Selig, wer Teigtaschen bestellt

Heute muss ich, etwas verspätet, eine winzige Gegendarstellung entschlossen vortragen!

Eine kleine Perle des Charlottenburger Mini-Chinatowns der Kant(on)straße, liegt unweit der Wilmersdorfer Straße und heißt „Selig“. Bei der Eröffnung, einige Jahre zurück, nannte man sich „Rote Laterne“, was allerdings gerade in

An der roten Säule: Die Weinempfehlungen

dem Tabledance-Viertel zwischen Kantstraße und Stuttgarter Platz eindeutig zweideutige Missverständnisse auf den Plan rief. So benannte man sich also um.

Von Anfang an war das Essen sehr gut. Das Hauptaugenmerk liegt auf frischen Teigwaren in nordchinesischem Stil, die man in Berlin kaum besser vorfindet. Großartig sind die Suppen mit den dicken Lanzhou Nudeln darin, oder die diversen Teigtaschen.

Ich liebe Teigtaschen, daher freute ich mich sehr über die Ausgabe 25/2009 des Stadtmagazins tip zum Ende des letzten Jahres, die einen großen asiatischen Teigtaschentest versprach. Insgesamt waren die Artikel/Tests auch ganz nett und teilweise zutreffend, mit lebendiger subjektiver Note verfasst. Zu meinem Entsetzen wurde das Selig mit der schlechtesten Wertung der 12 beschriebenen Lokale versehen. Nanu, denke ich. Was mag da passiert sein? Gerade die Jiaozi Teigtaschen werden dort doch so fein, subtil und original hergestellt. Zwanghaft muss ich sie bei jedem Besuch bestellen.

Dem Autor des tip schmeckt das nicht ausreichend intensiv und er wirft dem Lokal gerade die feinen Noten vor, die ein Kenner eher erwarten würde. Eine zentrale Kritik bezieht sich bei ihm auf die dazu gereichte Sauce,

Jiaozi mit ominösem Dip und dem frischen Minztee

die er Soja-Sauce nennt. Ihm ist sie zu sauer, was er  vorwurfsvoll polternd vorträgt. (Zitat: „…doch hier wird nur eine einzige Sojasauce angeboten, welche zudem über alle Maßen sauer ist.“) Bestimmt hätte ihm das freundliche Personal erklärt, dass es sich bei der säuerlichen Note um Essig handelt, der typischerweise die Basis des Dips bildet, der zu den Jiaozi gereicht wird. Alleine die Frage blieb wohl aus. Die Bewertung des Selig im Artikel lautete demnach: „zwiespältig“, was meiner Meinung nach eher für die journalistische Recherche-Leistung gilt.

Vielleicht möchte der Autor auch nur verhindern, dass mehr Gäste im Lokal ihm seinen Stammplatz streitig machen und die Jiaozi wegfuttern. Ich jedenfalls freue mich über und empfehle die frische Küche und die entspannte Atmosphäre in dem kleinen Lokal.

Die Getränke verdienen ebenfalls eine Erwähnung. Eine ordentliche Auswahl an schönen offenen Weinen wird mit Kreide an eine rote Säule geschrieben und verdient Beachtung. Ich  selbst liebe den frischen Minz-Tee, der duftig und frisch aufgegossen an den Tisch kommt.

Selig.

Kantstraße 51, 10625 Berlin (Charlottenburg)
Telefon: 030-31017241
Täglich geöffnet von 12 bis 24 Uhr

Wieder lecker!

Rotweinfreunde sollten dem "Christies Land" Cabernet-Shiraz eine Chance geben.

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17 Kommentare zu “Selig, wer Teigtaschen bestellt

  1. vlhusky sagt:

    Klingt richtig nett 🙂 Auch das mit dem frischen Minz-Tee.
    Etwas für unseren nächsten B-Besuch …

  2. karu02 sagt:

    Ich werde Taschen und Tee als Empfehlung weiterreichen.

  3. berndte sagt:

    Hach in der Kantstr. und Umgebung gibt es schon einige nette Restaurants. Ich überlege, jetzt wo ich Urlaub habe und etwas Ruhe, ins Goodfriends zu gehen.
    Soll ich lieber ins Selig gehen? Was haben die da noch außer ̶g̶̶y̶̶o̶̶z̶̶a Jaozi?

