Momofuku Ko (New York)

Reservieren für Fortgeschrittene. Einen von nur 12 Plätzen in diesem winzigen Lokal zu ergattern ist gar nicht so einfach. Würdig sind nur diejenigen, die sich auf der Homepage aufwändig registrieren und sich dann genau-exakt eine Woche vor dem Wunschtermin um genau-exakt 10.00 Uhr früh in das System einloggen. Um 10.01 Uhr sind alle Plätze weg.

Der Gast hat auch sonst nicht viel zu melden. Es gibt genau-exakt ein Menü zu $160. Das wird serviert, basta. Immerhin darf man sein Getränk auswählen. Die Weinbegleitung für $95 war sehr ideal abgestimmt auf die zahlreichen Gänge.

Ähnlich einer Sushi-Bar wird auf Hockern wird Platz genommen, um einen Tresen herum, hinter dem sehr kreativ zubereitet wird. Zwei Küchenmeister reichen das Essen den Gästen herüber und nennen die Bestandteile. Nachfragen wurde als lästig empfunden, daher kann ich nicht mehr jedes kulinarische Detail rekonstruieren. Die beiden Chefs, die bei meinem Besuch arbeiteten waren zumindest optisch nicht die erwarteten Sternemaestros. Mit Basecap und Buddy-Holly-Brille hätten sie eher in einen Diner für Trucker gepasst, um dort Burger zu bruzzeln.

Stattdessen gab es 16 Gänge mit kulinarischen Erlebnissen und Gaumenexplosionen, wie ich sie bislang erst selten im Leben genießen durfte.
Das Geheimnis der Küche ist, dass alles sehr schlicht klingt, um dann umso raffinierter zu überraschen.
Klingt unspektakulär: Teigröllchen mit Kaviar. Austern mit Kaviar. Gehackte Jakobsmuschel (traumhaft).
Dann: Ein hawaiianischer Fisch in einer Marinade, der zugleich mild-zitrusfrisch und chilischarf aromatisiert war. Weiter gab es Suppentortellini, wobei die Suppe mit Pilzen und Pak-Choi IN(!) den Teigtaschen war. Zuvor erfreute ein hauchzartes Rindercarpaccio mit horse radish und Reiscräckern.

Zwei Kellnerinnen achten streng darüber, dass ja keine Fotos gemacht werden. Zu gerne hätte ich mir die Erinnerung an das Hummerfleisch in gestocktem Tofu bewahrt. Darüber lag eine Art Esspapier aus Hummer. Aromatik und Mundgefühl waren exorbitant.
Perfekt auf den Punkt bereiten die Griesgrame am Herd eine rosa Lammkeule mit Melone. Erfrischend war der Tomatensalat mit Tofuhaut.
Mein absoluter Favorit: eine geraspelte Foie Gras über Lychee mit Rieslinggelee.

Die Menschen vor den Tellern strahlen. Nach jedem Gang wird über die Speisen diskutiert. Die geheime Tafelrunde, solidarisch vereint als Absolventen des Reservierungsrituals, werden satt. Das Menü geht dem Ende entgegen.
pa190407Schade, dass die Grummelgarer schon bald mit der Reinigung ihres Arbeitsbereiches beginnen. Nicht nur wird es dann ungemütlich, der Geruch beeinträchtigt die letzten abschließenden Genussmomente bei Käse, Pfirsicheis und Schokolade mit hellen Trüffeln.

First Avenue 163, 10003 New York

www.momofuku.com/

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