Zwiwwel Weinstuben

Leider ist dies ein Nachruf mit einer Träne im Knopfloch. Denn: die Zwiwwel gibt es seit einem knappen Jahr nicht mehr und das ist ein wahrer Verlust.

Drei Gründe:

1. Das über Jahre beständig gute Essen (wo finde ich nun nur ein vergleichbares Steak?)

2. Die Weine. Was für eine liebevolle Weinkarte, was für ein Leidenschaftlicher Weinwirt. Bei guter Laune und netten Gästen wurde schon mal ein 94-er Brunello Val di Suga geköpft und für 5.- Euro das Glas ausgegeben. Andächtige Ruhe im Lokal. (Solche Flaschen gab es dann allerdings stets nicht sehr lange).

3. Der Raum. Eintauchen in die gediegene Atmosphäre eines kaiserzeitlichen Hinterzimmers. Dunkles Holz, ein wenig Plüsch, alte Lampen und Uhren. Einfach eine kleine Zeitreise.

Schon länger hatte es ein auf und ab der Besitzstruktur gegeben. Wer hatte das sagen hinter dem Tresen? Karte verändert, Klassiker gestrichen (Steak!). Aber alles rückgängig gemacht, alles wieder gut. Bis…

Die gute Nachricht: zumindest der Raum ist noch fast so wie früher erhalten. Reuters heißt das Lokal mittlerweile und wird sehr freundlich-osteuropäisch geführt.
Nur: man tritt noch etwas unbeholfen in recht große Fußstapfen.

Akitama (Schöneberg)

Edamame und Sushi

Edamame und Sushi

Das Sushi, was Ken Toyasawa hier zubereitet, ist Kunst. Auch Zubereitung und Servieren wird zelebriert. Der Meister nennt diesen scheinbar unscheinbaren (weil: gar nicht leicht zu entdecken!) Ort im Schatten des machtvollen KaDeWe (auch dort gibt´s ja Sushi): Smallest Sushibar ever.

Lange habe ich mich davor gedrückt, die saftigen Preise hier in Kauf zu nehmen. Immer dachte ich: Touri-Lage, sollen doch auswärtige Deppen die überhöhten Preise zahlen, die hier üblich sind. Selbst an den Curry-Buden.

Das Innere des Akitama

Der Innenraum

Mein erster neugieriger Schritt ging Weiterlesen

Sachiko Sushi (Charlottenburg)

Sushi auf Booten fahrend. Sehr frisch, sehr ordentlich.

Schöne Atmosphäre mit Reispapier an den Wänden des Gewölbebogens unter der Stadtbahntrasse.

Die nicht-verstellbaren Barhocker stellen sich als sehr problematisch für Menschen unter 1,70m heraus. Bein-baumelndes ausstrecken nach vorbeifahrenden Sushi-Tellern erzeugt gefährliche Rutschmomente. Verkaufseifrig-prompte Getränkeversorgung auch mit Weinempfehlungen. Recht teure Preise, weswegen der Kunde gerne auf Gutschein-Angebote zurückgreift, dann aber stasimässig in der eigens geführten Liste (in diesem Fall: get2gold Card) überprüft wird.
Dies führt zu einem sehr unangemessenem Abschluss eines an sich angenehmen Aufenthaltes.

Grolmanstr. 47, Savigny-Passage, 10623 Berlin

www.sachikosushi.com

Gaststätte Gottlob (Schöneberg)

Die Sommerterasse mit dem kleinen Garten ist der Frühstücks Tipp schlechthin, Sonntags auch mit Büffet. So ein gutes Rührei muss man auch erst mal hinbekommen.

Und wenn er so wundervoll freundlich serviert wird, lässt man sich auch gerne noch einen zweiten, dritten, vierten Café bringen.
Innen auch nett. Im bestuckten Altbau quasi mit verwinkeltem Hinterzimmer den ganzen Tag gut besucht. Von den Familien der Umgebung, Businessgestalten, oder gestressten Studis, deren Notfälle in den angrenzenden, auch Sonntags bis spät geöffneten Copy-Shops, behoben werden konnten.

