Invasion der Dönerroboter?

Einen gewaltigen Holzpfad schlug ich ein, als ich  dem Aufruf der Berliner Morgenpost folgte, die mit pathetischem Getöse die DÖGA ankündigte – die weltweit erste Döner-Messe.

Auf zur DÖGA

Auf zur DÖGA

Ich irrtumte in der Annahme, Zulieferer und Hersteller würden ihre Bandbreite präsentieren und die Facetten des Genusses des gerade in Berlin so beliebten Imbissgerichtes präsentieren. Auch um die letzten Schatten des Gammelfleisch-Skandals aus der Welt zu schaffen. Im Geiste hatte ich  das Mittagessen ersetzt durch eine Umfangreiche Dönerverkostung mit allen Hammel-Lamm-Chicken-Vegetarisch-Varianten, diversesten Brotoptionen und dem Nuancenreichtum von Knoblauchsoße. Ich wähnte mich quasi im Schlaraffenland der „Soße-Salat-Alles?“-Interaktion.

Ein anregendes Interview hatte die MoPo da mit dem Sprecher des ATDID,

Konzentrierte Kebap Kommunikation

Konzentrierte Kebap Kommunikation

dem Verein türkischer Dönerhersteller in Europa, improvisiert. Immerhin erfahren wir, dass es hierzulande mehr als 200 Dönerproduzenten gibt und die Deutschen jährlich 2,5 Milliarden Euro für drehendes Grillfleisch ausgeben. Fälschlicherweise wurde ein öffentliches Event suggeriert, was sich dann doch eher für Fachbesucher geeignet entpuppte.

Schöner Döner

Schöner Döner

Die Dönerspieße bleiben kalt. Die Unternehmen kontakteten einander bezüglich Verpackung, Kühlung, Erhitzung, Würzzutaten und Werbematerialien. In der angeschlossenen Kantine im Ernst-Reuter-Haus wurde Kartoffelsalat gereicht.

Ein Spieß glühte dann doch. Es war der Star der Veranstaltung, die Revolution des Döner, die Optimierung von Genuss (so der Hersteller).

Richtig: Der Dönerroboter. Eine schlaue Maschine, die automatisch säbelt, Hitze reguliert und Abstände anpasst und manchmal klemmt (zumindest bei der Vorführung). Es dauert recht lange und ins Brot kann das Gerät das Fleisch nicht packen. Der Werbetext des Herstellers von „Döner Robotu“ liest sich teilweise nur mittelmäßig vorteilhaft:  „Während des Schneidevorgangs keine menschlichen negativen Einflüsse (Husten, Niesen, Schweiß, Atem, etc.)“, „Alle Schneide- und Bratprozesse sind Computer- Betriebssystem gesteuert“ und „Auch Jeder, der keine Erfahrung von Döner – Schneiden hat, dies vollbringen kann“.

Der Steuerungsarm des Dönerroboters

Der Steuerungsarm des Dönerroboters

Leider habe ich vor Hunger oder Aufregung bei jeder Aufnahme gezittert, so dass der Roboter sich besser auf oben verlinkter Herstellerseite begutachten lässt.

Ich bin gespannt, ob sich das Gerät durchsetzt, wenngleich ich doch den persönlichen Kontakt zum Dönerfachabschneider schätze, wenn er sein Messer wetzt und die magischen Worte spricht: „Soße, Salat, komplett?“

Nächstes Jahr soll die Döga-Messe zwei Tage dauern und mit Vorträgen und Produktproben locken. Ob ich es nochmal versuchen werde?

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10 Kommentare zu “Invasion der Dönerroboter?

  1. karu02 sagt:

    Wie wird die Welt aussehen, wenn sie dann von allen negativen menschlichen Einflüssen befreit und bereinigt ist?

  2. vilmoskörte sagt:

    Es gibt sicherlich ein paar negative Einflüsse, deren Beseitigung mir dringlicher erscheint als Husten, Niesen, Schweiß und Atem.

  3. oachkatz sagt:

    Also vor allem Atem scheint mir kein durch und durch negativer Einfluss.

  4. mal wieder ein sehr schöner Artikel…
    stets eine sehr galante Wortwahl, die mir umso eindringlicher deine grosse Enttäuschung vermittelt…
    Ja nicht überall wo Döner draufsteht ist auch Döner drin…

    • eichiberlin sagt:

      Das stimmt. Spätestens seit der Ära des Gammel-Döners hätte ich definitiv gewarnt sein müssen.

      Ich vertraute im Ernst-Reuter-Haus wohl zu sehr auf den Geist des Namensgebers. „Völker der Welt. Schaut auf diese….“

      • Richensa sagt:

        Ob mit oder ohne Roboter, seitdem ich in Berlin wohne, habe ich nie wieder Döner gegessen… Komisch eigentlich und nicht wirklich eine bewusste Entscheidung..

  5. konniebritz sagt:

    Ich habe einen Bericht zu der Messe und die Vorführung des Roboters in der Berliner Abendschau gesehen. Mir ist glatt der Appetit vergangen.
    Die Vorstellung, der Roboter säbelt das Fleisch und übersieht ein paar Stellen, die vielleicht noch nicht durch sind – igitt!

    Da ist mir der menschliche Dönerschneider meines Vertrauens doch lieber, der beim Schneiden konzentriert und mit offenen Augen vorgeht.

  6. .C. sagt:

    In Wien lautet die Frage: „Mit alles?“
    Manchmal hört man auch: „Mit viel Scharf“ oder „Mit wenig Scharf!“

    Wobei einmal musste ich am Kebab(so nennt man den Döner in Wien)Stand herzlich lachen, als ein Wiener bestellte: „Einmal Kebab, ohne Zwiebel mit wenig Scharf!“ Die prompte Antwort des Verkäufers: „Wir haben Hühner- und kein Schaffleisch im Angebot!“

    • eichiberlin sagt:

      Großartig! Vielen Dank.
      Jetzt wünsche ich mir aber noch ganz dringend, dass wir noch weitere Kebab-Bestell-Verfahren erkunden.
      Vielleicht kommen wir ja noch an die Schweizer Variante.

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