir sie heim: das Romanische Café, der Wartesaal des Genius, Das Café Größenwahn, die Kakadu Bar und das Eldorado. Mitsamt ihrer
legendären Gäste und bemerkenswerten Getränke. So durften wir im wunderschönen Hof des Ellington Hotels an das alte Ballhaus Femina erinnern.
Die fordernden Parolen richteten sich an unsere Barkeeper, die den nächsten Drink bereiteten, oder an die Gestalten der 1920er Jahre, wenn an Tisch 17 ein Eintänzer angefordert wurde. Das Lied “Schöner Gigolo, armer Gigolo” erinnert an diese Epoche und ein armer Wiener namens Samuel Wilder würde als Eintänzer einen Durchbruch erleben, der ihn später einmal unter dem Vornamen Billy unsterblich machen sollte.
Markige Worte aus den alten Revuen wurden rezitiert. So textete Friedrich Hollaender 1927: “Wir sitzen doof und ohne Portemonnaie; vor unseren leeren Gläsern im Stammcafé. Mittag von Punkt 12 Uhr; bis Abends um Punkt 12 Uhr…”
Der verwegene Umzug wurde gar von einer offiziellen Schülerlotsin begleitet.
Nur kurz wurde der Trupp der rotbefahnten von einer stattlichen Polizeikohorte umstellt, die sich wohl wunderte, wer dort über den Kudamm zieht und alkoholschwangere Reden schwingt, die von der Legende des heiligen Trinkers künden.
Am Ende waren die Trinker nicht heilig, aber dennoch mindestens selig!
Allerdings war meine Kampagne zur Wiederbelebung der Berliner Weisse, des Ur-Cocktails der Spreemetropole, wieder einmal mittelmäßig fehl geschlagen. Aufgemerkt: Im Herbst wandern wir wieder wunderbar wild. Wannmeldung? Wictoria wragen!




und Stories heraus aus dem Dunkel der nächtlichen Tresenkunst, hinein in die Strassen von Berlin. Geschichten und Gestalten der Getränkekultur vergangener Zeiten werden präsentiert.
illustren Gästen und sonderbaren Kellnern. Das verruchte “Eldorado” mit den Herren-Damen. Olala.
eigentlich mit dem “Ur-Berliner Cocktail” schlechthin, der Berliner Weiße?
Jürgen.
empfiehlt die gängigen Klassiker, enthält aber auch einige Besonderheiten und Eigenkreationen, meist so um die 7,50 Euro. Über meinen ersten Drink mag ich den Mantel des Schweigens hüllen, denn er war ein Missverständnis, bedingt durch meine bestelltechnische Unzulänglichkeit. Der zweite war eine fein abgeschmeckte Eigenkreation von Bartender Samir, der behauptete, den Drink justamente spontan erfunden zu haben. Obs stimmt? Sei´s drum, die Mischung aus Rum, Campari, Orangensaft und Erdbeersirup konnte überzeugen. Viel zu selten bestelle ich Gin Fizz, mein Abschiedstrunk, hier in einer straighten Variante ohne Soda. Sehr erfrischend für die Lebensgeister.
Inneren eine fantastische Auswahl an erlesensten Tropfen. Auch spannende Raritäten, die andernorts bereits ausverkauft sind, füllen die Regale. Ich meine, locker 30 verschiedene Abfüllungen von Port Ellen gezählt zu haben und selbst die alten Abfüllungen von Macallan sind reichlich vertreten.
Reistafeln anbietet. Ansonsten würde ich vermutlich nie auch die anderen Köstlichkeiten der indonesischen Küche verkosten können.
Zuständig für die im Namen versprochene Anästhesie ist Wirt Dieter. Sorgfältig zapft er das Berliner Kindl, empfiehlt aber gerne und überzeugend den einen und anderen und x-ten Probierschluck aus seinem umfangreichen Spirituosensortiment.