Akazienstraße 17, 10823 Berlin

Hostaria La Buona Forchetta

Wie der familiäre Gasthof im italienischen Hinterland.

Rustikale Atmosphäre im Minilokal mit nur acht Tischen. Es gibt ein monatliches Menü, bei dem man für sich die Anzahl der Gänge auswählt. Mehr Auswahl ist nicht, aber nur so lassen sich wohl die sehr günstigen Preise kalkulieren. Wasser und Wein sind inklusive. An der Wand steht das Faß, aus dem man sich den (bestens temperierten) Wein selbst zapft.

Gemütliche Oase, die sich sehr rasch herumsprechen wird. Gemütlich und stimmungsvoll, mit marktfrischen Produkten. Ländlicher Zubereitungsstil.

Graefestraße 83, 10967 Berlin

www.hostaria-berlin.de

Broken English (Charlottenburg)

Very british, indeed. Hier wird Heimweh nach der Insel befriedigt. Dieser Laden macht es möglich.

Man schnappt Satzfetzen der Kundschaft auf, wie „….wie hieß noch gleich dieses nette Hotel in Chelsea, wo wir den High Tea nahmen…?“
Mühelos kann man sich bei Broken English für die private Teezeremonie daheim ausstatten. Es gibt Tee, es gibt Gebäck, es gibt sogar das passende Geschirr und natürlich die unvermeidliche Lavendel Seife. Wer ein Geschenk für anglophile Bekannte benötigt, kann Weiterlesen

Lanninger Bar und Smoker’s Lounge (Moabit)

Lanninger nennt es Bar, also ist dies ein Bar-Test. Es wird auch Essen serviert, sah auch lecker aus, wurde jedoch nicht verkostet. Wir wollten ja Cocktails trinken. Die Erwartungen waren groß! Wenn ein Barkeeper des Jahres seinen Namen gibt und dann in einem Hotel in der doch eher szenvernachlässigten Lage Moabit eröffnet, so klingt das sehr ehrgeizig und ambitioniert.

Sollen womöglich nicht nur Hotelgäste sondern auch Cocktail-Kenner und Barflies zum Wiederkehren verlockt werden?

Leider nein. Es ist am Ende doch nur eine gehobene Hotelbar, aber kein Cocktailparadies. Schickes und modernes Design, direkt an der Spree gelegen mit einer umfangreichen Spirituosenauswahl. Als Whiskyliebhaber wird man von Herrn Lanninger bestens beraten, der mit strahlendem Lächeln allgegenwärtig scheint. Sein Personal ist schnell und verbal professionell. Zügig soll bestellt werden. Aber dann am Gerät: auch einen Cosmopolitan sollte man mehr als drei Mal shaken, gleiches galt für den Hurricane.

Die Drinks waren nicht kalt – das ist ein no-go! Aber: nicht so warm, dass man sich beschweren könnte.

Die Gäste waren fast ausschliesslich Hotelgäste mit business-Aura: „seht her, wie locker wir nach dem meeting noch sein können.“
Für Raucher gibt es die Raucher lounge, also Ledersessel im Hinterzimmer hinter Glas.
Will man Berliner als Gäste? Anscheinend reicht das Hotelpublikum.
Schade.

Alt-Moabit 99, Im Hotel Abion, 10559 Berlin-Moabit
www.lanninger-berlin.de

Zum Fischerkietz (Mitte)

Eine ungewöhnliche Institution:
Zunächst mal die Formalitäten: Eine deutsche Bierkneipe mit einigen entsprechenden Gerichten (man sagt wohl: „gutbürgerlich“) auf der Karte.
Löblich sorgfältig wird das Pils gezapft und kredenzt.

Wir befinden uns in einer Art Bauernstube in einem Plattenbau, wobei die Atmosphäre des „Alt-Berlin“ über diverse Zille-Grafiken an den Wänden transportiert wird.
In der Tat ist dieses Lokal Weiterlesen