Trattoria la Bottega (Charlottenburg)

Sardische Küche, die Freude macht.
Glücklicherweise ist die Anschrift eines Lokals keine Verpflichtung, entsprechende Küche anzubieten.
Der Volksstamm der Turonen hätte uns ansonsten schlichte Bratwurst aufgenötigt. Meiningen befindet sich im Süden Thüringens, die Allee auch noch an der Ecke zur Reichsstraße.

Besser ist es, wenn noch südlichere Küche frisch auf den Tisch kommt.
Zunächst kommt eine große Tafel auf einem Aufsteller an den Tisch, auf der die tagesfrischen Gerichte aufgeschrieben stehen. Diese ergänzen die Weiterlesen

Maximilian am Stutti (Charlottenburg)

Verschieden Varianten der nächtlichen Stimulation sind am Stuttgarter Platz erhältlich. Der Hungrige freut sich über die Currywurst bei Maximilian.
Maximilian ist als Curryversorger in Berlin x-fach vorhanden, stets mit zuverlässiger Qualität. Die Bude am Stutti hingegen ist einmalig.
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Zu nächtlicher Stunde gesellen sich gerne auch hungrige, oft gelangweilte Damen der nächtlichen Umtriebigkeit aus den hier befindlichen Etablissements hinzu. Table-dance und sonstige Erotik ist hier etwas in die Jahre gekommen. Reifere Damen mit Reibeisenstimme bestellen es hier dann „etwas schärfer“ – hoppla, da rutscht die Gabel von der Pappschale.

Schöne Show für 1,30 Euro.
Wenn man sich nur wegen der Wurst hier aufhält….

Stuttgarter Platz 12, 10627 Berlin-Charlottenburg
www.maximilian.de/

Spitzbogen

Im schönsten Gebäude am Kaiserdamm an der Ecke zur Suarez Straße stößt man auf eine klassische, alte Berliner Restauration im Stile der Zeit um 1910. Und – findet sie seit wenigen Tagen leider geschlossen vor.
Aus dem Restaurant war in letzter Zeit leider eine traurige Anlaufstelle für trostlose Tresentrinker geworden. Die Küche hatte nachgelassen, dabei befindet sich hinter der Schankstube, wenn man durch den namens gebenden Spitzbogen tritt, ein geräumiges Speisezimmer mit Fenstern zum ruhigen Hof. Ordentliche Schnitzel hatte es hier früher gegeben.

Ein Blick durch das Fenster vermittelt die Idee, dass der Spitzbogen gleich morgen wieder eröffnen könnte. Gläser und Flaschen stehen noch im Regal, die Theke ist frisch geputzt.

Draußen hängt das „zu Vermieten“ Schild. Es bleibt abzuwarten, ob ein engagierter Wirt die Ärmel aufkrempelt, sich diesem Ort widmet, durchlüftet, entstaubt und mit neuem Schwung in den Spitzbogen lädt.
Ich eile dann sofort herbei…

Kaiserdamm 118, 14057 Berlin-Charlottenburg

Kiwi Pub (Steglitz)

Ab nach Neuseeland, oder Maori: Aotearoa. In das Land der „großen weißen Wolke“ geht es gleich hinter dem S-Bahnhof Steglitz.
Der Pub kommt optisch polynesisch daher: ein Bambusdach über dem Tresen, ansonsten dominiert die Farbe Grün, Kiwi-Grün.
Desweiteren sorgt Wirt „Kiwi John“ dafür, dass hier Fernwehen auf Heimwehen nach Neusseeland stossen.
Treffpunkt für die kleine Kolonie Exil-Neuseeländer in Berlin und großartige Anlaufstelle für Reisetipps für die beiden Inseln (Ein Straßenatlas NZ liegt immer griffbereit). Gerne lauscht John auch den Reiseerinnerungen der Heimgekehrten.

Dank Direktimport gibt es eine Vielzahl an Produkten: Kiwi Wein (trocken oder medium), drei Sorten Whisky Weiterlesen

Restaurant Seehase (Wannsee)

Nachdenklich und ernster Stimmung schlendere ich durch den Garten einer Villa am Wannsee, dem Haus der Wannsee Konferenz.
Da weht über den Zaun hinweg ein Duft nach frischem, gegrilltem Fisch.
dsc00897Neugierig und plötzlich hungrig umrunde ich das Areal und finde direkt am Wasser unterhalb des Flensburger Löwen ein orginelles, von der türkischen Küche inspiriertes Fischrestaurant Weiterlesen

Reingold Cocktailbar (Mitte)

Ein Klassiker der 90er Jahre wird modern wiederbelebt. „Treffpunkt im Unendlichen“ lautet das dominante Leitmotiv am Ende des langen Raumes. Ein riesiges Wandgemälde, vom Vorgänger übernommen, zeigt Klaus und Erika Mann.

Gemalt auf den Seiten des letzten Romans, den Mann vor dem Exil schrieb, eben „Treffpunkt im Unendlichen“.

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Die beiden waren berüchtigte Nachtschwärmer der 1920er und 30er Jahre und auf diese Epoche möchte das Reingold atmosphärisch und mixologisch Bezug nehmen. Gleichzeitig werden aktuelle Entwicklungen und Neuerungen der Barkultur ausprobiert.
Der elegante Tresen, die dezente Beleuchtung und der golden hinterlegte Barbereich sind dafür jedenfalls ein angemessener Rahmen.

