Westend-Klause (Charlottenburg)

Ich mag Ringelnatz. Er kannte das Leben, die Welt, Berlin. Er war ein solider Trinker. Er trank oft hier, wohnte ja gleich ums Eck am Sachsenplatz, heute Brixplatz. Diese Klause war sein Stammlokal. An seinem Lieblingsplatz hängt ein Gemälde, das ihn zeigt.

Morgens um neune war es oft soweit, dass er hereinspazierte mit seinem Hund „Frau Lehmann“ und erstmal einen Aquavit orderte.
„…Wie? Ich sei angetrunken? O nein, nein! Nein!
Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört….“

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Ich mag Engelhardt, das Charlottenburger Pilsener.
Heute ist die verwinkelte Kneipe mit glänzender Zapfanlage noch immer Treffpunkt, auch schon ab morgens um neune. Die Westend Nachbarschaft diskutiert, das Bier wird sorgfältig gezapft und extrem freundlich kredenzt, die Bilder an den Wänden studiert. Viele Gäste sind da dokumentiert. Zelli, der Zeichner; Schmeling, der Boxer; Tilla Durieux die Legendäre. Die Prominenz von heute ist profaner: ab und an schneit Hella von Sinnen mit Balder herein.
Eine Ostpreußische Tradition wird gepflegt: es kann „Pillkaller“ geordert werden, ein Schnaps der gemeinsam mit grober Leberwurst und Mostrich einzunehmen ist.
Die Treppe zur Toilette ist recht steil und ist ein praktischer Anhaltspunkt, ob man nun genug getrunken hat.

Wochendends wird Fußball geschaut, dann ist es eng und laut und es ist etwas mühsamer, an Pils und Suppe zu kommen.
Ringelnatz wäre wohl gegangen, Samstag 15.30 Uhr:
„Der Fußballwahn ist eine Krank-
Heit, aber selten, Gott sei Dank.
Ich kenne wen, der litt akut
An Fußballwahn und Fußballwut….“
Die verbliebenen Gäste gehen so gegen zwei Uhr, dann wird dicht gemacht.

Reichsstraße 80, 14052 Berlin-Westend
030-30328471

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Ein Kommentar zu “Westend-Klause (Charlottenburg)

  1. […] Ich sagte ja, die kommenden Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Damit sich das gute Gefühl am Ende nicht als trügerisch erweist, ist gute Vorbereitung wichtig. Dazu lese ich bei Eichi alles, vor allem aber alles über Charlottenburg. Das Bild habe ich auch bei ihm geklaut (Danke!), nämlich aus dem Eintrag über meine baldige Stammkneipe. […]

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