California Currywurst

Überraschend gerät der Tourist an vermeintliche Heimat in der Fremde. Der ursprüngliche Plan war, bei einem Cocktail den Blick von der Dachterrassen Bar des hippen The Standard Hotels über downtown Los Angeles zu genießen.

rooftop relaxation

rooftop relaxation

Oben angelangt entpuppte die Terrasse sich als zweigeteilt. Neben dem coolen Barbereich war die andere Hälfte einem exotischen internationalen Thema gewidmet, dem deutschen Biergarten. Kalifornische Surfer-Girls trugen fesches Dirndl und quälten sich mit Maßkrügen herum. Das vermeintliche Highlight eines Biergartens durfte ebenfalls nicht fehlen: eine Tischtennisplatte. Die Illusion der Heimat in der Ferne kam mit Bier, Brez´n nahe Hollywood daher.

Wolkenkratzer Wies´n

Wolkenkratzer Wies´n

Wobei sich dann doch eher ein Hauch Bollywood breitmachte. Wieso Bollywood? Nunja, als eine der Spezialitäten offerierten die freundlichen Grillgesellen vom Dach eine original Weiterlesen

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Wenn alle Sinne Whisky verkosten – auch die Ohren

So elegant und köstlich gab es selten etwas auf die Ohren. Glenmorangie lud Spirituosenexperten und Bartender aus Deutschland nach Berlin, um eine überraschende Reise der Sinne mit dem Glenmorangie Signet anzutreten.

Ich durfte bei der Glenmorangie Masterclass mitreisen und so begann die Fahrt in Ungewisse am Mani Hotel a der Torstraße, wo eine illustre, zunächst aber ratlose Runde von Getränkespezialisten in Fahrzeuge mit verschwiegenen Fahrern verfrachtet wurde. Schließlich entführte man uns in eine Galerie am Osthafen, wo ernsthafte Gestalten unserer harrten.

Der Vorhof des Rätsels

Nach kurzer Begrüßung und Beschallung mit Präsentation der optischen Philosophie der Marke und der besonderen Fassphilosophie im Hause Glenmorangie, geleiteten unsere Gastgeber die Runde in die obere Etage, wo Kerzenlicht und tiefes Schwarz die Neugierigen umfingen. Sollte uns ein sektengleiches Initiations Ritual bevorstehen? Einige blickten mulmig drein, lautete ihre situative Zustandsbeschreibung doch eher auf „Hunger“ und „Durst“.

Puh, man platzierte uns an Weiterlesen

Tröstlicher Tropfen – Freedom Park

Geliebtes Berlin, du Dorf voller großstädtischer Peinlichkeit. Heute ist es wieder einmal die Zukunft, wo nicht nur Sand im Getriebe bremst, nein, das Getriebe des neuen Flughafens hat komplett „püff“ gemacht. „Be Berlin“ bedeutet „Schöner Scheitern“. Die Pausenglocke hat geläutet, der Flughafen öffnet nun erst nach den Sommerferien…

Sonst ist es oft der Umgang mit Erinnerung, mit Vergangenheit, bei der der sich die Stadt und/oder ihre Bezirke blamieren. Ausstellungskonzepte, Straßennamen, Fürsorge über historische Grabanlagen, Kurfürstendamm-Bühnen, Teufelsberg, Palast der Republik, Schlossplatz, Kaiserzeit, NS-Zeit, DDR-Zeit. Ich lehne mich sicher nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn ich im Oktober eine bemerkenswert lächerliche Jubiläumsveranstaltung erwarte, die das 775-jährige Stadtjubiläum begleitet. Immerhin die erste Feierlichkeit dieser Art in der wiedervereinten Hauptstadt.

