Julie Powell: Julie & Julia

Dinner und Desaster. Butter und Blog. Und: Wodka Gimlet!

365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche, lautet der Untertitel zu dem wundervollen Buch, welches eher zufällig in meine Hände geriet, als über den gleichnamigen Film viele schmunzelten oder gähnten. Der Film klang nach Bridget Jones und ähnlichem Selbstverwirklichungs-Kram von Frauen um die 30. Nix für mich, dachte ich. Freunde waren anderer Meinung, schließlich würde es um Essen und Kochen gehen. So war ich denn zur Lektüre verdonnert.

Julie & Julia

Julie & Julia

Und tatsächlich geht es los mit den Gebärgedanken verwelkender Endzwanzigerinnen. Ich nehme mir vor, bis Seite 50 durchzuhalten und dann gegebenenfalls das Buch bei Nichtgefallen einer der gebärinteressierten Endreissigerinnen in meinem Bekanntenkreis zu überlassen. Ich habe Glück. Auf Seite 49 merke ich, ich werde das Buch zu Ende lesen.

Nun startet das „Julie/Julia Projekt“, in dem Julie Powell  den Kampf mit dem Kochbuch Mastering the Art of French Cooking(Vol. 1) von Julia Child aufnimmt, um innerhalb eines Jahres alle 524 Rezepte nachzumachen und auszuprobieren. Das Experiment wird von einer Berichterstattung in Form eines Blog begleitet, was Anno 2002 noch keineswegs eine derartige Selbstverständlichkeit darstellt, wie es heutzutage der Fall ist.

So bietet das Buch auf vielfältige Art und Weise Unterhaltung. 1. Berichte über erste unbeholfene Schritte aus den Anfangstagen des bloggens. 2. Pleiten, Pech und Perfektes im Umgang mit Weiterlesen

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Anthony Bourdain: Geständnisse eines Küchenchefs

Was Sie über Restaurants nie wissen wollten.

(Eigentlich liefert uns Berlinern die Ekel-Liste vom Bezirksamt Pankow diese Story.)

Geständnisse eines Küchenchefs

Geständnisse eines Küchenchefs

Mit diesem Buch wurde der Koch Anthony Bourdain zum Star. Tiefe Tiefen und dezente Höhen beschreibt Bourdain und suggeriert einen schonungslosen Blick in die Restaurant-Küchen der USA, vor allem in die von New York City. Gnadenlose Investoren, illegal eingewanderte Küchenhilfen, Sex, Drugs & Rock´n´Roll around the Porterhouse Steak.

Essen Sie Montags keine Meeresfrüchte! Meiden Sie diese Restaurants. Wer gibt einen Penny auf Wareneinsatz? Warum riecht die Umkleide wie ein Knast? Küchen-Apokalypse Now!

Das Buch ist gegliedert wie ein Ratgeber, entpuppt sich beim Lesen jedoch zusehends als Autobiographie in einem Ton wie: From Dusk till Dawn am Herd. Die Besatzung eines Piratenschiffs entert mit Kellen und Pfannen die HMS Madison Avenue.

Glaubt man dem Kerl sein Tun und Treiben? Vielleicht. Egal. Es ist mitreissend geschrieben. Hart, grell, komisch und pornografisch. Rasant. Ich mochte das Buch und finde es unsäglich, dass seine TV-Show No Reservations in der deutschen DVD-Fassung ohne englische Tonspur daher kommt. (Diese seltsamen Menschen von Edel Records, ts,ts.)

Heute reist Bourdain um die Welt, um die sonderbarsten und extremsten kulinarischen Erfahrungen zu machen und für das Fernsehvolk davon zu berichten. Er war übrigens auch auf eine Konnopke-Curry in Berlin, was Till Ehrlich in einem lesenswerten Artikel in der TAZ festgehalten hat.

Was Anthony Bourdain aktuell treibt, erzählt er uns in seinem Blog.

Ich werde auch sein nächstes Buch lesen.

Dieses hier ist bei Goldmann als Taschenbuch erschienen.