Die Frau im Dunkeln in der Victoria Bar

DSC02856Die Bar als bravouröse Bühne für eine Zeitreise in die Jahre zwischen 1901 und 1935, als es für Frauen eine immense Herausforderung darstellte, sich als Autorinnen und Komponistinnen durchzusetzen. Einige davon legten sich Männernamen zu. So verbirgt sich hinter Henry Love eigentlich Hilde Löwe, Peter Perten heißt in Wahrheit Ruth Feiner. Da gilt es, mehr zu erfahren!

Im Juli entführte die Viktoria Bar in eine musikalische Geschichtsstunde der besonderen Art. Beate Hindermann lud die Sängerin und Schauspielerin Evelin Förster ein, um sie zu deren Projekt „Die Frau im Dunkeln“ zu befragen und zum musikalischen Vortrag zu bitten. Leidenschaftlich berichtet Evelin von ihrer Spurensuche und DSC02857akribischen Recherche zu Frauen, deren künstlerische Leistung teilweise zur Legende, andernteils in Vergessenheit geriet.

So mancher verstaubte Koffer ist dabei wohl auf vergessenen Dachböden zum Vorschein gekommen.

Bekannte Namen wie Mascha Kaleko und Claire Waldorff lassen das Publikum wissend nicken. Die Weiterlesen

Der Garten des Einstein (Tiergarten)

„Das gab´s nur einmal“.  So lautet 1958 der Titel des letzten Films, in dem man Henny Porten erleben konnte. Die Villa der Grande Dame des deutschen Stummfilms, die sich 1933 tapfer weigerte, sich von ihrem jüdischen Mann zu trennen und deshalb von den Nazis boykottiert wurde, DSC03012ist heute für alle offen zugänglich und bildet für viele Berliner einen herrlichen, entspannten Rückzugsraum mit Wiener Kaffeehauscharme.

„Einstein“ mit Kaffee gibt es in Berlin ja diverse. Dieses, an der seltsamen Kurfürstenstraße, gibt´s definitiv nur einmal und es ist auch das einzig Wahre. Diese Meinung zahlreicher Stammgäste teile ich durchaus und vor allem in den Sommermonaten, wenn auf der herrlichen Terrasse Platz genommen werden kann und der Alltag zur Nebensächlichkeit wird.

Im Garten der Villa möchte man sich ach so gerne vorstellen, wie Henny Porten mit Pola Negri und Asta Nielsen einen Champagner zu sich nimmt und die Augen rollt, wenn die Damen den aktuellen Auftritt von Hans Albers im Hebbel-Theater kritisch resümieren.

Ein Schnitzel hätte sie womöglich nicht so dringend benötigt, wie ich an einem hungrigen Samstag.

Zu jDSC03015eder Tageszeit vermag das Einstein glücklich zu machen, egal ob zum Tee, zum Frühstück, zum Dinner, mit einem Kaffee der eigenen Rösterei.

Die Küche ist klassisch, bewährt und frisch. Knackige Salate, deftiges Entrecôte, üppiger Apfelstrudel oder eine geniale Patisserie verwöhnen den Gaumen. Das Schnitzel geht übrigens immer, so verraten es die kontinuierlichen Klopfgeräusche aus der Küche. Weiterlesen

Bierbrunnen (Mitte)

Hot town, summer in the city. Zwei Stunden geredet, Vortrag zum Alexanderplatz. Durst, Hitze. Man möchte sich förmlich in einen Brunnen stürzen. Anita Ekberg hat hier deutliche optische Vorzüge, mit denen ich DSC02864nicht konkurrieren mag, daher wähle ich den „Bierbrunnen“, im Berlin Carré.

Dieses Berlin Carré fasziniert mich. Ein Biotop mit Menschen, die tatsächlich am Alexanderplatz wohnen. Wer nicht glauben kann, dass der Alexanderplatz eine Wohngegend ist, der gehe hierher und spüre einen Hauch von Hauptstadt der DDR. Zeitzeugen mit spannenden Geschichten. Oftmals sind das für meine Recherchen zu Stadtrundgängen die interessantesten Gesprächspartner, die vor kuriosen Erzählungen nur so sprudeln. Aber zurück zum Bierbrunnen.

Ostberliner Befindlichkeiten begegnen sich am Tresen. Ein solider Kümmerling-Trinker beschimpft den unauffälligen Zeitgenossen am Daddelautomaten und gegen 16 Uhr kommt Uwe, der jeden Anwesenden persönlich begrüsst, auch den unbekanntesten. Täglich ist ab zehne jeöffnet, Sonntags ab 16 Uhr.

manne und kalle„Na, Kalle, nochn Bierschönn?“ kommt die Frage der liebenswerten Tagsüber-Bediendame vom Tresen. „Ach, mach noch zweeje!“ gibt Kalle zurück. Das zweite wird für Manne sein, der mit am Tresen hockt und den Kopf noch immer schüttelt.

