Weisse Hunde soll man nicht…trinken!?

Marlene Dietrich bezeichnete einmal ihre Schauspielerkollegin Tallulah Bankhead als „die unmoralischste Frau, die jemals gelebt hat“. Die letzten Worte der exzentrischen Dame lauteten: „Cordeine….Bourbon“.

Ich selbst hatte vor wenigen Tagen das außerordentliche Vergnügen, nicht einen letzten, sondern einen ersten Bourbon Whiskey zu probieren.

Der Wunsch nach Cocktails trieb mich wieder einmal in die Triobar, in der ich die illustre Schar der üblichen Verdächtigen wähnte, was sich als Irrtum herausstellte. So genoss ich das Privileg, mit Mr. Triobar plaudern, fachsimpeln und probieren zu dürfen. Einige interessante Neuheiten sowie köstliche Raritäten kamen dabei ins Glas.

Besonders spannend für mich war, erstmalig einen ungelagerten,jungen

Flüssiger Weisser Hund

Flüssiger Weisser Hund

Bourbon verkosten zu können, der niemals ein Holzfass von innen sah. „Less than one day old“ vermerkt ein Schriftzug.

White Dog nennt sich das junge Destillat, bevor es in die Eichenfässer wandert. In USA gelten Weiterlesen

Andere Zeiten, andere Besetzer

Das Lenné-Dreieck. Hier macht das Besetzen anscheinend am allermeisten Freude. Wer erinnert sich noch? Bis zum Juli 1988 war das Grundstück am Potsdamer Platz eines der merkwürdigen Areale, die auf der Westseite der Berliner Mauer lagen, aber zu Ostberlin gehörten.

Rare Spirituosen...

Die Polizei (West) durfte Gelände dieser Art nicht betreten, so hatte sich dort eine Zeltstadt mit einigen Hundert besetzenden Gestalten gegründet, die sich dem linksalternativen Kosmos zuordneten und fröhlich vermummt zu lauter Musik um brennende Mülltonnen tanzten. Im Sommer 1988 kaufte der Westen dem Osten ein gutes Dutzend derartiger Gelände für einen ansehnlichen zweistelligen Millionenbetrag (DM) ab.

Vier Hundertschaften der Polizei kamen angetrabt, um den Besetzern ihr Gewohnheitsrecht des Campierens streitig zu machen. Knapp zweihundert der seltsamen Bewohner kletterten daraufhin über die Mauer gen Osten, eine Fluchtrichtung, die bis dahin eher unter repräsentiert war. Die ex-Besetzer bekamen ein DDR-Frühstück serviert und ließen sich danach diskret über die Grenzübergänge in den Westen abschieben. (Meine Vermutung: Es lag am Kaffee. Frei nach dem Spruch: Jakobs ist die Krönung, Mokka Fix ist der Gipfel!) Die West-Schupos fanden die vermeintlich größte Ansammlung an gestohlenen Fahrrädern,

Schwaben sind derzeit gerne unwillkommen in Berlin, selbst auf dem Lenné-Dreieck...

die sich bis dato angesammelt hatte.

Die Zeiten ändern sich. Auf exakt jenem Gelände gibt es heute anstelle eines autonomen Zeltlagers, Edelherbergen à la Ritz-Carlton und Marriott; statt selbst gefangener Kaninchen über Lagerfeuer, werden feinste Austern und geniale Steaks serviert.

Besetzer gibt es immer noch, nur ein wenig anders. Nämlich ohne Vermummung und Irokesen-Frisur (würde jedoch auch nicht überraschen…). Einmal im Monat wird in diesem Jahr die Weiterlesen

Gin-Verkostung im Lebensstern

Es ist endlich wieder soweit – Der Bar Convent Berlin steht kurz bevor. Am 5. und 6. Oktober begegnet sich die internationale und geballte Kompetenz in Sachen Cocktails, Bars, Spirituosenkunde und Mixologenarchäologie in unserer Hauptstadt.

Wir werden shaken, schwatzen, schlürfen, schlucken, spekulieren, schimpfen, sachverständigen und scharfsinnen. Mit etwas Glück werden wir sogar S-Bahn fahren, um zum Postbahnhof am Ostbahnhof zu gelangen, der unsere schelmische Schenke der Schüttelkultur schlechthin sein soll.

