Le Lamian (Friedrichshain)

Ach wie schön, dass ich mich heute für chinesische Nudeln in den Friedrichshain begeben habe.
Neugierig, sehr gespannt, schritt ich, animiert von lobenden Berichten, in den nördlichen Teil der Simon Dach Straße, um das Lamian erstmals auszuprobieren.
Nun mag ich einstimmen in den Chor der gesättigten, zufriedenen und gar glücklichen, die in der weitestgehend kulinarischen Ödnis dieser Gegend eine Anlaufstelle gefunden haben.

Was für ein seltenes Glück in einem Stadtviertel, wo sich Kinder mit Körperbemalung bei klebrigen Burritos, halbherziger Pizza und Flaschenbier sättigen.
Sie gehen nicht ins Le Lamian – gut so!

Ein modern-minimalistisches Design mit weißen Wänden, roten Lichtakzenten und dunklen Holzschemeln bietet den Rahmen für alles Weitere. Vorne im Raum hat man den Blick in die offene Küche. Ein Blick der lohnt, vor allem wenn gerade frische Nudel gewirbelt werden.
Speise- und Getränkekarte sind schlicht fotokopiert. Ist der Wirt sparsam oder kann er so tagesfrisch aktualisieren? Das weiß ich leider nicht.
Sei´s drum. Die Spezialitäten des Hauses sind ganz klar zum einen: die kalten Vorspeisen, zum anderen: die famos-frischen Nudelgerichte.

Verschiedene Menüvariationen für mehrere Personen sind wohl der geeignetste Weg, die Fähigkeiten des Hause zu überprüfen. Das Sommer Menü zu 18.- Euro mit fünf Vorspeisen, einem Nudel-Hauptgang und einem Dessert war die offensichtliche und auch gute Wahl.
Leider musste ich es mit einem Mitesser teilen.
Mein Favorit war auf den ersten Blick schlicht, entpuppte sich aber als harmonisch abgestimmte Kombination mit hervorragenden Zutaten. Gurkenschalen mit Chili und Ingwer.
Die Entenbrust war butter zart in einer Tomaten-Essig Marinade.
Das Tofu nannte sich Gourmet-Tofu an scharfem Öl mit süßer Soja Mehlsoße, aber Tofu wird mich wohl nie so ganz vom Hocker hauen können.
Wobei tatsächlich die Hocker auf Dauer gesehen ein eher karges Sitzmöbel darstellen.

Das Beste aber sind die Nudeln. Meine Variante war in Zwiebelöl serviert und ein echter Volltreffer.
Weitere Möglichkeiten mit Fleisch, vegetarisch, oder auch als Bestandteil einer Suppe werde ich dann demnächst ausprobieren.
Die Weinempfehlung war ein junger Weißburgunder, der ein prima Begleiter war. Kraftvoll genug, um mit den vielen Würznoten klar zu kommen, lecker genug, um noch ein Gläschen mehr zu ordern.
Etwas schwach war die Früchtesuppe mit Reisteigpastillen. Die hohe Serviertemperatur war gaumentechnischer Extremsport. Abgekühlt wirkte die Brühe sehr wässrig-neutral und der Reisteig war quantitativ recht überschaubar.

Sehr freundlich war der Service, der engagiert erklärte und immer wieder zum probieren animierte.
Man kann ja auch immer noch eine Kleinigkeit mehr bestellen. Die Geschmacksvielfalt und die lustigen Kombinationen machen weiter neugierig. Wobei wir preislich schon mit dem eher exklusiven Bereich des Bezirks konfrontiert sind. Die Kleinspeisen liegen bei 5 bis 7 Euro.

Chinesische Küche dieser Spielart ist mir in Berlin neu, obwohl wir in der Hauptstadt mit fernöstlicher Küche schon sehr ordentlich versorgt sind.
Zu viert oder sechst am Tisch ist hier perfekt – austauschen, probieren, experimentieren, vergleichen. So wird der Genuss auch gesellig.
Wer alleine kommt bekommt auf Wunsch Lesestoff gestellt. Nicht 030, nicht Gala. Lettre wird gereicht.
Neue Zeiten im F´Hain?

Nachtrag im Februar 2010: Das richtige Lokal am falschen Ort hat leider doch nicht funktioniert. Wenn die Buschtrommeln recht haben, steht ein neues Projekt in anderer Lage bevor. Bin gespannt.

Simon-Dach-Straße 2, 10245 Berlin-Friedrichshain
http://www.lamian.de/

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