Golvet – Der Himmel über Berlin

Neue Gourmetfreuden am Landwehrkanal. Bye, bye, 40 Seconds Club – Willkommen Golvet Restaurant!

Einen Satz hörte man in den letzten Jahren immer wieder: „Dining ist das neue Clubbing!“ Und es stimmt. Zahlreiche Nachtschwärmer und Clubgänger der Jahrtausendwende  treffen sich nun wieder. Aber nicht auf der Tanzfläche, sondern in zeitgemäßen, stylischen Restaurants.

DSC00995Nun sollten sich die Berliner Gourmets eine neue (eigentlich ja alte) Adresse fest vormerken: das Golvet an der Potsdamer Straße. Die merwürdige Meile überraschte in den vergangenen Monaten immer wieder. Das Tagesspiegelgebäude wurde der Ausgangspunkt für Kunst und Mode und mit Restaurants, wie Panama, Sticks’n’Sushi oder Brasserie Lumière, hielt dort nun eine fortgeschrittene Genusskultur Einzug. Nach langen Jahren, in denen die Victoria Bar, die Maultaschenmanufaktur und die Joseph Roth Diele als einzige gastliche Hoffnungsschimmer zwischen einem zeitweise Insolventen Wintergarten und dem Kurfürstenstrich leuchteten.

Nun herrscht Aufbruchstimmung und der frühere 40 Seconds Club eröffnete jüngst als Gourmet-Restaurant mit Ausblick. Eins vorweg – lange hat mich Weiterlesen

Take Five – Musik für den Gaumen bei Paco Pérez

Eine Bereicherung für alle Sinne und für Berlin: Das 5- Cinco by Paco Pérez im Hotel Das Stue in Tiergarten bereichert die wachsende Berliner Gourmetkultur auf ungewöhnliche und erfreuliche Weise. Unter der Patenschaft des spanischen Meisterkochs kocht das Team im Designhotel „Das Stue“ mit zeitgemäßer Kreativität und akkurater wie origineller Präsentation.

P1150526

Die Zahl Fünf bringt die Idee zum Ausdruck, das alle fünf Sinne im Rahmen eines Menüs angesprochen, stimuliert werden sollen. Auch der Raum trägt dazu bei. Glücklicherweise sind die Zeiten allmählich vorbei, in denen barocke Wandgemälde, schwere Vorhänge, womöglich mit Lilienmuster, und altbackene pseudo-royale Bestuhlung die Besucher der gehobenen Gastronomie umgibt. Modernes Design in Raum und Geschirr und professioneller Service, der mit angemessener Lockerheit auch mal einen Scherz über die Lippen bringt, so sieht zeitgemäßer, urbaner Genuss aus. Reinstoff, Facil, Restaurant Tim Raue oder Rutz Weinbar machen es vor. Glücklicherweise macht das Cinco mit.

Der Raum ist schön. Großzügig angelegt und doch intim, deutliche Lichtakzente und doch atmosphärisch abgedunkelt. Als zentraler Hingucker wirkt die kupferne Topf-Decke über der zentralen Tafel. Rings herum Weiterlesen

Glück ist wieder einmal Facil

Unter den Spitzenrestaurants der Hauptstadt bleibt (neben Tim Raue) das Facil mein absoluter Favorit.

Diese Woche trat dieses Restaurant wieder einmal den Beweis dazu an, was auch nötig war, denn kürzlich wurde ich allen Ernstes abgewiesen. Unglück.

Meine Tätigkeit als Reiseleiter zwingt mich unfreiwillig dazu, mit Reisegruppen Lokalitäten aufzusuchen, die der Reiseveranstalter gebucht hat. Oft handelt es sich dabei um Orte der Abspeisung, nicht des Genusses. Manchmal nutze ich auf arrogante und snobistische Art und Weise die Mittagspause, um mich erlaubt/unerlaubt von der (Reise-)Truppe zu entfernen, um anderenorts eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen, was zuweilen durchaus eine gut belegte Stulle bedeuten kann. Neulich jedenfalls parkte ich meine Busladung in einem der mittelmäßig inspirierten Speiselokale unter dem Dach der Sony Kuppel am Potsdamer Platz, um mich flugs ins Daimler-Areal in mein Lieblingslokal Facil zu flüchten. Ernüchternd und frustrierend musste ich zur Kenntnis nehmen, dass selbiger Ort der kulinarischen Erfüllung ausgebucht war und kein Platz mehr für den Eichi frei blieb.

Unwirsch trabte ich von hinnen, um mich unauffällig wieder der Gruppe anzuschliessen und doch noch fade Putenbrust mit Wokgemüse zu konsumieren. Grimmig schwor ich, wiederzukommen und eine weitere Abweisung nicht gelten zu lassen.

