Take Five – Musik für den Gaumen bei Paco Pérez

Eine Bereicherung für alle Sinne und für Berlin: Das 5- Cinco by Paco Pérez im Hotel Das Stue in Tiergarten bereichert die wachsende Berliner Gourmetkultur auf ungewöhnliche und erfreuliche Weise. Unter der Patenschaft des spanischen Meisterkochs kocht das Team im Designhotel „Das Stue“ mit zeitgemäßer Kreativität und akkurater wie origineller Präsentation.

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Die Zahl Fünf bringt die Idee zum Ausdruck, das alle fünf Sinne im Rahmen eines Menüs angesprochen, stimuliert werden sollen. Auch der Raum trägt dazu bei. Glücklicherweise sind die Zeiten allmählich vorbei, in denen barocke Wandgemälde, schwere Vorhänge, womöglich mit Lilienmuster, und altbackene pseudo-royale Bestuhlung die Besucher der gehobenen Gastronomie umgibt. Modernes Design in Raum und Geschirr und professioneller Service, der mit angemessener Lockerheit auch mal einen Scherz über die Lippen bringt, so sieht zeitgemäßer, urbaner Genuss aus. Reinstoff, Facil, Restaurant Tim Raue oder Rutz Weinbar machen es vor. Glücklicherweise macht das Cinco mit.

Der Raum ist schön. Großzügig angelegt und doch intim, deutliche Lichtakzente und doch atmosphärisch abgedunkelt. Als zentraler Hingucker wirkt die kupferne Topf-Decke über der zentralen Tafel. Rings herum Weiterlesen

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Reinstoff (Mitte)

Diese Neueröffnung hat mich doch tatsächlich komplett vom Hocker gerissen.

Frische regionale Zutaten werden mit modernen Küchentechniken kreativ, ungewöhnlich, hochinspiriert und bildhübsch auf den Teller des Gastes gebracht. Flankiert von klasse Bestecken.

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Bis hierhin habe ich den Begriff „Molekular“ vermieden.

Warum eigentlich? Nur weil angegraute und angestaubte Topfexperten der 1970er Jahre abwehrend die träge gewordenen Hände und Köpfe schütteln? Meilenweit hinkt Deutschland den internationalen Küchenentwicklungen hinterher, die neugierig, spielerisch und phantasievoll mit den Verfahren hantieren, welche Ferran Adria zum besten Koch der Welt gemacht haben.

Im Reinstoff besitzt die junge Truppe den nötigen Mut.

Durchhaltevermögen hat man bereits bewiesen, indem man als Sieger aus dem Businessplan- wettbewerb hervorgegangen ist. (Aber nichtmal das wird bei Finanzierungsgesprächen mit Banken ein Trumpf gewesen sein, wenn mich meine Erfahrung als Selbstständiger nicht trügt.)

Das Konzept der Speisekarte ist zweischneidig. „ganz nah“ oder „weiter draußen“ ist die primäre Entscheidung, die der Kunde zu treffen hat, je nach experimenteller Neugierde. Weiterlesen

Ferran Adrià: Ein Tag im elBulli

Ein kleiner, agiler Mann mit schwarz-grauen Haaren betritt die Bühne und benötigt gerade einmal 30 Sekunden, um den ausverkauften Saal in seinen Bann zu ziehen.

dsc02035Es ist Ferran Adrià, der beste Koch der Welt aus dem besten Restaurant der Welt. So zumindest steht es auf dem Einband des Buches, welches hier präsentiert wird. „Ein Tag im elBulli“, dem Restaurant, das 2 Millionen Reservierungsanfragen im Jahr aus aller Welt erhält, aber nur 8.000 Plätze vergeben kann.

Es geht um eine kreative Art zu kochen, die unter dem Namen Molekularküche in Deutschland beliebtes Opfer von Häme und Spott ist. Überhebliche Kritiker und träge Küchenchefs verdammen sie nur allzu gerne, die Technik, die Kochzutaten verändert, verwandelt, manipuliert, um den Konsumenten zu verwirren und zu überraschen. Neugierige, kreative und experimentierfreudige Köche trauen sich kaum, den Begriff „Molekularküche“ zu verwenden, ihn gar auf die Karte zu schreiben. Dabei experimentieren so viele Restaurants weltweit mit den verschiedenen Techniken und bereichern somit ihr Angebot, ohne gleich ein Dogma daraus zu machen.

Wird es Ferran Adrià gelingen, die skeptischen Deutschen zu öffnen, sie neugierig zu machen? Gerade hier in Berlin, wo die kulinarische Tradition nach deftig, nach Fleisch und nach viel davon, verlangt. Weiterlesen