Pure Gold Bar (Bonn)

Da dachte ich doch: Es ist wahrlich nicht alles Gold, was glänzt! Schon gar nicht in Bonn!!

Und plötzlich entsteht dort aus dem Nichts heraus (so wie in Bonn wohl alles entsteht) ein Ultra-Luxus-Hotel mit fernöstlichem Anstrich samt Cocktail Bar. Auf der anderen, der falschen Rheinseite, in Oberkassel-Ramersdorf. Das Kameha Grand. Wow, wow, wowstens.

Das Kameha Grand verhält sich zu seinem Bonn ungefähr so, wie das Ritz-Carlton zu seinem Wolfsburg (nur ohne drei-Sterne-Restaurant). Dazu muss man Volkswagen durch Telekom ersetzen. Eine gewaltige gläserne

Kamehalle

Kamehalle

Halle, gen Fluss gerichtet, umbaubar für Feiern, Kongresse, Vorträge, hat am hintersten Eck eine stylische Bar geschickt eingefügt.

Und hier sitzt man nun, an einem langen schwarzen Tresen, umgeben von sehr schönem durchdachtem Design, mit unglaublicher Raumhöhe und blickt in eine dicke, weichbespannte goldene Karte, die auch als Kissen dienen könnte.

Die Karte führt einige sehr schöne Posten. So entdecke ich Fentiman´s Tonic und Ginger Beer. Wow. Sofort möchte ich erfahren, welche Drinks sie denn mit dem Ginger Beer anbieten. (Für einen Sonntag ist die Bar mächtig gut

She´s my private dancer

She´s my private dancer

besucht und die beiden charmanten Bardamen haben gut zu tun. Obwohl meine Fragen offensichtlich irritieren, ist man um Antwort bemüht.)  „Das Ginger Beer verwenden wir nur für Longdrinks.“ Aha, und welche? „So, wie der Gast es wünscht. Von Moscow Mule haben wir noch nie etwas gehört.“ Diese Antwort ist vollkommen richtig. Vermutlich wurde noch nie eine Flasche Ginger Beer verkauft.

Ich bestelle einen Gimlet und betrachte die schicke Lichtprojektion auf den goldigen beweglichen Täfelchen über dem Backboard. Dort tanzt eine Frau für mich zu den Klängen der wirklich schönen Lounge-Sounds. Die charmante und bezaubernde Bardame nähert sich zaghaft, um mir die unfrohe Botschaft zu übermitteln, dass kein Lime Juice verfügbar ist. Es ist ihr aufrichtig unangenehm.

Ich sehe wunderbare Spirituosen und Zutaten. Vor allem Gin und Vodka. Möchte niemand mit ihnen mixen? Ich bestelle ein 0,25 Gerolsteiner zu 3 Euro. Soll ich den Mischgetränke-Plan aufgeben und lieber pur trinken? Ein Glas Macallan 12jährig soll 12,50 kosten. Ich muss husten (und zwar nicht, weil rauchen erlaubt ist). Was gibt es sonst noch? Asiatische Spirituosen,

Gold hoch oben

Gold hoch oben

darunter angeblich Mao Tse Tungs Lieblingsgetränk. Nein, ich möchte mixtechnischen Aktionismus provozieren und wähle einen Cucumber Martini (zu 11.-), der hier mit Apfelsaft angereichert wird.

Die schöne Bardame bringt mir ein Martiniglas und schüttelt einen Shaker. Es fehlt ein Geräusch. Ich höre kein klackern. Sie gießt meinen Drink ins Glas und stellt den Shaker daneben, damit ich nachfüllen kann. Es ist kein Eis darin. trotzdem ist der Drink kalt. Eine sonderbare, verwirrende Showeinlage. Ich muss an Berlin denken, selbstverständlich an die dortige Bar Reingold, deren Drinks deutlich zuverlässiger funktionieren, als im Pure Gold.

Viele andere Details stimmen. Taco-Chips werden gereicht, bei Drinks mit Obst wird ein Teller zum ablegen der Reste bereit gestellt, es gibt eine feine Zigarren-Karte und Kleiderhaken unter dem Tresen. Der Service ist 1-A. Lustig: Die Longdrink-Gläser sind schwarz. Selbiges fördert sicher die Kellner-Gast-Kommunikation.

Der Gral

Der Gral

Weitere kuriose Gläser stechen ins Auge. Allgegenwärtig ist ein silberner Pokal mit aufwändigem Dekor. Die schöne Tresendame verrät mir, das manche Gäste nach den Drinks fragen, die es in diesem Becher gibt, nur um aus jenem Gral trinken zu dürfen. Aha. Unbeeindruckt erkundige ich mich, welche Drinks denn in dem magischen Becherchen serviert werden. So einen will ich auch.