Nicht über die juhu-juxigen Sprüche, die allerorten verzeichnet sind, wie „Nüchtern siehst Du furchtbar aus,“ oder „Homedrinking kills Gastwirt“. Nein, ich bin es, dessen Habitus die beiden nicht goutieren können. Weiterlesen

Taste of Berlin im Sommergarten

Ich hatte nicht erwartet, dass der erste Tag von „Taste of Berlin“ so schön P7300031sein würde. Der Sommergarten im Messegelände ist ein herrlicher Rahmen für jede Veranstaltung im Sommer, allerdings ließen die Grünanlage, die hervorragenden Weine,  die abwechslungsreichen Speisen und die entspannte Stimmung den Tag vom Arbeitstag zum Urlaubstag werden.

P7300057Der Donnerstag kam  sehr gemächlich in die Gänge. Die Standnachbarn beschnupperten sich, Köche fachsimpelten miteinander und prüften das Angebot der Konkurrenz. Einige ernsthafte Esser machten sich auf den Weg in das Rund der Stände und Zelte, um konsequent keinen Happen zu versäumen.

Sehr viel kann verkostet werden, da die Idee an den Kochständen daraus P7300032besteht, kleine Portionen für kleines Geld anzubieten. (Da es fein schmeckt und Lust auf mehr macht, können sich die Summen der ausgegebenen „Dukaten“ = Festivalwährung, rasch summieren!

Gegen Abend füllte sich das Areal rasch, vor allem das Hauptzelt, in dem eine „Gala“ mit kulinarischer Versorgung angekündigt war. Reichlich Schaumwein begleitete eine muntere Kochdarbietung, jedoch blieb meiner Schätzung nach, gut die Hälfte der Gäste ohne Häppchen. Vermutlich ein perfides Kalkül, damit sich die überraschten Hungrigen hernach auf die Stände stürzen sollten. Diese Rechnung ging tatsächlich auf. Weiterlesen

Coffeemamas Hackescher Markt (Mitte)

Eine Tafel auf dem Tresen erklärt: „NEIN, wir haben keine fettarme Milch!“ Ausrufezeichen.

DSC02387Mit etwas Glück ist ein Platz auf einer der Bänke vor dem Café frei. Von hier aus, etwas hinter Sträuchern versteckt, hat man einen entspannten Blick auf den üblichen touristischen Trubel auf dem Hackeschen Markt. Mit dem Kaffee im Becher, Vollmilch dabei, eventuell noch einen Bagel in der Hand, läßt sich eine kleine Auszeit genießen, bevor man durch emsige Markthändler, unfähige Mietfahrraddilettanten, schimpfende Strassenmagazin-Verkäufer und Brigaden von Servierpersonal weiter zieht.

Ich mag die kleinen Auszeiten an diesem Ort, mit gutem Kaffee zu angemessenen Preisen (großer Kaffee 2,50; kleiner Espresso 1,50), dessen Bohnen es auch zum kaufen für daheim gibt. DSC02390

Ein weiterer Spruch fällt auf: „Eine Frau ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.“ Bezieht sich dieser Satz nun auf die Vollmilch oder die (zukünftigen Coffee-)Mamas? Vermutlich auf beide.

Hackescher Markt, S-Bahnbogen 4, 10178 Berlin-Mitte

Ergänzung 10.09.09: Der Bogen ist eine Baustelle und leider wirkt das alles derzeit sehr geschlossen.

www.coffeemamas.de

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Zigarre, Schaumwein und Säbel

Zigarre und Schaumwein – passt das zusammen? Mal ausprobieren! Eine schmackhafte Veranstaltung gab es am 9. Juni im Cigarrenmagazin in den Kaiserhöfen Unter den Linden, welche diese Kombination ergründen sollte.

Der Abend sollte so einige Überraschungen der lehrreichen Art DSC02619hervorbringen.

Zunächst reichte der Gastgeber, Herr Martens, eine Auswahl an sehr unterschiedlichen moussierenden Getränken zum probieren: Italienischer Perlwein aus der Prosecco Traube, Spanischer Cava, Deutscher Winzersekt und Champagner aus….na, Sie wissen schon.

Im ersten Durchgang wurde pur verkostet, danach wurde dem Dutzend der Gäste eine Havanna-Zigarre der Marke Diplomaticos gereicht, um die Verkostung ein zweites, nun rauchgeschwängertes Mal, durchzuführen.

Die geschmacklichen Veränderungen waren immens. Manches gewinnt in der Aromatik, Anderes verliert. Bei jeder und jedem anders. Das Trinken auf hohem Niveau wurde auf freundliche Weise ermöglicht durch die Unterstützung des Luis Vuitton Moet Hennessy Konzerns, der einen freundlichen Abgesandten mit Flaschen Unter die Linden schickte, um die Anwesenden zu verwöhnen und zu informieren.

Es gab erstaunliches zu erfahren! Wussten Sie beispielsweise, dass ein Champagner-Rüttler vier Jahre lernt und 50.000(!) Flaschen am Tag rüttelt?

