Sling Irrtum

Der Singapore Sling gehört zu den Drinks, die ich sehr schätze und der mit unglaublich schönen Erinnerungen verbunden ist. Eine Zigarre und einen Singapore Sling in der Writers Bar im Raffles Hotel in Singapore zu mir zu nehmen, zählt zu den unvergesslichsten Barmomenten, die meine Erdumtrinkung bislang hervorbrachte.

An jene koloniale Zeitreise dachte ich wohl, als ich im August munter durch Hamburg spazierte und entlang der Innenalster in ein fröhliches Volksfest geriet. Bunt ging es zu: Lustige Bekleidung der Besucher, Bierstände, fragwürdige Caipirinha-Wägelchen. Ein verwirrender Regenbogen der Lebensfreude.

Cocktailgenüsse und Abgründe der Trinkkultur der Elbmetropole lagen noch vor und bereits hinter mir. Derart getränketechnisch fixiert, fiel mein Blick auf einen Stand, der bereits aus der Ferne deutlich sichtbar den vermeintlich Durstigen lockte: „Sling King“, da werde ich bestimmt einen Gin Sling, einen Highland Sling oder die diversen Varianten des Singapore Sling geboten bekommen. Werden sie ihn dort mit Ananassaft oder mit Soda zubereiten? Eine Frage, auf die keine Antwort gegeben werden sollte.

Allmählich lichtete sich der Nebel meiner Wahrnehmung. Das Fest entpuppte sich als Christopher Street Day. Beim näher kommen, stellte sich der Sling King nicht als König des Singapore Sling heraus, sondern als Händler interessanter Vorrichtungen für eine andere Form der abendlichen Geselligkeit. Statt stählernem Shaker, kristallenem Glas und eiskaltem Trank, bot man eiserne Halskrausen, lederne Riemen und hitzige Gemüter.

Ich möchte hier dann doch lieber nichts trinken...

Ich möchte hier dann doch lieber nichts trinken...

Cockwear statt Cocktail. Kann ja mal vorkommen…

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Luba Luft (Hamburg)

Wahrscheinlich habe ich einfach nur Pech gehabt. Einen blöden Abend erwischt. Einen miesen Augenblick abbekommen. Doofes Karma.

Cocktails? Irgendwie waren wir nicht willkommen an jenem sommerlichen Samstagabend. Dabei waren in unserer Runde weder abstruse Androiden, noch renitente Replikanten, ein Blade Runner war gar nicht nötig. Ein Kellner hätte gereicht.

Zu dem genialen Film Blade Runner gibt es eine Romanvorlage namens „Do Androids dream of electric Sheep?“ Darin kommt eine Operndiva namens Luba Luft vor, die vom Jäger in den „Ruhestand“ versetzt wird. Etwas divenhaftes hatte der Service durchaus, der uns 20 Minuten nicht beachtete. Ruhestand? Gut, es waren auch drei Tische besetzt und am Tresen plauderten zwei Kumpels der Barbesatzung eindringlich auf selbige ein. Da mag der Überblick schon einmal verloren gehen. Oder die Lust auf weitere Gäste. Nur: Wir hatten ein gleich-Geburtstagskind dabei, daher sollte irgend etwas trinkbares um Mitternacht zur Verfügung stehen. Als ich am Tresen aufschlug, um die Getränke-Entwicklung zu beschleunigen, wurde mir erläutert, dass es hier üblich wäre, am Tresen zu bestellen! Während ich darob zögerlich synapse, dass es ja dann gar nicht verkehrt ist, just am Tresen zu stehen, erklärt mir ein unwilliger Getränkebringer, es wäre schon okay, er würde gleich zu uns kommen. Renitent verhindere ich selbiges und Weiterlesen

Jahreszeiten Bar (Hamburg)

Bartechnisch gesehen bin ich ein gewaltiger Unglücksrabe wenn es um Cocktails in Hamburg geht. Warum nur? Warum?

Es kann doch nicht nur im Le Lion erstklassige Barkultur in der Hansestadt geben. Sollte dies der Beginn (m)einer Bar-Pechvogel Serie werden? Mal sehen.

