Es bleibt, wie es ist: Immer neu! Tim Raue Restaurant

Was hat sich rings um den Checkpoint Charlie nicht alles verändert, in den vergangenen Jahren. Schauspielschüler in alliierten Uniformen posieren für Touristen vor einem extrem verniedlichenden Grenzhäuschen-Nachbau,

Moderne Eleganz uns Leichtigkeit

Moderne Eleganz uns Leichtigkeit

das Deutsche Currywurstmuseum verwirrt seine Besucher mit kecken Eintrittspreisen. McDonalds lockt die Pubertierenden, die aus dem Mauermuseum gegenüber auf die Straße stürmen und das gute alte Café Adler wurde Opfer der Latte-Macchiatisierung der Hauptstadt.

Aus der Kochstraße wurde zuletzt die Rudi-Dutschke-Straße, was noch immer Scharen ergrauter 68er zum fröhlich-kicherigen Kopfwackeln verleitet. Mit dem Zuzug des Tim Raue Restaurant wird diese Straße nun auf subtile Weise doch wieder zur Kochstraße, auf äußerst schmackhafte Art.

Japanische Pizza

Japanische Pizza

Die unglaublich kreative und überraschende Küche, die Tim Raue aus dem Adlon heraus an den neuen Standort verlagert hat, ist aus dem Ma und dem Uma bekannt. Asiatisch inspiriert, Beilagenminimalismus, höchste Produktqualitäten.

Der Neubeginn in Kreuzberg ist nur teilweise ein solcher. Weite Teile des Küchen- und Servicepersonals sowie die Speisekarte begleiteten Marie-Anne und Tim Raue an den neuen Standort. Die Gourmetkreise wollte man wissen lassen, dass es kein gänzlich neues Restaurant ist. Nur ein neuer Standort. Mit Erfolg. Die frisch erschienenen Gourmet-Führer gaben reichlich Punkte und auch der Michelin Stern zog mit nach Kreuzberg um.

Nicht jeder war mit dieser Entwicklung einverstanden. Ein ewiger Gourmet-Ober-Mega-Papst der ältesten Schule wollte die Geschichte wohl torpedieren mit seinem traurigen Verriss, den man hier nachlesen kann und der vorgab, mit Tim Raues Peking Ente das schlechteste Entengericht in

Rote Bete Reloaded

Rote Bete Reloaded

seinen 30 Jahren als Tester konsumiert zu haben. Zufällig war ich an jenem 9. September zeitgleich (nicht gemeinsam) mit Heinz H. und seinem Hofstaat vor Ort und mag mich seinem böswilligen Urteil nicht anschließen. Vielmehr möchte ich übermütig prahlen, das ich es bin, der weiß, wo in dieser Stadt die schlechteste Peking-Ente serviert wird. Ätsch.

Wundervoll das Raumgefühl im neuen Haus. Wirkte das Ma doch etwas pathetisch, monumental, bedrückend in seiner Inszenierung, so verkörpert

Unter den Vasen mosert Heinz H.

Unter den Vasen mosert Heinz H.

das Tim Raue Restaurant ein moderne Leichtigkeit, die endlich die barocke Schwere der Nachkriegszeit in der gehobenen Gastronomie hinter sich lässt. (Reinstoff und Facil haben es vorgemacht.) Preußisch Blau, asiatische Tupfer und diese wundervollen Holztische, bei denen die Tischdecke durch das Holz läuft und dadurch die Sinnlichkeit edler Hölzer tastbar zur Geltung bringt.

Ich freue mich für die tollen Bewertungen, gratuliere und bin gespannt auf die Weiterentwicklung dessen, was im Ma so eindrucksvoll begann, um sich an der Kochstraße Rudi-Dutschke-Straße fortzusetzen. Es ist irgendwie interessanter und freudvoller, einen Küchenmeister zu betrachten, der noch so viel vor sich hat, als einem Gastrokritiker beizuwohnen, der das meiste hinter sich hat.

Raumgefühl

Raumgefühl

Tim Raue Restaurant

Rudi-Dutschke-Straße  26
10969 Berlin-Kreuzberg
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6 Kommentare zu “Es bleibt, wie es ist: Immer neu! Tim Raue Restaurant

  1. Marius sagt:

    In der neuen Ausgabe des Mixology Magazins äußert sich Tim Raue u.a über dieses Thema. Durchaus lesenswert im Bezug auf diesen Artikel.

    • eichiberlin sagt:

      Danke für den Hinweis. In der Tat ist dieser Artikel (S. 20 bis 26) sehr faszinierend. Ein Gespräch zwischen Barchef Oliver Ebert aus dem „Becketts Kopf“ und Tim Raue. Parallelen zwischen Bar- und Restaurant-betrieb, schwierigen Gästen und einem Kritiker, der ziemlich ungerechtfertigt „richtig in die Fresse tritt“.

      Mittlerweile gibt es die Mixology ja auch an ausgewählten Kiosken zu erwerben. Dringende Kaufempfehlung für die Ausgabe 6/2010!!

  2. bunnyberlin sagt:

    na, ob sich der gute herr horrmann (von dem ich bisher noch nie gehört habe, aber ich wohne ja auch auf einem anderen kontinent) das alles aus den fingern gelutscht hat? was mich wundert, ist wie man überhaupt soviel verbocken (falsche gerichte) kann, wenn man dazu noch weiß, wen man vor sich hat. strange.

    die portiönchen sind niedlich & hübsch – tolle fotos!

  3. […] Etoiles 2011- A Girl has to eat 2011- Foodieinberlin 2010- Eat.Shop.Love.NYC 2010- Eichiberlin 2010 – Janablog zum […]

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