Pusser´s New York Bar (München)

Gebrochene Herzen werden am Meer geheilt, heißt die Textzeile in einem Lied, das als einleuchtende Erklärung gelten muss, warum ausgerechnet die womöglich angenehmste Bar von München im Stil einer alten Matrosen Pinte ausgestattet ist. Also stechen wir in See mit Captain Morgan….(bzw. mit dem legendären Pusser´s Navy Rum).

Pusser´s

Pusser´s

Bill Deck ist der Mann, der nun schon vor über 30 Jahren die Segel setzte, um die Barkultur amerikanischer Prägung in München auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit seinem Sohn Dave betreibt er nicht weit vom Hofbräuhaus, aber glücklicherweise gut versteckt, einen genialen Ort. Einen Raum, der mehr ist als eine Cocktail Bar. Es ist ein Treffpunkt für Stammgäste jeden Alters.

Ein bisschen wie ein britischer Pub mit der Philosophie: Vor dem Tresen ist jeder gleich – nur, mit besseren Cocktails! Schickeria-Faktor glücklicherweise gleich Null.

Ein alter, dunkler Holztresen mit Kerben und Spuren der Zeit. Maritime Beflaggung und entsprechende Devotionalien. Ein Duft nach Blut, Schweiß und Tränen. Das Umschlagbild der Karte zeigt, wie die britische Marine

In the Navy...mit 1-A-Zeitschriftensortiment

In the Navy...mit 1-A-Zeitschriftensortiment

gerade ein feindliches Schiff versenkt (ungefähr Ära Nelson). Diese Karte ist übrigens  gleichsam eine Geschichtsstunde zur britischen Marine. Darin viel wissenswertes über Flaggen, Begriffe, die Rumzuteilung für Matrosen der Navy und ihre Trinksprüche. Was ist heute? Donnerstag? Wir trinken also auf: A bloody war and a quick promotion.

Als Cocktailfreund bin ich begeistert, das auf geschickte Weise Klassiker den atmosphärischen Rahmen begleiten, ohne dass das aktuelle Bargeschehen übersehen wird. So gibt bereits einige Drinks mit dem genialen neuen Bols Genever auf der Karte. Aber auch die wieder entdeckten Klassiker. Ich

Zum Oberdeck

Zum Oberdeck

bestelle einen Pegu Club (Gin, Cointreau, Lime, Bitters), welcher mir solide gemixt wird, allerdings mit Gordon´s; ich hätte mir lieber einen Plymouth Gin gewünscht.

Preislich bewegen sich die Drinks zumeist zwischen 8 und 12 Euro. Dazu kommen feine kleine Speisen, eine solide Malt Whisky Auswahl, ein ordentliches Zigarrensortiment und ein Piano. Das Lokal hat mehrere Ebenen (Decks?!), daher kommt sich kein Genussbedürfnis in die Quere.

Ein Besuch in der Pusser´s Bar wäre nicht komplett ohne den Genuss eines

Die Becher sind käuflich

Die Becher sind käuflich

Pusser´s Painkiller. Dem legendären Drink, der in der „Soggy Dollar Bar“ auf der Jost-van-Dyke-Insel kreiert wurde. Es gibt ihn in mehreren Stufen (Stufe 4 wird vom Schiffsarzt mitunter als Betäubungsmittel verwandt – 8 cl Rum!) und stets serviert im kultigen Blechbecher.

Ich mag diese Bar. Sie hat etwas erwachsenes mit einer gelungenen Mischung aus entspannt und elegant. Und sie hat grandiose Gastgeber und Barmixer mit einer sehr persönlichen Note.

Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch.  Auch ohne Herzschmerz ist ein Platz an diesem Tresen etwas erfreuliches.

Falkenturmstraße 9, 80331 München. Täglich von 18-03 Uhr

www.pussersbar.com

Das eingangs erwähnte Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1997 von Garth Brooks und trägt den Titel „Two Pina Coladas,  die selbstverständlich in der Pusser´s Bar auch erhältlich sind!

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11 Kommentare zu “Pusser´s New York Bar (München)

  1. vilmoskörte sagt:

    Macht neugierig, dein Artikel. Und dieser Widerspruch von Außen und Innen ist erstaunlich.

  2. konniebritz sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob Pusser’s Painkiller identisch ist mit Pusser’s Navy Grog. Der schmeckt genial, besonders um diese Jahreszeit.

    • eichiberlin sagt:

      Identisch sind sie nicht, kommen aber aus der ähnlichen Richtung. Der Painkiller beglückt mit Rum, Orange, Ananas, Kokos und Muskat.
      Der Navy Grog taucht in unterschiedlichen Rezepturen auf. Im Pusser´s wird er mit Rum, Ananas, Maracuja, Limette und Mandel zubereitet.
      Andere Rezepte sind alkoholischer und verwenden mehr Bitters und/oder Honig.

  3. vlhusky sagt:

    Gibt’s den Becher (nur) „mit Eichi“ oder (auch) ohne 😉

  4. oachkatz sagt:

    Garth Brooks muss es wissen, das mit dem Meer – der aus Oklahoma stammende Countrysänger ist so sehr von der Küste wie der Wiener Freddy Quinn. Oder wie die Marine von München.

  5. Afra Evenaar sagt:

    Ich hoffe, du schickst den kleinen Eichi in seinem Rettungsbecher nicht auf die hohe See, um seinen eventuellen Herzschmerz zu kurieren.

    Wenn du schon mal für mich bestellen magst: den Pegu Club. Ich komm dann nach.

  6. Maximilian Graf von Arco-Reuning sagt:

    Ich persönlch fand es eine herbe Enttäuschung!
    1974 gebaut und seither nie mehr renoviert.
    Das Personal durchaus feindlich gesinnt.
    Gut versteckt ist vielleicht genau das was es sein sollte.

  7. Wieso muß EichiBerlin diese Bar eigentlich _Pusser’s New York Bar_ nennen?

    Irgendwie _Harry-verseucht_?

    Die Kiste heißt ganz einfach und schlicht _PUSSER’S_ und liegt in München als sogenannter „Outpost“.

    Wie diese durch und durch britische Einrichtung eingangs als „…_Barkultur amerikanischer Prägung_.“
    eingeführt wird, sollte der Verfasser vielleicht erklären.

    Eventuell wäre leichtes korrigieren des Artikels viel, viel einfacher weil sinnvoller.

    • eichiberlin sagt:

      Eichi muss gar nichts.
      Er erinnert sich allerdings daran, dass diese „Kiste“ bis vor einigen Jahren tatsächlich „Harry´s New York Bar“ hieß. Als verseucht hat das auch damals niemand empfunden.

      Bill Deck ist seinerzeit für die U.S. Airfrorce und AFN nach Deutschland gekommen, aus den USA. Von dort brachte er seine Inspiration für diese großartige Cocktailbar. Ich glaube, das kann man als amerikanische Prägung bezeichnen.
      Dass mit dem Pusser´s Rum eine thematische Verbindung mit der britischen Marine entstanden ist, ändert nichts an den Wurzeln. Zumal auf den durchaus lesenswerten Seiten der Internet des Pusser´s zu lesen steht: „Das Interieur der Bar ist ganz dem Stil einer rustikalen New Yorker Hafenbar nachempfunden“.

      Man könnte meinen, die Aufforderung zum Korrigieren käme von einem ambitionierten Oberlehrer.

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