Das erste Pech an jenem Sonntag bestand darin, dass der vielgerühmte Barmeister, Herr Santo Pupillo, selbstverständlich nicht hinter der Bar stand. Stattdessen hütete den Tresen ein selbstbewusster Ersatzmann und verkündete auf die Frage, ob man auch einen Sazerac bekommen könnte: „Selbstverständlich können wir Ihnen hier jeden Cocktail zubereiten.“

Wunderschöne Bar-Kajüte

Wunderschöne Bar-Kajüte

Während er sich auf die Suche nach der Rezeptur machte, hatten wir reichlich Gelegenheit, die wunderschöne kleine Bar zu betrachten. Es ist, als wäre man in der Kapitänskajüte zu Gast. Ein wenig schmal, ein wenig eng, mit Blick zum Heck heraus aufs Meer (in diesem Fall die Binnenalster). Eine  gewendelte Treppe führt aufwärts in einen maisonetten oberen Sitzbereich. Dunkles Holz und elegante Ledermöbelierung ergänzen den exklusiven Charkter, den uns auch der Barmann vermitteln möchte, der in der Zwischenzeit das Sazerac-Rezept nicht gefunden hat. Immerhin ist es ihm sichtlich unangenehm.

Der Drink meiner Wahl wird ein alter Bourbon-Klassiker, die Kentucky Maid, mit Minze, Lime und Gurke. Gefällt mir. Sollte er aber auch für 13,50. Der Side Car meiner wundervollen Begleiterin kann nicht recht überzeugen und lässt die rechte Ausgewogenheit durch übermäßigen Einsatz der Zitrone vermissen. Bei 12,- Euro ist Drink wie auch Stimmung säuerlich geprägt.

In der klassisch nach meinem Geschmack geprägten Cocktail-Karte sticht

Bestimmt lauern hier auch die Zutaten für einen Sazerac

Bestimmt lauern hier auch die Zutaten für einen Sazerac

preislich einer meiner Lieblingsdrinks hervor. Für den Prince of Wales gilt es, 30 Euronen hervorzukramen. Meine Vermutung, das hierfür die Verwendung edelster Jahrgangsabfüllungen von Krug Champagner und ein Kelt XO Cognac verantwortlich zeichnen, irrtumte. Nein, vielmehr wurden neue Silberbecher angeschafft für deren Investition nun die ständigen Besteller (nach Aussage des Barmannes sogar sehr gerne) berappen müssen. Sehr verwirrende Kalkulation. Seither schaue ich immer in die Karte. Eine lustvolle spontane Bestellung könnte teuerst werden, wenn derartige Barfinanzierungsmodelle Schule machen.

Höre ich da ein HH-Haha? Frechheit!

Jahreszeiten Bar im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten
Neuer Jungfernstieg 9 – 14, 20354 Hamburg

www.hvj.de/de/jahreszeitenbar.php

Saliba (Hamburg)

1001 Linse liegt von Rosenblättern umrahmt hübsch dekorativ auf dem
DSC00617

Tisch, auf den man trotz Reservierung und gewaltigem Hunger auf die feine Küche Syriens noch einige Zeit warten darf.
Im Vorraum nimmt der Gast zunächst auf Kissen platz, der obligatorische Tee ist eine angenehme Willkommensgeste. Weiter warten…das Glas Schaumwein ist eine berechtigte Entschuldigungsgeste.

Der Laden brummt. Das Volk strömt. Anzüge, Pradatrittchen, Birkenstock. Alle sind gekommen. Alle wollen Mazza. Alles weitere wird in kauf

Schälchen-Vielfalt

Schälchen-Vielfalt

genommen. Der Verzehr eines Menüs ist quasi Pflicht.

Der Hallencharakter der Räumlichkeiten ist eigentlich sehr authentisch wenn man Syrien und Libanon kennt. Ein wenig Styling gibts obendrauf.
Und die Küche ist auch authentisch. Eine leckere aromatische Vielfalt kitzelt den Gaumen, betört das Auge.
Der Service ist freundlich-routiniert, ohne herzlich zu sein. Ist der Laden voll, wird mit großem Brimborium der Mocca eingegossen. Ist der Laden leer, wird der Wein falsch erklärt und ein Wasser vergessen (das war verzeihlich, da die Flasche Wasser mit unverschämten 7,00 Euro berechnet wird).

