Jäger´s Fisch (Potsdam)

Heftigste Unglücksgefühle überkommen mich, wenn ich nach Potsdam muss/darf und es ist gerade nicht Mittwoch oder Samstag.

DSC02243An diesen beiden Tagen nämlich wird Markt gehalten im Schatten des Nauener Tors und prachtvolle Produkte werden in pralle TransPortgefäße gepackt. Oder direkt Portionsweise von Personen probiert.

Konsument Eichi benötigt stets dringend eine Portion köstlichen Backfisch, der Laut Wagenaufschrift aus Bremerhaven herbeigeschafft wird. Gute Fischqualität, in frischem Fett ausgebacken wird für kleines Geld (2,- oder DSC022422,50 Euro) an die Hungrigen ausgeteilt. Zumeist ist der Stand an der langen Reihe der geduldig wartenden erkennbar.

Viele wissen, manche ahnen: Das Warten lohnt.
Am besten nutzt man die Zeit, um sich mit der Gretchen- bzw.  Soßenfrage zu beschäftigen: Kräuter- oder Knoblauchsoße?

DSC02244Weiteren frischen Fisch zur Selbstbereitung daheim, wird aus dem Wagen neben der Backstation verkauft.

Hegelallee 57, Mittwoch und Samstag auf dem Wochenmarkt am Nauener Tor, 14467 Potsdam

Locanda dell´Isola Comacina (Ossuccio)

Hier waltet ein wackerer Wirt, der gegen das Unbill eines Jahrhunderte alten Fluchs ankämpfen muss. Die einzige Insel im Lago Como wurde im 12. Jahrhundert mit einem Bann des Bischofs Vidulfo belegt:
“Es werden niemals mehr die Glocken läuten, niemand wird mehr einen DSC00560Stein auf den anderen setzen, niemand wird hier mehr Wirt sein unter der Strafe eines qualvollen Todes”.

Möchte man da Wirt werden? In der Tat ist der Rest der Insel seit dem Fluch unbewohnt.
Glücklicherweise ist also nur der Wirt verflucht, nicht der Gast. Wir dürfen uns getrost auf die Insel trauen. George Clooney und Brad Pitt haben es auch schon gewagt, nach dem Dreh von Oceans 12, am Comer See. Und? Geht´s denen schlecht? Ich glaube: nein.

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Es ist nun klug, sich die Telefonnummer zu notieren! Bei Anruf: Boot. Irgendwie muss man ja auf die Insel kommen.

Das Restaurant befindet sich auf dem süd-östlichen Zipfel der Insel. Ein traumhafter Blick öffnet sich von der Terrasse auf den See. Bei schönem Wetter sollte man unbedingt draußen Platz nehmen. Bei schlechterem Wetter wird im Innenraum der Kamin angeheizt. Weiterlesen

Anan Japanische Nudelbar (Wolfsburg)

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Vermutlich kommen nur wenige Besucher der Wolfsburger Autostadt zum Essen hierher. Einer davon war ich.DSC02288

Dennoch ist der Anblick von kompletten Großfamilien auf dem Pilgerpfad zum gläsernen Autoturm bemerkenswert. Dort starren alle gebannt in die Höhe, wenn der Passat Kombi herabgestapelt wird.

Verzückt lauschen 600-PS-Tagträumer der Soundshow bei Lamborghini.Merkwürdig, das.

Zu diesem Sekten-Campus passt die futuristische Ausstattung in der famosen japanischen Nudelbar Anan.DSC02282

Ein reelles Stück Japan macht die Freunde der Udon-, Ramen- oder Soba-Nudeln glücklich.

Irgendwie werden wir hier alle zu mampfend mahlzeitenden Manga-Männchen.

Köstlich und frisch wurde der Spinatsalat zu 4.- Euro serviert und auch die gebratenen Gyoza Teigtaschen mit verschiedenen Dips zu 6,50 haben gemundet und machten Lust auf mehr. Die Udon Nudeln waren ganz frisch für uns hergerichtet und in der Suppe mit Gemüse und feiner Brühe in Geschirr serviert, welches mit dem lustigen Logo des Hauses verziert ist, einem glücklich schlürfenden Gesicht, das halb in der Suppenschale verschwindet.
Dazu gab es herrliche Tempura von Garnele und Gemüsen. Das alles zu fairen 13,- Euronen.

DSC02284Die Getränkekarte bietet japanisches Bier, zahlreiche Teesorten und reichlich Wein. Bei dem Wein merkt man, dass es sich um ein Haus der Mövenpick Gruppe handelt, welche die Autostadt kulinarisch fast ausnahmslos im Griff hat (Ausnahme ist das Ritz-Carlton Hotel mit seinen Bars und Restaurants).DSC02285
Ich trank eisgekühltes Calpico, ein erfrischendes, typisch japanisches Getränk auf Milchbasis.

