Rückblick – Berliner Meisterköche bei Markus Semmler

Dieses Jahr wird eine Institiution 20 Jahre alt. Die Auszeichnung „Berliner Meisterköche“, ausgerufen von Berlin Partner“, wurde erstmals 1997 verliehen. Damal war Berlin zwar eine gastronomisch aufstrebende, aber im internationalen Vergleich immer noch rückständige Metropole.Unter den ersten Preisträgern waren Herbert Beltle, der mit dem Alten Zollhaus, dem Aigner und der Rotisserie Weingrün noch immer Scharen von Berlinern erfreut. Ebenfalls 1997 ausgezeichnet wurde Karl Wannemacher, dessen Alt-Luxemburg in Charlottenburg heute oftmals sehr zu unrecht übersehen wird.

sam_9681Die Stadt – und dadurch auch der Preis – entwickelte sich weiter. Die Kategorien wurden differenzierter und neue kamen hinzu. 2008 wurde erstmals ein „Gastronomischer Innovator“ ausgezeichnet, 2012 wurde aus „Maitre“ der „Gastgeber“ und ein Jahr später wurde die Kategorie „Szenerestaurant“ einbezogen. Die Ahnenreihe (einzusehen bei Berlin-Partner) der Preisträger widerspiegelt ein starkes Stück kulinarischer Berlingeschichte.

Im Herbst 2016 wurden die Preisträger dieses Jahrganges im Rahmen einer Gala im Kraftwerk an der Köpenicker Straße gefeiert und Hunderte Gäste durften die Kochkünste der Preisträger erproben.

Danach dachte sich Markus Semmler, der Berliner Meisterkoch 2016: „Eigentlich schade, dass die Preisträger dieses besondere gemeinsame Menü Weiterlesen

Eine Zwiwwel sorgt für Tränen – selbst bei den Kochprofis

Dieser Bericht würde ach so gerne eine warmherzige Empfehlung sein. Stattdessen ist es ein trauriger Nachruf zu einem Restaurant in Berlin-Wilmersdorf, das nicht einmal die Kochprofis von RTL 2 zu retten vermochten.

Restaurant Zwiwwel

Das Restaurant Zwiwwel war all die Jahre eine versteckte Perle in der Bruchsaler Straße, nicht weit vom Bundesplatz. Uralt, mit Mobiliar, welches zur Kaiserzeit genau so eine Gaststube hätte ausstatten können, war die Zwiwwel stets eine kleine Zeitreise mit ordentlicher Speisenbegleitung. Es muss so zehn Jahre her sein, da lohnte sich der Weg durch die halbe Stadt alleine der genialen Seaks wegen. Das war noch die Zeit vor der großen Fleisch-Welle. Damals waren herrliche Cuts, wie T-Bone, Ribeye oder Porterhouse höchstens regelmäßigen USA-Reisenden ein Begriff. In der Zwiwwel beherrschte der Koch den Grill und die Entrecôtes waren genial. Ich erinnere mich noch an den damaligen Betreiber mit einer knarzigen Reibeisenstimme und der Berliner Mischung aus Herz und Schnauze.

Nippes & Nostalgia Weiterlesen

Neue Köstlichkeiten für Wilmersdorf – Delicious Berlin

Im September 2013 öffnete sich die Pforte zu einem wunderhübschen neuen Feinkostgeschäft in Berlin-Wilmersdorf. Wo zuvor Gitarren gehandelt wurden, hört der Besucher heute die Gläser klingen und die Zungen schnalzen.

In einem gelungenen Raumdesign mit ansprechender Produkt-Präsentation und einem herrlichen Verkostungstresen hat das Sortiment für jeden Genusstyp eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl parat. Keine gigantische Auswahl, aber ausgewählte Besonderheiten für Genuss- und Geschenkgelegenheiten.

