Ring frei? Eben nicht!

Ein Spaziergang an einem sonnigen Tag in der Umgebung des Kulturforums. Womöglich hält der Flaneur einen stärkenden Kringel oder einen pappigen Donut in Händen, da stößt er auf der Potsdamer Brücke auf das passende Kunstwerk.

„Der Ring“ von Norbert Radermacher. Irgendwie mein Lieblingsobjekt in Berlin. Ich mag versteckte Details im öffentlichen Raum genauso gern, wie spannende kulinarische Momente auf meinem Teller.

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Im Rahmen einer Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie 1985 montierte Norbert Radermacher einen bronzenen Ring in das Brückengeländer. Geheim und ohne Genehmigung, wie es seine Art ist. Das Geländer ist oben Weiterlesen

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The Shy Chef (Berlin)

Gourmetgenuß im Geheimen – Schlemmen mit dem scheuen Chef.

Ein kleines Abenteuer erwartet verwegene Gerneesser, denen es gelingt, ein Abendessen bei „The Shy Chef“ zu ergattern. Gar keine einfache Aufgabe, aber Mühe, kulinarischer Kampfgeist und Durchhaltevermögen werden erwartet, um sich einen Platz an der Tafel zu sichern, werden aber auch shychef menureichlich belohnt. Erst wenige Stunden vor dem eigentlichen Termin werden die Anschrift und weitere notwendige Geheiminformationen per Mail mitgeteilt.

Nicht weitersagen! „Speak easy, my friend, speak easy“ – sprich leise, hieß es in einer der finstersten Epochen US-Amerikanischer Geschichte, der Prohibitionszeit zwischen 1919 und 1933. Hinter vorgehaltener Hand wurden die geheimen, hochprozentigen Flüsterkneipen verraten, das Speakeasy. Gerade in New York City gibt es auch heute noch eine spannende Vielfalt von Orten mit geheimer Untergrundverköstigung. Mittlerweile ist dieses Phänomen auch in Berlin erlebbar, als Untergrundrestaurant, Geheimbar oder Eingeweihtensalon.

Recht mühsam gestaltete sich die Kommunikation mit den Berliner Küchenkünstlern. Der E-Briefkasten schien agentengerecht tot zu sein, am Ende sicherlich auch wegen eines Wasserschadens in der Küchendecke, der die Kochaktivität  zuletzt vereitelt hatte.

Nun stehen wir hier, irgendwo südlich des Landwehrkanals und sind gespannt, was uns erwartet. Die Klingel ist gefunden, die Türe wird sogar geöffnet, knarzige Altbautreppen führen hoch hinaus und in eine hübsche Wohnung, reichlich mit Kunst ausgestattet an einen Tisch, der für acht gedeckt ist.

Die Gäste sind rasch beschrieben: Alle sind wir absolute Foodies – begeisterte Genießer, neugierige Esser, weitgereiste Besteckwirbler. Alle sind ein wenig stolz, hierher gefunden zu haben – ein Koch aus Turin, eine Österreicherin aus Rom, zwei Berliner, weitere zwei Gäste aus dem Norden des Stiefels und unsere Ehrengäste: Ein Ehepaar aus Connecticut, die hier ihren 51sten Hochzeitstag feiern.

Eine gelungene Feier, denn das Essen ist tatsächlich großartig. Noch besser, als ich erwartet hatte. Orginelle Kreationen, hervorragende Zutaten, fein DSC03221abgestimmte Weine und sehr angenehme und unaufdringliche Gastgeber in einem unbeschwert-privaten Ambiente – ein perfekter Abend. Die zu entrichtende Spende (von 50 Währungseinheiten) am Ende des Abends ist sehr angemessen.

Die Konversation findet selbstverständlich auf Englisch statt. Dennoch hat der Herr aus Connecticut etwas missverstanden. Glücklich strahlt er von Gang zu Gang, froh nippt er am Weinglas und freut sich immer wieder darüber, Gast zu sein bei dem -wie er sagt- „Sly Chef“ (sly = verschlagen, hinterhältig). Wir können es ihm nicht abgewöhnen und auch das „Shy Chef“-Team lächelt nachsichtig.

Neue kulinarische Projekte stehen wohl demnächst an. Ich freue mich schon darauf.

Bis dahin aber: Pssst, hush, speak easy….

The Village Pet Store and Charcoal Grill (Grennwich Village)

Nichts ist so, wie es scheint. Hereinspaziert in das alte, ehemalige Haustiergeschäft für die Village People.

Käfige, Aquarien, Schaufenster voller Tiere sind noch immer da. Sie sind gut gefüllt.
pa160263 Süß, wie die chicken nuggets aus den Soßenschälchen picken, anmutig schwimmen die Fischstäbchen im Kugelglasaquarium. Der geschminkte Hase feilt sich gerade die Pfotennägel und elegant schlängeln sich die Hot-Dog-Würste zu ihren Brötchen. Eine Riesenspinne prüft den Kaugummiautomaten.

