Großartig, grauenvoll und erheiternd – Ein Universum

Genauer gesagt: der Universum Grill.

Die steigende Anzahl an anspruchsvollen Steak-Restaurants in Berlin erfüllt mich grundsätzlich mit Freude. Porterhouse und Hochrippe, auf medium-rare zartrosa gegart, halten endlich Einzug in das Bewusstsein der preußischen Carnivoren und wagen den Angriff auf  „gemischte Grillteller, alles gut durch“. Bravo!

Kürzlich plauderte ich mit dem vermutlich Steak-Kompetentesten Barkeeper der Stadt einmal wieder sentimental über die großartige Versorgung in NYC, beispielsweise durch Peter Luger, Wolfgang´s oder Keen´s Steakhouse und wir tauschten gegenseitige Berichte und Erlebnisse über eine bislang ziemlich enttäuschende Steak-Neueröffnung nahe dem Märkischen Museum aus.

Gelegen in dem schönen Bauensembel um die Schaubühne, geschaffen von Erich Mendelsohn

Gelegen in dem schönen Bauensembel um die Schaubühne, geschaffen von Erich Mendelsohn

Die Fleischeslust war geweckt und somit strömte ich für einen ersten Versuch in den Universum Grill im Wilmersdorfer Teil des Kurfürstendamms. Schauplatz Schaubühne am Lehniner Platz, wo bereits die Universum Bar Mischgetränke schüttelt und eine Ecke weiter der himmlische Name nun auch Sternensteaks vom Grill auf die Umlaufbahn lenkt.

Das sehr schöne und design-technisch entspannte Lokal war voll. Die Bedienkräfte waren überfordert und dennoch um heitere Aufmerksamkeit bemüht. Letzte Plätze am Tresen mit Blick in die offene Küche waren für uns zwei Personen frei.

Die Betreiber haben italienische Wurzeln. So ist die Besonderheit in diesem Restaurant  das toskanische Chianina Rind aus der Gegend um Panzano, nicht weit von Florenz. Seit ich die unglaublich intensiven Zeilen zu dieser Fleischqualität in dem großartigen Buch „Hitze“ von Bill Buford las, bin ich tatsächlich „heiß“ auf dieses Fleisch. Er schreibt darin: „Das beste Fleisch, das ich je gegessen habe…“

Direkt vor uns, in einer appetitlichen Kühlvitrine, lag die Fleischauswahl bereit, auch das Chianina war darunter. Die Ernüchterung kam, als die Kellnerin auf die Größe verwies: „Wir haben nur große Stücke. Das kleinste wiegt 1600 Gramm.“ Bei einem teuren Fleisch, das pro 100 Gramm zu entlohnen ist, stoßen selbst zwei gute Esser an monetäre und mengenmäßige Grenzen. „Dann müßt ihr beim nächsten Mal halt mit mehr Leuten kommen“, lautete der wenig hilfreiche Rat der wohlmeinenden Bedienkraft. Im Laufe des Abends würden noch weitere Gäste in Zweierkonstellationen nach jenem Rind fragen, um anschließend bedauernd abzuwinken. Da wäre dem Betreiber ein Nachdenken im Sinne des Umsatzes angeraten…

Wir wichen aus auf eine irische Hochrippe, die ihrerseits nicht in Karte stand. Im Endeffekt war sie wiederum zu wenig für die beiden soliden Esser. Aber es war eines der besten Stücke Fleisch, die ich in Berlin jemals gegessen habe. Hervorragende Fleischqualität, auf den Punkt perfekt gegart. Super!

Eine weitere lustig Idee für Weinfreunde, ist der Titanic-Wein, den sie

Titanic Weine

Titanic Weine

anbieten. Nach einem Wasserschaden im Weinkeller werden die betroffenen Edleltropfen zu 49.- Euro je Flasche offeriert. Man bekommt eine Holzkiste mit diversen Flaschen zur Auswahl an den Tisch und kann dann mutmaßen, welcher Wein wohl höchsten Genuss verspricht und welcher Wein bereits zur Essig-Fraktion zählt. Bei einer Essig-Wahl darf man glücklicherweise erneut in die Kiste greifen.

