Rum Trader (Wilmersdorf)

Ich übertreibe maßlos, wenn ich diese Bar eine Legende nenne.

Ein seltsam Retro-60ies anmutendes Einkehrobjekt im Eckgebäude an der Fasanenstraße, an dem eine Rumrelevante Fahne weht, die signalisiert, dass geöffnet ist. Klein ist es hier. Platz für sieben Menschen am Tresen (plus erhöhte Bank für zwei Wichtige Personen, falls sie kommen). Ein Tisch in einer ghettoisierten niedrigen-erniedrigenden Nische mit Sitzgelegenheit für 4-7, Garderobe, diverse Quadratzentimeter weiterer Stehraum für Nachrücker.
rum trader
Wer wagt – klingelt.
„Ah, schön Sie zu sehen. Hatten Sie heute wieder im Kohlenkeller zu tun?“ So lautet eine freundliche Begrüßung eines willkommenen Gastes, der nur mittelmäßig gewandet zu erscheinen wagt. Darauf erstmal einen Drink. Ich empfehle: Rum Sour oder Mai Tai (Stufe zwei, danach drei – es gibt mehr) zur Orientierung, Akklimatisierung.
Auf unterhaltsame Weise liefert man sich hier dem Connaisseur am Shaker, Herrn Scholl, aus.
Der Mann lebt seine Bar, er ist diese Bar. Er ist kultiviert, irgendwie brillant; mixologisch einwandfrei sortiert; er verfügt über eine Barbibliothek welche jeden historischen Drink bestellbar macht, er gewinnt jeden dichterischen Rezitierwettbewerb. Er ist Twenties. Er ist ein Snob. Er ist ein ganz besonderer Gastgeber.

Er ist Zigarrenraucher. Herr Scholl hat in Karlsruhe geklagt und allen Berliner Tabakgenießern einen Gefallen getan.

Herr Scholl trat würdig die Nachfolge des legendären Herrn Schröder an. Hans Schröder hat noch im alten Adlon gelernt. Er war ein Lieblingsbarkeeper von Ian Fleming, den er in Berlin und auch in San Francisco bei dem legendären „Trader Vic“ Bergeron bemixt hat. Man sprach viel über Martini, Vesper Martini, geschüttelt, gerührt. Ian Fleming widmete Herrn Schröder im Angedenken an seine feinen Getränke eine Passage in dem Buch „Thrilling Cities“. Später wurde daraus „Octopussy“.
Irgend so eine Agentenserie, sagt man.

Ich nehme noch einen Sanctuary, oder einen Creole Swivvel. Herr Scholl erzählt mir die Geschichte dazu (wenn er nicht gerade etwas an meiner Garderobe zu bemängeln hat). Die letzte Bestellung macht er selbst: er bestellt ein Taxi für den Gast, der am nächsten Morgen die Frage stellt: ist mir das wirklich passiert? Es ist. Oder?

Glauben Sie mir nichts, denn alles ist nur ein Gerücht. Dennoch: die Legende, sie lebt, mixt, genießt, erzählt.
Und eigentlich habe ich gar nicht so sehr übertrieben…

Fasanenstraße 40, 10719 Berlin-Wilmersdorf

Macy´s (Chicago)

Es lebe Chicago. Stadt des zweiten Platzes!
„The second city“ wird sie oft genannt, die Stadt die stets im Schatten von New York bleiben wird.
Dennoch kann die „zwei“ ganz schön beeindrucken. Es geht schon los, wenn der Flieger auf dem zweitgrößten Flughafen der Welt landet. Viele Tagungen und Kongresse finden im flächenmäßig zweitgrößten Gebäude der USA, dem Merchendise Mart, statt. (Die größte Kläranlage der Welt klammere ich an dieser Stelle als Nummer eins aus, bzw. ein.)

Wir aber wollen in das zweitgrößte Kaufhaus der Welt!
Als ich shoppingvergnügt hineinspazierte, wusste ich noch nichts von der Dimension dieses Hauses. Hatte gedacht: Kennt man ein Macy´s, kennt man alle. Falsch, Irrtum, setzen – sechs.