Eichi - Ginial

Eichi - Ginial

Wie jedes Jahr wird es etliche bemerkenswerte Haupt- und Nebenschauplätze geben mit etlichen genialen Veranstaltungen in den famosen Bars der Hauptstadt. Zwei der spannendsten locken bereits am Vorabend des BCB. So dürfen wir am Sonntag endlich wieder einmal die unglaublichen Travelling Mixologistin der Stadt begrüssen. Zuvor jedoch geht es gegen 20 Uhr in den Lebensstern im Café Einstein an der Kurfürstenstraße, um dort in die Tiefen des Gin vorzudringen. Mit Phil Duff kommt eine der Koryphäen in Sachen Gin und Genever nach Berlin und wird gemeinsam mit Mike Meinke von der Berliner Triobar eine ungewöhnliche Verkostung moderieren.

Noch zwei gute Nachrichten: Zum Einen haben mir die Moderatoren freundlicherweise angeboten, auf diesem Wege noch die eine oder auch den anderen Gast einzuschleusen. Sollte sich jemand interessieren, an der Veranstaltung kostenfrei teilzunehmen, so bitte ich um Meldung. Die andere gute Nachricht: Danach ist noch Zeit und Gelegenheit weiter zu ziehen zu den Travelling Mixologists!

Und das gleichzeitig am E(r)ntedanktag und am Welttierschutztag. Der Eichi ist einverstanden. Wie meinte bereits Woody Allen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er auch einen Drink.“

In diesem Sinne.

Veranstaltungsort: Lebensstern

Genussreiches von der blauen Agave zu gewinnen

Tequila Time in der Triobar.

Wer schon immer irrtümlich vermutete, dass die Agave eine Kakteenart wäre, kann sich am kommenden Mittwoch, 16.09.2009 um19 Uhr, in der Triobar in Berlin aufklären lassen, dass es sich vielmehr um ein Lilien- und Amaryllisgewächs handelt.

Ich freue mich sehr auf diese Veranstaltung, bei der zwei Expertinnen und ein Experte den Tequila endlich aus dem ungerechtfertigten Spirituosen-Kerker befreien und beweisen werden, dass es da mehr zu entdecken gibt, als Zitrone-Salz-Ex-Spielchen. Mich selbst hat mein Besuch im De Cero in Chicago im vergangenen Jahr eines Besseren belehrt.

Für diese feine Verkostung habe ich die Freude, zwei Plätze für die geneigten Leser dieses Blogs verlosen zu dürfen.

Genauere Informationen zu dem Tequila-Termin erklärt uns Das Gastronom!

Hier nun das musikalische Preisrätsel. Unter den brillanten Antworten (bitte als Kommentar posten) werden die beiden freien Plätze dann völlig unberechenbar verlost.

Vor ca. 30 Jahren hat der Sänger Bobby Bare eine Geschichte gesungen, in der ein Outlaw seine Gespielin auffordert, ihm noch einen Tequila einzugiessen. „Pour me another Tequila,……….“ Wie heißt die Dame, die das Getränk aus schenken soll?

  • a) Sheila
  • b) Mary Lou
  • c) Ingeborg

Einsendungen bitte bis Dienstag, 15.09. um 22 Uhr, buena suerte!

Spiel mir das Lied vom Rum

Rum kommt von Rumbullion und bedeutet so viel wie Aufruhr, großer Tumult. So erklärt es Charles A. Coulombe in einem der wenigen Bücher zum Thema Melassegetränke: „Rum – The epic story of the drink that conquered the world.“

Aufruhr in Sachen Rum entfachte eine Begegnung Anfang August in der Reingold Bar. Nach dem Motto (bitte gestattet diesem Whisky-Trinker einen schottischen Ausrutscher): „Es kann nur einen geben“, spuckte ein Bacardi-Cowboy ein wenig neben den Napf. Der schnellste Schütze in den staubigen Strassen dieser Stadt kann nur eine Fledermaus am Sattel haben. Alle anderen sind jammervolle Pseudo-Pistoleros. Die Szene wurde eindrucksvoll beschrieben von Christina im Blog des Bartender Labor.

