BaoAh.Berlin – Taiwanesisch in der City-West

SAM_1117Ein wenig versteckt liegt es schon, das BaohAh. Aber der Weg in die Seitenstraße des Kurfürstendamms, nicht weit vom Adenauerplatz, lohnt sich allema(h)l. Ein freundliches, modern inszeneiertes asiatisches Lokal, frei von jedem Folklore-Kitsch, erwartet den Gast. Graugrüne Wände mit hübschen Tupfern aus Gold und Holz. Man nimmt Platz auf bequemen Ledersitzen und begutachtet die Wandbilder, die schlichte Schalen, Stäbchen und Löffel inszenieren. Grünpflanzen und Spiegel ergänzen das angenehme Raumgefühl.

Der Service ist sehr freundlich und bringt ein Tablet (also – digital) herbei, in dem Fotos der Speisen angesehen werden können, was die Auswahl erleichtert und zuleich erschwert, denn die Gerichte Weiterlesen

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Doping, wie ich es mag

Die Tour de France. Land der Gourmets, Sport der Blutbeutel. Von Jahr zu Jahr schaue ich es mir weniger an. Vielleicht würde ich es gar nicht mehr anschauen, gäbe es nicht Jens Voigt, den sympathischen Kämpfer, engagierten Teamstreiter und liebevollen Papa.

Gleich nach dem Ende der 12. Etappe, die ein Spanier vor einem Spanier gewann, zeigte das ZDF einen sehr netten Bericht über das diesjährige Küchenkonzept vom Team Saxo Bank, dem Jens Voigt angehört und das vom ewigen Recken Bjarne Riis geleitet wird.

Das Team hat einen Küchen Truck dabei, in dem Mahlzeiten für die Fahrer bereitet werden, die weit über die klassische Pasta-Reis-Bananen Verpflegung für Sportler hinaus gehen.

Der dänische Spitzenkoch Thorsten Schmidt bereitet für die Saxoradler abwechslungsreiche Speisen zu. Riis hat erkannt, dass gutes Essen deutlich zur Moral der Truppe und zu positiver Energie beitragen kann.

Der Gewinner einer Etappe darf sich ein Essen wünschen. Andy Schleck hat sich Weiterlesen

Julie Powell: Julie & Julia

Dinner und Desaster. Butter und Blog. Und: Wodka Gimlet!

365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche, lautet der Untertitel zu dem wundervollen Buch, welches eher zufällig in meine Hände geriet, als über den gleichnamigen Film viele schmunzelten oder gähnten. Der Film klang nach Bridget Jones und ähnlichem Selbstverwirklichungs-Kram von Frauen um die 30. Nix für mich, dachte ich. Freunde waren anderer Meinung, schließlich würde es um Essen und Kochen gehen. So war ich denn zur Lektüre verdonnert.

Julie & Julia

Julie & Julia

Und tatsächlich geht es los mit den Gebärgedanken verwelkender Endzwanzigerinnen. Ich nehme mir vor, bis Seite 50 durchzuhalten und dann gegebenenfalls das Buch bei Nichtgefallen einer der gebärinteressierten Endreissigerinnen in meinem Bekanntenkreis zu überlassen. Ich habe Glück. Auf Seite 49 merke ich, ich werde das Buch zu Ende lesen.

Nun startet das „Julie/Julia Projekt“, in dem Julie Powell  den Kampf mit dem Kochbuch Mastering the Art of French Cooking(Vol. 1) von Julia Child aufnimmt, um innerhalb eines Jahres alle 524 Rezepte nachzumachen und auszuprobieren. Das Experiment wird von einer Berichterstattung in Form eines Blog begleitet, was Anno 2002 noch keineswegs eine derartige Selbstverständlichkeit darstellt, wie es heutzutage der Fall ist.

So bietet das Buch auf vielfältige Art und Weise Unterhaltung. 1. Berichte über erste unbeholfene Schritte aus den Anfangstagen des bloggens. 2. Pleiten, Pech und Perfektes im Umgang mit Weiterlesen

Paris Moskau (Tiergarten)

Achtung, Hilfe, Feuerwehr! Die 112 hat gerufen. Nein, nicht die schon wieder. Wo brennt´s? Was mögen sie jetzt wieder wollen?

Auf meiner Rechnung vom Besuch im Restaurant Paris-Moskau steht: TischDSC03296 112. Ich könnte es nun dem Betreiber nicht vorwerfen, wenn dies eine Codierung wäre für: Obacht! Mega-anstrengende Gäste.