Am besten besorgt man sich gleich beim Eintritt in das wunderschöne historische Gebäude Weiterlesen

Bronx Zoo (New York)

Mein Verhältnis zu Tieren ist widersprüchlich, schließlich bin ich kein Vegetarier. Ich gehe aber gerne in den Zoo, da ich neben Eichhörnchen eine Schwäche für Pinguine habe.
Mit den Pinguinen war in der Bronx nix los, ansonsten war es lustig.
Wenn da nicht die Schulkinder gewesen wären, von denen ich mir einige auf die andere Seite des Alligatorsichtfensters gewünscht hätte. Schwamm drüber – ein ruhiger Tag in der Bronx (wieder ein Widerspruch?).

Eich im Bronx Zoo

Der Zoo ist der größte Tiergarten der Welt mit über 100 Hektar und um die 4.300 Tierarten. Weiteres wäre in jedem beliebigen Reiseführer nachzulesen, daher hier nur meine zweieinhalb Highlights:

Besonders sollte eine Fahrt mit dem Monorail unternommen werden. Eine schöne und abwechslungsreiche Fahrt mit fröhlicher Kommentierung. Ich hätte auf noch drei Runden sitzen bleiben können.

Besonders stolz ist der Zoo auf seine Tiger, entsprechend inszeniert sind sie und auch sehenswert in ihrem großzügigen Auslaufbereich.

Besonders ironisch ist die kleine Raucherzone, die sich selbstverständlich und sinnigerweise am Camel-Gehege befindet.

Have a Camel

Zoo was…

Wirtshaus Wuppke (Charlottenburg)

Gibt es eigentlich Untersuchungen zu Hunden und Passivrauchen? Wenn nein, wäre hier der ideale Ort für eine Studie.

Treue Trinker von Kindl, Köpi und Altbier versammeln sich hier mit ihren zwei- und vierbeinigen Gefährten zu Kartenspiel, Bundesliga und nachbarschaftlichem Palaver. Und zum rauchen. Vielfach hört man husten, bellen, krächzen und kläffen. Die Herkunft der Geräusche ist zumeist nicht eindeutig zuzuordnen.

dsc01487

Etliche der ehemals hartgesottenen Bastionen von Bierdunst und Rauchschwaden rings um den Savignyplatz haben die Segel gestrichen und die Aschenbecher verschenkt. Wohl an Wuppke, die brauchen nämlich jede Menge davon.
Hier ist sie nämlich, die Zuflucht der Tabakjünger, das Walhalla der Kettenraucher, die Rettung der Streichholzindustrie.

Unter dem Dunst liegt die Erkenntnis, dass es gleichsam Weiterlesen

Westend-Klause (Charlottenburg)

Ich mag Ringelnatz. Er kannte das Leben, die Welt, Berlin. Er war ein solider Trinker. Er trank oft hier, wohnte ja gleich ums Eck am Sachsenplatz, heute Brixplatz. Diese Klause war sein Stammlokal. An seinem Lieblingsplatz hängt ein Gemälde, das ihn zeigt.

Morgens um neune war es oft soweit, dass er hereinspazierte mit seinem Hund „Frau Lehmann“ und erstmal einen Aquavit orderte.
„…Wie? Ich sei angetrunken? O nein, nein! Nein!
Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört….“

dsc01491

Ich mag Engelhardt, das Charlottenburger Pilsener.
Heute ist die verwinkelte Kneipe mit glänzender Zapfanlage noch immer Treffpunkt, auch schon ab morgens um neune. Die Westend Nachbarschaft diskutiert, das Bier wird sorgfältig gezapft und extrem freundlich kredenzt, die Bilder an den Wänden studiert. Viele Gäste sind da dokumentiert. Zelli, der Zeichner; Schmeling, der Boxer; Tilla Durieux die Legendäre. Die Prominenz von heute Weiterlesen

Peking Ente (Mitte)

Frühlingsrolle statt Führerbunker. Die Vorstellung ist schon merkwürdig, dass genau da, wo heute die fröhliche Peking Ente mit China-Küche lockt, vor 1945 Hitlers Neue Reichskanzlei stand und ewiglange Gänge in rotem Marmor jeden Besucher einschüchtern sollten. Der rote Marmor ist übrigens noch im nahen U-Bahnhof Mohrenstraße zu sehen.

