Dos Palillos: Nachtschwärmer im (Wan-Tan-Tapas) Diner

Von außen betrachtet wirkt das Restaurant „Dos Palillos“ tatsächlich ein wenig, wie das berühmte Gemälde von Edward Hopper. Aufgereiht sitzen die Gäste an einem langen Tresen, durch die Fenster blickt man auf ihre Kehrseiten.

Brett vor dem....Fenster

Brett vor dem….Fenster

Dieser erste Eindruck kommt eher kühl daher, was sich rasch verflüchtigt, wenn man den Gastraum mit den merkwürdigen goldenen Decken (also im Sinne von Stoff) betritt und sich ebenfalls an den Tresen platziert.

Köstliche asiatische Happen erwarten die Gäste, was zunächst einmal wenig offensichtlich scheint. Denn: Wir sitzen im Casa Camper, dem Hotel einer spanischen Schuhfirma. Dos Palillos bedeutet übersetzt „zwei Zahnstocher“, oder umgangssprachlich: „Ess-Stäbchen“. Das Innendesign stammt von den Pariser Designern Ronan und Erwan

Blick in die Küche

Blick in die Küche

Bouroullec, das Kulinarische Vorbild/ Stammhaus befindet sich in Barcelona, der eigentliche Createur der Speisen ebenfalls, Albert Raurich, der zuvor ca. 10 Jahre Chef de Cuisine im ElBulli von Ferran Adria war, uns aber weder mit molekularen Experimenten, noch spanischen Tapas konfrontieren möchte.

Der Zahnstocher an sich schlägt womöglich die Brücke. Schließlich stammt Weiterlesen

Völlig unerwartet: Biergartenwetter im Mai

Die Überschrift mag ungläubiges Staunen hervorrufen, dennoch ist es wahr: am Mittwoch dem 5. Mai 2010 gab es tatsächlich Sonnenschein und eine damit verbundene Illusion von Wärme.

Das schönste Kindl seit langem...

Das schönste Kindl seit langem...

Daher auf in einen der schönsten Biergärten der Stadt. Mitten in Moabit versteckt er sich im Schatten einer meiner Lieblingskirchen,  St. Johannis, einer der Schinkelschen Vorstadtkirchen, die 1835 eröffnet wurde, um das Seelenheil des Proletariats zu gewährleisten. Später hat Stüler den Bau im italienischen Stil mit Campanile und Säulengang erweitert und wundervoll ausgeschmückt. Zumindest außen ist die ursprüngliche Schönheit noch erkennbar, innen fand nach immensen Kriegszerstörungen eine

Eingang zum Sommergarten über den Vorhof der Kirche

Eingang zum Sommergarten über den Vorhof der Kirche

sehr schlichte, wenngleich sehenswerte Rekonstruktion statt.

Mit zum Seelenheil trägt heute der St. Johannis Sommergarten bei. Ein hübsches Idyll im Grünen, von der Kirchenmauer vom Autoverkehr abgeschirmt, mit einem kundigen Mann am Grill und schön gezapftem Weiterlesen

Kryptische Cocktails von 1927

Ein unglaubliches Stück Glück! Hurra!

Eine wunderbare Zufallsgabe schwebte unerwartet in mein trautes Heim hinein. Einige werden es wissen, meinen Lebensunterhalt verdiene ich mir hauptsächlich durch merkwürdige Stadtführungen durch Berlin, wozu auch meine diversen Kriminalführungen zählen.

Kürzlich erwarb ich daher ein Konvolut mehrerer kriminalhistorischer Bücher aus den USA, die sich mit Prohibition, Al Capone, John Dillinger, New York und Chicago befassten. Der Verkäufer schien erfreut ob meines Kaufs

Here´s How!

Here´s How!

und steckte zusätzlich eine winzige Überraschung in das Paket, die ich fast übersehen hätte. Während der Transaktion hatten wir munter gemailt und meine Cocktailleidenschaft kam dabei zur Sprache, weswegen er mir augenzwinkernd eine fantastische Gabe beifügte: Ein Cocktailbuch von 1927, mitten aus der Prohibition, der strengen Phase des Alkoholverbots.

Veröffentlicht wurde es in New York in winzigem Format mit 62 Seiten, passend für jede kleinste Tasche. „Here´s How!“ lautet der Titel. Der Autor nennt sich „Judge Jr.“ Vierte Auflage!