Nein, liebes Service-Personal, wir haben es euch nicht leicht gemacht an jenem Dienstag Mittag, Ende August. Ein verdammt heißer Tag, an dem eigentlich niemand gerne den kühlenden Schatten verlassen mag. Und dann kommen diese Gäste auf die Terrasse spaziert. Kommen kurz vor Ende der Mittagsverpflegungszeit, wollen jeden Wein kritisch verkosten, sind gegen jede Wespe phobisch, wollen spontan noch einen Zwischengang, mögen keinerlei Zitrone im Dessert…und….und…..und.

DSC03286Hungrig und übellaunig kamen wir daher. Es war mein Geburtstag. Ursprünglich wollten wir (gegen den Willen meiner kulinarischen Kumpanin) einkehren im milden Westen der Stadt, nahe dem Hubertussee, wo sich die teuren Tennisclubs anspruchsvoll bekochen lassen.

Dort hing zwar Ruinart-Reklame, die Tische der Terrasse waren aber seit geraumer Zeit nicht mehr von einem Abräumer aufgesucht worden.  Klebrig und schmutzig, statt einladend und appetitlich. Bloß weg!

Wohin? Na denn, hat nicht das Paris-Moskau auch eine nette Terrasse zum vergnüglichen draußen sitzen? Paris-Moskau. Geht das etwas genauer? Ja! An der Straße Alt-Moabit. Zwischen Knast und Kanzleramt.

So kam´s. Bestellung: Wasser!! Und: Das 4-Gang-Überraschungsmenü zu 36.- Euro. Was jetzt folgte war überraschend, genial, glücklich machend. Weiterlesen

Anan Japanische Nudelbar (Wolfsburg)

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Vermutlich kommen nur wenige Besucher der Wolfsburger Autostadt zum Essen hierher. Einer davon war ich.DSC02288

Dennoch ist der Anblick von kompletten Großfamilien auf dem Pilgerpfad zum gläsernen Autoturm bemerkenswert. Dort starren alle gebannt in die Höhe, wenn der Passat Kombi herabgestapelt wird.

Verzückt lauschen 600-PS-Tagträumer der Soundshow bei Lamborghini.Merkwürdig, das.

Zu diesem Sekten-Campus passt die futuristische Ausstattung in der famosen japanischen Nudelbar Anan.DSC02282

Ein reelles Stück Japan macht die Freunde der Udon-, Ramen- oder Soba-Nudeln glücklich.

Irgendwie werden wir hier alle zu mampfend mahlzeitenden Manga-Männchen.

Köstlich und frisch wurde der Spinatsalat zu 4.- Euro serviert und auch die gebratenen Gyoza Teigtaschen mit verschiedenen Dips zu 6,50 haben gemundet und machten Lust auf mehr. Die Udon Nudeln waren ganz frisch für uns hergerichtet und in der Suppe mit Gemüse und feiner Brühe in Geschirr serviert, welches mit dem lustigen Logo des Hauses verziert ist, einem glücklich schlürfenden Gesicht, das halb in der Suppenschale verschwindet.
Dazu gab es herrliche Tempura von Garnele und Gemüsen. Das alles zu fairen 13,- Euronen.

DSC02284Die Getränkekarte bietet japanisches Bier, zahlreiche Teesorten und reichlich Wein. Bei dem Wein merkt man, dass es sich um ein Haus der Mövenpick Gruppe handelt, welche die Autostadt kulinarisch fast ausnahmslos im Griff hat (Ausnahme ist das Ritz-Carlton Hotel mit seinen Bars und Restaurants).DSC02285
Ich trank eisgekühltes Calpico, ein erfrischendes, typisch japanisches Getränk auf Milchbasis.

Im Raum dominiert die Farbe/Nichtfarbe Weiß, dazu ist vieles sehr kunststoffig, was in die Gesamtatmosphäre passt. Einige Bereiche sind durch bunte Plastikabteile separiert, die wie Duschvorhänge wirken. Im Außenbereich speist der Gast unter seltsamen ufoartigen Schirmen, aber im Inneren ist es empfehlenswerter, wenn man einen Blick in die offenen Küche werfen möchte.

Im Eingangsbereich dürfen die Gerichte in Kunststoffsimulationen begutachtet werden, daneben steht ein Automat, DSC02286der japanische Knabbereien, Getränke, Schokoladen und auch Calpico bereit hält.

Die Küche ist extrem frisch, schmackhaft und abwechslungsreich.
Nur: Nach dem Verlasen des Restaurants muss dringend jemand mit dem Finger schnippen, um die kulinarische japanische Hypnose zu beenden, damit man sich wieder in der Wirklichkeit der schönen, neuen, sterilen Autostadtwelt wiederfindet.

Autostadt, 38440 Wolfsburg

Anan im NetzDSC02283