Der Korken bröselte und daher kamen wir in das Vergnügen, eine mir bis dato noch nicht geläufige Variante des Dekantierens zu erleben: durch das Geschirrtuch gefiltert. Gut, dass dieser Wein auch andere Gründe aufwies, ihn zu reklamieren.

Dekantieren re-loaded

Dekantieren re-loaded

Manche Tische erhielten Brot und Oliven vorweg gereicht, bei anderen wurde es vergessen, ein gewisse Hektik war dem Service anzumerken. Eine größere Gruppe war anwesend, dennoch war die Personaldichte nicht erhöht worden. Mein Nachtisch bestand aus einer Bratwurst-Mixtur, da der Magen noch knurrte, meine Begleitung stöhnte lustvoll ob des Schokoladenfondants mit Valrhona-Kakao. Absolut dämlich wirkt es in einem US-inspirierten Restaurant-Konzept, wenn keinerlei Kartenzahlung möglich ist. Im Notfall geleitet das eh schon gestresste Personal den Zahlungswilligen in die benachbarte (samstäglich völlig überlaufene) Universum Lounge, wühlt sich einen Weg durch das Gedränge und ermöglicht dort den Zugang zu einem Kartenlesegerät.

Nachher kehrte noch der frohsinnige Spaßmoderator des Quatsch-Comedy-Club mit deinem Gefolge ein. Da wurde klar, dass für den Besuch in diesem Restaurant eine gewisse Portion Humor unumgänglich ist. Und das bei so genialen Steaks. Das haben die Jungs am Grill nicht verdient.

Easy going. What about coming back?

Easy going. What about coming back?

Fazit: Ausbaufähiger studentisch-engagierter Service, hervorragende Steaks, originelles Dekantier- verhalten, lächerliche Cash-only-Politik. Was hier un-rund läuft, liegt kaum an dem durchweg bemühten Personal vor Ort. Es liegt vielmehr an unausgereiften Vorgaben des Betreibers.

Kurfürstendamm 156, 10709 Berlin-Wilmersdorf

www.universumlounge.com

Advertisements

Ein Likörchen auf die Rente?

Internationale Unterschiede im kulinarischen Bereich sind ein Phänomen, welches so manchen Genuss-freudigen in Deutschlands traurig seufzen lassen. Meine Besuche in London und New York tragen regelmäßig zu diesem Geräuschpegel bei.

Das (zum Glück teilweise unberechtigte) Klischee von den Unstimmigkeiten und Missverständnissen der  Service-Wüste Deutschland, bildet jene Karikatur recht schön ab:

Hallo Kellner. Hallo Gast.

Hallo Kellner. Hallo Gast.

Die Meldung vor einiger Zeit, dass die Franzosen und die Italiener 30% des Familienbudgets in Essen und Trinken investieren, während die Deutschen nur 10% dafür aufwenden, stimmt traurig. Billig muss es sein, hierzulande und daher straft die Lebensmittelindustrie uns mit Pangasius, Analogkäse und Surimi. Wir haben es wohl nicht besser verdient.

Bleibt, das Lachen im Hals stecken? Nein, das übernimmt ja bereits der Analog-Käse, jenes verdaubare chemische Konstrukt, welches auch bei hohen Temperaturen keine unschöne dunkle Färbung annehmen kann. Also schmunzeln wir gemeinsam über jene Fragestellung, die den Alltag internationaler Rentner thematisiert:

Was tut ein englischer Rentner? Er steht um 9 Uhr auf, trinkt ein Glas Scotch und geht zum Golfspiel.

Und ein französischer Rentner? Er steht um 10 Uhr auf, trinkt ein Glas Bordeaux und geht zu seiner Freundin.

Und der deutsche Rentner? Er steht um 7 Uhr auf, nimmt seine Herztropfen und geht zur Arbeit.

Na denn: Prost!