Stein in der Burg. Oder: Biertrinken im Wedding

Wer hätte das gedacht: Es gibt tatsächlich noch Irish Pubs ohne Brauereibindung. Frei, mit zahlreichen Zapfhähnen und Flaschenkühlern, die die Biere servieren, die sie servieren möchten.

Ich hatte die Suche beinahe schon aufgegeben. Nichts gegen Guinness, Murphy, Kilkenny oder Newcastle, aber die Britischen Inseln haben noch so viel mehr an feinem Bier zu bieten. Gerne lass ich mir auch mal ein Belhaven, ein Boddington oder ein Samuel Smith gefallen. Am Liebsten ein Fuller´s oder ein Meantime (von den weiteren Craft-Brewing-Spezialitäten ganz zu schweigen).

Und da stoße ich dann auf den Castle Pub im Wedding, gleich gegenüber vom Bahnhof Gesundbrunnen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass hier mehr geboten wird, als Irish Stout, Sportübertragungen und Pub Quiz.

Craft Bar im Castle Pub

Craft Bar im Castle Pub

Es gibt zwei Bartresen. Am einen kommen die Freunde der Weiterlesen

Hopfen & Malz. 300 Biere nicht nur für Weddinger

Was für eine bierfreudige Nachbarschaft. Seit März entwickelt ein feiner Brauwarenspezialitätenladen in der Triftstraße den Biergenuss weiter. Wenige Schritte nur entfernt von der empfehlenswerten Braustätte von Herrn Eschenbrenner und seinem leckeren Eschenbräu.

Ein paar spannende Biere kann die Hauptstadt durchaus noch vertragen. Seit Juni macht ein neues und unabhängiges Flaschenbier die Runde, das Berliner Bären-Bräu. Pilsener Brauart mit dezentem Zusatz von Aromahopfen. Dem Projekt sei von Herzen alles Gute gewünscht, alleine mit den schönen Bieren aus Bayern und insbesondere aus Franken, vermag es das Bären-Bräu noch nicht so recht aufzunehmen.

Neben Bier gibt es auch Beer

Neben Bier gibt es auch Beer

Just jenem Frankenland widmet der Betreiber sein Hauptaugenmerk. Dies ist umso begrüßenswerter, seit in Neukölln die Frankenbier-Connection ihre Pforten schloss. Über 300 Biere warten in den wohlsortierten Regalen nun auf Bierkenner, Bier-Heimatverbundene und durstige Neugierige.

Eine imposante Landkarte hängt gleich links neben dem Eingang und bereitet detailliert den süddeutschen, bierrelevanten Raum auf. Ringsherum erstrecken sich die wohlbestückten und -sortierten Regale. Es geht durch die Bierstile. Dort das Pils, hier der Bock, da die Hellen und auch eine ordentliche Auswahl an Rauchbieren kann verglichen werden. Mehrere Kühlschränke beherbergen Gerstensaft für das zügige Verzehrbedürfnis und auch einige wenige, aber sorgfältig ausgewählte internationale Spezialitäten aus Belgien, USA oder UK stehen bereit (so auch einer meiner persönlichen Favoriten, das Sierra Nevada Pale Ale).

Der Ladenbetreiber ist kein Ladenhüter und entpuppt sich rasch als Kenner seiner Materie und sympathischer Gastgeber. Viele Brauereien und Braumeister Weiterlesen

Doofe U-Bahnhof Werbung

Heute tue ich einem Musikinstrument unrecht, welches unschuldig dazu verdammt wurde, im Berliner öffentlichen Nahverkehr in der niederträchtigst-möglichen Form Anwendung zu finden, dem Akkordeon.

Jenes aerophone Tasteninstrument findet grausame und terrorgleiche Anwendung in U- und S-Bahnen, wenn balkanische Jungen und Männer unterschiedlichen Alters dort jenes eine und einzige Lied, welches ihnen in organisierten Bettel-Camps eingetrichtert wurde und das sie nun der armen Quetschkommode abringen. Die Harmonika-Horden gehören ihrerseits zu der allgegenwärtigen Armada der „Speak-english“ Frauen, die sämtlichen touristischen Orte systematisch beschwirren, um arglose Touristen mit kryptischen Bettelbriefen um ihre Zahlungsmittel zu bringen.

Un-Knorke

Un-Knorke

Die unmusikalischen Schifferklavier-Versager innerhalb der schnorrenden Schurkenschar werden an Kreuzungen postiert, um dort den Autofahrern mit der Androhung einer Scheibenbefeuchtung ein Schutzgeld abzupressen.

Nun sehe ich ein, es ist gemein, meine Missbilligung  jenes Treibens an der zarten Ziehharmonika fest zu machen, aber: ich, als reichlicher Nutzer des ÖPNV, bin zermürbt. Vor meinem geistigen Auge stimmt der Münchner im Himmel mit der Harfe ein „Hosianna, sog i!“ an, während Osama Bin Laden in der Hölle schmort und dabei selbstverständlich Akkordeon spielt.

Entsprechen unwillig bin ich daher, eine Wohnung bei der GESOBAU in Betracht zu ziehen, die im U-Bahnhof Wedding mit einem rüstigen Senior wirbt, der freudig seine Quetschn malträtiert.

Armes Akkordeon. Wann wirst Du wieder ein Sympathieträger sein?

