Richard ruft! Ich folge gerne

Ich nehme es vorweg: mein aktuelles Lieblingsrestaurant für frische Küche mit regionaler und französischer Prägung, überraschenden Twists und großartiger Weinberatung, liegt in Kreuzberg. Gleich gegenüber des Geländes der Spedition Zapf mit der sonderbaren Lenin-Statue darauf.

Vom Offizierskasino zur Tarantel, vom Auerbach zum Richard, die prachtvollen Fesnsterbögen bleiben die gleichen.

Vom Offizierskasino zur Tarantel, vom Auerbach zum Richard, die prachtvollen Fensterbögen bleiben die gleichen.

Richard, genauer: Hans Richard, ist eigentlich Künstler, kommt aus der Schweiz und entwickelte ein Faible nicht nur für die Kunst der Malerei, sondern auch für die Küchenkunst. Er nahm sich den wundervollen und historischen Räumlichkeiten an der Köpenicker Straße an. Ursprünglich ein Offizierskasino, später eine sonderbare Kaschemme namens „Tarantel“, in der Kreuzberger Linke, Agenten, Kommunarden und V-Männer verkehrten. Später ein wagemutiges Gastro-Projekt namens Auerbach, in dem Koch-Genie Tim Raue sein Handwerk erlernte, dass verwegen mit weissen Tischdecken und edler Küche ausgestattet war, als es das frühe 90er-Jahre-Kreuzberg ertragen konnte, weswegen diverse bizarre Anschläge erfolgten. Sogar Handgranaten flogen.

Heute ist Kreuzberg durchaus im Stande, sich auf gutes Essen in gehobener Atmosphäre einzulassen (auch wenn kürzlich die Mauern der Long March Canteen mit der Parole: „geht doch nach Mitte, bitte!“ besprüht wurden). Und das Restaurant Richard ist dafür ein schönes Beispiel. Elemente, wie Decken und Fenster, der historischen Raumsituation wurden behutsam erhalten und mit abwechslungreichen, modernen künstlerischen Elementen ergänzt. Bemerkenswerte Lampen, kupferfarbene Lichtreflexe und angenehme Sitzmöbel mit Stoffbezug füllen den Raum. Der Service ist aufmerksam und engagiert. Die Weinberatung ist sehr präzise und die Flaschenpreise sehr freundlich kalkuliert. Ich ärgere mich gerade, dass ich nicht auf den Namen des Champagners komme, von dem wir nach dem ersten Glas gleich eine ganze Flasche orderten. Jener Maison Legras & Haas Tradition Brut machte mit 53 Euro für die Flasche beinahe Lust auf eine Zweite davon.

Das Menü wechselt mit der Saison und der lustvollen Inspiration der Küchencrew. Es bleibt von der Anzahl der Gerichte her überschaubar und frisch und der Gast stellt sich sein Menü mit drei oder mehr Gängen zusammen. Fünf Gänge kosten angemessene 66 Euro. Gute Produkte werden klassisch zubereitet und mit einem Twist versehen. Und das erfreulich gekonnt und nicht, wie ich es zuletzt viel zu oft erlebte, überzogen, mit dem Versuch, etwas Spezielles zu erzwingen, dabei aber die Balance des Gerichtes zu verlieren. Das Richard überrascht und fasziniert, allerdings subtil und überraschend. In jedem Gang. Es gab keine Schwachstellen. Vorspeisen, Haupt- und Zwischengänge und das Dessert, ich will keinen Gang missen.

Besonders sei dieses Restaurant auch den Freunden vegetarischer Kreationen empfohlen. Neben dem Menü für Fleisch- und Fischesser gibt es ein weiteres, rein vegetarisches Menü. Mehrfach fand ich, als begeisterter Carnivore, diverse Gänge des vegetarischen Menüs noch aufregender, als die fleischlastigen. Glücklicherweise ist es kein Problem, Bestandteile beider Menüs miteinander zu kombinieren.

Von Dienstag bis Samstag ist ab 19 Uhr geöffnet und ich werde sicher selbst bald wieder für ein neues Menü vor der Türe stehen und es Louis Jordan and The Tympany Five gleichtun, die fordern: Open the door, Richard!

Restaurant Richard, Köpenicker Straße 174, 10997 Berlin

 

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