Rot ist auch die dominierende Farbe des Restaurants im Plattenbau an der Ecke zur Voßstraße.
Gelbliches, gedämpftes Licht macht das lesen mühsam. Die letzte Renovierung bringt eine komische Mischung aus alt und neu hervor.
Die Sitzgruppen im Bauernstuben-Design sind mit chinesisch gemusterten Stoffen überzogen, die Lampen und Bilder sind auf unspektakuläre Weise modern. Schön ist das Geschirr, weil es recht schick von der gewohnten Schüssel-Stäbchen-Teebecher Ästhetik abweicht.

dsc01458

Spezialität des Hauses ist natürlich die Peking Ente, die es Weiterlesen

Isle Of Arran Distillery (Arran)

Zwei Steinadler bilden das Wappen dieser jungen Destillerie auf der Insel Arran, nahe der Ortschaft Lochranza. 1995 erst ging diese Whisky Manufaktur in Betrieb. Die zwei Adler wurden von ihrem Quartier an einem nahen Hügel aufgeschreckt und kreisten darauf über dem neuen Areal.

Dies wurde als gutes Omen gewertet, woraufhin die beiden Fluggefährten zum Wappentier ernannt wurden.p4020082

Diese Destillerie ist schon etwas besonderes. Von der Atmosphäre her sehr neu. Es fehlt die Patina, die viele der historischen Fabrikationsstätten ausmacht. Dafür spürt man die Energie und den Schwung, welchen die Mitarbeiter an den Tag legen, vor allem jetzt, wo 2008 die ersten 12-jährigen Single Malts in den Handel kommen.

Bislang hat man den jungen Whisky mit diversen „finishes“ angeboten, also aromatisierenden Lagerungen in Wein-, Sherry-, Port- und anderen Fässern.
Manche Traditionalisten mögen schockiert sein, wie hier mit dem Whisky umgesprungen wird, aber auf diese Weise haben die Hersteller halt in der Überbrückungszeit für die ersten Abfüllungen für Einnahmen gesorgt.
Uninteressant ist das nicht, wenn aromatische Ergänzungen durch Amarone, Sauternes, Portwein oder ungarischen Tokajier dem Brand durch Fass-End-Lagerung hinzu gefügt werden. Als die Dame, die die Führung sehr engagiert leitete, begeistert auf das „Champagner finish“ verwies, war es sicher gemein, die Frage zu stellen, wie denn Champagner-Fässer ausschauen. p4020076

Die Führungen durch die nagelneuen Gebäude sind schon spannend, gerade wenn man zuvor schon alteingesessene schottische Häuser besucht hat. Haben die Besucher den kitschig-idyllischen Werbefilm zum Inselparadies Arran über sich ergehen lassen, ist der Rundgang sehr informativ, sinnlich und unmittelbar.
p4020077Im Anschluss landet man, adlersgleich, im „Eagle Nest Restaurant“ und lässt sich mit weiteren Inselspezialitäten verwöhnen, wie Fisch, Käse und Eiscreme.

The Distillery Lochranza, Brodick, KA27 8HJ

www.arranwhisky.com

Lagavulin Distillery (Islay)

Eigentlich will diese Destillerie gar keine Besucher. Die Öffnungszeiten machen das recht deutlich: Am Wochenende geschlossen, na großartig.

p3310031

Listig kamen wir am Dienstag daher um eine übellaunige Lady aus ihrem Büroschlaf zu wecken. Im Gegensatz zu den anderen Whisky Marken auf Islay gibt es hier keine ausgefeilten Besuchsprogramme, keinen Fanshop und kein herzliches Willkommen.
Missmutig brachte man uns in eine Art Wohnzimmer, drückte uns einen Prospekt in die Hand und bot uns einen Whisky an. Die Auswahl war überschaubar, es stand halt der übliche 16-jährige bereit, den wir aber verschmähten.