Der Süße Abschluß

Der Süße Abschluß

Mocca wird nun nicht mehr angeboten. Die Flasche libanesischer Wein war mit 37,- Euro auch originell im Geschmack und im Preis.
Das Menü “Best of Saliba” mit 39,50 völlig fair. An dieser Stelle formuliere ich die spektakuläre und absolut neue Vermutung, dass die Gastronomie in Deutschland sich über die Getränkepreise finanziert.

Das Saliba hat eine sehr gute Küche. Ich fürchte, es hat zu wenig Herz. Ab dem zweiten Besuch ist die Gefahr gegeben, nicht mehr ganz so begeistert zu sein.

http://www.saliba.de/

Leverkusenstraße 54, 22761 Hamburg

Aqua (Wolfsburg)

Aqua ist Wasser, Wasser ist Leben, Leben wird durch Essen erst schön. Allerdings auch durch angemessenes Trinken!

Eichi braucht einen Aqua-vit, Schnaps hilft über die schlimmsten Momente des Lebens hinweg (sagt Hemingway). Schlimm war….nein: nicht die Rechnung und vor allem auch nicht das Essen. Es war der Weinbringer, den ich nicht Sommelier nennen möchte.

Ich möchte mich vorab beim Küchenchef Sven Elverfeld und bei dem sehr freundlichen Sericepersonal, allen voran dem sympathischen, aufmerksamen und aufgeweckten Jimmy Ledemazel, entschuldigen: Ich kann das Aqua nicht angemessen loben, denn der Weinbringer hat mir alles verdorben.

Es sollte mein erstes drei-Sterne-Menü werden. Die DSC02330Vorfreude war groß, einen Tag Wolfsburg nimmt man in kauf. Autos finde ich tatsächlich nur mäßig interessant.

Der Raum ist fein akzentuiert: Unterschiedlich farbige Stühle, schöne Gläser und extravagante Dekorationsimpulse, ergänzt durch schlicht-moderne Licht-Effekte.

Zum ersten Probieren kam ein Wein zum erraten werden in schwarzen Gläsern. Wir haben uns gar nicht so dumm angestellt. Die Auflösung: „Ein 100%-iger Cuveé;“ was denn sonst? Ein 75%-iges Cuveé verkostet man selten….

Das Essen war phänomenal. Kreativität, Ästhetik, Geschmack – inspirierend, bravourös, genial. Angefangen bei den legendären Knusperillos in eigens angefertigten Glasgefäßen, dann kam der Orkney Lachs in Kohlrabi mit süß-saurem Rhabarber. Dann die Rochenflügel in Pekanusskrokant mit Spitzmorcheln an Kopfsalatmousse und -vinaigrette. Zum Champagner-Cremesorbet vom Grand Vintage Rosé 2000 von Moet-Chandon hätte man allerdings ruhig ein Glas des Elixiers begleitend reichen können. Weiterlesen

Anan Japanische Nudelbar (Wolfsburg)

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Vermutlich kommen nur wenige Besucher der Wolfsburger Autostadt zum Essen hierher. Einer davon war ich.DSC02288

Dennoch ist der Anblick von kompletten Großfamilien auf dem Pilgerpfad zum gläsernen Autoturm bemerkenswert. Dort starren alle gebannt in die Höhe, wenn der Passat Kombi herabgestapelt wird.

Verzückt lauschen 600-PS-Tagträumer der Soundshow bei Lamborghini.Merkwürdig, das.

Zu diesem Sekten-Campus passt die futuristische Ausstattung in der famosen japanischen Nudelbar Anan.DSC02282

Ein reelles Stück Japan macht die Freunde der Udon-, Ramen- oder Soba-Nudeln glücklich.

Irgendwie werden wir hier alle zu mampfend mahlzeitenden Manga-Männchen.

