Geselliges Gerstensaft Gewusel – Biermeile Berlin Teil 1

Teil 1: Was war richtig prima auf der Biermeile? Zum 15. Mal fand in diesem Jahr das Internationale Berliner Bierfestival auf der Karl-Marx-Allee (aka Stalinallee) in Friedrichshain statt. Glücklicherweise zähle ich nicht zu den Anwohnern dort, die sich einer dreitägigen…na, nennen wir es neutral einfach „Veranstaltung“….ausgesetzt sahen. Sehen mussten. Der Veranstalter bat die Einheimischen um Verständnis, wenn es ab und an einmal etwas „lauter und fröhlicher wird, als sonst“.

Berliner Universalkrügerl

Berliner Universalkrügerl

Meine Besuche erfolgten recht früh, um die Mittagszeit herum, als die Wege und Stände noch einigermassen frei zugänglich waren, die teilweise köstlichen Biere mit Ruhe und Sorgfalt gezapft wurden und die Zahl von Schnapsleichen, uniformierten Saufexpeditionen und Junggesellenabschieden noch im Rahmen blieb.

Unter diesen Bedingungen war die Biermeile richtig toll und bot zahlreiche Genüsse. (Die Abgründe werde ich in Teil 2 skizzieren.)

1. Eine schöne Idee ist der Biermeilen-Krug mit dem hässlichen Bären-Logo und einem Inhalt von 0,2 Litern. An vielen Ständen, die durch ein Symbol gekenntzeichnet sind, kann man sich den Krug zum Vorzugspreis von 1,50 Euro befüllen lassen. An absolut jedem Stand wurde der Krug vorher sorgfältig gereinigt und ausgespült.

2. Ein Highlight war die Brauerei Riegele aus meiner Geburtsstadt Augsburg, die unter anderem ihr vielfach ausgezeichnetes, großartiges „Commerzienrat“ Festbier ausschenkte.

3. Ein Bier, welches mich in den letzten Monaten sehr begeistert hat, das aber ganz selten vom Hahn zu haben ist, durfte ich extrem frisch und wohltemperiert geniessen: Hoegaarden Bière Blanche. Eine wunderbare Varition eines Weißbieres aus Belgien.

4. Die beste Berliner Weisse kommt aus Potsdam, was den Namen selbstverständlich ad absurdum führt. Jene Potsdamer

Potsdamer Weisse (janz ohne Schuss)

Potsdamer Weisse (janz ohne Schuss)

Weisse aus der Braumanufactur im Forsthaus am Templiner See (ein Ausflug zu der Gasthausbrauerei lohnt unbedingt!) ist ein Köstlichkeit, die überhaupt keinen Schuss benötigt. Nicht grün, nicht, rot, nicht Strippe. Ich weiss, dass mein Kampf gegen die Windmühlen vergebens ist, aber dennoch bin ich gebetsmühlenartig der Meinung, dass die Berliner Weisse es verdient, nicht in der Versenkung der Vergessenheit zu entschwinden. (Wie der Kollege dereinst sprach: „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“.) Das elende Elixir, welches uns Berliner Kindl als einzig verbliebener Weisse-Produzent angedeihen läßt, ist saure Plörre, deren Säure gar nicht ohne Sirupzugabe funktionieren kann.

5. Die seltene Gelegenheit, richtiges Altbier zu verkosten. Wer bei Altbier nur an Diebels denkt ist ein trauriger Tropf, dem geholfen werden sollte. Die Biermeile bewies, dass Altbier eine spannende und eigenständige Spezialität sein kann, die eine herb-bittere Note vorweiset. Fernab jeder Belanglosigkeit. Bester Beweis war die Brauerei Uerige mit ihrem leckeren Bier aus Düsseldorf.

Von der längsten Theke an den längsten Biergarten

Von der längsten Theke an den längsten Biergarten

6. Einige weiter Brauereien, deren Gerstensaft freudig zur Kenntnis genommen werden konnte: Kauzen Bräu aus Ochsenfurt, das Brauhaus Leikeim mit seinem ungewöhnlichen Steinbier, einige britische Bitter Ales und historische schottische Brauprodukte.

Für den Kauz in mir...

Für den Kauz in mir...

Die Tatsache, dass vornehmlich die Bierstände aus Apolda, Böhmen und Tschechien mit sehr hübschen Tresenkräften aufwarteten, hatte gute und schlechte Seiten. Je später am Tag, desto unerträglicher das maskuline Balzverhalten gegenüber den Damen. Eine famose Bratwurst sollte zu guter Letzt nicht unerwähnt bleiben.

Älteste Brauerei der Welt?

Älteste Brauerei der Welt?

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6 Kommentare zu “Geselliges Gerstensaft Gewusel – Biermeile Berlin Teil 1

  1. Afra Evenaar sagt:

    Hoegaarden Bière Blanche haben wir leider verpasst. Wir probierten eine Geuze, (vergessen welche) und waren so enttäuscht, dass wir die Belgischen Biere daraufhin sein ließen. Den Commerzienrat von Riegele habe ich auch verpasst, ebenso wie das Steinbier.

    Das Uerige war herrlich, aber auch das Schumacher (war es wirklich Schumacher?) und am selben Stand das Mühlenkölsch. Die Potsdamer Weiße muss natürlich sein, sie war grandios wie immer und natürlich pur, obwohl die Zapferinnen nicht müde werden, vor dem Genuss ohne Schuss zu warnen.

    Das interessanteste Bier von allen war für mich gegenüber der Braumanufaktur zu finden, bei der Finsterwalder Radigk-Brauerei: So ein bitteres und dabei so verführerisches Bier ist mir noch nicht untergekommen.

    Bin gestannt auf dei Abgründe, die noch folgen werden.

    • eichiberlin sagt:

      Der verwegene Stand, der Alt und(!) Kölsch servierte, gehört zum Gasthaus Momms in der Charlottenburger Mommsenstraße, das leider gerade Mitte August seinen Betrieb eingestellt hat. Schade, war ein sympathischer Ort und eine der raren Quellen für ein schönes Altbier. Kölsch ist seit dem Herzug der Rgierung ja recht verbreitet.

  2. vilmoskörte sagt:

    Bei der Braumanufaktur habe ich neulich einen kleine Führer durch sieben Brandenburger Kleinbrauereien (alle mit Gasthaus, auch das von Afra erwähnte Radigk) gefunden, sehr interessant.

  3. […] Ein interessanter und ehrlicher Erlebnisbericht findet ihr auf dem Blog „eichiberlin“. In zwei Teilen werden die Vor- und Nachteile der Biermeile dargestellt. Wobei der zweite Teil, mit den tiefen Abgründen, leider noch nicht veröffentlicht wurde. Wir sind gespannt. Auf jeden Fall solltet ihr den Bericht „Geselliges Gerstensaft Gewusel: Biermeile Berlin Teil 1“ lesen. Hier geht’s zum Bericht: hier klicken […]

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