Marmeladen, Chutneys, Kaffee, Essig, Schokolade oder Pasta füllen die Regale im vorderen Bereich. Die flüssigen Genüsse rings um Whisky, Rum, Brände und weitere Spirituosen schließt sich an. Der hintere Raum steht für Veranstaltungen und Verkostungen zur Verfügung und enthält gut bestückte Weinregale mit nicht ganz alltäglichen Weingütern. Mir gefällt die schöne Auswahl aus dem Elsass und das Sortiment an Châteauneuf-du-Pape.

Eine Tür führt in einen begeh- und besetzbaren Humidor mit Weiterlesen

Peruanische Gaumenfreuden – Mehr als nur Pisco

Die Bar- und Spirituosenwelt fiebert dem Bar Convent Berlin am 8. und 9. Oktober entgegen. Das diesjährige Gastland der Getränkemesse ist Peru und wer sich mit Pisco bereits näher beschäftigt hat weiss, wie vielseitig und köstlich jenes Traubendestillat sein kann. Da geht durchaus noch mehr, als nur der bewährte Klassiker: Pisco Sour!

Das Peru kulinarisch durchaus noch etwas mehr zu bieten hat, durfte ich jüngst im Restaurant Serrano in Wilmersdorf erfahren. Ich war ein früher Gast an einem Dienstag und betrachtete anfangs die zwei leeren Gasträume etwas sorgenvoll, aber rasch füllte sich das Restaurant und die Atmosphäre belebte sich angenehm.

Feine Vorspeisenauswahl

Feine Vorspeisenauswahl

Sehr freundlich und engagiert, lässt das Personal den Besucher unmittelbar spüren, dass man hundertprozentig hinter den Produkten und der Küchenphilosophie steht. Die Auswahl ist überschaubar, aber dennoch abwechslungsreich, wobei neben der gemischten Vorspeisenplatte der frische Fisch und die Meeresfrüchte besonders empfehlenswert sind. Das Nationalgericht Cevice, mariniertes Kabeljaufilet mit Zwieblen, Limettensaft und Süßkartoffeln, darf nicht fehlen. Um die 15 Euro kosten die Gerichte. Fleischgerichte mit Weiterlesen

Großartig, grauenvoll und erheiternd – Ein Universum

Genauer gesagt: der Universum Grill.

Die steigende Anzahl an anspruchsvollen Steak-Restaurants in Berlin erfüllt mich grundsätzlich mit Freude. Porterhouse und Hochrippe, auf medium-rare zartrosa gegart, halten endlich Einzug in das Bewusstsein der preußischen Carnivoren und wagen den Angriff auf  „gemischte Grillteller, alles gut durch“. Bravo!

Kürzlich plauderte ich mit dem vermutlich Steak-Kompetentesten Barkeeper der Stadt einmal wieder sentimental über die großartige Versorgung in NYC, beispielsweise durch Peter Luger, Wolfgang´s oder Keen´s Steakhouse und wir tauschten gegenseitige Berichte und Erlebnisse über eine bislang ziemlich enttäuschende Steak-Neueröffnung nahe dem Märkischen Museum aus.

Gelegen in dem schönen Bauensembel um die Schaubühne, geschaffen von Erich Mendelsohn

Gelegen in dem schönen Bauensembel um die Schaubühne, geschaffen von Erich Mendelsohn

Die Fleischeslust war geweckt und somit strömte ich für einen ersten Versuch in den Universum Grill im Wilmersdorfer Teil des Kurfürstendamms. Schauplatz Schaubühne am Lehniner Platz, wo bereits die Universum Bar Mischgetränke schüttelt und eine Ecke weiter der himmlische Name nun auch Sternensteaks vom Grill auf die Umlaufbahn lenkt.

Das sehr schöne und design-technisch entspannte Lokal war voll. Die Bedienkräfte waren überfordert und dennoch um heitere Aufmerksamkeit bemüht. Letzte Plätze am Tresen mit Blick in die offene Küche waren für uns zwei Personen frei.

