Letztmalig: Schale und Becher in Berlin

Teller und Pokal in der Hauptstadt. Diese Meldung wird es lange Zeit nicht mehr geben: „Meisterschale und DFB-Pokal in Berlin!“

Mit der tattrigen Greisin „Hertha“ hat das fürwahr nix zu tun. Alleine der letzte Spieltag mit Meister Bayern und der Austragungsort für das DFB Pokalendspiel ermöglichen dieses gleichzeitige „Double“ in einer nationalen Metropole mit ausschließlich zweitklassigem Fußball.

Empfohlen sei daher ein Gang ins rote Rathaus, wo bis zum Pokalendspiel am nächsten Samstag, der DFB Pokal für jedermann zu besichtigen steht (Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Himmelfahrt von 10 bis 17 Uhr).

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Ansonsten sind die höheren Weihen von König Fußball für die plebejische Hertha in weite Ferne gerückt. Holzklasse statt Königsklasse, Bollerwagen nach Bielefeld statt Lufthansa nach Liverpool.

Einige sagen, das kann nur an dem dämlichsten Fan-Lied der Liga Ligen liegen. „Nur nach Hause gehen wir nicht.“ Soso, aha, nunje!? Es klingt tatsächlich bereits nach Hoffnungslosigkeit. Was sollen wir zu Hause, da holen wir eh keine Punkte? Oder: Zu Hause wartet die Alte mit dem Nudelholz? Und: Wir sind zu doof, den Weg zu finden? Neidvoll lauscht der Herthaner den großartigen Hymnen in Hamburg, in München und bei Union. Dort kommt der Geist von „you´ll never walk alone“ tatsächlich an. Bei Hertha erschallt da eher ein kümmerliches „you always krabbel im Kreis“.

Vielleicht lag die verkorkste Saison ja einfach an der Farbe Blau, die derzeit den wenigsten Vereinen Glück bringt, siehe Hansa, Bielefeld, 1860, Bochum, HSV und irgendwie auch Schalke. Tasmania und Blau-Weiß Berlin wissen ebenfalls, was ich meine. Also: Weg mit der blauen Tartanbahn und her mit einem Farbpsychologen.

Wie? Ich sei hämisch? Man soll nicht auf die treten, die am Boden liegen? Stimmt. Aber Hertha lag eigentlich nie am Boden, sie ist nur zu übereilt abgehoben nach einer Saison 2008/09, deren End-Platzierung viel zu hoch für das Leistungsniveau war. Die Hertha war unzureichend Favresiert, danach ohne einen Funkel Hoffnung, machte eine Preetzise Bruchlandung und erntete ein Hoenesses Grinsen aus Richtung Wolfsburg.

Also her mit dem Neustart. Berlin ist arm aber sexy, daher schlage ich löchrige Trikots in Grau-Orange vor, die nur jedes zweite Mal gewaschen werden müssen. Sponsor wird wieder Mampe Halb-und-Halb, dann ist auch das „blau“ gewährleistet. Und singen können wir „Berlin, Dein Gesicht hat Sommersprossen“ von Hilde Knef

und dann gehen wir nach Hause. Mit aufrechtem Gang.

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6 Kommentare zu “Letztmalig: Schale und Becher in Berlin

  1. oachkatz sagt:

    Das wäre wirklich mal ne ganz ungewöhnliche Hymne. Meinst Du, blau beruhigt zu sehr?

  2. 800/2010: Lied des Tages: Die grosse Hilde singt von Sommersprossen und landet, wo´s jetzt vorbei ist damit…

    “Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen und dein Mund ist viel zu gross. Dein Silberblick ist unverdrossen doch nie sagst du: Was mach ich bloss?” – Hildegard Knef Ein wankelwehmütiger Blick aus dem Kabinenfenster, es ist Hildegard K…

  3. sanjay sagt:

    wieder mal eine sehr schöne post. gekonnt formuliert und auf den punkt getroffen (besonders hinsichtlich der dämlichen hymne). fehlt eigentlich nur noch ein verweis auf die mehrheitlich aus brandenburg stammenden fans, denn die berliner können mit der hertha nichts anfangen…

    • eichiberlin sagt:

      Oha, die Brandenburg-Abstammung der Hertha-Fans war mir bislang gar nicht so bewusst. Vor diesem Hintergrund und unter Einbeziehung des Rainald-Grebe-Brandenburg-Songs macht das „nur nach Hause fahrn wir nich…“ natürlich einen gewissen Sinn.

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