Die Geschichte der geteilten Stadt im Kalten Krieg beschäftigt, interessiert und fasziniert nach wie vor zahllose Menschen. Selbst die Generation, die die Mauer nie im Alltag der Stadt erlebt hat ist wissbegierig, wenn es um das Leben in der geteilten Stadt geht. Auf meinen Stadtführungen gehen viele von Ihnen mit mir auf Spurensuche. Sei es an der Bernauer Straße, in der Luisenstadt, an der East Side Gallery oder in Stadtmitte zwischen Reichstag, Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie.

An letzterem stößt man täglich auf hoffnungfrohe Ströme internationaler Stadterkundung. Die ganze Welt kennt diesen Grenzübergang, an dem so manche Mal der Kalte Krieg an der Schwelle zum Weiterlesen

Eine Flasche Pommes Frites bei Didi?

Noch gar nicht allzu lange gibt es diese Imbiss-Station am Stuttgarter Platz, die sich „Didi´s Currypoint“ nennt.

Ich mag mir gar nicht recht vorstellen, wie oft sich schon die Türe geöffnet hat und ein grinsender Kunde ruft laut in Richtung Tresen: „Palim, Palim!“ um dann „Eine Flasche Pommes Frites“ zu bestellen. Man müsste es eigentlich ausprobieren. Der Wirt erschient schlagfertig genug, um angemessen zu entgegnen, oder gegebenenfalls eine Flasche zu zücken.

Pommes, Kerze, Wilhelm Busch

Pommes, Kerze, Wilhelm Busch

Tatsächlich ist der Curryort ein wenig ungewöhnlich. Im Prinzip ein winziges Kabuff, welches mit einer nachträglich eingezogenen Wand den Raum teilt, dessen andere Hälfte ein Thai-Viet-Imbiss namens „Bich Van“ in Beschlag hält. Didi´s Currypoint (offiziell noch mit der lyrischen Ergänzung „Bistroquet“) hat ungefähr zehn Plätze und ist in rot-weiß (sic!) recht schick eingerichtet und muss eine der kultiviertesten Currybuden der Spreemetropole sein:

Auf den Tischen brennen Teelichter, zu lesen gibt es den Spiegel sowie Bücher von Wilhelm Busch und der Kaffee wird frisch in der Chambord-Kanne gepresst.

Viel wichtiger jedoch ist das Wesentliche: Die Wurst schmeckt sehr gut, die Currysauce in der milden Variante hat süßlich-säuerliche Aromen und die Pommes Frites kommen zwar nicht in die Flasche, aber perfekt knusprig aus frischem Fritteusen-Fett auf den Teller. Das aktuelle Angebot mit zwei Würsten und Pommes Frites zu vier Euronen ist sehr akzeptabel. Schade, dass die Mayonnaise aus der Industrie-Dosierflasche kommt, sonst wäre die Aura des Hausgemachten sehr glaubwürdig.

Ich denke, ich gehe bald wieder dorthin. Dann öffne ich schwungvoll die Türe und rufe: Palim! Palim?? Wahrscheinlich doch eher nicht…

Didi´s Currypoint, Stuttgarter Platz 2, nahe der Wilmersdorfer Straße

Achso! Wer hat noch nicht? Wer will nochmal?

Katzendöner von Little Lucy

Da ist wohl anscheinend jemand kein Katzenliebhaber. Kulinarische Street Art mit eigenwilliger Note entdeckte ich kürzlich an der Landsberger Allee, nahe der Ecke zur Richard-Sorge-Straße.

Little Lucy ist eine Schöpfung des großartigen Berliner Street Art Künstlers „El Bocho“, der, neben weiteren Kreationen, immer wieder jenes unschuldige Mädel, das es faustdick hinter den Ohren hat, an Berlins Wänden auftauchen lässt.

Oft ist eine Katze mit von der Partie. Oft wird diese Katze recht schlecht behandelt und landet in der Waschmaschine oder am Strick. In diesem Fall ziert die Mieze den Dönerspieß und Little Lucy präpariert die nächste Portion.

Vielleicht speist El Bocho lieber Currywurst?!

Mehr zum Künstler: www.elbocho.net

Invasion der Dönerroboter?