    • eichiberlin sagt:

      Es gibt hervorragende Suppen, eine sehr gute Ente und weitere Gerichte, bei denen man stets zwischen Reis und Nudeln wählen kann. Unbedingt Nudeln wählen! Sie werden stets frisch zubereitet.
      Auch den Glasnudel-Salat mag ich gerne (auf dem Foto oben im Vordergrund).

      Das Good Friends liebe ich ebenfalls, die große Speisekarte wird mir nie langweilig. Hmmm, Rinderfilet mit Salz und Pfeffer oder die Wan Tan Suppe mit Shrimps. (Wenn ein bestimmter Koch im Hause ist, kann man eine Suppe bestellen, die er mit Tim Raue gemeinsam kreiert hat – sehr lecker – die aber nicht auf der Karte steht. )

      Die Atmosphäre ist halt sehr anders, laut und wuselig. Das Selig ist da eher entspannt und deutlich leiser (aber mit guter Musik).

  4. stroheim sagt:

    Neben den empfehlenswerten Speisen hat es mir das beeinduckend dimensionierte Aquarium angetan. Stundenlang könnte ich den Fischen zuschauen. Hatte wirklich schon unangenehmere Gegenüber bei Restaurantbesuchen…

  5. bunnyberlin sagt:

    jemandem, der schwarzen essig mit soja sauce verwechselt, sollte man den gastro-schreiberling-job aus prinzip aus den untalentierten und schlecht informierten fingern reißen. ich wäre nötigenfalls durchaus bereit, diese aufgabe zu übernehmen ‚-)

    und mit jiaozi nachtesten fang ich an!!

  6. Afra Evenaar sagt:

    Danke fürs Richtigstellen, Eichi, Ich wunderte mich schon, als ich die Tip-Besprechung las.
    Der Essigdip ist eine wahre Köstlichkeit und die Dim Sum auch, zu denen er perfekt passt.

  7. eichiberlin sagt:

    Tja, super Recherche.
    Ein Leserbrief (von Lady Delicious) wurde von Frau Hilker auch nur recht unbefriedigend beantwortet. So nach dem Motto: Wir wollen doch unterhalten und keine Wissenschaft daraus machen…

  8. Die Neumanns sagt:

    Wir waren im Dezember 2009 im „Selig“ essen und es war wirklich ausgezeichnet. Dieser „Tip“ Schreiberling leidet offensichtlich an leichten Geschmacksverirrungen.Sorry! is so!

    • eichiberlin sagt:

      Ich freue mich aufrichtig, nicht der einzige zu sein, der dieses Lokal in Sachen Teigtaschen nicht auf einem 12ten Rang von 12 sieht.
      Ich mag es dort und finde es frisch, schmackhaft und schön.

      Im Verlauf der Gespräche hier bekam ich Appetit und daher gibt es noch ein paar neue Fotos 🙂

  9. eichiberlin sagt:

    Ich muss gestehen, der Umbau und der neue Koch konnten mich noch nicht so wirklich überzeugen. Der alte Raum war zwar oll, aber nun ist die Atmosphäre eher beliebig modern, so wie in zahlreichen Thai-Viet-Sushi Schuppen. Der große Tresen in der Mitte macht für mich auch nicht wirklich Sinn. Und die Qualität der Teigtaschen hatte beim ersten Besuch nach Neueröffnung spürbar nachgelassen. Sehr bedauerlich.

  10. kasip sagt:

    Ich liebe das Selig, war bestimmt schon 20 mal da. Durch den Umbau hat es leider an Flair verloren. Die große Bar hat aus meiner Perspektive gar keinen Vorteil, sondern nimmt einfach nur Platz, wo man vorher gut sitzen konnte und jetzt an den Rand gedrängt wird. Die Djiaozi haben ein Glück wie immer geschmeckt. Aber das eingelegte Schweinefleisch war in der Tat ein bischen anders.

    • eichiberlin sagt:

      Ich stimme absolut zu. Früher hatte das Lokal einen ganz eigenen Charme, der zwar etwas abgenutzt wirkte, aber den man so intensiv nicht hätte zerstören müssen. Nun sieht das Lokal aus, wie dutzende Thai-Viet-Suhi-Läden in der Stadt.
      Die Mittelinsel ist störend, hässlich und laut. Die Beleuchtung ist grauenvoll. Das Essen taugt nach wie vor, besondes die Nudeln. Aber irgend etwas ist verloren gegangen. Der Raum ist reizlos.

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