Sein Vorwort erklärt, dass er ohne die Prohibition wohl nie auf die Idee gekommen wäre, einen Drink zu nehmen, auch wenn Weiterlesen

Letztmalig: Schale und Becher in Berlin

Teller und Pokal in der Hauptstadt. Diese Meldung wird es lange Zeit nicht mehr geben: „Meisterschale und DFB-Pokal in Berlin!“

Mit der tattrigen Greisin „Hertha“ hat das fürwahr nix zu tun. Alleine der letzte Spieltag mit Meister Bayern und der Austragungsort für das DFB Pokalendspiel ermöglichen dieses gleichzeitige „Double“ in einer nationalen Metropole mit ausschließlich zweitklassigem Fußball.

Empfohlen sei daher ein Gang ins rote Rathaus, wo bis zum Pokalendspiel am nächsten Samstag, der DFB Pokal für jedermann zu besichtigen steht (Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Himmelfahrt von 10 bis 17 Uhr).

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Ansonsten sind die höheren Weihen von König Fußball für die plebejische Hertha in weite Ferne gerückt. Holzklasse statt Königsklasse, Bollerwagen nach Bielefeld statt Lufthansa nach Liverpool.

Einige sagen, das kann nur an dem dämlichsten Fan-Lied Weiterlesen

Cookies und „Chipps“ am Hausvogteiplatz

Geht uns Westerwelle auf den Keks? Egal. Geht der Außenminister zu Cookies neuem Restaurant? Wir werden sehen. Die Gelegenheit gibt es seit wenigen Tagen.

Die Club-Legende der 90er Jahre (bis heute), Heinz „Cookie“ Gindullis, hat sich für sein neues Restaurant eine spannende Lage ausgesucht, in dem neuen Stadtquartier zwischen Hausvogteiplatz und Auswärtigem Amt mit seiner ungewöhnlichen Townhouse-Architektur.

Das neue Townhouse-Quartier

Das neue Townhouse-Quartier

Mehrere meiner Stadtführungen bewegen sich in dieser Gegend und so konnte ich das Viertel mit Licht- und Schattenseiten regelmäßig begleiten und beim Wachsen beobachten. Bis vor zwei Jahren war hier nach Büroschluss der langweiligste Ort der Stadt (und das zwei Straßen vom Gendarmenmarkt entfernt!). Auswärtiges Amt, Justizministerium, der schäbigste Plattenbau der Humboldt Universität, Telekomrepräsentanz und die (mittlerweile verflüchtigte) Pro-Sieben-Sat-1-Media werkelten in dem Viertel ohne Bewohner. Einziger Lichtblick war stets das sehr empfehlenswerte Thai-Restaurant Good Time am Hausvogteiplatz. Die Stadtplaner reagierten einmal schlau und verwerteten das Areal wohlüberlegt als Wohnbebauung der eleganteren Art. Und so wandelte sich ein Trampelpfad mit unattraktiver Spontanvegetation zu einem attraktiven architektonischen Ensemble.

Vom Underground zur Aussengastronomie

Vom Underground zur Aussengastronomie

Eine optimistische Neueröffnung, das Bio-Restaurant Gorillas, fiel der Pleite der Kette zum Opfer und fand nun mit „Cookie“ einen neuen Betreiber, der das Viertel kulinarisch ordentlich aufpeppt. „Chipps“ lautet der Name der gastronomischen Einrichtung mit offener Küche, modernem Styling und schönem Außenbereich mit Blick auf das Auswärtige Amt mit dem Neubau und dem Altbau, der zuvor das ZK der SED und davor die Reichsbank beherbergte.

Das kulinarische Konzept ist ein fröhlicher Bastelbogen mit reichlich frischen Bio-Produkten in einem gehobenen Imbiss. Beilagen bilden das Herzstück, um die herum man sich seinen individuellen Teller gestaltet. Zunächst wählt man sich die Basis aus vier Optionen: Käseknödel, Kartoffelchipp (man könnte es auch Rösti

Kartoffelchipp aka Rösti

Kartoffelchipp aka Rösti

nennen), Reispäckchen oder Nudelblatt. Dazu wähl man sich zwei von 12  „Vegi“ genannte Gemüsebeilagen, eine von fünf Saucen und eines von neun Toppings (wie Pinienkerne, Parmesan oder Röstzwiebeln) zu 8,50 Euro. Oder einen Salat, der nach dem gleichen Baukasten-Prinzip funktioniert. Im Gegensatz zum vegetarischen Clubrestaurant „Cookies Cream“ in der Behrenstraße, kann im Chipps auch Fisch und Fleisch geordert werden. Von 11 bis 15 Uhr werden vier Kompositionen als Mittagstisch serviert. Mit Suppe oder Salat vorweg zu 8,50.

