Tröstlicher Tropfen – S-Bahn Berlin

Abweichende Betriebssituation“ lautet die lyrische Formulierung der S-Bahn Berlin zu dem,  was gerade verkehrstechnisch auf der Schiene läuft/fährt, beziehungsweise nicht läuft/fährt.

Vorsicht bei der Einfahrt?

Vorsicht bei der Einfahrt?

Der Stadtrand ist abgeschnitten. Zurecht, denkt sich bestimmt der Bahn-Vorstand. Wer will schon nach Strausberg-Nord, Spandau, Hennigsdorf oder Wartenberg? Unsere Fahrgäste sind doch eh alles Wut-Bürger, da fällt ein wenig mehr Aufregung gar nicht auf. Sollen die Berliner doch kuschelig zusammen rücken, auf den vereisten Bahnsteigen oder in den verkürzten Zügen.

Der Verkehrsminister? Der ist ja bestimmt nicht nur sauer, der ist sogar Ramsauer! Eine Sprecherin erklärt, er verstehe den Ärger der Fahrgäste! Jawollja. Na, danke. An der neu beschlossenen jährlichen Gewinnabführung der Bahn an den Bund in Höhe von 500 Millionen, sei aber nicht zu rütteln, abweichende Betriebssituation bei der S-Bahn hin oder her. Bekommt Berlin dafür wenigstens beheizte Radwege?

Aber: Wir sind selber schuld! Wir, die Fahrgäste. Unser ruhmreicher Verband, DBV (=Deutscher Bahnkunden Verband), zeichnete den Chef der S-Bahn, Peter Buchner, Anfang Oktober mit dem, vermutlich zurecht unbekannten, Schienenverkehrs Preis 2010 aus. Die überaus traurige Laudatio hält als Höhepunkt für uns die Leistung bereit, Buchner habe sich den Fragen der Fahrgäste gestellt. Bravo. Hoho, wird sich Herr Buchner mit seinem Beraterstab gedacht haben. „Solche Fahrgäste können wir ruhig in der Kälte stehen lassen. Die sind anscheinend so doof, die sagen auch noch „danke schön“. Da erhöhen wir doch gleich noch die (Fahr-?)Preise zum 1. Januar, schließlich verbringen die Leute derzeit ja auch viel mehr Zeit auf unseren Anlagen.

Kurz nach der Preisverleihung wurden kritische Stimmen aus den Reihen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) laut, ob die S-Bahn denn wohl auf den kommenden Winter vernünftig vorbereitet wäre. Empört wies die Bahn zurück: „Die Führung der S-Bahn hat sich gegen Kritik am weiterhin eingeschränkten Zugverkehr verteidigt und Vorwürfe zurückgewiesen, man sei nicht ausreichend auf den nächsten Winter vorbereitet,“ zitiert der Tagesspiegel am 8.10.2010. Unser Herr Buchner setzt noch einen drauf und prescht forsch voran: solche Aussagen hätten „die Kunden unnötig alarmiert“.

Im gleichen Artikel kommt auch unser Regierender Bürgermeister zu Wort, der mit klarem Blick die Situation erfasst und als „hochkomplex und kompliziert“ beschreibt. Trostlos-traurig-faszinierend liest sich jener Tagesspiegel Artikel heute: http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/chefs-sehen-s-bahn-fuer-winter-gut-geruestet/1951836.html

Vermutlich ärgert sich Herr Buchner mächtig, dass er es in der legendären Liste zum Jahresende im Stadtmagazin Tip der „Peinlichsten Berliner 2010“ (in der aktuellen Ausgabe!) nur Platz zwei erreicht hat. Im Hintergrund hören wir den DBV bieder dem Platz-Zwo-Preisträger applaudieren.

Welchen tröstlichen Tropfen wähle ich nun, um mit traurigem Trinken dem Tiefpunkt zu trotzen? Erst dachte ich an einen Whisky aus der großartigen „Old Train Line“ Serie von Jack Wiebers, aber der Whisky ist einfach zu edel für diesen Anlass. Nun gibt es stattdessen einen deutschen Jamaica Rum: Robinson 55. Gestrandet auf einer einsamen Bahnstation, harrt Robinson, ob er in der Ferne ein Verkehrsmittel erspäht, welches ihn aus seiner kargen Bahnsteiginsel befreit.

Robinson 55%

Robinson 55%

Ein sehr ordentlicher Rum wie ich finde (zumindest die Abfüllung mit den 55%) für kleines Geld, um die 15 Euro. Erhältlich beispielsweise im Ullrich Supermarkt am Bahnhof Zoo, gleich unter dem S-Bahnsteig…..

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Coffeemamas Hackescher Markt (Mitte)

Eine Tafel auf dem Tresen erklärt: „NEIN, wir haben keine fettarme Milch!“ Ausrufezeichen.

DSC02387Mit etwas Glück ist ein Platz auf einer der Bänke vor dem Café frei. Von hier aus, etwas hinter Sträuchern versteckt, hat man einen entspannten Blick auf den üblichen touristischen Trubel auf dem Hackeschen Markt. Mit dem Kaffee im Becher, Vollmilch dabei, eventuell noch einen Bagel in der Hand, läßt sich eine kleine Auszeit genießen, bevor man durch emsige Markthändler, unfähige Mietfahrraddilettanten, schimpfende Strassenmagazin-Verkäufer und Brigaden von Servierpersonal weiter zieht.

Ich mag die kleinen Auszeiten an diesem Ort, mit gutem Kaffee zu angemessenen Preisen (großer Kaffee 2,50; kleiner Espresso 1,50), dessen Bohnen es auch zum kaufen für daheim gibt. DSC02390

Ein weiterer Spruch fällt auf: „Eine Frau ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.“ Bezieht sich dieser Satz nun auf die Vollmilch oder die (zukünftigen Coffee-)Mamas? Vermutlich auf beide.

Hackescher Markt, S-Bahnbogen 4, 10178 Berlin-Mitte

Ergänzung 10.09.09: Der Bogen ist eine Baustelle und leider wirkt das alles derzeit sehr geschlossen.

www.coffeemamas.de

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