Reservieren hilft. Ich erhielt den begehrten Einlass. Und zudem wieder ein famoses Mahl, an dem ich noch heute genussvoll erinnernd  nachschmecke. Hoffentlich bekommt Michael Kempf in diesem Jahr nicht den zweiten Michelin-Stern. In meinem Herzen (vielmehr an meinem Gaumen und in meinem Magen) hat er ihn bereits seit Längerem, nur, dann wird es noch schwieriger, einen Tisch zu ergattern.

Jedenfalls durfte ich in der vergangenen Woche wieder einkehren und stöhne noch jetzt lustvoll, zurückerinnernd an die Ver- und Umsorgung in den wundervollen, leicht-eleganten Räumlichkeiten in der fünften Etage des Mandala-Hotels. Jetzt aber zur Sache:

1. Eine Vorspeise von Spitzkohl, Kümmel und Sieglinde. Regional, saisonal, köstlich!

2. Letchorisotto mit Kalbshaxe, Fenchel und Calamaretti. Genial. Ein perfektes süsse-säure Spiel über den Paprika im Risotto. Eine aromatische Schwere der Haxe duelliert sich mit der Salzigkeit der Calamar, die auf den Punkt gegart sind. Ein Reiscrisp mit trockener Tintenfischaromatik rundet das ganze ab und bereichert das insgesamt verblüffend-köstliche Mundgefühl.

Weiter ging es mit Bauer Beutes Wollschweinbauch mit Weiterlesen

Heraus zum 1. Mai!

Pünktlich zum 1.6. muss ich doch noch berichten, was sich am 1.5. in den wilden Straßen der Hauptstadt zugetragen hat.

Niemand wird überrascht sein, nun von roten Fahnen, fordernden Parolen, markigen Worten und verwegenen Unzügen zu lesen. Dennoch trug es sich ein klein wenig anders zu, denn ausgerechnet zum 1. Mai rief das Team der Victoria Bar zum bewährten „Wandertag der Schule der Trunkenheit“, den ich glücklicher Weise auch in diesem Jahr wieder als Co-Moderator zum historischen Berlin begleiten durfte.

Zunächst die Fahne:

Wer trinkt, darf auch eine Fahne haben

Wer trinkt, darf auch eine Fahne haben

Unter der roten Fahne – eine Sonderanfertigung zum Wiegenfest des Webers – versammelte sich eine Schar wackerer Gesellen und Gesellinnen, um dem Tag der Arbeit den einen oder anderen Drink abzuringen. Genossen! wurden diese dann während der Wanderung.

Es galt demnach, Pfade des Nachtlebens damals, gestern und heute zu erkunden und Orte aufzusuchen, die Getränke-Geschichte schrieben, rührten und schüttelten. Teilweise im Geiste, teilweise real suchten wir sie heim: das Romanische Café, der Wartesaal des Genius, Das Café Größenwahn, die Kakadu Bar und das Eldorado. Mitsamt ihrer

Sherry Cobbler im Hof des Ellington

Sherry Cobbler im Hof des Ellington

legendären Gäste und bemerkenswerten Getränke. So durften wir im wunderschönen Hof des Ellington Hotels an das alte Ballhaus Femina erinnern.

Die fordernden Parolen richteten sich an unsere Barkeeper, die den nächsten Drink bereiteten, oder an die Gestalten der 1920er Jahre, wenn an Tisch 17 ein Eintänzer angefordert wurde. Das Lied „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ erinnert an diese Epoche und ein armer Wiener namens Samuel Wilder würde als Eintänzer einen Durchbruch erleben, der ihn später einmal unter dem Vornamen Billy unsterblich machen sollte.

Markige Worte aus den alten Revuen wurden rezitiert. So textete Friedrich Hollaender 1927: „Wir sitzen doof und ohne Portemonnaie; vor unseren leeren Gläsern im Stammcafé. Mittag von Punkt 12 Uhr; bis Abends um Punkt 12 Uhr…“

Der verwegene Umzug wurde gar von einer offiziellen Schülerlotsin begleitet.

Warteampel des Genius

Warteampel des Genius

Nur kurz wurde der Trupp der rotbefahnten von einer stattlichen Polizeikohorte umstellt, die sich wohl wunderte, wer dort über den Kudamm zieht und alkoholschwangere Reden schwingt, die von der Legende des heiligen Trinkers künden.

Am Ende waren die Trinker nicht heilig, aber dennoch mindestens selig!

Allerdings war meine Kampagne zur Wiederbelebung der Berliner Weisse, des Ur-Cocktails der Spreemetropole, wieder einmal mittelmäßig fehl geschlagen. Aufgemerkt: Im Herbst wandern wir wieder wunderbar wild. Wannmeldung? Wictoria wragen!

Zum ersten Mai selbstverständlich eine rote Weisse, Genossen!!

Zum ersten Mai selbstverständlich eine rote Weisse, Genossen!!

