Eine Flasche Pommes Frites bei Didi?

Noch gar nicht allzu lange gibt es diese Imbiss-Station am Stuttgarter Platz, die sich „Didi´s Currypoint“ nennt.

Ich mag mir gar nicht recht vorstellen, wie oft sich schon die Türe geöffnet hat und ein grinsender Kunde ruft laut in Richtung Tresen: „Palim, Palim!“ um dann „Eine Flasche Pommes Frites“ zu bestellen. Man müsste es eigentlich ausprobieren. Der Wirt erschient schlagfertig genug, um angemessen zu entgegnen, oder gegebenenfalls eine Flasche zu zücken.

Pommes, Kerze, Wilhelm Busch

Pommes, Kerze, Wilhelm Busch

Tatsächlich ist der Curryort ein wenig ungewöhnlich. Im Prinzip ein winziges Kabuff, welches mit einer nachträglich eingezogenen Wand den Raum teilt, dessen andere Hälfte ein Thai-Viet-Imbiss namens „Bich Van“ in Beschlag hält. Didi´s Currypoint (offiziell noch mit der lyrischen Ergänzung „Bistroquet“) hat ungefähr zehn Plätze und ist in rot-weiß (sic!) recht schick eingerichtet und muss eine der kultiviertesten Currybuden der Spreemetropole sein:

Auf den Tischen brennen Teelichter, zu lesen gibt es den Spiegel sowie Bücher von Wilhelm Busch und der Kaffee wird frisch in der Chambord-Kanne gepresst.

Viel wichtiger jedoch ist das Wesentliche: Die Wurst schmeckt sehr gut, die Currysauce in der milden Variante hat süßlich-säuerliche Aromen und die Pommes Frites kommen zwar nicht in die Flasche, aber perfekt knusprig aus frischem Fritteusen-Fett auf den Teller. Das aktuelle Angebot mit zwei Würsten und Pommes Frites zu vier Euronen ist sehr akzeptabel. Schade, dass die Mayonnaise aus der Industrie-Dosierflasche kommt, sonst wäre die Aura des Hausgemachten sehr glaubwürdig.

Ich denke, ich gehe bald wieder dorthin. Dann öffne ich schwungvoll die Türe und rufe: Palim! Palim?? Wahrscheinlich doch eher nicht…

Didi´s Currypoint, Stuttgarter Platz 2, nahe der Wilmersdorfer Straße

Achso! Wer hat noch nicht? Wer will nochmal?

Vapiano (Mitte)

Vapiano muss ganz doll toll sein. Schließlich wären die Filialen in Berlin sonst nicht immer so proppenvoll. Warum verstehe ich das nicht? Warum finde ich die Sache gar nicht so dolle? Wer sind diese Menschen? Bin ich ein Aussenseiter?

Ich glaube, diese Menschen sind kulinarisch fragwürdig sozialisiert und systematisch abhängig gemacht worden. Aufgewachsen mit Ronald DSC03209McDonald oder im Home of the Whopper mit goldenen Pappkrönchen zum Kindergeburtstag und nach einer Handvoll Plastik-Giveaways sind sie nun im Erwachsenenalter angelangt und möchten ihre Kindheitserfahrungen neu beleben. Also: Nach geraumer Wartezeit an einem Tresen, Verzeihung: counter, mit einem Plastiktablett voll bunter Pappkulinarik davonwatscheln; nur, dass die Sättigungsgegenstände nunmehr keine schottischen, sondern italienische Namen haben.

Interaktiv darf mitgewirkt werden. Also beim bruzzeln zugucken und eine Plastikkarte umhertragen, auf der die Zeche, hyperstmodern, gescannt wird. Schickes Porzellan, frisches Basilikum auf den Tischen, Kombucha und Bionade – alles für die Zielgruppe. (0,2 Cola kosten 2,25 Euro).

Der Name „vapiano“ verspricht Langsamkeit. Slow food? Geh weiter, aber langsam, bitte. Wer das Vapiano-Konzept für Slow Food hält, hat es nicht besser verdient, was die Verbraucherzentrale Hamburg kürzlich nach einer Untersucheng diverser Vollmundiger Supermarktprodukte zurecht bemängelte: Vanilleeis ohne Vanille; gepresstes Surimi-Fischeiweiss in Garnelenform wird als echte Garnele verkauft, Schoko Keks Bolde von Delacre ohne Schokolade, Lorenz-Bahlsen Wasabi Erdnüsse ohne Wasabi; Du darfst Putensalat ohne Pute und so einiges mehr.

Zurück zu Vapiano: Was ich diesem Lokal am meisten übel nehme? Diese Pasta hat mir einfach nicht geschmeckt!

Ich für meinen Teil habe jedenfalls wieder Lust bekommen a) auf den kleinen Italiener an der Ecke und b) auf frische Produkte vom Wochenmarkt.

Potsdamer Platz 5, 10117 Berlin (Potsdamer Platz)

http://www.vapiano.de