Im Raum dominiert die Farbe/Nichtfarbe Weiß, dazu ist vieles sehr kunststoffig, was in die Gesamtatmosphäre passt. Einige Bereiche sind durch bunte Plastikabteile separiert, die wie Duschvorhänge wirken. Im Außenbereich speist der Gast unter seltsamen ufoartigen Schirmen, aber im Inneren ist es empfehlenswerter, wenn man einen Blick in die offenen Küche werfen möchte.

Im Eingangsbereich dürfen die Gerichte in Kunststoffsimulationen begutachtet werden, daneben steht ein Automat, DSC02286der japanische Knabbereien, Getränke, Schokoladen und auch Calpico bereit hält.

Die Küche ist extrem frisch, schmackhaft und abwechslungsreich.
Nur: Nach dem Verlasen des Restaurants muss dringend jemand mit dem Finger schnippen, um die kulinarische japanische Hypnose zu beenden, damit man sich wieder in der Wirklichkeit der schönen, neuen, sterilen Autostadtwelt wiederfindet.

Autostadt, 38440 Wolfsburg

Anan im NetzDSC02283

Charlie Trotter´s (Chicago)

Na toll, im feinen Restaurant durfte ich nicht Platz nehmen, man schickte mich in die Küche, außerhalb des Blickfeldes der anderen Gäste. Kleiderordnung? Fragwürdige Hauspolitik? Mitnichten. Ich hatte den besten Platz.

Nach dem Eintreten wurde der Name im Reservierungsbuch geprüft und mit einem Grinsen wurden wir begrüsst: „Ah, die Gäste aus Berlin? Sie hatten sich für den Küchentisch interessiert. Nun, wir haben da eine gute Nachricht….“

pa150199Neben dem gediegenen Ambiente des Restaurants, (oberschenkeldicke Verschwiegenheitsteppiche, die jedes Geräusch schlucken, dezente Beleuchtung. Die amerikanische Variante von ernsthaft-gediegen mit einer kleinen Prise Design. Es riecht teuer) gibt es einen einzigen Tisch mit erhöhtem Spaß- und Genußfaktor – eben in der Küche. Der „Kitchen Table“ (langfristige Reservierung ratsam), der normalerweise nicht für nur zwei Gäste freigegeben wird, also Glück gehabt. Man sitzt mitten im Geschehen, betrachtet die Abläufe, das Abschmecken und die Hektik, bis die einzelnen Teller (jeder wird genau geprüft) die Küchenräume verlassen. Hier wird gelacht, geschimpft, gegessen.

pa150193Seit 1987 gibt es diesen kulinarischen Tempel in Uptown Chicago. In der Zwischenzeit ist Mr. Trotter ein gefeierter Fernsehstar, verkauft zahlreiche Kochbücher und wird mit Lob und Auszeichnungen überschüttet. Bei meinem Besuch war er nicht im Hause, sondern bestimmt obermegawichtig unterwegs, Präsidenten bekochen, oder so. Dem Vergnügen tat seine Abwesenheit keinen Abbruch.

pa150198Der Kitchen Table bekommt so ziemlich jeden Gang zu verkosten, der die Küche verlässt. Das waren dann so ca. 16 Gänge plus Weiterlesen

Blind Tiger (New York)

28 Biere vom Fass. Ist das nix? Kleinlaut muss ich gestehen, nicht alle probiert zu haben. Dazu kommen immerhin noch über 50 Flaschenbiere und Spezialitäten/Raritäten, wie blutiges Bier – eine Bloody Mary Variante mit….Bier, eben. Starkes Ale in einem Pint-Glas!

pa160253Es gab eine Zeit in den Staaten, in der der Alkoholkonsum erschwert wurde, noch vor der Prohibition. Sonntags durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden, denn die Menschen sollten in die Kirche. Ausnahmen wurden nur für kulturelle und Bildungsveranstaltungen genehmigt.
Schlaue Wirte kulturveranstalteten daraufhin die Ausstellung vom „Blinden Tiger“, der für den Konsum von drei Drinks zu besichtigen sei. Diesen Code nutzt das Bierlokal als Namen.

Gemütlich hockt man auf Schemeln am Tresen oder am Fenster und ist pa160258beeindruckt von der Batterie von Zapfhebeln, die den langen Tresen entlanglaufen. Ein Anblick, der durstig macht.

Für die hungrigen gibt es Käseplatten von Murray´s, der ein paar Schritte die Bleecker Street hinunter seinen legendären Käseladen betreibt.

Einmal in der Woche gibt es, auch heute noch, kulturelle Veranstaltungen rund um´s Bier. Auch Sonntags, Amen!

Bleecker Street 281, 10014 New York

blindtigeralehouse.com/

Milk & Honey (New York)

Elvis Presley hat einmal an einem Elvis-Imitatoren-Wettbewerb teil genommen und…den dritten Platz belegt. Die Leute wollten nicht den Gesang, nicht das Original, sie wollten den Mythos. Mythos wird auch in quasi-flüssiger Form gehandelt. Das Milk and Honey macht es vor.

