Wenn alle Sinne Whisky verkosten – auch die Ohren

So elegant und köstlich gab es selten etwas auf die Ohren. Glenmorangie lud Spirituosenexperten und Bartender aus Deutschland nach Berlin, um eine überraschende Reise der Sinne mit dem Glenmorangie Signet anzutreten.

Ich durfte bei der Glenmorangie Masterclass mitreisen und so begann die Fahrt in Ungewisse am Mani Hotel a der Torstraße, wo eine illustre, zunächst aber ratlose Runde von Getränkespezialisten in Fahrzeuge mit verschwiegenen Fahrern verfrachtet wurde. Schließlich entführte man uns in eine Galerie am Osthafen, wo ernsthafte Gestalten unserer harrten.

Der Vorhof des Rätsels

Nach kurzer Begrüßung und Beschallung mit Präsentation der optischen Philosophie der Marke und der besonderen Fassphilosophie im Hause Glenmorangie, geleiteten unsere Gastgeber die Runde in die obere Etage, wo Kerzenlicht und tiefes Schwarz die Neugierigen umfingen. Sollte uns ein sektengleiches Initiations Ritual bevorstehen? Einige blickten mulmig drein, lautete ihre situative Zustandsbeschreibung doch eher auf „Hunger“ und „Durst“.

Puh, man platzierte uns an einer Tafel, elegant eingedeckt. Clochen auf Tellern – Alles wird gut. (Hier schreibt gerade jemand, der auf ein anfängliches Mahl im Mani Restaurant gehofft hatte. Da ist es wirklich lecker! Gab´s aber nicht.)

„Finger weg von der Cloche!“ lautete das Kommando

Aus dem Nirgendwo standen plötzlich dunkel-unsichtbare dienstbare Geister hinter uns, um die Abdeckungen zu entfernen. Die Hand an der Gabel, die Augen zunächst geschlossen, die Nase duftempfangsbereit für eine sättigensdes Aromenspektakel schottisch-berlinischer Prägung, blickten wir begierig auf köstliche … Kopfhörer?!?

Kuriose Beilage

Was nun folgte, war schon eine ziemlich brillante Idee. Die Kopfhörer führten uns mit einer atmosphärischen Verkostungsanleitung durch die Facetten des Glenmorangie Signet, eine der drei Prestige Abfüllungen der bekannten Highland Destillerie mit den höchsten Brennblasen Schottlands. Informatives und Atmosphärisches brachten zwei Stimmen näher. Ein distinguierter Herr im besten Alter betreute den sachlichen Teil, für den emotionalen Part hauchte uns eine sexy Ladystimme ins Ohr. Wie erotisch die Wortfolge „High Roasted Chocolate Malt“ klingen kann, hätte ich mir vor jenem Abend nicht ausmalen können.

Die Idee dieser Verkostung war gut. Man kennt die kommunikativen Proben, wo man sich gegenseitig nur allzu leicht mit Wissen oder Aromavokabular beeinflusst. Hier waren es nur die „Stimme“ und ich. Und wenn der Text von der Industrie stammt, so ist man eh gleich ein wenig skeptischer und muss erst mal die vollmundige PR-Lyrik abschütteln.

Hier funktionierte das Konzept, besonders, als es um die Zugabe von Wasser ging. Ich trinke viel und sehr gerne Single Malt. Es ist mein liebstes Genussmittel, wenn es an Pur-Spirituosen geht. Und ich bin sehr zurückhaltend darin, Wasser auch in Fassstärken zu träufeln. Frei nach Joe E. Lewis, der seinerzeit bemerkte: ‚Wenn mich jemand fragt, ob ich Wasser zu meinem Scotch möchte, antworte ich, dass ich durstig bin und nicht schmutzig.‘ Bei diesem Experiment wäre mir einiges entgangen. Mehrfach regte die Stimme im Kopfhörer zur Zugabe von Wasser an und tatsächlich ergab sich jedes Mal ein neues, faszinierendes Aromenspektrum.

Keiner kaute Kopfhörer. Keiner klaute Kopfhörer.