Glücklicherweise war mir ein hervorragendes aktuelles Whisky Buch in die Finger gefallen: „The Malt Whisky Guide“ von David Stirk. Darin empfiehlt er eine neue Abfüllung von Lagavulin aus der Distillers Edition, double matured mit Pedro Ximenez finish. Nach diesem fragten wir und tatsächlich öffnete die uninspirierte Dame eine Schranktüre und zauberte das Elixier hervor, um uns davon kosten zu lassen.
p3310032 Danach machte sie einen entscheidenden Fehler. Sie verließ den Raum und ließ uns mit der Flasche allein zurück.
Es ist doch gar nicht so dumm, bei den Lagavulins zu schellen…

Isle of Islay, Port Ellen, Highlands and Islands PA42 7DZ

www.classic-malts.de/

De Cero – a modern day taqueria (Chicago)

Speedy Gonzales hat seinen Sombrero einmal zu Hause gelassen und sich etwas schicker gemacht. In Deutschland gänzlich unbekannt: Mexikanische Küche auf hohem Niveau und in schickem, modernen Design, ganz ohne folkloristisches Gerassel.

pa150217

Wer bisher dachte, Tacos müssen hart sein, wird mit den frisch bereiteten und eben weichen Teighüllen überrascht. Knapp 20 verschiedene Taco-Varianten bietet die Karte an, zu jeweils ca. $4. Zu zweit teilt man sich am sinnvollsten eine gemischte Taco Platte zu $29, bei der acht ausgewählt werden können.

Die Annahme, Bohnen auf Mexikanische Art kommen ausschließlich in Dosen daher, erweist sich als Irrtum. Frische Weiterlesen

Bowmore Distillery (Islay)

Bowmore ist die Hauptstadt der Whisky-Region Islay. Glücklich grinsen die Schafe der Insel. Den Grund erfährt der Besucher bei einer Destillerie-Führung: Die Überreste von Malz, Gerste usw. werden an die Inseltiere verfüttert.p3310045

Glücklich grinsen auch die Freunde des güldenen Getränks, die hier voll auf ihre Kosten kommen. Inhaltlich auch.
Der Service für Besucher bei Bowmore ist vorbildlich. Verschiedene Arten der Besichtigung werden angeboten und das Besucherzentrum hat einen schicken Verkostungsbereich, wo die vielfältige Whiskypalette mit herrlichem Blick auf das Wasser des Loch Indaal genossen werden kann.

p3310042Wir hatten uns für die VIP-Variante der Führung entschieden, die Craftman´s Tour. Im Gegensatz zur regulären Tour gibt es einige Besonderheiten. Zu viert ging es durch die einzelnen Abschnitte des Brauen, Destillierens und Abfüllens. Unterwegs wird geschnuppert, gefühlt, probiert und gefachsimpelt. Die lange Geschichte und Tradition seit 1779 wird berichtet und der Einfluss der japanischen Besitzer von Suntory diskutiert.
Bemerkenswert ist der Gang durch die Lagerhallen, die warehouses, in denen die Fässer warten und das edle Getränk reift. In einer Ecke lagern die Fässern, die der königlichen Familie gehören und speziell für den Hof verarbeitet werden.

Der Höhepunkt, den ich so noch in keiner anderen Destillerie erlebt habe, ist der, dass man selber „blenden“ darf, also einen Whisky mischen und abschmecken. Direkt aus jeweils einem Bourbon-Fass und einem Sherry-Fass mischt sich jeder seinen eigenen Bowmore zusammen unter Anleitung des Fachmanns.

Den Abschluss bildet die moderne und helle Verkostungsstube, in der es Gelegenheit gibt, den eigenen Bowmore-Favoriten herauszuschmecken. Ganz typisch sind die Meere- und Salzaromen und der Anflug von Torf. Mit dem Blick auf die Wiesen, die weißen Lagerhallen und die See wird deutlich, woher sie kommen.
Mein Favorit wurde der neue 18jährige. Nun grinse auch ich, schafgleich glücklich.p3310043

School Street, Isle of Islay, Argyll, Bowmore, Highlands and Islands PA43 7JS

www.bowmore.co.uk