Glück ist wieder einmal Facil

Unter den Spitzenrestaurants der Hauptstadt bleibt (neben Tim Raue) das Facil mein absoluter Favorit.

Diese Woche trat dieses Restaurant wieder einmal den Beweis dazu an, was auch nötig war, denn kürzlich wurde ich allen Ernstes abgewiesen. Unglück.

Meine Tätigkeit als Reiseleiter zwingt mich unfreiwillig dazu, mit Reisegruppen Lokalitäten aufzusuchen, die der Reiseveranstalter gebucht hat. Oft handelt es sich dabei um Orte der Abspeisung, nicht des Genusses. Manchmal nutze ich auf arrogante und snobistische Art und Weise die Mittagspause, um mich erlaubt/unerlaubt von der (Reise-)Truppe zu entfernen, um anderenorts eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen, was zuweilen durchaus eine gut belegte Stulle bedeuten kann. Neulich jedenfalls parkte ich meine Busladung in einem der mittelmäßig inspirierten Speiselokale unter dem Dach der Sony Kuppel am Potsdamer Platz, um mich flugs ins Daimler-Areal in mein Lieblingslokal Facil zu flüchten. Ernüchternd und frustrierend musste ich zur Kenntnis nehmen, dass selbiger Ort der kulinarischen Erfüllung ausgebucht war und kein Platz mehr für den Eichi frei blieb.

Unwirsch trabte ich von hinnen, um mich unauffällig wieder der Gruppe anzuschliessen und doch noch fade Putenbrust mit Wokgemüse zu konsumieren. Grimmig schwor ich, wiederzukommen und eine weitere Abweisung nicht gelten zu lassen.

Reservieren hilft. Ich erhielt den begehrten Einlass. Und zudem wieder ein famoses Mahl, an dem ich noch heute genussvoll erinnernd  nachschmecke. Hoffentlich bekommt Michael Kempf in diesem Jahr nicht den zweiten Michelin-Stern. In meinem Herzen (vielmehr an meinem Gaumen und in meinem Magen) hat er ihn bereits seit Längerem, nur, dann wird es noch schwieriger, einen Tisch zu ergattern.

Jedenfalls durfte ich in der vergangenen Woche wieder einkehren und stöhne noch jetzt lustvoll, zurückerinnernd an die Ver- und Umsorgung in den wundervollen, leicht-eleganten Räumlichkeiten in der fünften Etage des Mandala-Hotels. Jetzt aber zur Sache:

1. Eine Vorspeise von Spitzkohl, Kümmel und Sieglinde. Regional, saisonal, köstlich!

2. Letchorisotto mit Kalbshaxe, Fenchel und Calamaretti. Genial. Ein perfektes süsse-säure Spiel über den Paprika im Risotto. Eine aromatische Schwere der Haxe duelliert sich mit der Salzigkeit der Calamar, die auf den Punkt gegart sind. Ein Reiscrisp mit trockener Tintenfischaromatik rundet das ganze ab und bereichert das insgesamt verblüffend-köstliche Mundgefühl.

Weiter ging es mit Bauer Beutes Wollschweinbauch mit Kraut und Rüben. Ein Ereignis!!! Der Schweinebauch in Niedrigtemperatur in seine Bestimmung gegart, angereichert mit subtiler Rote Bete, einem Hauch von Kürbis und weiteren Accessoires. Besonders bemerkenswert eine Rolle von Spitzkohl mit Paprikafüllung, die ein subtiles Räucheraroma beisteuert. Hammer!

Und dann noch das Dessert. Rein optisch setzte man mir ein Stück Waldboden vor. In der Karte las es sich als Gianduja Schokolade mit Moosbeere und Steinpilzcrumble. Dahinter verbarg sich jene formidable Schokolade, durchzogen mit der feinsten Moosbeere (welche die Meisten von uns lediglich als cranberry zur Kenntnis nehmen), einem schwammigen Pistazienbeiwerk und karamellisierten Steinpilzen. Die Pilzdetails auf dem Photo resultieren aus weisser Schokolade. Ich schmelze gerade hinweg.

Geht hier bloss nicht hin, sonst kriege ich wieder keinen Platz….

http://www.facil.de/

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9 Kommentare zu “Glück ist wieder einmal Facil

  1. richensa sagt:

    Irgendwie ist es nicht leicht, einen Kommentar zu hinterlassen, da die Augen und der Gaumen beim Anblick der formidablen Bilder verweilen möchte….

  2. kuechenreise sagt:

    Wow, das ‚Letchorisotto mit Kalbshaxe, Fenchel und Calamaretti‘ klingt ja wirklich ganz spannend und schaut am Bild gar vorzüglich aus! Welch eine interessante Kombination, mir läuft das Wasser im Mund zusammen (einzig den Reiscrisp kann ich mir nicht so ganz vorstellen)!

    Wollschwein klingt ja ebenfalls verlockend; und der Waldboden – auch wenn er sehr speziell aussieht – scheint ja ebenfalls fein zu sein.

    Das ‚Geht bloss nicht hin‘ ist bei solchen Berichten schwierig 😉

    • eichiberlin sagt:

      Hihi, danke für die Kommentare. Wenn es gelingt, nicht nur Neugierde, sondern auch Appetit zu erzeugen, dann ist es richtig! 🙂

      Ja, der verwegene Reiscrisp funktionierte über das Mundgefühl als Gegenpol zu dem eigentlichen Teller. Spannendes i-Tüpfelchen.
      Wenn man bedenkt, dass ein dreigängiger Mittagstisch im Facil für 39 Euro zu haben ist, so stimmt das Preis-Genuß-Verhältnis.

  3. Maria sagt:

    hehe -> bei so einer lobeshymne werde ich mich dort selbstverständlich auch in die liste der reservierer einreihen! 😀

  4. Lakritze sagt:

    Ich habe schon mit Grausamkeiten gerechnet und den Artikel vorsichtshalber mit nur einem Auge (halb zugekniffen) gelesen — meine Zusammenfassung in einem Wort: Sabber!

  5. eichiberlin sagt:

    Gerade in den Genuss-Bibeln bestätigt: ein Stern vom Michelin, 17/20 Punkte im Gault Millau. Gratulation.

  6. kormoranflug sagt:

    Alles sieht sehr lecker aus. Habe begonnen zu sparen damit ich mir den Besuch mal leisten kann.

  7. eichiberlin sagt:

    Mittags: Drei Gänge 39 Euro sollte sparbar sich erweisen.

  8. rotewelt sagt:

    Zum Glück ist es noch relativ früh am Tag, sonst hätte mich die Konfrontation mit diesen Köstlichkeiten gar zu sehr gequält!

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