Alle Berichterstatter schreiben von, mit und über den „mega-legendären Cookie“. Das ist ungerecht, denn der Küchenchef, Stephan Hentschel, der bereits im „Cookies Cream“ einen großartigen Job macht, geht dabei förmlich unter. Ein kreativer und sympathischer Küchenkönner sorgt hier für Weiterlesen

And the Windbeutel goes to….

„Monte Drink“ von Zott erhält die Auszeichnung „Goldener Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge des Jahres. Das Getränk, das als ausgewogenes Milchmischgetränk für Schule und Sport auftritt, enthält in Wahrheit mehr Zucker, als die vergleichbare Menge Cola.

Immerhin mehr als 80.000 Menschen stimmten ab, wer die trostlose Trophäe in diesem Jahr erhalten soll, die von foodwatch verliehen wird, um den Werbeschwindel gegenüber den Verbrauchern zu bekämpfen.

Hoffentlich wirkt es. Immerhin hat Zott bereits angekündigt, Rezept und Marktauftritt zu ändern. Nun wird aufgerufen, dem Konzern ein „Glückwunschschreiben“ zu übersenden. Mal sehen, was passiert. Vorjahres“sieger“ Actimel von Danone brach im Markt jedenfalls gewaltig ein.

Meine Stimme ging an und gegen Alfons Schuhbeck, der auf der Dose der Champignonsuppe von Escoffier frech grinst. Die eine Dose enthält Wasser, die andere birgt Tütensuppe in der Dose. So lässt sich schlau der Preis vervielfachen. Der Werbetext auf der Hersteller-Hompage verkündet lyrisch:

Sternekoch Alfons Schuhbeck hat Escoffier bei der Entwicklung dieser einzigartigen kulinarischen Neuheit mit all seiner Erfahrung und Kreativität unterstützt. Das Ergebnis ist ein besonderer Gaumenkitzel, wie es ihn nie zuvor gegeben hat.

Danke Herr Promikochpseudoguru.

Ich kann nur sagen: Dranbleiben, foodwatch!

Schnell noch Windbeutel wählen gehen!

Der 22. April ist der letzte Tag für die Wahl zum „Windbeutel des Jahres“.

Foodwatch halte ich für eine wichtige Einrichtung zur Wahrnehmung von Rechten der Verbraucher. Sie achten genau auf Inhaltsstoffe, Werbebotschaften, Lug, Trug und Wahrheiten, wenn es um kulinarische Produkte geht.

Man legt uns herein....

Einmal im Jahr wird der „Goldene Windbeutel“ verliehen, eine fragwürdige Auszeichnung, die die dreisteste Werbelüge eines Lebensmittelherstellers brandmarkt. 2009 hatte Actimel von Danone die Wahl „gewonnen“.

2010 stehen interessante Produkte für einen Fünfkampf bereit. Ich zitiere aus der Präsentation der Nominierten von der Foodwatch Seite:

  • Beo Heimat Apfel & Birne von Carlsberg: „Beo Heimat Apfel & Birne“ von Carlsberg: Eine Bio-Limonade, in der gerade einmal 5,5 Prozent Bio sind: Zucker und Gerstenmalzextrakt. Apfel- und Birnensaft sind gar nicht drin, für den Geschmack sorgen Aromen.
  • Bertolli Gegrilltes Gemüse von Unilever: Die Pastasauce wird mit dem Werbehinweis „verbesserte Rezeptur“ beworben – dabei hat sich die Rezeptur gegenüber der alten sogar verschlechtert. Neu im Produkt sind nämlich Aroma, Geschmacksverstärker und der Zusatzstoff E330 (Citronensäure).
  • Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner: Große Bilder von Physalis auf der Packung, aber keine Spur von der „süßen Frucht der Verführung“ darin. Physalis ist nicht einmal in Spuren enthalten, stattdessen Aroma und umgerechnet 47 Stück Würfelzucker im Zwei-Liter-Karton.
  • Duett Champignon Creme-Suppe von Escoffier: Starkoch Alfons Schuhbeck bewirbt das Produkt wie Feinschmeckerware. Dabei ist es voller Zusatzstoffe und nur so gut wie jede andere Tütensuppe – aber viel teurer und in Dosen. In einer Dose befindet sich das Pulver, in der zweiten wird das Wasser zum Anrühren gleich mitgeliefert.
  • Monte Drink von Zott: Eine Zuckerbombe, beworben als gesunde „Zwischenmahlzeit“. Umgerechnet 8 Stück Würfelzucker stecken in einem Fläschchen Monte – mehr als in der gleichen Menge Cola.