Die Betreiber haben italienische Wurzeln. So ist die Besonderheit in diesem Restaurant  das toskanische Chianina Rind aus der Gegend um Panzano, nicht weit von Florenz. Seit ich die unglaublich intensiven Zeilen zu dieser Fleischqualität in dem großartigen Buch „Hitze“ von Bill Buford las, bin ich tatsächlich „heiß“ auf dieses Fleisch. Er schreibt darin: „Das beste Fleisch, das ich je gegessen habe…“

Direkt vor uns, in einer appetitlichen Kühlvitrine, lag die Fleischauswahl bereit, auch das Chianina war darunter. Die Ernüchterung kam, als die Kellnerin auf die Größe verwies: „Wir haben nur große Stücke. Das kleinste wiegt 1600 Gramm.“ Bei einem teuren Fleisch, das pro 100 Gramm zu entlohnen ist, stoßen selbst zwei gute Esser an monetäre und mengenmäßige Grenzen. „Dann müßt ihr beim nächsten Mal halt mit mehr Leuten kommen“, lautete der wenig hilfreiche Rat der wohlmeinenden Bedienkraft. Im Laufe des Abends würden noch weitere Gäste in Zweierkonstellationen nach jenem Rind fragen, um anschließend bedauernd abzuwinken. Da wäre dem Betreiber ein Nachdenken im Sinne des Umsatzes angeraten…

Wir wichen aus auf eine irische Hochrippe, die ihrerseits nicht in Karte stand. Im Endeffekt war sie wiederum zu wenig für die beiden soliden Esser. Aber es war eines der besten Stücke Fleisch, die ich in Berlin jemals gegessen habe. Hervorragende Fleischqualität, auf den Punkt perfekt gegart. Super!

Eine weitere lustig Idee für Weinfreunde, ist der Titanic-Wein, den sie

Titanic Weine

Titanic Weine

anbieten. Nach einem Wasserschaden im Weinkeller werden die betroffenen Edleltropfen zu 49.- Euro je Flasche offeriert. Man bekommt eine Holzkiste mit diversen Flaschen zur Auswahl an den Tisch und kann dann mutmaßen, welcher Wein wohl höchsten Genuss verspricht und welcher Wein bereits zur Essig-Fraktion zählt. Bei einer Essig-Wahl darf man glücklicherweise erneut in die Kiste greifen.

Der Korken bröselte und daher kamen wir in das Vergnügen, eine mir bis dato noch nicht geläufige Variante des Dekantierens zu erleben: durch das Geschirrtuch gefiltert. Gut, dass dieser Wein auch andere Gründe aufwies, ihn zu reklamieren.

Dekantieren re-loaded

Dekantieren re-loaded

Manche Tische erhielten Brot und Oliven vorweg gereicht, bei anderen wurde es vergessen, ein gewisse Hektik war dem Service anzumerken. Eine größere Gruppe war anwesend, dennoch war die Personaldichte nicht erhöht worden. Mein Nachtisch bestand aus einer Bratwurst-Mixtur, da der Magen noch knurrte, meine Begleitung stöhnte lustvoll ob des Schokoladenfondants mit Valrhona-Kakao. Absolut dämlich wirkt es in einem US-inspirierten Restaurant-Konzept, wenn keinerlei Kartenzahlung möglich ist. Im Notfall geleitet das eh schon gestresste Personal den Zahlungswilligen in die benachbarte (samstäglich völlig überlaufene) Universum Lounge, wühlt sich einen Weg durch das Gedränge und ermöglicht dort den Zugang zu einem Kartenlesegerät.

Nachher kehrte noch der frohsinnige Spaßmoderator des Quatsch-Comedy-Club mit deinem Gefolge ein. Da wurde klar, dass für den Besuch in diesem Restaurant eine gewisse Portion Humor unumgänglich ist. Und das bei so genialen Steaks. Das haben die Jungs am Grill nicht verdient.

Easy going. What about coming back?

Easy going. What about coming back?

