Uma (Mitte)

Zwei Amerikaner am Nebentresen waren beinahe fassungslos: „Wie, es gibt keinen Reis? Ist dies nicht ein japanisches Restaurant?“
Ist es wohl, aber doch auch ganz anders.

Es ist aufregend, in der ersten Woche einer Neueröffnung Gast zu sein. Es ist eine besondere Atmosphäre. Es ist zu früh, um vor der Begleitung den routinierten Stammgast zu mimen. Sätze wie: „Sonst esse ich hier immer den….“, oder „Mit der …. kannst Du nichts falsch machen.“
Und: „Das Übliche!!“ geht schon gar nicht.
Alle dürfen sich neugierig und unbefangen umschauen und die Köche und Kellnerinnen mit Fragen löchern.
Aber jeder ist selbstverständlich extrem gespannt, wie Tim Raue gemeinsam mit seiner charmanten Frau Marie-Anne und der Adlon Collection/Kempinski-Gruppe sein neues kulinarisches Kind aufzieht.

An einer der hässlichsten Ecken Berlins (Wilhelm- Ecke Behrenstraße) betreten wir eine andere, eine fernöstliche Welt.
Ruth Reichel hat einmal sinngemäß gesagt: „der Restaurantgast bezahlt auch für das Eintauchen von ein paar Stunden einer anderen Welt.“
Sie hat recht und besonders hier. Oh ja, wir tauchen!

Das Design ist auf japanische Weise sehr elegant, ohne unbequem zu sein.
Eigentlich haben wir hier drei gastronomische Einrichtungen in einer. Der kulinarische Mittelpunkt ist das „Ma“, wo Raue waltet. Das „Uma“, wo man rings um diverse Tresen sitzt und in die offene Küche schaut. Und die „Shochu Bar“, eine lounge mit teilweise sehr ungewöhnlichen und spannenden japanese-Style Cocktails.
Das designerische Innenkonzept ist von Anna-Maria Jagdfeld, die hier sehenswertes geschaffen hat, vom Fenster (reinschauen und rausschauen ist hier zweierlei…aber, sehen Sie selbst!) zum Hocker zum Toilettenbereich. Toll.

Die Küche ist auf schlichte Art spektakulär, ohne kryptisch zu sein. Ma ist chinesisch für Pferd. Uma ist japanisch für…na Pferd halt. Damit wäre auch schon der Stil der jeweiligen Küche angedeutet. (Nein, es gibt kein Pferd zu essen. Nur zum gucken sind überall Pferde, groß im Raum stehend, oder klein zur Ablage der Stäbchen, vornehmlich aus Ton, vornehmlich im Stile der Han-Dynastie. Also viertel vor Mao.) Mein Bericht hier gilt dem der japanischen Variante des Uma.

Der Service ist auf angenehme Weise sehr aufmerksam und locker, ohne steif-arrogant zu sein.
Man merkt, dass viele der Angestellten aus dem alten 44 gleich mit gekommen sind und bereits eingespielt sind.
Dass der Sake-Sommelier noch ein wenig Zeit braucht, um auf seine Getränke eingespielt zu sein, ist verständlich.
Aber schade, dass es zu den japanischen Gerichten kein Sake-Begleit-Konzept gibt. Eine ganze Flasche (wir hatten dann den Honjozu Genshu zu 48.- Euro) ist dabei ja nicht jedermanns Sache nicht.

Das Essen war extrem köstlich, ohne dabei in befürchteten Kleinstmengen nur per Lupe sichtbar zu sein. Nein, nein. Hier wird man auch satt.
Allerdings sitzt man im Uma halt vor der offenen Kochstelle und sieht und riecht und wird verführt…
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Mein Favorit an diesem Abend waren die Soba-Nudeln mit grünem Teepulver, mit Roter Beete und Schmand. Das war Fusion-Küche JapanXRussland und es war genial (für 14.- Euro).
Kleine Gurken mit Gin-Tonic-Gelee waren sehr Molekular und sehr interessant.
Und nachdem das japanese style beef mit Spinat (zu 22.-)vor unseren Augen zum duften gebracht wurde, konnten wir nicht widerstehen und waren begeistert. Und die Informationen zum Thema Wegu-Rind und Kobe-Rind waren hoch interessant und unterhaltsam. Man sitzt mit den Köchen und man darf sie auch ansprechen. Diese Leute haben so viel Wissen, es wird viel zu selten abgefragt.

Und während ich noch an die Austern, das Sashimi, das Mandeltofu und das Yuzusorbet denke, bekomme ich fatalen Hunger.
Demnächst also wieder ins Uma, und ins Ma, und ins Uma….

Behrenstraße 72, 10117 Berlin-Mitte
http://www.ma-restaurants.de

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