Köstlich und frisch wurde der Spinatsalat zu 4.- Euro serviert und auch die gebratenen Gyoza Teigtaschen mit verschiedenen Dips zu 6,50 haben gemundet und machten Lust auf mehr. Die Udon Nudeln waren ganz frisch für uns hergerichtet und in der Suppe mit Gemüse und feiner Brühe in Geschirr serviert, welches mit dem lustigen Logo des Hauses verziert ist, einem glücklich schlürfenden Gesicht, das halb in der Suppenschale verschwindet.
Dazu gab es herrliche Tempura von Garnele und Gemüsen. Das alles zu fairen 13,- Euronen.

DSC02284Die Getränkekarte bietet japanisches Bier, zahlreiche Teesorten und reichlich Wein. Bei dem Wein merkt man, dass es sich um ein Haus der Mövenpick Gruppe handelt, welche die Autostadt kulinarisch fast ausnahmslos im Griff hat (Ausnahme ist das Ritz-Carlton Hotel mit seinen Bars und Restaurants).DSC02285
Ich trank eisgekühltes Calpico, ein erfrischendes, typisch japanisches Getränk auf Milchbasis.

Im Raum dominiert die Farbe/Nichtfarbe Weiß, dazu ist vieles sehr kunststoffig, was in die Gesamtatmosphäre passt. Einige Bereiche sind durch bunte Plastikabteile separiert, die wie Duschvorhänge wirken. Im Außenbereich speist der Gast unter seltsamen ufoartigen Schirmen, aber im Inneren ist es empfehlenswerter, wenn man einen Blick in die offenen Küche werfen möchte.

Im Eingangsbereich dürfen die Gerichte in Kunststoffsimulationen begutachtet werden, daneben steht ein Automat, DSC02286der japanische Knabbereien, Getränke, Schokoladen und auch Calpico bereit hält.

Die Küche ist extrem frisch, schmackhaft und abwechslungsreich.
Nur: Nach dem Verlasen des Restaurants muss dringend jemand mit dem Finger schnippen, um die kulinarische japanische Hypnose zu beenden, damit man sich wieder in der Wirklichkeit der schönen, neuen, sterilen Autostadtwelt wiederfindet.

Autostadt, 38440 Wolfsburg

Anan im NetzDSC02283

Le Lion (Hamburg)

Glückliches Hamburg!
Eine solche Bar ist in der Hansestadt nicht ohne weiteres zu finden.
Eleganz und Stil strahlt das Interieur und das Lichtdesign aus, und – eine entsprechende Bepreisung der Getränke ist dabei unvermeidlich.
Schon beim betreten wird deutlich: wer billiges Trinkvergnügen aus bunten Eimern mit Schirmchen darauf sucht, sucht hier vergebens. Man stelle sich Herrn Meyer vor, wie er eine Polonaise durch diese Räumlichkeiten anführt.
Nein, nein, gedämpfte Stimmen, dezente Beschallung, aufrechter Gang, ohne dass die Nase ganz weit oben ist.

Die Karte ist klein gehalten, soll aber eben zur Beratung animieren. Die Beratung ist hervorragend. Einige Stichworte zum aktuellen Geschmacksbedürfnis genügen, schon wird aus einer Idee der Tresenhüter ein stimmiges Ergebnis im Glas. Dazu wird selbstverständlich Wasser gereicht und, bei Bedarf und Interesse, reichhaltiges Wissen aus Cocktailkultur und Bargeschichte.

Das Ambiente ist sicherlich Geschmackssache. Dunkle, schwere Farben und Materialien. Das kann schon erdrückend wirken, vor allem, wenn erst wenige Gäste zugegen sind. Besser gute Gesellschaft mitbringen.

Armes Hamburg!
Sehr bedauerlich, dass das Angebot an High-End Cocktail Bars doch recht überschaubar ist. Wer will schon lauwarm angerührte Plörre auf klebrigen Böden zu sich nehmen.
So ist es unvermeidlich, dass wichtige europäische Barveranstaltungen eben nicht hier, sondern in London, Berlin und Bratislava statt finden. Vielleicht ändert sich das ja bald. Das Le Lion ist ein großer Schritt dahin.

Rathausstraße 3, 20095 Hamburg

http://www.lelion.net/