Eine Cocktail Bar? Nein. Es ist eine geheimnisvolle Aura, zu der man Einlass begehrt. Es ist nicht die Cocktail Kunst an sich, die im Vordergrund steht, wenngleich die Drinks schon taugen. Ohne zu glänzen.

pa170283„Speakeasy“ ist en Vogue im Big Apple. Atmosphärisch führt das M&H in die Zeit der Prohibition. „Wo bekomme ich einen Drink?“ „Speak easy, my friend, speak easy…“ Sprich leise…
und folge mir in die finstere Seitenstraße. Weiterlesen

Tatiana (New York)

Wer kyrillische Schriftzeichen entziffern kann, ist hier klar im Vorteil. In Brighton Beach entstand in den 1970er Jahren eine russisch-ukrainische Kolonie. Um die 10.000 Einwanderer teilen sich seither den südlichen Zipfel von Brooklyn mit den alteingesessenen jüdischen Bewohnern im Schatten der angestaubten Vergnügungsanlage von Coney Island.

„Little Odessa by the Sea“ wird die Gegend genannt und viele Ausflügler pa170317stärken sich nach einem Spaziergang am Wasser mit deftigen Pelmeni, Vareniki, Soljanka, Borschtsch und Baltika Bier.

Ein unheimlicher Ort ist dabei das Restaurant Tatiana mit angeschlossenem Nachtclub, den man tagsüber jedoch nur beim Gang zur Toilette im Keller wahrnimmt. Die Netzseite verspricht Champagner und Vodka, die in Strömen fließen, wie aus dem Fontana die Trevi in Roma. Weiterlesen

Carlton Arms Hotel (New York)

Ich liebe diese Bruchbude mit Betten und Kunst.
„Hierhin kommen Möbel, um zu sterben“ (Where furniture goes to die) steht auf der Visitenkarte und tatsächlich hat Gerümpel hier eine Transformation erlebt.

Jedes Zimmer wurde von unterschiedlichen Künstlern gestaltet. Meist hat es ein besonderes Motto, ein Leitmotiv. In den Fluren und im Treppenhaus setzt sich das Bemalungskonzept fort. Ich hauste bereits im Glücksspieler Zimmer, im Britischen Murder Mystery Raum und im Sahara Salon.

Die Betten quietschen, die Klimaanlage im Fenster fungiert mehr als Verschattungselement.
Alles ist cool. Das Personal ist oft zu cool zum aufstehen. Echte New Yorker halt.
Neulich war mal jemand freundlich, aber das war eine australische Aushilfe.
Room Service ist uncool (in der Tat grundsätzlich überbewertet) und findet nicht statt.

Absolutes Respektslebewesen ist alleine die Katze.
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Public (New York)

Ein Bummel durch Nolita, die Sonne geht unter, die Lower East Side und die Bowery wird wach.

Wir waren verabredet und wollten mit Freunden eines der hip-trendy-gotta go-Megu/Nobu/Spice Market weiß nicht mehr Restaurants ausprobieren.

Es war noch etwas Zeit bis zu dem Treffen. Nehmen wir doch noch einen Cocktail, einen Aperitif. Schau mal, das sieht doch ganz nett aus.
Ein Mitarbeiter des Public sah unsere neugierigen Blicke und lud uns freundlich ein, einen Blick hinein zu werfen. Na, da nehmen wir doch einen Cocktail. Ich mochte diesen Ort auf Anhieb. Denn: Ich liebe nackte Backsteinwände; ich liebe Apothekerschränke; ich liebe geschickte Beleuchtung.
Nach dem Drink an der Bar (es gab originelle Martini-Kreationen) mussten wir leider Weiterlesen

Signature Room at the 95th (Chicago)

Die Sonne geht schon fast unter. Jetzt aber hurtig in die Bar. Und nur nicht das falsche Hochhaus erwischen. Wir wollen heute ins „John Hancock Center“, nicht zum „Sears Tower“. Beide Gebäude sind ähnlich hoch und sehen sich ja doch auch gewaltig ähnlich.
Das mag daran liegen, dass beide Gebäude Ende der 1960er Jahre von Bruce Graham entworfen wurden.

Husch, husch jagen wir den Taxifahrer zu „Big John“ und dann zügig in die 95ste Etage. Schlange vor dem Fahrstuhl. Zum Glück geht´s schnell. Oben angekommen, endlich, jetzt aber los, um die Ecke…..Schlange vor den Platzanweiserfiguren, Mist.
Der überaus charmanten Begleiterin platzt der Kragen. Los jetzt! Schneller. Sonnenuntergang naht. „Für zwei? Ist die Bar recht?“ Es gibt gefühlte zehn Räume, Bars, Restaurants. In alle Himmelsrichtungen. Die Bar ist recht. Nur sieht man nix. Aha, da gehen zwei, direkt am Fenster. Schnell hin. Der Barmann lässt uns gewähren, bringt gelassen unsere Drinks.

Wir schlürfen. Eben waren wir noch durstig. Jetzt sind wir bereits trunken. Trunken vom Ausblick. Aus dem 95sten Stock. Weiterlesen