Nach der ungewöhnlichen Whisky-Probe geleitete man uns in einen Nachbarraum, wo Austausch und interessante Gespräche nach der Isolation der Kopfhörer-Gefangenschaft reichlich begannen. Die sinnliche Komponente setzte sich außerdem fort. Aromatische Kombinationen des Signet mit Zimt, Kakao, Orange wurden probiert und die Bartender des Gastgebers hatte zusammen mit der Küche des nhow Hotels ein Cocktail-Food-Pairing erdacht. Leckere Kalbsbäckchen, Flugente mit Spitzkohl, Rispe und Büffelmilch und eine köstliche Snickers-Crème-Brulée Variante wurden mit abgestimmten Drinks unter Anwendung des Glenmorangie Signet als Flying Dinner serviert.

Ich lehne normalerweise die Verwendung von Single Malt in Cocktails ab, gerade dann, wenn es sich um ein dermaßen hochwertiges Produkt handelt. Aber der Signet Old Fashioned mit Porter-Espresso-Sirup kam bemerkenswert köstlich daher.

can Signet light my fire?

Nun war es an der Zeit, den Ort zu wechseln. Die Droschken warteten bereits, um uns in die lebendigen Schwingungen der Amano Bar zu eskortieren. Die Cocktailkarte ignorierte ich an jenem Abend, aber nur, weil ich dem Gerstendestillat noch ein wenig in seiner puren Form zusprechen wollte. Wie lautet eine schottische Redensart? „There are two things a highlander likes naked and one of them is malt whisky„. Aber Gerste darf gerne auf Gerste treffen und so war die ansprechende Präsentation der Amano Crew sehr willkommen, als ein angemessener Gerstensaft angeboten wurde.

Tschechien und Schottland – Meine Idee von Europa

Und als alle bereits dachten, hier klänge der Abend nun aus, da lächelte unser Glenmorangie Gastgeber verschmitzt und liess uns wieder in die Vehikel aufsitzen. Das Foodpairing war noch nicht beendet. Nun traf Schottland auf Berlin. Whisky mit Wurst, Malt mit Mayonnaise, Chocolate Roast mit Curry, Pot Still mit Pommes.

The one and only Single Curry Malt

Und natürlich das Food-Pairing Beweisphoto:

Kulinarische Klassiker aus Tain und Berlin

Die Gastgeber von Glenmorangie hatten uns durch einen abwechslungsreichen, überraschenden, teilweise sogar verblüffenden Abend geleitet, der in Erinnerung bleiben wird. Der Ausklang fand dann noch in der wundervollen Windhorst Bar statt.

Auch im Nachhinein zaubert der Abend ein Lächeln auf meine Lippen, was auch daran liegt, das Glenmorangie nicht ganz unschuldig an meiner Vorliebe für das schottische Gerstendestillat ist. Mein Vater liebte es, ein Glas Glenmorangie Ten Years Old zu seinem Earl Grey zu nehmen. Das war dann auch mein Einstieg in die großartige Welt der Single Malt Whiskys. 2008 übernahm Glenmorangie die Single Malt Whisky Society, die sehr besondere Mitglieder-Abfüllungen ausschließlich in Fassstärke ausgibt.  Seit ca. 1993 bin ich Mitglied und genieße die schönen Tropfen. Leider ist die Society in Berlin nur recht mangelhaft aktiv. Schade. Immerhin stehen seit der Übernahme nun ab und an auch Society Abfüllungen von Glenmorangie zur Verfügung. Ansonsten ist ja die Suche nach unabhängigen Abfüllungen von Glenmorangie und seiner „sixteen men of Tain“ meist aussichtslos.

Ich habe noch eine der alten Abfüllungen aus dem NAAFI Store der 80er und zwei der codierten Abfüllungen mit den fantasievollen Society-Namen zur Hand: „Dinner can wait“ und „Greta Garbo“.

Eher rare Gersten-Gesellen

Die wunderschöne und anhimmelnswerte Greta Garbo kann leider nicht mehr für mich hauchen: „High Roasted Chocolate Malt“, aber sie bemerkte dereinst: „Life would be so wonderful if we only knew what to do with it.“ Nun, ein schöner Dram könnte eine ratsame Option sein. Gerne ein Glenmorangie Signet. Slainthe!

www.glenmorangie.de

www.glenmorangie.com

www.smws.com

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2 Kommentare zu “Wenn alle Sinne Whisky verkosten – auch die Ohren

  1. Philipp Elph sagt:

    Feine Sache!

  2. […] handelte es sich um eine -wenigstens für mich- gänzlich neue Form einer Verkostung. Wie bereits Peter Eichhorn und Sven Körper anschaulich berichteten, wurden den Teilnehmern an einer festlichen Tafel zu einem […]

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