Segen oder Fluch? Zwei Seiten der Biermedaille.

Es ist eine schöne, beinahe verblüffende Meldung, die verkündet: Die Brewers Association aus USA entsendet Brauspezialisten und Bierspezialitäten zur Berliner Biermeile.

biertekuDas Herz eines jeden wahren Bierfreundes möchte spontan in die Höhe hüpfen bei der Aussicht, die ungewöhnlichen und spannenden Biere aus Brauereien wie Sixpoint, Sierra Nevada, Epic oder Victory bald in der Hauptstadt verkosten zu dürfen.

Nach dem Erfolg einer Veranstaltung wie der Braukunst live in München und zunehmendem Interesse bei Medien und Publikum an aromatischem und besonderem Gebräu mag Deutschland nun allmählich bereit sein, das Phänomen zu wertschätzen, das dem bewährten Durstbier nun noch ein anspruchsvolleres Genussbier an die Seite stellt und dem hiesigen Gaumen neue Möglichkeiten und Herausforderungen beschert. Ich freue mich also.

Ich freue mich und bin zugleich sorgenvoll, beinahe entsetzt. Wer mag nur auf die wahnwitzige Idee gekommen sein, das ausgerechnet die Berliner Biermeile den Rahmen bietet, um den amerikanischen Brauern ihr mögliches künftiges mitteleuropäisches Publikum näher zu bringen.

Biermeile011

Jeder der das Internationale Berliner Bierfestival kennt weiß, dass man den Zusatz im Namen „Genießer Biermeile“ nicht allzu ernst nehmen darf. Auch wenn jedes Jahr einige wunderbare Biere und Brauereiperlen in dem Rummel verborgen schlummern, kommt die Veranstaltung in erster Linie einem alkoholgeschwängerten Volksfest nahe und weniger einem genussvollen Verkostungstermin. Horden von ach-so-lustig kostümierten Kampftrinker Clans wetttrinken sich entlang der Weiterlesen

Tückisches Trunkenheits Treffen – Biermeile Berlin Teil 2

Teil 2: Was war eher mau und unbefriedigend auf der Berliner Biermeile 2011?  In Teil 1 ging ich ja bereits auf die guten Momente dieser großen Gerstenveranstaltung ein und bekomme jetzt noch Durst, wenn ich an so

Die dunkle Seite

Die dunkle Seite

manch schönes Gebräu erinnere. Allerdings gab es auch fragwürdige und rätselhafte Begebenheiten, die ich natürlich auch berichten mag.

A) Eine Gruppierung, die zu den frühen Vögeln auf der Veranstaltung zählte, waren die Sammler von Bierdevotionalien. Nun gibt es dabei hochspannende Aspekte, wie beispielsweise historische Bieretiketten als kulturell-künstlerische Zeitreise. (Das Sammeln von diesen Mini-Biertrucks hingegen, leuchtet mir nur mäßig ein, allerdings ist es natürlich sehr preiswert.) Aasgeiergleich kreisten jedoch die Kronkorkensammler über der Biermeile. Grimmig und penetrant belagerten sie die Stände, deren Faßbierausschank jedoch ihre Sammelleidenschaft offensichtlich teilsabotierte. Ewig belagerten sie die Tresen und hielten die Zapfer von wichtigeren Aufgaben ab, um die Herausgabe von gezacktem Metall zu erzwingen. Sehr oft langten sie ungehemmt hinter den Tresen und griffen sich alles, was lose herumlag und erwiesen dem Ruf der ehrenwerten Sammlerschaft damit keinen guten Dienst. Man greift nicht ungefragt hinter einen Tresen!

B) Bitter bereuen musste das Hofbräuhaus Traunstein eine sehr überflüssige flüssige Aktion. Man hatte anscheinend das eigentliche Thema des Bierfestes missverstanden, dafür aber wohl ein Sonderangebot von Erdbeeren abgestaubt. Flugs panschte man eine fröhliche Erdbeerbowle zusammen, die dann vorportioniert in Bechern auf dem Tresen herumstand. So erfuhr das unbedarfte Personal des Traunsteiner

Stimmungsvolle Dekoration?

Stimmungsvolle Dekoration?

Höfbräus aus erster Hand, dass die Berliner Wespen Weiterlesen

Geselliges Gerstensaft Gewusel – Biermeile Berlin Teil 1

Teil 1: Was war richtig prima auf der Biermeile? Zum 15. Mal fand in diesem Jahr das Internationale Berliner Bierfestival auf der Karl-Marx-Allee (aka Stalinallee) in Friedrichshain statt. Glücklicherweise zähle ich nicht zu den Anwohnern dort, die sich einer dreitägigen…na, nennen wir es neutral einfach „Veranstaltung“….ausgesetzt sahen. Sehen mussten. Der Veranstalter bat die Einheimischen um Verständnis, wenn es ab und an einmal etwas „lauter und fröhlicher wird, als sonst“.

Berliner Universalkrügerl

Berliner Universalkrügerl

Meine Besuche erfolgten recht früh, um die Mittagszeit herum, als die Wege und Stände noch einigermassen frei zugänglich waren, die teilweise köstlichen Biere mit Ruhe und Sorgfalt gezapft wurden und die Zahl von Schnapsleichen, uniformierten Saufexpeditionen und Junggesellenabschieden noch im Rahmen blieb.

Unter diesen Bedingungen war die Biermeile richtig toll und bot zahlreiche Genüsse. (Die Abgründe werde ich in Teil 2 skizzieren.)

1. Eine schöne Idee ist der Biermeilen-Krug mit dem hässlichen Bären-Logo und einem Inhalt von 0,2 Litern. An vielen Ständen, die durch ein Symbol gekenntzeichnet sind, kann man sich den Krug zum Vorzugspreis von 1,50 Euro befüllen lassen. An absolut jedem Stand wurde der Krug vorher sorgfältig gereinigt und ausgespült.

2. Ein Highlight war die Brauerei Riegele aus meiner Geburtsstadt Augsburg, die unter anderem ihr vielfach ausgezeichnetes, großartiges „Commerzienrat“ Festbier ausschenkte.

3. Ein Bier, welches mich in den letzten Monaten sehr begeistert hat, das aber ganz selten vom Hahn zu haben ist, durfte ich extrem frisch und wohltemperiert geniessen: Hoegaarden Bière Blanche. Eine wunderbare Varition eines Weißbieres aus Belgien.

4. Die beste Weiterlesen