Mehr Informationen gibt es auf abgespeist.de

Zur Abstimmung geht es hier

Andere Zeiten, andere Besetzer

Das Lenné-Dreieck. Hier macht das Besetzen anscheinend am allermeisten Freude. Wer erinnert sich noch? Bis zum Juli 1988 war das Grundstück am Potsdamer Platz eines der merkwürdigen Areale, die auf der Westseite der Berliner Mauer lagen, aber zu Ostberlin gehörten.

Rare Spirituosen...

Die Polizei (West) durfte Gelände dieser Art nicht betreten, so hatte sich dort eine Zeltstadt mit einigen Hundert besetzenden Gestalten gegründet, die sich dem linksalternativen Kosmos zuordneten und fröhlich vermummt zu lauter Musik um brennende Mülltonnen tanzten. Im Sommer 1988 kaufte der Westen dem Osten ein gutes Dutzend derartiger Gelände für einen ansehnlichen zweistelligen Millionenbetrag (DM) ab.

Vier Hundertschaften der Polizei kamen angetrabt, um den Besetzern ihr Gewohnheitsrecht des Campierens streitig zu machen. Knapp zweihundert der seltsamen Bewohner kletterten daraufhin über die Mauer gen Osten, eine Fluchtrichtung, die bis dahin eher unter repräsentiert war. Die ex-Besetzer bekamen ein DDR-Frühstück serviert und ließen sich danach diskret über die Grenzübergänge in den Westen abschieben. (Meine Vermutung: Es lag am Kaffee. Frei nach dem Spruch: Jakobs ist die Krönung, Mokka Fix ist der Gipfel!) Die West-Schupos fanden die vermeintlich größte Ansammlung an gestohlenen Fahrrädern,

Schwaben sind derzeit gerne unwillkommen in Berlin, selbst auf dem Lenné-Dreieck...

die sich bis dato angesammelt hatte.

Die Zeiten ändern sich. Auf exakt jenem Gelände gibt es heute anstelle eines autonomen Zeltlagers, Edelherbergen à la Ritz-Carlton und Marriott; statt selbst gefangener Kaninchen über Lagerfeuer, werden feinste Austern und geniale Steaks serviert.

Besetzer gibt es immer noch, nur ein wenig anders. Nämlich ohne Vermummung und Irokesen-Frisur (würde jedoch auch nicht überraschen…). Einmal im Monat wird in diesem Jahr die Weiterlesen

Rock´n´Roll Riesling

Zugegeben, die Vorstellung ist magisch: Die Rolling Stones polieren ihre Schott-Zwiesel Weißwein-Gläser, prüfen die Weinkühler Temperatur, schnuppern am Korken und stellen den Dekanter neben das Schlagzeug bevor Sie das Liedgut intonieren: „I see a white wine and I want to drink it fast. No red wine anymore it belongs to my past…“

Yeah, oh, yeaaah

Einer hat nach dem Schmunzeln das Ganze zu Ende gedacht. Und zwar ein engagierter junger Winzer  von dem Weingut Tesch an der Nahe. Ein Riesling namens „unplugged“ brachte die Idee. 2009 gingen die Weine auf Tour, eine Weinprobe der etwas anderen Art. Gemeinsam mit  Set und Gig gab es Schluck und Gluck. (Anmerkung eines Musikers: Neu daran ist die Qualität des Weines…) Eine Tour durch diverse Städte mit Rock und Riesling, Bouquet und Bass, Verstärker und Vinifikation.

Gimme, gimme, gimme...

Auf dieser ungewöhnlichen Tour ist ein wunderschöner Bildband entstanden, der am 13.4. in den heiligen Hallen von Gibson Guitars am Spittelmarkt präsentiert wurde. Ein Backstage Pass Weiterlesen

Ring frei? Eben nicht!

Ein Spaziergang an einem sonnigen Tag in der Umgebung des Kulturforums. Womöglich hält der Flaneur einen stärkenden Kringel oder einen pappigen Donut in Händen, da stößt er auf der Potsdamer Brücke auf das passende Kunstwerk.

„Der Ring“ von Norbert Radermacher. Irgendwie mein Lieblingsobjekt in Berlin. Ich mag versteckte Details im öffentlichen Raum genauso gern, wie spannende kulinarische Momente auf meinem Teller.

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Im Rahmen einer Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie 1985 montierte Norbert Radermacher einen bronzenen Ring in das Brückengeländer. Geheim und ohne Genehmigung, wie es seine Art ist. Das Geländer ist oben Weiterlesen