Ein genußvolles 2016

…sei hiermit allen Lesern der Berlinbetrachtungen gewünscht. Cheers und guten Appetit!!!

2016 braucht mehr Champagner!

2016 braucht mehr Champagner!

Die herrliche Schaufensterdeko stammt von Bleibtreu Augenoptik (in der Bleibtreustr. 6 in Charlottenburg). Leider war ich beim Leeren der zugehörigen Champagnerflaschen nicht beteiligt.

Der Morgen nach der Nacht zuvor…schreit nach Bloody Mary!

Tomatensaft schmeckt nicht nur im Flugzeug gut. Auf dem Boden sollte man allerdings etwas Alkohol beimengen.

Der so gefüllte Kelch geht dann zum Brunnen, bis er bricht? Nun gut, jedenfalls geht es auf in die Brunnenstraße in Berlin Mitte.

I go back to red

Zumindest immer dann, wenn zwei positiv verrückte Bartender ihre abgefahren schmackhafte Pop-Up-Bar dort installieren und sich als Meister der Improvisation der Köstlichkeit betätigen.

Zwei Mal bereits galt das Motto dem zweitwichtigsten aller Hangover Drinks, der Bloody Mary. (Eine Prairie-Oyster-Party würde vermutlich nicht so ideal funktionieren.) Tomatensaft, Gewürze (Worcester, Tabasco, Salz, Pfeffer, u.ä.), ach ja: und Vodka. Im Ausschank: Diverse Variationen der Blutigen Marie (beispielsweise mit Mezcal), ansonsten Champagner. Das essenstechnsiche Begleitprogramm wechselte und enthielt beispielsweise Austern, Hummer und bei der Premiere einen wirklich hervorragenden Braten. Der Künstler am Hummer-Topf im Februar verdient allerhöchste Anerkennung. Perfekt gegart, butterzart und von höchster Qualität. So bekommen wir Hummer in der Hauptstadt ganz selten auf die Teller.

Ladies in red

Und wie passend doch eine Bloody Mary dazu funktioniert. Gerne auch in der Gin Variante mit Tanqueray, dem Red Snapper.

Die Erfindung des Drinks ist nicht ganz geklärt, wobei die meisten Quellen ihn auf Weiterlesen

Brunch Royal – Ein Hoch auf unsere Mütter

Das sonntägliche Brunch in der Brasserie Desbrosses im Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Die üppige Auswahl an feinen Spezialitäten von der Fischtheke bis zum Dessertbüfett sprach sich in den letzten Jahren unter den Hauptstadtgourmets herum und konkurriert Woche für Woche mit dem gleichsam schlaraffigen Brunch des Hotel Adlon.

Ein Traum: die altehrwürdige Brasserie-Atmosphäre

Ein Traum: die altehrwürdige Brasserie-Atmosphäre

Besondere Tage erfordern besondere Ideen! So dachte das Team der Brasserie Desbrosses bereits zu Ostern und nun, zum Muttertag, legen Sie noch eine Schippe (bzw. noch eine Perlage)  zu: Für den Muttertag wird Moët Chandon von dem aufmerkasamen Service-Team reichlich in die Gläser gegossen. Auf Wunsch (und gegen entsprechenden Aufpreis) erfolgt der prickelnde Nachschub auch aus Flaschen mit Dom Perignon.

Prickelnde Durstlöscher

Prickelnde Durstlöscher

Das österliche Verwöhn- programm beinhaltete beispielsweise eine vortreffliche Ochsenschwanz Consomme mit Ravioli, rosa gebratene Lammkeule mit Olivenkruste und herrlich frischen Kaisergranat.

Neben dem Aufenthalt in dem wunderschönen historischen, seinerzeit aus Frankreich herbei geholten Gastraum einer klassischen Brasserie, lädt zudem die Außenterrasse die Sonnenhungrigen zum entspannten genießen.

Ganz groß auch für die Kleinsten

Ganz groß auch für die Kleinsten

Auch an die Kleinsten wurde gedacht. Der Osterhase versteckte kleine Leckereien und schickte die Nachwuchs-Gourmets auf die Suche. Zuweilen gewährte Herr Hase auch den älteren Kindern einen Griff in den Osterkorb.

Kommt der Osterhase, sind wir alle Kinder

Kommt der Osterhase, sind wir alle Kinder

Zum Abschluss belagerten die Gäste die Stationen mit den süßen Kreationen der Patisserie. Was für eine Auswahl von Dessert-Varianten, man wollte gar nicht satt werden. Eine Crepe-Station mit endlosen Toppings (großartiges Mango-Eis), eine crispy Schokoladentorte zum hineinsetzen, Champagnersüppchen, Mascarpone-Aprikosen-Schaum, Strawberry-Cheesecake und reichlich Pralinen-Trüffel.