Ein Hut ging hoch, eine weitere Kopfbedeckung landete im Ring, ein dritter wurde mit einer Mischung aus Verlegenheit und Diplomatie vor der Brust gedreht. Der Bacardi-Bunch wollte es sich nicht verderben, mit den poor, lonesome bartendern, die in den rumantischen Sonnenuntergang shaken. Ein Sorry-Schreiben mit Duell-Potential kam mit der Brieftaube, ähh, Fledermaus daher: „Sehr geehrte……“

„…wir setzen das anderweitig fort…“ „Genau!“ dachten sich Zwei Glorreiche Halunken aus der Triobar um vom Rum-Club und ersannen ein Shootout. P8240025Möge der bessere Gewinnen! Wir verkosten die Glorreichen Sieben (eigentlich waren es acht) Rumsorten blind.

Yieeeh-haaw. Duell in Rum-Town. Rasch lud man the good, the bad and the pretty zu der Veranstaltung ein. Für eine handvoll Dollar wurden einige relevante weisse Rumsorten beschafft. Für ein paar Dollar mehr holte man auch noch Minze, Zitrone und Cola herbei.

Alle kamen sie: Sabata, Ringo, Django, Sartana, Icke. Bacardi eröffnete die Runde mit einem statement der Unschuld: „Mein Name ist Nobody, ich habe das alles nie so gemeint und wurde nur Missverstanden.“

Aber: Töte Amigo, meinten die Zwei Companeros. Eastwoodesque kaute einer einen Strohhalm und murmelte verächtlich: „Verdejo!“ Ein anderer zischte stoppelbartschwitzig: „Cartavio“ und spuckte den Kautabak in den Sand. Da 12 Uhr Mittags zeitlich wenig genehm erschien, traf sich eine 19er-Runde um 20 Uhr am Trio Bravo.

Von Angesicht zu Angesicht wurde gerochen, getestet, probiert und verschluckt.  Niemand wusste den Die Rechnung wird mit Blei bezahltInhalt der neutralen Flaschen. Was nippe ich hier eigentlich. Meine erfreut-motivierte Verkostungsnotiz à la „interessante getreidige Modrigkeit“ landete nur auf Platz 6.

Zurecht siegte der Cartavio auf Platz 1, danach platzierte sich der Brugal Blanco auf 2, um mit dem Havana Club Anejo einen starken Verfolger zu wittern. Die Ergebnisse wurden ausführlich dokumentiert in den Blogs von „Lady Delicious“, vom „Rum Club“ und im „Gastronom“.

Die drei Erstplatzierten wurden uns anschließend noch als Daiquiri, Mojito und Cuba Libre in die Linke und die Rechte Hand des Teufels gedrückt. Danach war ich ziemlich high noon. Tags drauf habe ich mir eine Flasche Havana Club gekauft.

Was an dem Abend unterging, aber vom dreckigen Dutzend kolportiert wurde: Ein weiterer Wettbewerb wurde in Sachen Spülmittel für die unendlichen Gläser des Abends ausgetragen. Im Bild: Die Debatte, ob der achtplazierte Rum sich dadurch als Herausforderer von Blitzi, Spüli und Co qualifiziert hat.

Spülmittel?

Triobar

Ein gestärktes Oberhemd, eine lange Schürze oder gar eine ins Hemd gesteckte Krawatte darf man nicht erwarten, denn: Auf den Inhalt kommte es ja an! Und Mike ist einer der besten und anspruchsvollsten Barkeeper der Stadt. Nur selten und dann auch nur (ernst gemeint!) nach Anmeldung öffnet sich die Tür zum Cocktail (und manchmal auch zum Sushi-) Paradies. Nun wird man bestens beraten und bemixt und zuweilen auch belehrt, was man zu trinken habe und was nicht.dsc00746

Spannend ist der Dark´n´Stormy mit der würzigen Note von Ingwer Bier, oder man wählt einen wirklich excellenten Mai Tai.

Ein aktuelles Augenmerk gilt dem Tequila. Oft unterschätzt und doch eine Spirituose, die viel mehr kann, als mit Salz und Zitrone pubertierend zu korrespondieren.
Man bestelle eine Martinez Margarita oder einen Tommy´s Margarita und man ist im Klaren! Warenkunde gibt´s en passant dazu.
Aber: wie bekommen sie hier nur diese riesigen Eiswürfel hin?

Ganz frisch ist die Triobar in neue Räumlichkeiten gezogen. Nach Gastspielen in Schöneberg und im hügeligen Teil von Mitte ist jetzt ein anderer Berg an der Reihe. Die  Adresse ist geheim,  Genaueres darf nicht verraten werden, sonst werde ich mit Cocktail-Entzug sanktioniert. Das darf nicht sein!
Also: link verwenden und anrufen, dann klappt´s vielleicht mit Mr. Triobar….
es lohnt sich!