Bloggin´ on the Ritz

Umberto Eco beschreibt in seiner wunderbaren Geschichte: „Wie man mit einem Lachs verreist“, seine Schwierigkeiten in einem Londoner Luxushotel, in dem das Computersystem ständig zusammenbricht und zudem sprachliche Schwierigkeiten die Klärung seines Problems verhindern. („Ich verlangte einen Advokaten und man brachte mir eine Avocado.“)

Er war aus Stockholm angereist, wo er einen Räucherlachs erworben hatte, den er zum Zwecke der Kühlung in dem Minibar-Kühlschrank in seinem Hotelzimmer aufbewahren wollte. Den Getränke-Inhalt der Minibar hatte er zuvor in einen der Schränke geräumt. Täglich aufs Neue liegt, wenn er sein Zimmer wieder betritt, der Lachs oben auf dem Kühlschrank und die Minibar ist wieder üppig neu befüllt. Am Ende hat er laut Computer acht Liter Gin und mehrere Hektoliter Veuve Cliquot  vertilgt.

Folgerichtig bemühen sich Hotels, gegenüber Menschen die gerne schreiben, klar zustellen, dass ihnen vergleichbares Unbill nicht droht und sie getrost anreisen können. Ob mit Lachs oder ohne.

Am vergangenen Dienstag lud das Ritz-Carlton Berlin am Potsdamer Platz eine muntere Schar illustrer Berlin-Blogger ein, um entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten. Eine feine Idee. Drei Wochen zuvor war eine mysteriöse Einladung ergangen, in der verraten wurde, der geheimnisvolle Mister RC würde den Blog begeistert verfolgen und gerne die Verfasser zu einer exklusiven Hausführung laden.

Mister RC habe ich nicht kennen gelernt, dafür gaben andere charmante Damen und Herren den anwesenden Bloggern einige faszinierende und genussvolle Einblicke in das Tun und Treiben und die Philosophie des Hauses und suchten den Austausch mit den verschiedenen Berichterstattern der 2.0 Lektüren.

Ich halte es für einen klugen Gedanken, wenn Hotels oder auch andere Unternehmen den Kontakt mit Weiterlesen

Andere Zeiten, andere Besetzer

Das Lenné-Dreieck. Hier macht das Besetzen anscheinend am allermeisten Freude. Wer erinnert sich noch? Bis zum Juli 1988 war das Grundstück am Potsdamer Platz eines der merkwürdigen Areale, die auf der Westseite der Berliner Mauer lagen, aber zu Ostberlin gehörten.

Rare Spirituosen...

Die Polizei (West) durfte Gelände dieser Art nicht betreten, so hatte sich dort eine Zeltstadt mit einigen Hundert besetzenden Gestalten gegründet, die sich dem linksalternativen Kosmos zuordneten und fröhlich vermummt zu lauter Musik um brennende Mülltonnen tanzten. Im Sommer 1988 kaufte der Westen dem Osten ein gutes Dutzend derartiger Gelände für einen ansehnlichen zweistelligen Millionenbetrag (DM) ab.

Vier Hundertschaften der Polizei kamen angetrabt, um den Besetzern ihr Gewohnheitsrecht des Campierens streitig zu machen. Knapp zweihundert der seltsamen Bewohner kletterten daraufhin über die Mauer gen Osten, eine Fluchtrichtung, die bis dahin eher unter repräsentiert war. Die ex-Besetzer bekamen ein DDR-Frühstück serviert und ließen sich danach diskret über die Grenzübergänge in den Westen abschieben. (Meine Vermutung: Es lag am Kaffee. Frei nach dem Spruch: Jakobs ist die Krönung, Mokka Fix ist der Gipfel!) Die West-Schupos fanden die vermeintlich größte Ansammlung an gestohlenen Fahrrädern,

Schwaben sind derzeit gerne unwillkommen in Berlin, selbst auf dem Lenné-Dreieck...

die sich bis dato angesammelt hatte.

Die Zeiten ändern sich. Auf exakt jenem Gelände gibt es heute anstelle eines autonomen Zeltlagers, Edelherbergen à la Ritz-Carlton und Marriott; statt selbst gefangener Kaninchen über Lagerfeuer, werden feinste Austern und geniale Steaks serviert.

Besetzer gibt es immer noch, nur ein wenig anders. Nämlich ohne Vermummung und Irokesen-Frisur (würde jedoch auch nicht überraschen…). Einmal im Monat wird in diesem Jahr die Weiterlesen

Ring frei? Eben nicht!

Ein Spaziergang an einem sonnigen Tag in der Umgebung des Kulturforums. Womöglich hält der Flaneur einen stärkenden Kringel oder einen pappigen Donut in Händen, da stößt er auf der Potsdamer Brücke auf das passende Kunstwerk.

„Der Ring“ von Norbert Radermacher. Irgendwie mein Lieblingsobjekt in Berlin. Ich mag versteckte Details im öffentlichen Raum genauso gern, wie spannende kulinarische Momente auf meinem Teller.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Rahmen einer Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie 1985 montierte Norbert Radermacher einen bronzenen Ring in das Brückengeländer. Geheim und ohne Genehmigung, wie es seine Art ist. Das Geländer ist oben Weiterlesen