Ohne Worte

Ohne Worte

Mal Ostern, mal Muttertag. Gerne darf ein jeder Sonntag ein Brunch-Feiertag sein. Und eigentlich ist er das bereits. Jeden Sonntag zum Champagner-Brunch im Ritz Carlton.

www.desbrosses.de

Selbstversuch: Schaumwein und Säbel

In dem aufschlussreichen Büchlein „Die Welt der Snobs – Leitfaden für Debütanten“, schreibt Antonius Moonen im Getränkekapitel: „Eine Flasche Champagner kann man übrigens auch säbeln. Aber dieses etwas gefährliche Verfahren sollten Sie ihrem Personal überlassen.“

Dummerweise hat mein Personal derzeit längerfristig Ausgang und daher ist

Kopflos

Kopflos

Eigeninitiative gefragt. Vor geraumer Zeit gelang es mir, auf einer Veranstaltung im Cigarrenmagazin Unter den Linden einen Champagner- vertreter dazu zu bewegen, seinen Säbel aus dem Fahrzeug zu holen, um den anwesenden Neugierigen den Umgang mit dem Champagner-Säbel zu demonstrieren.

Das wollte ich dann doch auch einmal ausprobieren. Mich der Lächerlichkeit Preis zu geben, bereitet mir keine Bedenken. Und so griff ich beherzt zu, als kürzlich ein Angebot der Firma Laguiole daherflatterte, in dem ein Champagner-Säbel zum Sonderpreis offeriert wurde. Dem Lehrgang „Flaschensäbeln für Anfänger“ stand also nichts mehr im Wege.

Geschichten um den Ursprung der Sabrage gibt es einige. Vermutlich waren es die Kavallerietruppen Napoleons, die mit Champagnerflaschen in Schlacht zogen, um ihren Sieg angemessen beprosten zu können. Der Eichi, der das Sabrieren (aus)üben möchte, muss sich hingegen auf allerlei Ungemach einstellen. Eines war klar: in der Wohnung die ersten Sabrierversuche zu wagen, würde höchstens dem ortsansässigen Glaser eine Freude bereiten.

Übungspark

Übungspark

In der Nähe meiner Heimstatt liegt nun ein kleiner Park, in dem sich morgens regelmäßig einige meditative Menschen versammeln, um unbewaffnet ihre Tai-Chi Übungen, wie  „Der Kranich, der sein Flügel ausbreitet“, zu vollführen. Ich wähnte diese Gestalten geistig gefestigt genug, um den Park mit einem Säbelträger zu teilen, der sich Ihnen für die Übung „Säbel, der durch den Flaschenhals gleitet“ anschließt.

In Erwartung kompletten Versagens, wollte ich keine meiner kostbaren Champagnerflaschen für das erste Experimentieren opfern. Sekte der Marken Rotkäppchen und Faber wurden in den Park getragen. Dumme Idee, da vergessen wurde, dass diese Billigmarken ja keine Korken-Korken,

Ausrüstung

Ausrüstung

sondern nur Plastik-Korken unter der Folie verbergen. Ein echter Kork ist jedoch Voraussetzung für das Gelingen der Sabrage. Trotzdem schlug und hieb ich wild auf die Bouteillen ein, um den Neigungswinkel der Flasche und das Gleiten des Säbels entlang der Naht am Flaschenhals zu üben.  Das Ergebnis war nur teilweise befriedigend: die Grundlagen des Sabrierens sind sehr offensichtlich und daher nicht übermäßig schwer zu erlernen. Einige verwirrt bellenden Hunde, zwei Mütter mit Kinderwägen, die einen beachtlichen Bogen um den Irren mit dem Säbel einlegten, drei Gestalten, die gleichfalls mit getränketechnischen Absichten im Park verweilten stellten ihre Tetra-Pak Weine beiseite und näherten sich neugierig. Eine emotional labile Nachbarin sah mich ebenfalls dort die

Der Mönch Dom Perignon hätte das anders gelöst...

Der Mönch Dom Perignon hätte das anders gelöst...

Hiebwaffe schwingen und erzählt nun, womöglich schwerwiegend traumatisiert, der Hausgemeinschaft von ihren Amok-Eindrücken des Herrn E. aus dem 1.OG.

Beim nächsten Versuch würde ich Sonnenbrille und Hut tragen, soviel stand fest. Glücklicherweise war heute ein entsprechend sonniger und freundlicher Tag, um abermals Angst und Schrecken unter harmlosen Charlottenburger Parkbesuchern zu verbreiten.

Für den Probe-Hieb sollte diesmal eine Flasche Rüttgers Club herhalten (übrig geblieben von meinem dämlichen Billigheimer-Plastikkorkenkauf), der aber im Zweifel die Tetra-Pakianer taktisch ablenken würde. Für den Ernstfall war ein überaus empfehlenswerter Blanc de Noir, Cremant de Bourgogne, von Paul Delane (erhältlich bei Rindchens Weinkontor) im Gepäck. Garantiert mit Korken-Korken.

Passend zum Anlass und auch zum Ort führte ich die Zeilen des Balladendichters Moritz Graf von Strachwitz (1822 bis 1847) auf den Lippen:

Schlage zum Himmel, Champagnergezisch,
Springe in silbernen Strudelkaskaden,
Schieße in pochenden
Bäumenden Fluten,
Fließe in kochenden
Schäumenden Gluten,
Ähnlich dem Bronnen der Quellennajaden,
Drin sich die Glieder der Artemis baden,
Tief in des Idas Cypressengebüsch.