 

Bai Tong (Wedding)

Diesen wundervollen Ort hätte ich nie entdeckt, ohne den Konsum eines extrem mittelmäßigen Burgers in der Schönhauser Allee. Hier entwickelte sich ein nettes Gespräch zu dem freundlichen Lokalbetreiber mit thailändisch-vietnamesischen Wurzeln. Er berichtete von seiner Tante, die nahe dem U-Bahnhof Rehberge sehr authentische thailändische Gerichte zubereitet.

Und so ist es auch. Mühsam findet man den kleinen Laden mit seinem winzigen Eingang in der diskreten Seitenstraße. (Gut, die Fragestellung: „Kocht hier die Tante mit?“ War problematisch.)

dsc01925Vornehmlich Thai-Gäste bevölkern die ca. 8 Tische. Für einen Imbiss ist liebevoll eingedeckt. Es gibt hübsches Geschirr und (echte) Blümchen auf den Tischen; das Pastell-Grün an den Wänden kommt derzeit anscheinend recht fashionable daher, lenkt jedoch nicht vom eigentlichen Aufenthaltszweck ab, dem Verspeisen!

Der Papayasalat war der beste, den ich je hatte. Ganz frisch zubereitet und mit einer Schärfe, die ganz zart und subtil, dann aber äußerst entschlossen, die anfängliche Frische abgelöst hat. Traumhaft zu 5,50 Euro. Mit einem Singha Bier zu 2,40 wird die Zunge wieder eingenordet.
Nun war ich bestens vorbereitet und wusste demnach, dass Eingeweihte nachfragen: Es gibt spezielle Gerichte, die nicht auf der regulären Karte stehen. Eines davon ist der Weiterlesen

Brauerei Eschenbräu (Wedding)

„Ein Bier in der Not ist ein ganzer Laib Brot!“ Nun, es ist nicht die Not, welche den Bierfreund ins Eschenbräu führt, sondern die wahre Lust an der Bierfreude.

Notwendig ist zunächst ein geschärfter Blick, um den Eingang zum Untergeschoss eines Studi-Wohnheimes zu finden, in dem sich Brauerei und Ausschank einquartiert haben. Blitzeblank funkeln die Gärgefässe durch die Fenster und weisen den Weg.

Angekommen in dem rustikalen Keller, unspektakulär dekoriert mit einigen Flohmarktrelikten alter Brauereihinterlassenschaften, platziert sich auch eine grössere Runde an urig-massiven Brauhaustischen. Am Tresen plaudern die üblichen Verdächtigen Weiterlesen

Mauercafe (Wedding)

Die Touristen haben es glücklicherweise noch nicht entdeckt, das kleine Café um die Ecke der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße.

Das Haus beherbergt eigentlich das Lazarus Pflegekrankenheim, daher sind Patienten mit ihrem Besuch häufige Gäste. Dazu gesellen sich Kiezanwohner und zahlreiche Reiseleiter und Busfahrer, die ihre Gäste in der Gedenkstätte gut beschäftigt wissen.
Alle schätzen die familiäre Ansprache und die günstigen Frühstücksmöglichkeiten, genau wie Bouletten und Würste für zwischendurch.
Ich selbst komme wegen der Torten her. Jeden Tag Weiterlesen

Likörfabrik am IfgB (Wedding)

Konkurrenz für Leydicke. Neue Liköre braucht das Land. Hier kann jeder nicht nur verkosten und kaufen, nein: es gibt auch Seminare, Führungen und Kurse zur Likörherstellung.

Lustig ist die Verkostung, bei der es heitere fünf Destillate ins Glas gibt. Mühsamer ist da schon das Produktionsseminar. Unter fachkundiger und sehr geduldiger Anleitung geht es in gut drei Stunden vom Ausmessen, Destillieren und Abfüllen bis zum eigenen Etikett. Prost.

Das Faszinierende ist: ein moderner Fabrikationsbetrieb, der auf historischen Geräten und Maschinen arbeitet und schult – am Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie (so die Entschlüsselung der Abk.)

So bekommt der Likör womöglich eine Wiedergeburt und wird Trendgetränk: Bockbierlikör, Edel-Pomeranze und natürlich Saurer mit Persico werden ergänzt durch Kurfürstlichen Magenbitter, Gin und Vodka.
Einige der Produkte schenkt selbst Käfer im Reichstag aus. Für die Abgeordneten?

Seestraße 13, 13353 Berlin-Wedding
www.likoerfabrik-berlin.de

Schoenwetter (Wedding)

Das Schönwetter funktioniert auch bei Schlechtwetter. Aktuelles Beispiel: samstägliche Geburtstagsparty in der Strandbar geplant. Liegestühle, Grill (kann vor Ort ausgeliehen werden), Sandstrand.

Aber: Regen. Egal.
Der Betreiber ist gefragt. Der Betreiber ist einfach nur klasse. Er liebt seinen Ort, er strahlt, er gibt ein gutes Gefühl.
Er preist das niegelnagelneue Vordach – ein Unterstand. Die Meute jubelt, zumindest bis sich der Grillrauch ebenfalls unter dem Vordach reichlich versammelt. Eine zweite Geburtstagsgrillparty möchte unsere Kohle (also Grill-…), Fleisch wird schwesterlich geteilt. Keiner hungert.

Egal. Erst nach einer guten Stunde leckt das Dach und die Weiterlesen