Unauffälliger Zusatz: seit Neuestem gibt es jeden dritten Montag die Barkunst der Barbesetzer (=Rum Club +Triobar) im Marriott am Potsdamer Platz zu genießen!

www.triobar.net/

Reingold Cocktailbar (Mitte)

Ein Klassiker der 90er Jahre wird modern wiederbelebt. „Treffpunkt im Unendlichen“ lautet das dominante Leitmotiv am Ende des langen Raumes. Ein riesiges Wandgemälde, vom Vorgänger übernommen, zeigt Klaus und Erika Mann.

Gemalt auf den Seiten des letzten Romans, den Mann vor dem Exil schrieb, eben „Treffpunkt im Unendlichen“.

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Die beiden waren berüchtigte Nachtschwärmer der 1920er und 30er Jahre und auf diese Epoche möchte das Reingold atmosphärisch und mixologisch Bezug nehmen. Gleichzeitig werden aktuelle Entwicklungen und Neuerungen der Barkultur ausprobiert.
Der elegante Tresen, die dezente Beleuchtung und der golden hinterlegte Barbereich sind dafür jedenfalls ein angemessener Rahmen.

Klassik trifft Moderne. Die Cocktail Karte zeigt das sehr deutlich: Der Martini kann auch als Martinez geordert werden, für die Zubereitung eines meiner favorisierten Klassiker „Sazerac“ stehen fünf Sorten Rye Whiskey zur Auswahl.

Für die Moderne stehen Molekulare Experimente á la „Sprizz Espuma“ und, dem derzeitigen Trend folgend, Cuisine Style Drinks mit Kräutern und Gemüsen. Überrascht und überzeugt hat mich dabei vor allem der „Pineapple Celery Boost“ mit Vodka, Bitters, Ananas und Sellerie.
Eine Kreation von David Wiedemann, der für den Neustart verantwortlich zeichnet und mit seinem jungen Team der Barschule Berlin die Tresenregie führt.
Vielversprechend ist seine Philosophie: Alle Sirups sind selbstgemacht. Alles Säfte sind frisch.

Eine definitive Neuerung in der Barszene ist ein „Tequila Sommelier“. Als „deutschlandweit einzigartig“ angepriesen, darf dieser bemitleidenswerte Mensch nun die Cocktail-Gemeinde davon überzeugen, dass Tequila, pur oder gemixt, etwas gaaaanz tolles ist. Na, viel Spaß.

Für diejenigen, die essenstechnisch mehr benötigen, als nur eine Selleriestange, gibt es eine Küche, deren kleine kreative Gerichte mit den Drinks harmonieren sollen.  Auf der Terrasse im historischen Innenhof ist der Tabakbereich.
Es gibt keine Happy Hour. Die Preise der Drinks liegen hauptsächlich zwischen 7,50 und 9,- Euro. Champagner Cocktails sind etwas teurer.
Pures Gold im Glase bietet das Reingold den Chapagnerliebhabern auch unvermixt. Glasweise ausgeschenkt wird Ruinart, weiß und als Rosé. Gute Wahl? Vielleicht die Beste!

Ab Ende September wird jeweils der Montag interessant. Dann wird ein Ruhetag zum Unruhetag unter dem Motto: „Triobar goes Reingold“. Dann wird die verschwiegene aber hervorragende Barkultur der „Triobar“ aus dem Versteck hervorkommen und die eher klassisch geprägte Drink-Stilistik schütteltechnisch darbieten.

Apropos klassisch: Wagners Arien sind nicht zu erwarten, dafür fehlt ein H im Namen der Bar. Ein musikalischer Direktor wird elektrofreie Musik einspielen. Im molekularen trend hip Zeitgeist Vokabular nennt man das hier „Ear Service“. Fein, fein.

Obwohl der Gedanke schon einen gewissen Reiz hat. Die Rheingold Bar: mit Wotans Mai Tai und Floßhilde Fizz.
Aber das ist ein anderes Konzept.
Freuen wir uns erstmal über den neuen, den alten „Treffpunkt im Unendlichen“. Cheers.

Novalisstraße 11, 10115 Berlin-Mitte
www.reingold.de