The Piano has been drinking – Envy Bar

Wer möchte nicht ein wenig Musik in sein Leben lassen? Die Hope-Universität in Liverpool bietet immerhin einen Studiengang „Beatles“ an. Berlin verfügt hingegen seit kurzem über ein musikalisches Hotel, klangvoll gelegen zwischen mtv und Universal Music. Zwischen viva und der o2 Konzertarena.

Das stylische Hotel an der Spree mit seinem komplizierten Design, trendigen Gästen und bandrelevanten Besonderheiten verfügt zudem über eine bemerkenswerte Getränkeversorgung in der Envy Bar. Ob der Name von dem Song „Envy“ von Ash kommt? Immerhin gibt es dort Textzeilen wie: „Here´s a taste of the seven sins….you leave my mouth dry….I couldn´t get much higher….envy, envy, envy….“ Neid, Neid, Neid…

Die Envy-Bar platziert ihre beneidenswerten Gäste um einen runden Tresenbereich mit Sichtachsen, quer durch die Räumlichkeiten zwischen Rezeption und Restaurant. Diverse unterschiedliche Sitzgruppen bieten Plätze als diskrete Rückzugsräume oder öffentlichwirksame Bühne. Das Design von Karim Rashid ist Geschmackssache. Plastik-bunt erinnert so einiges an Fisher-Price Spielzeuge, mit denen Babys ihre Motorik üben, indem Sie Farben und Formen zuordnen. Man kann das mögen und originell finden, muss es aber nicht (auch grell kann sich abnutzen). Je dunkler die Nacht draußen, desto mehr kommt die Licht-Objekt-Kreation dominant zur Geltung. Mein altmodisches Ich mag da aber kein Massstab sein, schliesslich fand ich die Disco-Kugel klangvoller, als sie noch als Licht-Konfetti-Kugel bezeichnet wurde und der einzige musikalische King den ich kenne, heißt Elvis Presley.

Bei sommerlichem Tageslicht ist die Atmosphäre jedenfalls sehr angenehm, wozu die wundervolle Fensterfront zur Spree ihren Beitrag leistet. Der Blick auf den maroden Charme der alten Industriearchitektur drüben in Kreuzberg hat etwas bezauberndes. Dazu trägtdie große Aussenterrasse bei, auf der man selbstverständlich ebenfalls getränketechnisch versorgt wird (Beachtung verdient die prächtige Weinauswahl!) und dabei einem wunderbaren Sonnenuntergang hinter der malerischen Oberbaumbrücke beiwohnen darf. Eine „Bridge over troubled water“, wenn man die derzeitige Media-Spree-Debatte verfolgt. Besser erstmal nur das Rauschen des Flusses und die Ruhe vor dem Sturm geniessen, egal ob mit Johnny Cash am „Big River“ oder mit Pat Boone am „Moody River“.

Innen an der runden Bar nimmt man demnach quasi am turntable Platz und bekommt erstmal eine Schallplatte gereicht.

Bei einem Drink ist 45 oft besser, als 33...

Bei einem Drink ist 45 oft besser, als 33...

Womöglich eine wohlmeinende erzieherische Massnahme für die Generation mp3, damit der „Jukebox Jive“ nicht vergessen wird und die Welt (und die musikrelevanten Nachbarn) erfahren, dass „Video killed the Radio Star“. Nein, es handelt sich um die originelle Ausgabe einer Getränkekarte.

Nun gilt es, den rechten Ton zu treffen, um sich von den sehr angenehmen und mixkompetenten Bardamen flüssige Musik ins Glase zaubern zu lassen. Bewährte Klassiker und interessante Neuvorstellungen sind gleichermassen im Angebot dieser Charts. Mich begeistert der Snap Dragon und eine Sazerac Variante mit Cognac, aber auch die asiatischen Kreationen mit Shochu sind sehr beachtenswert.

Selbstverständlich finden auch individuelle Wünsche ein offenes Ohr des Teams um Barchefin Christina Schneider, wenn die Eagles „Tequila Sunrise“ wünschen, Garth Brooks verlangt „Two Pina Coladas“, Westernhagen erklärt „Johnny Walker“ zuseinem besten Freund, wenngleich David Allan Coe entrüstet entgegnen würde: „Jack Daniels if you please“, Snoop Dogg möchte „Gin & Juice“, Jimmy Buffett wähnt sich in „Margaritaville“ und „10 kleine Jägermeister“ ordern „Whiskey in the Jar“.

Look out any window

Look out any window

Während die Drinks bereitet werden, blicken wir nach oben und bemerken, dass das Dach der Bar die Konturen eines goldenen menschlichen Gesichtes aufweist, wie auf einer Töpferscheibe gearbeitet. Da schweift der Blick auch gerne wieder auf das schöne Spreepanorama. Oder wir betrachten die interessanten und kuriosen Gestalten, die Bar, Lobby, Restaurant noch so bevölkern. Ansonsten lassen wir uns einfach verwöhnen von den freundlichen Mixbeauftragten und geniessen feine Drinks an einem ungewöhnlichen Ort, der allemal den einen und anderen Besuch lohnt. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Snap Dragon und den nächsten Sonnenuntergang.

Das Ende vom Lied verrät uns der großartigste aller Barfly´s-got-the-Blues-Sänger, Tom Waits: „Closing Time“, „Jockey full of Bourbon“. Look at the „Grapefruit Moon“ with your „Bad liver and a broken heart“; leave som „Small Change“ and take the „Downtown Train“ for some more „Warm beer and cold women“, matter-of-fact: „The Piano has been drinking (not me)“….

show me the way to the next Whisky Bar, oder The Doors...

show me the way to the next Whisky Bar, oder The Doors...

Envy Bar im nhow Hotel, Stralauer Allee 3, 10245 Berlin-Friedrichshain

www.nhow-hotels.com

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5 Kommentare zu “The Piano has been drinking – Envy Bar

  1. philipp1112 sagt:

    Die Gestaltung der Bar – Farben und Formen – wirkt auf mich sehr unruhig und so verzichtBar wie „warm beer“ und „cold women“. Andererseits braucht die Bar nicht nur ein Schlummertrunk- & Absacker-Ausschenker zu sein. Aufregend-anregend, so sollte sie schon sein, das kann auch ohne jenes Farb-Form-Gewusel erreicht werden.

  2. kormoranflug sagt:

    Super beobachtet und toll geschrieben! Für diese Berichte liebe ich Dich.

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