Klassik trifft Moderne. Die Cocktail Karte zeigt das sehr deutlich: Der Martini kann auch als Martinez geordert werden, für die Zubereitung eines meiner favorisierten Klassiker „Sazerac“ stehen fünf Sorten Rye Whiskey zur Auswahl.

Für die Moderne stehen Molekulare Experimente á la „Sprizz Espuma“ und, dem derzeitigen Trend folgend, Cuisine Style Drinks mit Kräutern und Gemüsen. Überrascht und überzeugt hat mich dabei vor allem der „Pineapple Celery Boost“ mit Vodka, Bitters, Ananas und Sellerie.
Eine Kreation von David Wiedemann, der für den Neustart verantwortlich zeichnet und mit seinem jungen Team der Barschule Berlin die Tresenregie führt.
Vielversprechend ist seine Philosophie: Alle Sirups sind selbstgemacht. Alles Säfte sind frisch.

Eine definitive Neuerung in der Barszene ist ein „Tequila Sommelier“. Als „deutschlandweit einzigartig“ angepriesen, darf dieser bemitleidenswerte Mensch nun die Cocktail-Gemeinde davon überzeugen, dass Tequila, pur oder gemixt, etwas gaaaanz tolles ist. Na, viel Spaß.

Für diejenigen, die essenstechnisch mehr benötigen, als nur eine Selleriestange, gibt es eine Küche, deren kleine kreative Gerichte mit den Drinks harmonieren sollen.  Auf der Terrasse im historischen Innenhof ist der Tabakbereich.
Es gibt keine Happy Hour. Die Preise der Drinks liegen hauptsächlich zwischen 7,50 und 9,- Euro. Champagner Cocktails sind etwas teurer.
Pures Gold im Glase bietet das Reingold den Chapagnerliebhabern auch unvermixt. Glasweise ausgeschenkt wird Ruinart, weiß und als Rosé. Gute Wahl? Vielleicht die Beste!

Ab Ende September wird jeweils der Montag interessant. Dann wird ein Ruhetag zum Unruhetag unter dem Motto: „Triobar goes Reingold“. Dann wird die verschwiegene aber hervorragende Barkultur der „Triobar“ aus dem Versteck hervorkommen und die eher klassisch geprägte Drink-Stilistik schütteltechnisch darbieten.

Apropos klassisch: Wagners Arien sind nicht zu erwarten, dafür fehlt ein H im Namen der Bar. Ein musikalischer Direktor wird elektrofreie Musik einspielen. Im molekularen trend hip Zeitgeist Vokabular nennt man das hier „Ear Service“. Fein, fein.

Obwohl der Gedanke schon einen gewissen Reiz hat. Die Rheingold Bar: mit Wotans Mai Tai und Floßhilde Fizz.
Aber das ist ein anderes Konzept.
Freuen wir uns erstmal über den neuen, den alten „Treffpunkt im Unendlichen“. Cheers.

Novalisstraße 11, 10115 Berlin-Mitte
www.reingold.de

Bar am Lützowplatz (Tiergarten)

Eine Happy Hour kann durchaus zur Grimmig Stunde werden.

Eins vorweg: ich habe hier noch nie einen missratenen Cocktail erhalten. Die Damen und Herren hinter dem ewig langen Tresen verstehen ihr Handwerk. Aber Atmosphäre und zwischenmenschliche Schwingungen im Raum spielen auch eine Rolle.

So fein die Drinks abgestimmt sein mögen, man wünscht dem Personal in ihrem Miteinander das gleiche.
Es ist also Happy Hour. Auf der Terrasse ist gut gefüllt. Am Tresen nur 6-7 Gäste. Hinten, unter dem Dalai Lama Bild (wann kommt eigentlich Mao zurück, angeblich ist er aus künstlerischen Motiven verliehen worden?) eine grössere Runde in den Sesseln.
Soweit die Situation auf der nördlichen Seite des Tresens. Der Süden ist unruhiger. Das Lützowsche-Corps ist sich uneins. Dem einen ist das Licht zu hell, es wird abgedunkelt. Erzürnt stürmt ein Kollege herbei um uns wieder zu erhellen, danach wieder dunkler…
Musik befindet eine der Damen für zu leise, Volumen wird erhöht. Das Volumen in meinem Glas ist auf null – unbeachtet, dafür wird die Beschallung wieder herunterreguliert.
Das ist jetzt auch egal, da sich das Barkollektiv diesmal einig ist: der Orangensaftbedarf für den Rest der Nacht wird auf der Stelle im Voraus gepresst. An einer wirklich seeeehr lauten Maschine.

Diese Darbietung war gewiss recht unterhaltsam. Ursprünglich hatte ich mich irgendwie anders unterhalten wollen. Stattdessen Stressfaktor pur, dabei war noch nicht einmal „Trompeten“-Donnerstag, wo es richtig lästig voll wird.
Eine Ausnahme? Ich bin mir nicht sicher. Die Gast-Barmixer-Kommunikation ist hier öfters eher kühl.
Dabei könnte alles so schön sein. Der endlose Tresen; Qualität und Auswahl der Drinks (ich liebe die Champagner Kreationen); die frühen Öffnungszeiten mit langer Happy Hour.

Seltsame Vibrationen. Vielleicht hätte man das Kult-Bild nicht austauschen sollen. Gelegenheit für mich, einen politisch komplett unkorrekten Satz zu formulieren: Unter Mao habe ich mich viel wohler gefühlt, als unter dem ollen Dalai!

Ergänzung im November 2008: Juhu, Mao is back!

Lützowplatz 7, 10785 Berlin-Tiergarten
www.baramluetzowplatz.com/