Die Berlinale kam mir Chinesisch vor

Ein Dummkopf, der arbeitet, ist besser als ein Weiser, der schläft (Chinesische Weisheit). Also: Ran an den 14. Februar, der es gewaltig in sich hatte: Valentinstag, Chinesisches Neujahr und Berliner Filmfestspiele. Würde ich alles unter einen kun-mien (kaiserlich, chinesische Kopfbedeckung) bekommen?

Teppich (rot)

Teppich (rot)

Den Reiz der Berlinale gilt es einmal im Jahr schon mitzunehmen, wenn alle so wichtig und kreativ sind und diejenigen, die es nicht sind, sich mit dem Kauf der alljährlichen Berlinale-Tasche, zumindest den Anschein geben können. (An dieser Stelle möchte ich ein für allemal anmerken: Nichts ist so uncool und oll, wie mit einer Berlinale-Tasche der Vorjahre auf das Festival zu kommen!)

Die Berliner Luft von Metropolis ist in der Festival-Zeit schon irgendwie elektrisiert und glücklicherweise können immer mehr Übliche Verdächtige im fünften Element sein und daran teilhaben. Selbst Ferris macht blau, verzichtet auf sein Frühstück bei Tiffanys  und hat gute Chancen, der Dritte Mann am Kassenschalter zu sein. Früher wartete man von Dusk till Dawn, aber seit der Friedrichstadtpalast dabei ist, sind einige Karten leichter zu bekommen. Das Kulinarische Kino erzählt

Dabei gibt es gar kein Jahr des Bären

Dabei gibt es gar kein Jahr des Bären

Kitchen Stories und lockt Randzielgruppen, quasi von Sideways, herbei. Auch ich war im Saturday Night Fever und stand 3 Tage des Condors Klapperschlange. Big Trouble in Little China? Nein! Schluss jetzt!!

San qiang pai an jing qi steht auf dem Ticket und bringt mich in den Genuss eines Wettbewerbsbeitrages aus China. Zu Deutsch: A Woman, A Gun And A Noodle Shop. Ein Remake des Debütfilms der Coen Brüder, Blood Simple, diesmal im alten China kurz nach 1800 spielend. Die Kritiken lasen sich nicht so begeistert. Ich mochte die breitbildigen Landschaftsaufnahmen von Regisseur Zhang Yimou, die Gelassenheit des Mörders und die Szene, in der der Nudelteig bereitet, geschleudert, balanciert wird.

Karriereleitern

Karriereleitern

Hungrig wie Valentin entfernten wir uns aus dem Saal, ließen uns rasch noch auf dem roten Teppich feiern/anstarren (jeder wird dort prophylaktisch gefeiert und ratlos angestarrt), um dann noch den wichtigsten Ort der Berlinale anzuschauen, die Parkhausausfahrt des Hyatt-Hotel. Hier fahren die Limousinen mit den Stars an hoffnungsfrohen Autogrammjägern und Fotografen vorbei, die in den Tagen zuvor sämtliche Trittleitern aus allen Berliner Baumärkten aufgekauft haben.

Prominenteste Parkauseinfahrt

Prominenteste Parkauseinfahrt

Endlich Ruhe zu bestem Essen und vorzüglichem Wein finden wir danach bei Familie Wu im Restaurant Hotspot. Die pikante Sichuan-Küche ist genau das richtige zu dem edel-süßen Moselriesling vom Weingut Christoffel. Alle gemeinsam erheben die Gläser auf ein gutes neues Jahr im Zeichen des Tigers.

Weinpräsentation im Hot Spot

Weinpräsentation im Hot Spot

Wie sang eins Norma Jean Baker? Kiss me, Tiger. Und: Happy Valentine!

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7 Kommentare zu “Die Berlinale kam mir Chinesisch vor

  1. karu02 sagt:

    Mit diesem Bericht hast Du ein Landei wie mich mal wieder zum Staunen gebracht. Ich wusste nicht mal, dass es Berlinale-Tasche gibt. Besten Dank für den Einblick in die Kultur-(Taschen-)Szene Berlins.

    • eichiberlin sagt:

      Wobei meiner Ansicht nach, die einzig wahre Berlin-Tasche, die Tausche-Tasche ist!

      http://www.tausche-berlin.de/

      • Deauville sagt:

        Vorzügliche Erlebnisse, vorzüglichst berichtet, mon chèr. Einspruch möchte ich nur an einer Stelle erheben: Berlinale-Taschen, gleich welchen Jahrgangs, auf der Berlinale zu tragen, ist immer uncool. Zumal das Plastik-Dingens des Jahrgangs 2010 bestenfalls in Fetisch-Kreisen Gefallen finden dürfte. Ich hab’s gehalten wie jedes Jahr und habe fein die Tasche des „Festival panafricain du cinéma et de la télévision de Ouagadougou“ aufgetragen – die Bentleyschlüssel-auf-den-Tresen-Leger in der Bar des Ritz-Carlton waren darob höchst beeindruckt…

  2. vilmoskörte sagt:

    Hotspot klingt gut, Berlinale-Taschen und Prominenz lassen mich eher kalt.

  3. oachkatz sagt:

    Ich fand die diesjährige Berlinale-Tasche ja schon recht schick. Darf man sie denn überhaupt noch tragen nach der Berlinale? Solange bis eine neue herauskommt? Oder nur nicht auf der nächstjährigen Berlinale? Sind Oldtimer zulässig? Ab welchem Alter? Vielleicht nehme ich doch die tausch-Taschen. Danke für diesen Tipp!

  4. eichiberlin sagt:

    Immerhin vor zwei oder drei Jahren gab es eine recht attraktive Tasche, bei der ich eine neue Farbe kennenlernte: Mauve. Ich Einfaltspinsel hätte schlicht „lila“ dazu gesagt, tsts.

    Deauville inspiriert mich zu einem verwegenen Gedanken. Womöglich wäre die coolste Verwendung einer Berlinale-Tasche, damit in ferne Cineasten-Welten zu reisen und dort exotisch zu punkten. Auf Film-Festivals der Somewherenear Sydney Silver Screen Society, oder der Amazing Alaska Anime Art Association. (Die ich hiermit gegründet habe.) Wer kommt mit?

  5. Deauville sagt:

    Welch wundervolle Idee, Eichi! Mit der Berlinale-Tasche auf dem Courmayeur Noir Festival im Aostatal, dem Transsilvania Film Festival in Cluj-Napoca oder dem Bring your own Film Festival in Puri: das hat wahrhaft Klasse und Größe! In Berlin kann man dann mit der Tasche des Pusan Film Festivals herumlaufen (sieht übrigens aus wie eine Requisite aus einer „Aktenzeichen xy ungelöst“-Folge, Jahrgang 1975)

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