Fazit: Ausbaufähiger studentisch-engagierter Service, hervorragende Steaks, originelles Dekantier- verhalten, lächerliche Cash-only-Politik. Was hier un-rund läuft, liegt kaum an dem durchweg bemühten Personal vor Ort. Es liegt vielmehr an unausgereiften Vorgaben des Betreibers.

Kurfürstendamm 156, 10709 Berlin-Wilmersdorf

www.universumlounge.com

Brote, Biere & Buletten

Es sind tatsächlich schon 30 Jahre, dass das BioBackHaus von Hans Leib die Berliner mit feinem Brot versorgt, dessen Geschmack, Zutaten und Qualität keinem Sandalen-Strickpulli-Öko-Dogma folgen, sondern die einfach chemiefrei, nah an der Natur und am Ende vor allem lecker sein sollen.

Eine Zeitspanne von 30 Jahren Backhandwerk beweisen nur allzu deutlich, dass das Grundbedürfnis nach gutem Brot mit diesem Sortiment vortrefflich bedient wird. Viel zu oft dürfen sich in Berlin grauenvolle Aufbackstuben mit dem Begriff „Bäckerei“ schmücken, mit dem sie so gar nichts mehr zu tun haben. Da wundert es kaum, dass der Bundespräsident sein Brot für Schloss Bellevue eigens aus dem fernen Hannover importieren lässt. Bald läuft der Vertrag jedoch aus und dann kommt zwangsläufig das BioBackHaus wieder ins Gespräch.

Rechts im Bild Hans Leib, daneben der Vortragende

Rechts im Bild Hans Leib, daneben der Vortragende

Zahlreiche Veranstaltungen begleiten das Jubiläumsjahr 2010 und so wurden beispielsweise im April  30 Meter Brot gebacken, dessen Kauf dem Kinderträume e.V. zu gute kam, der hilft,  lebensbedrohlich erkrankten Kindern einen Traum zu erfüllen. Im Juni ermöglichte der Tag der offenen Tür einen Einblick in die Hauptbäckerei in Falkensee. Im Herbst hatte ich selbst das Vergnügen, einen Beitrag zum Jubiläum bei zusteuern und durfte im Café des Stammhauses in Wilmersdorf den Vortrag „Brote, Biere und Buletten – Geschichten zur Versorgung hungriger Berliner“ halten. Weiterlesen

Altes West-Berlin im Eulenspiegel

Ein gelungener Abend hat mit wundervoller Gesellschaft, köstlichem Essen, prachtvollen Getränken, munterer Diskussion und auch dem Austragungsort derselben zu tun.

An jenem Abend im August war wunderbare Gesellschaft zur Hand, die munter debattierte und neugierige Erwartungen hegte, was sich hinter dem ominösen „Privatrestaurant“ wohl verbergen mag. In der Tat sperrt eine güldene Kordel den Eingang für all jene, die ohne Anmeldung neugierig durch die Türe linsen und verhindert so jegliche Nachwuchswerbung für das Lokal.

Die Küche versteht ihr Handwerk im Umgang mit  sorgfältig gewählten Zutaten. Vorab reichte man nette Salami, Schinken, Flammkuchen und Allerlei. Gefolgt von einem eher belanglosen Hummersalat. Die gefüllte Perlhuhnbrust, nach Backhendl-Art zubereitet, mit einem originellen warmen Zitronen-Kartoffelsalat, war saftig und sehr schmackhaft. Die Kartoffelvariante wurde mit „Bayerischer Art“ kommuniziert, was verwundert, ob der kargen Ausbeute bayuvarischer Zitronenplantagen.

Der abschließende Pfirsich-Melba verdeutlicht womöglich am ehesten den Stil des Hauses.
Wir befinden uns im alten West-Berlin vor dem Mauerfall. An den Wänden ein alter Fritz, gegenüber ein röhrender Hirsch. Gerade wurde die Lichterkette erfunden und Ragout Fin hat den Toast Hawaii als Standardgericht abgelöst. Weiterlesen