Ob es Cypressengebüsche waren, welche mich im Park empfingen, vermag ich nicht zu sagen. Die Wermutbrüder waren jedenfalls wieder zugegen und auch die Hunde, die ich aber nicht zum Spielchen „bring den Korken“ verleiten mochte. Also säbelte ich diesmal in Richtung Westen und nicht auf die Wiese. Selbstverständlich sprudelt ein wenig Schaumwein nach dem Hieb heraus.

Forme die Perlen von silbernem Schaum,
Die sich erheben aus siedendem Spiegel,
Die in den spitzigen
Trichterpokalen
Funkelnd dem hitzigen
Sprudel entstrahlen,
Die aus der Flasche gebrochenem Siegel
Schweben und tanzen auf duftigem Flügel,
Steigen und sinken im goldigen Raum.

Ja, das Siegel war wohl gebrochen. Der Graf würde sich im Grabe wälzen, bei dem Gedanken, seine Zeilen im Rahmen einer Flasche Rüttgers Club angewandt zu ahnen. Meine Verkostungsnotiz beschränkt sich gleichfalls auf ein uninspiriertes „Bäh“. Also her mit dem feinen Cremant, jetzt wird die Sache ernst. Die Hand zittert, der erste Schlag geht fehl, der zweite muss es richten, wird es gelingen? Und dann:

Schlagt auf die Becher mit wirbelndem Schlag,
Dass sie erbrausen in rollendem Falle;
Lasst in den duftigen
Tiefen des Nasses
Tanzen die luftigen
Geister des Fasses,
Lasst sie in spritzendem, staubendem Falle
Stürzen aus blitzendem Becherkrystalle;
Kurz ist der Jugend moussierender Tag!

Hut ab: Kopf ab. Der köstliche Blanc de Noir erbraust in das mitgebrachte Gefäß um auf den Sabreur zu prosten. Na geht doch!

Unser snobistischer Lehrmeister, Antonius Moonen, würde pikiert die blasierte Nase rümpfen, da eigentlich -selbstverständlich- eine Flasche Krug  oder Roederer Cristal hätte herhalten müssen. Sabrage-technische Sponsoren können sich diesbezüglich sehr gerne bei mir melden.

Silvester soll prickeln!

Beinahe hätte ich das Jahresende mit einem „y“ versehen, doch der gnadenlose Duden gestattet es mir nicht. Silvester muss es heißen, was sich neben biografischer bischöflicher Historie angeblich von „Waldmensch“ herleitet. Das passt.

Auch dem Stadtmenschen wird klar: Finstere Schrat-Gestalten kommen aus ihren Weddinger Kellerverschlägen gekrochen, um mit selbstgebasteltem Sprenggut ihre Nachbarn und die die armen Hunde der Hauptstadt zu verstören.

Die Deutsch-Polnischen Beziehungen erleiden den alljährlichen Rückschlag, da der Berliner Blätterwald nicht umhin kann, vor den illegalen „Polen-Böllern“ zu warnen. Ich bin sicher, auch in Polen gibt es aufrechte Feuerwerksfabrikanten mit Prüfsiegel. Jawoll!

Eine Frau mit großen Knöpfen am Jackett wird uns ernsthaft ermahnen, das neue Jahr mehr oder weniger leicht zu nehmen. Das sollte gelingen, denn wie ich der gestrigen Zeitung entnehmen durfte, werden die Kalorien ab dem 1. Januar abgeschafft. Gleichzeitig wird die Pferdestärke zugunsten des Kilowatt gestrichen. Logisch: Bildschirme vermessen wir weiterhin in Zoll. Immerhin darf britisches Bier weiterhin als Pint gereicht werden.

Egal auf welche Neuerung, Hoffnung, Hinterlassenschaft oder Träumerei wir um 00.00 Uhr anstoßen, wir sollten es mit Champagner tun. Erstens ist Champagner eine tolle Sache. Zweitens ist der Champagnerabsatz hierzulande rückläufig. Drittens gibt es immer einen Grund, Champagner zu trinken.

Selbiges verriet uns die legendäre Dame „Tante“ Lily Bollinger aus dem Champagner Haus Bollinger in einem Interview in der Daily Mail im Oktober 1961, als Madame Bollinger  auf die Frage des Reporters, zu welchen Gelegenheiten sie denn Champagner trinke, antwortete:

„Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

Ansonsten wird für den Eichi auch in 2010 wieder der Martini das erste Getränk bleiben. Der Autor und Cartoonist James Thurber hat es einmal vernünftig zusammengefasst:

„Ein Martini ist in Ordnung. Zwei sind zu viele, und drei sind nicht genug.“

Martini Time

Martini Time

In diesem Sinne:

Alles Gute für 2010 und immer eine feine Flüssigkeit im Glas!