Einen gewaltigen Holzpfad schlug ich ein, als ich  dem Aufruf der Berliner Morgenpost folgte, die mit pathetischem Getöse die DÖGA ankündigte – die weltweit erste Döner-Messe.

Auf zur DÖGA

Auf zur DÖGA

Ich irrtumte in der Annahme, Zulieferer und Hersteller würden ihre Bandbreite präsentieren und die Facetten des Genusses des gerade in Berlin so beliebten Imbissgerichtes präsentieren. Auch um die letzten Schatten des Gammelfleisch-Skandals aus der Welt zu schaffen. Im Geiste hatte ich  das Mittagessen ersetzt durch eine Umfangreiche Dönerverkostung mit allen Hammel-Lamm-Chicken-Vegetarisch-Varianten, diversesten Brotoptionen und dem Nuancenreichtum von Knoblauchsoße. Ich wähnte mich quasi im Schlaraffenland der „Soße-Salat-Alles?“-Interaktion.

Ein anregendes Interview hatte die MoPo da mit dem Sprecher des ATDID,

Konzentrierte Kebap Kommunikation

Konzentrierte Kebap Kommunikation

dem Verein türkischer Dönerhersteller in Europa, improvisiert. Immerhin erfahren wir, dass es hierzulande mehr als 200 Dönerproduzenten gibt und die Deutschen jährlich 2,5 Milliarden Euro für drehendes Grillfleisch ausgeben. Weiterlesen

Vapiano (Mitte)

Vapiano muss ganz doll toll sein. Schließlich wären die Filialen in Berlin sonst nicht immer so proppenvoll. Warum verstehe ich das nicht? Warum finde ich die Sache gar nicht so dolle? Wer sind diese Menschen? Bin ich ein Aussenseiter?

Ich glaube, diese Menschen sind kulinarisch fragwürdig sozialisiert und systematisch abhängig gemacht worden. Aufgewachsen mit Ronald DSC03209McDonald oder im Home of the Whopper mit goldenen Pappkrönchen zum Kindergeburtstag und nach einer Handvoll Plastik-Giveaways sind sie nun im Erwachsenenalter angelangt und möchten ihre Kindheitserfahrungen neu beleben. Also: Nach geraumer Wartezeit an einem Tresen, Verzeihung: counter, mit einem Plastiktablett voll bunter Pappkulinarik davonwatscheln; nur, dass die Sättigungsgegenstände nunmehr keine schottischen, sondern italienische Namen haben.

Interaktiv darf mitgewirkt werden. Also beim bruzzeln zugucken und eine Plastikkarte umhertragen, auf der die Zeche, hyperstmodern, gescannt wird. Schickes Porzellan, frisches Basilikum auf den Tischen, Kombucha und Bionade – alles für die Zielgruppe. (0,2 Cola kosten 2,25 Euro).

Der Name „vapiano“ verspricht Langsamkeit. Slow food? Geh weiter, aber langsam, bitte. Wer das Vapiano-Konzept für Slow Food hält, hat es nicht besser verdient, was die Verbraucherzentrale Hamburg kürzlich nach einer Untersucheng diverser Vollmundiger Supermarktprodukte zurecht bemängelte: Vanilleeis ohne Vanille; gepresstes Surimi-Fischeiweiss in Garnelenform wird als echte Garnele verkauft, Schoko Keks Bolde von Delacre ohne Schokolade, Lorenz-Bahlsen Wasabi Erdnüsse ohne Wasabi; Du darfst Putensalat ohne Pute und so einiges mehr.

Zurück zu Vapiano: Was ich diesem Lokal am meisten übel nehme? Diese Pasta hat mir einfach nicht geschmeckt!

Ich für meinen Teil habe jedenfalls wieder Lust bekommen a) auf den kleinen Italiener an der Ecke und b) auf frische Produkte vom Wochenmarkt.

Potsdamer Platz 5, 10117 Berlin (Potsdamer Platz)

http://www.vapiano.de