Der Singapore Sling darin ist geschmacklich in Ordnung. Gemixt wird die Raffles-Variante, allerdings ohne Grenadine, dafür etwas mehr Cherry Heering (was ich O.K. finde); also nicht die klassische Art mit Soda. Leider schüttelt die für das Mixen zuständige Haupt-Bardame nicht öfter als ca. vier mal. Alle Drinks sind nicht richtig kalt.

Ich befrage meine geschätzte Tresenkraft nach den Haus-Spezial-Drinks. Es sind drei alkoholfreie Mixturen mit Holundersirup, die unter der Kategorie „Samova Kameha“ in der Karte auftauchen. Apropos Holunder: Ich erspähe den famosen Holunderlikör von St.Germain im Regal. Die Flasche ist noch versiegelt. In der Karte ist kein Rezept damit vorgesehen. Ich frage nicht weiter nach.

Ein magischer Raum, eine bezaubernde Bedienung, ein bemerkenswertes Getränkesortiment. Wenn noch ein wenig mehr bartechnische Finesse und Leidenschaft hinzu kommt, werde ich gewiss bei jedem Bonnbesuch hier einkehren.

Pure Gold Bar im Kameha Grand Hotel, Bonner Bogen 1; 53227 Bonn

www.kamehagrand.com

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10 Kommentare zu “Pure Gold Bar (Bonn)

  1. bunnyberlin sagt:

    klingt nach mehr schein als sein.

  2. eichiberlin sagt:

    Hey, es ist Bonn.
    Du weißt schon: BN. Berliner Nebenstelle.
    Weitgehende Cocktailwüste.

  3. oachkatz sagt:

    Hm, da musste ich doch zweimal nachlesen: Cocktailwürste? Und noch dazu weitgehend?

  4. eichiberlin sagt:

    Cocktailwürste? Juhu, Zeit für eine 70-er Jahre Party. Wer hat noch einen Käseigel?

  5. vilmoskörte sagt:

    Und Fliegenpilze aus Tomaten. Lang lebe Clemens Wilmenrod. http://www.youtube.com/watch?v=IAQhpI9euwg

  6. richensa sagt:

    Ich könnte aus den Beständen meiner Oma diese Platte, die rundherum Vertiefungen für Eihälften hat, dazu reichen.
    Müsste nur kurz im Ostwestfälischen vorbeifahren…

  7. PeterPan sagt:

    Bla Bla Bla…
    Super Laden für eine Stadt mit unter 500.000 Einwohnern… Und diese Bonn-Berlin Sprüche gehören wohl eher in die 90er, in denen die anderen Kommentatoren wohl Ihr Hirn vergessen haben

    • eichiberlin sagt:

      Ach ja, die 90er Jahre in Bonn. Da gab es noch die wundervolle Negroni-Bar oder die Meyer-Lansky-Bar und am Münsterplatz war noch das „Hähnchen“ und nicht Starbucks.

      Für eine Stadt mit 317.000 Einwohnern ist ein derartiges Hotel, wie das Kameha Grand, mit seiner Bar sicher ein faszinierendes Angebot. Für ein Fünf-Sterne-Haus müssen aber gewisse internationale Standards und Erwartungen gelten, unabhängig davon, ob der Blick aus Berlin oder sonswoher kommt.

      Dass Blicke und Sätze zwischen Bonn und Berlin öfters gewechselt werden hat sicher wenig mit 90er-Jahre-Attitüde zu tun, sondern mit dem Berlin-Bonn-Gesetz (oder für die wenigen selbsternannten Hirnbegabten unter uns: „Gesetz zur Umsetzung des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991 zur Vollendung der Einheit Deutschlands“), was die Regierungsfunktionen und Bundesbehörden auf beide Orte aufteilt und sie somit in eine Art überteuerte Zwangsehe verdammt.

      Solange dieses Gesetz besteht, werden sich Bonn und Berlin weiter miteinander auseinander setzen müssen. Und Bonn muss es eben erdulden, dass überhebliche Hauptstädter (nicht immer freiwillig) in die rheinische Provinz reisen. Wenn dort dann mittelmäßige Cocktails zu hohen Preisen serviert werden, so darf das dann auch angemerkt werden. Selbst noch im Jahre 2010.

  8. bunnyberlin sagt:

    och, wie süß! die bonner sind immer noch (nach fast 20 jahren!!) nahezu klischeehaft vergrätzt ob der großen, bösen hauptstadt.

    aber mit so einem handle hat man anscheinend auch seine kindheit noch nicht so ganz verarbeitet…. teee heee heee.

  9. eichiberlin sagt:

    Die Bar wurde zwischenzeitlich geschlossen und dient nun als Veranstaltungslocation. Lediglich im Hotelfoyer wird noch ein überschaubares Sortiment an Mixgetränken angeboten.

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