Tuk-Tuk (Schöneberg)

Ein Outing: Ich bin süchtig nach der Erdnuss-Sosse im Tuk-Tuk. Es ist daher höchst löblich, dass dieses lustige kleine Lokal, dekoriert im Stile eines Balinesischen Dorfes durch mehrere Räume hindurch, variantenreiche dsc01272Reistafeln anbietet. Ansonsten würde ich vermutlich nie auch die anderen Köstlichkeiten der indonesischen Küche verkosten können.

Seit stolzen 25 Jahren betreibt eine herzliche Wirtsfamilie am Schöneberger Kleistpark diese Stätte des Saté-Segens. Wie ein Kurz-Urlaub auf Java oder Bali (naja, vielleicht nicht ganz…) zu den Gamelan-Klängen, die über den Bambus-Dekorationen wabern.

Die Raumaufteilung ist geschickt gelöst und ermöglicht eine nette und intime Atmosphäre in kleiner Runde hier, genauso wie eine große Tafel für eine größere Gruppe dort. Weiterlesen

Brunch des Restaurant Quarré im Hotel Adlon (Mitte)

Mit ziemlich hoher Wahrscheinlich der beste Sonntags-Brunch der Stadt.

Für Berliner ist der Pariser Platz an einem Sonntag Mittag kein attraktiver Ort des Verweilens, wenn Horden von Besuchern am Brandenburger Tor vorbei ziehen, um sich dann mit dem üblichen touristischen Firlefanz (wie „El Condor Pasa“-Kapellen, den Pferdeäpfeln der bemitleidenswerten Kutschgäule, oder ganzkörpergeschminkten Vopos für Fotos) konfrontiert zu sehen.

Daher schnell über den Platz gehuscht und hinein ins Restaurant Quarré im Adlon, wo sonntäglich von 12 bis 15 Uhr eine Vorstufe zum Schlaraffenland präsentiert wird.
dsc02102Von Austern über das Rinderentrecôte zum Schokoladebrunnen, vom in Paprika gebeizten Lachs über die Fischessenz mit Zitronengras zur Crèpe-Station, wo der vielbeschäftigte Bäcker 1001e Variation bereitet.

Der Preis des Vergnügens beträgt 68.- Euro inklusive eines Glases Geldermann Sekt. Kaffee, Säfte und Wasser sind darin enthalten.
Das ist der gleiche Preis, wie beim derzeit härtesten Konkurrenten für den Sonntagsbrunch, der Brasserie Desbrosses im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz.
Wer hat die Nase vorn? Das ist nicht leicht zu entscheiden. Nach meinem dsc02111Dafürhalten ist Auswahl und vor allem die überragende Qualität der Speisen im Quarré einen Hauch interessanter, der Service im Ritz-Carlton bleibt phänomenal und umsorgt perfekt. Da ist im Adlon in Sachen Aufmerksamkeit und Souveränität noch ein wenig Luft nach oben.

(Natürlich nur bei diesem ungerechten Vergleich. Wo in der Welt wird man traumhafter behandelt, als in einem Ritz-Carlton?)

Wer Champagner all-you-can-drink möchte, muss 98.- Euro kalkulieren.

Die Auswahl der Speisen ist phänomenal. Weiterlesen

Les Copains (Charlottenburg)

Ich hasse Restaurants mit fantastischen Flaschenweinen und unsäglichen offenen Weinen. So, das musste einmal gesagt werden. „Die Kameraden“ machen es auch nicht wesentlich besser. (Der offene Picpoul ist bäh!)

dsc02153Dieses Restaurant zu kategorisieren ist nicht einfach, denn man ist mehrfach. Französisches Restaurant im gehobenen Preissegment, Tresensitzbereich unter der hochstaplerischen Bezeichnung „Bar Americain“ und gemütliche Raucherlounge im Obergeschoss. Was denn jetzt?

Ich mag den Gastraum mit seinen nackten Backsteinwänden und den Bildern, die auf leichte Art Bezug zur typisch französischen Brasserie nehmen. Die Servietten sind sehr genial gefaltet. Converse-beschuht schlurft eine dürre Servicekraft daher und nimmt unsere Wünsche entgegen, ohne überzeugend zu beraten.
Egal, die Tageskarte besticht durch fischlastige Kreationen – her damit. Keine Enttäuschung. Die Küche ist sehr, sehr gut. Weiterlesen

Reinstoff (Mitte)

Diese Neueröffnung hat mich doch tatsächlich komplett vom Hocker gerissen.

Frische regionale Zutaten werden mit modernen Küchentechniken kreativ, ungewöhnlich, hochinspiriert und bildhübsch auf den Teller des Gastes gebracht. Flankiert von klasse Bestecken.

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Bis hierhin habe ich den Begriff „Molekular“ vermieden.