Wer mich nun für betrunken oder blöde hält, oder den Drogenkonsum in Greenwich Village verdammt, dem mag ich das nicht übel nehmen.
In der Tat ist der ausrangierte Zooladen zu einer begehbaren Kunstinstallation umgewandelt worden, die so manchen fragenden oder irritierten Blick provoziert.

pa160266Ein britischer Künstler ist verantwortlich, der eigentlich mit Street-Art und Graffiti Aktionen bekannt geworden ist: Banksy. Ich glaube, Bristol ist seine Heimat, zumindest gibt es dort zahlreiche spektakuläre Momente zu sehen von dem Mann, von dem keiner weiß, wie er aussieht.
Vielleicht habe ich ihn gesehen. Womöglich war er im Pet Store um zu schauen, wie die Leute reagieren.

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Kunst, Konsumkritik, ein Heidenspass? Jeder darf für sich entscheiden.

Ein paar Bilder habe ich heraufgeladen, bessere Bilder und mehr Information zu diesem faszinierenden Vogel gibt es unter:
http://www.banksy.co.uk
und
http://www.rebelart.net/diary/?p=721

Dabei lässt sich das „Manifesto“ des Banksy finden:
„When I was a kid I used to pray every night for a new bicycle.
Then I realised God doesn’t work that way, so I stole
one and prayed for forgiveness.“

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7th Avenue South 89, Greenwich Village, NY 10014 New York

http://thevillagepetstoreandcharcoalgrill.com/

New Museum (New York)

Das einzige Museum in NYC, das sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat.

Seinen Anfang nahm dieses Museum 1977 als eine art alternative Graswurzel Kunst-Plattform. Das neue Haus zeigt, wie weit man sich erfolgreich entwickelt hat.
Architektonisch recht aufregend ist der Bau von Sejima+Nishizawa/SANAA, der wie aufeinandergestapelte Kisten wirkt.
Erst im Dezember 2007 hat das neue Gebäude eröffnet und auf sieben Etagen werden unterschiedliche Aspekte künstlerischen Treibens ausgestellt, erklärt, durchgeführt.
pa180329Im Keller ein Theater, drei Galerieebenen mit Ausstellungen, ein Seminarcenter und eine famose Dachebene, der Sky Room, mit famosem Blick über SoHo. Obacht: der Sky Room ist nur am Wochenende geöffnet.

Die Galerien sind weiße Räume, hell beleuchtet, mit Bildern und Installationen. Jede Etage hat eine andere Deckenhöhe und somit ein anderes Raumgefühl. Viele Führungen und Diskussionen finden statt. Es hat eine sehr un-museale Atmosphäre und immer noch eine alternative Zielgruppe.
Sehr lebendig.

Bowery 235, 10002 New York

www.newmuseum.org

Edward B. Gordon, Maler

A painting a day – jeden Tag ein Bild aus Berlin. Edward ist ein leiser Chronist der Hauptstadt. Seit fast zwei Jahren hält er einen kleinen Augenblick Berlin fest.

Aus einer kleinen Skizze wird später ein Bild 15 mal 15 cm groß. Oft sind es Menschen, manchmal kleine Details der Strassen von Berlin. Zuweilen ist etwas kulinarisches zu sehen. Über 600 kleine Puzzleteile der Metropole sind auf diese Weise schon entstanden.

Einige kurze Zeilen kommentieren das Bild oder seine Entstehung. Anschließend kommt das Bild zur täglichen Auktion ins Internet. Jedes Bild wird versteigert. 150.- Euro sind das Mindestgebot. Es ist nicht viel Zeit. Bis zum nächsten Bild halt.

Den Stil des Künstlers kann man sich sehr gut vergegenwärtigen auf seiner Homepage.

Ich mag den Stil. Und ich bin schon wieder gespannt, was er uns morgen zeigt.

Torstraße 97, 10119 Berlin-Mitte
www.gordon.de

Kunstobjekt „Container“

Endlich hat Konsumkritik wieder einen Platz in der Kunst-Raum Wahrnehmung Berlins gefunden.dsc01070

Der Name des Künstlerduos „Becker + Armbrust“ ist unausweichlich verbunden mit genau diesem Stil, als mobile, temporäre Installation.
Orange, goldfarben ist der Hinweis auf Sonne, Wohlstand, Prosperität. Subtil durchzogen von rostigen Linien, die uns die Vergänglichkeit deutlich vor Augen führen.
Vergänglich der Wohlstand, vergänglich das Utensil, welches uns heute noch Freude bereitet….morgen schon langweilig, der Vernichtung anheim gestellt wird.
Fort damit!? Nein, halt, verschlossen ist das goldene Behältnis. Mag es voll sein? Hütet es einen Schatz?
Subtil platziert sind die Kübelobjekte, die sich um den goldenen Gral scharen und uns fragen: wohin?
Der Betrachter mag sich sogar aufgefordert fühlen: ja, auch Du! Eingreifen, Einwerfen, Entsorgen.

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