Warum eigentlich? Nur weil angegraute und angestaubte Topfexperten der 1970er Jahre abwehrend die träge gewordenen Hände und Köpfe schütteln? Meilenweit hinkt Deutschland den internationalen Küchenentwicklungen hinterher, die neugierig, spielerisch und phantasievoll mit den Verfahren hantieren, welche Ferran Adria zum besten Koch der Welt gemacht haben.

Im Reinstoff besitzt die junge Truppe den nötigen Mut.

Durchhaltevermögen hat man bereits bewiesen, indem man als Sieger aus dem Businessplan- wettbewerb hervorgegangen ist. (Aber nichtmal das wird bei Finanzierungsgesprächen mit Banken ein Trumpf gewesen sein, wenn mich meine Erfahrung als Selbstständiger nicht trügt.)

Das Konzept der Speisekarte ist zweischneidig. „ganz nah“ oder „weiter draußen“ ist die primäre Entscheidung, die der Kunde zu treffen hat, je nach experimenteller Neugierde. Weiterlesen

Mamay (Prenzlauer Berg)

„Essen ist Frieden“ ist eines der Zitate, von denen sich mehrere an den ansonsten schlichten Wänden lesen lassen.

Das Innendesign mit seiner peppigen Schlichtheit ist das bemerkenswerteste im Mamay. Rote Elemente vor hellgrau-weißem Hintergrund mit wenigen pflanzlichen Dekorationsmomenten wirken wohlüberlegt und zurückhaltend schick. An der Decke hängen spielerisch Glaskugeln in Pustefix-Optik.

dsc02146Der Service ist auf hilflose Weise niedlich. Leider kann man uns gerade keine Karte geben, da die Horden der internationalen Touristen sie derzeit okkupieren. Wenn die Schweden durch sind werden erst die Kanadier bestellen und mit etwas Glück reichen die Spanier die Karten dann rasch an die Dänen weiter. Glückwunsch, der Laden brummt!

Eine winzige Tresenmamsell ist bemüht, uns zumindest die Getränkeauswahl vorzutragen. Leider dringt Weiterlesen

Es gibt auch Wein in Berlin!

Anders als auf Hawaii, gibt es Bier zuhauf in Berlin. Bei Wein ist noch Aufklärungsbedarf. Eine hübsche Programm-Idee aus dem Theater im Palais am Festungsgraben, gleich hinter der neuen Wache.

Auf charmante, pointierte und musikalisch-gewitzte Weise führt das dreiköpfige Ensemble durch 800 Jahre Weinanbau und -konsum in Berlin. Liedgesang und kluge Zitate zum Thema erhellen die Besucher. Mal mit Wilhelm Busch: „Rotwein ist für alte Knaben, eine von den besten Gaben.“ dsc02143Oder Weinfreund Goethe wird öfters zu Rate gezogen. Von ihm stammt beispielsweise die kecke Bemerkung: „Ohne Wein und ohne Weiber, hol der Teufel uns´re Leiber.“ (Für die Dame am Klavier muss allerdings Bier bereitstehen, um die Arbeitsmotivation zu fördern.)

Amüsant, nachdenklich, witzig – kurzum facettenreich unterhält der Vortrag das Publikum in dem kleinen Kammertheater mit seinen 99 Plätzen. Natürlich darf auch die Praxis nicht fehlen, daher hat ein Winzer aus der Region einige Tropfen abgeladen, die getrunken werden sollen. Sechs Weine vom „Werderaner Wachtelberg“ können vor dem Stück und in der Pause verkostet werden. Ein Rosé aus der dsc02142Regent Traube ist dabei der schmackhafteste. Die angebotenen Roten sind ebenfalls recht nett, die Weißweine fallen unter die Variante der höflichen Verkostungsnotiz „interessant“. Sei´s drum. Der Abend macht Spaß. Für 28.- Euronen erhält man das Showprogramm, den Wein, unspektakulären Käse und extrem leckeres Brezelgebäck.

Die nächste Gelegenheit,  die Aufführung zu besuchen: Mittwoch 22.04.2009. Beginn um 20 Uhr.

http://www.theater-im-palais.de/

Shiro I Shiro (Mitte)

Die längste Tafel Berlins. Bis zu 56 Gäste können an der langen Tafel im „Weißen Schloß“ Platz nehmen und ungewöhnliche Kreationen mit asiatischem Einfluss probieren.

Leider nicht mehr lange. Wer den aufregenden Raum in klarem Weiß, mit Preußisch Blau gemischt, noch erleben möchte, hat nur noch bis Ende Mai 2009 dazu Gelegenheit.
Dann schließt das Schloss seine Pforten.

Schade. Doofe Wirtschaftskrise. Wieder ein optisch-kulinarisches Highlight weniger in Berlin.

Rosa-Luxemburg-Straße 11, 10178 Berlin-Mitte
http://www.shiroishiro.com