Undankbar ärgerten die meisten der Anwesenden den armen Menschen, indem sie das Moet in Moet-Chandon beharrlich ohne „T“ aussprachen, was dieser verzweifelt zu beheben versuchte. Tja, wer gedacht hatte, dass das korrekte prononcieren von „Taittinger“ und „Bollinger“ die Krönung des Champagner-Vokabulars darstellen, hatte sich geirrt!

Das der gute Mann dann kurz hinfort eilte, um mit einem Säbel in der Hand wiederzukehren, hatte nichts mit Verärgerung oder Sanktionierungsgedanken seinerseits zu tun. Eher albern-unbefangen hatte ich die Frage gestellt, ob es zu seinem Tätigkeitsbereich/Ausbildungsgang gehört, das Öffnen von Champagnerflaschen mit dem Säbel zu beherrschen. Ich hatte nicht damit gerechnet, daraufhin sofortestens einen Beweis geboten zu bekommen. Die Runde begab sich in den Hof, die Flasche wurde DSC02624vorbereitet, ein sauberer Hieb, und….voilá – Sabrieren nennt sich der feierliche Akt.

Beeindruckt und aufgerüttelt brauchten wir daraufhin alle einen neuen Schluck Champagner. So schön kann Fortbildung sein!

Unter den Linden 28a, Kaiserhöfe, 10117 Berlin-Mitte

http://www.cigarrenmagazin.eu

Rotisserie Weingrün (Mitte)

Ich bin ganz sicher: Endlich wird diese seltsame Ecke der Stadt auf einen weingrünen (Reben-)Zweig kommen.

Zuvor hatte sich hier glücklos das Restaurant „Gertraude“ versucht, wohl in der irrigen Annahme, Unmengen von Hochzeitsgesellschaften zu bewirten. Im wunderschönen historischen Gebäude zwischen Spittelmarkt und Petriplatz wurden früher Diamanten gehandelt. Heute nennt es sich „Hochzeitshaus“, in dem alle möglichen Dienstleistungen und Produkte  rund um das Heiraten angeboten werden. In die nette Rotisserie Weingrün dürfen auch Unverheiratete zu einem Schluck Wein und einem schönen Mahl einkehren.

Aus den Fenstern blickt man auf die alte Gertraudenbrücke, welche den Seitenarm der Spree überspannt, auf der eine Skulptur an die heilige Gertraude erinnert. Eine Multifunktions-Heilige, zu deren Zuständigkeitsbereich neben Pflanzenanbau und Rattenplagen auch die DSC02647Getränkeausgabe an Reisende zählt. Letzteres übernimmt statt ihrer  nun Herbert Beltle, der in Berlin bereits das Aigner am Gendarmenmarkt und das Alte Zollhaus in Kreuzberg bewirtschaftet. Beide Restaurants besuche  ich sehr gerne, daher erwartete ich auch an der neuen kulinarischen Stätte keine Enttäuschung.

Und so war es dann auch tatsächlich. Ein warmer, gemütlicher Raum empfängt den durstigen Reisenden. Holzgescheuerte Tische, die mit reichlich Weingläsern eingedeckt sind, ein freundliches „Willkommen“ des motivierten Personals und ein offener Hähnchengrill, an dem selbige Weiterlesen

Foodists in der Bar Tausend (Mitte)

Was mag es bedeuten, wenn die Bar Tausend zum Kochclub lädt? Tofu á la Türsteher,  Jasmin-Style Teewurst oder Kohlroulade an Kokspüree?

DSC02403Neugierde überwog und so vollzogen wir all die legendären Anmeldeprozeduren und Erniedrigungen, für die dieser Versammlungsort für das Mitte-Volk, der sich „Bar“ nennt, so bekannt wurde. Die unmöglichsten aller Türsteher (besser: uncharmante Einlassverwalter) haben ja bekanntlich bereits die eigenen Mitarbeiter abgewiesen. Wow! Werden so Legenden geboren?

„Unbedingt, nein wirklich: mega-unbedingt müsst ihr gaaaaanz pünktlich um acht da sein.“ Sehr einsam verbrachten wir die Stunde von acht bis neun an dem Tresen im Küchenbereich, den man hinter der eigentlichen Bar angelegt hat. Immerhin waltet dort ein recht fähiger und freundlicher Getränkeberater, der die Wartezeit mit Cocktails überbrückt, was sich noch als recht fatal herausstellen sollte.

Eigentlich ein tolles Konzept. Eine offene Küche, die Weiterlesen

Vox Bar im Hotel Grand Hyatt (Mitte)

Finanzkrise 1923. Die Mark gibt es nur in Millionen. An der Potsdamer Straße Nr. 4 wird im dritten Stock ein winziges Studio mit Klavier und Mikrofon eingerichtet. Das Gebäue wird als „Vox-Haus“ Rundfunkgeschichte schreiben. Bereits im Dezember 1923 lauschen über 1000 zahlende Hörer den knarzigen Klängen der Tanzteeübertragungen vom pulsierenden Potsdamer Platz.

Den Namen und die musikalische Tradition bewahrt man im Hyatt Hotel auch in der Jetzt-Zeit. Heute zieren Jazz-Bilder an Wänden in roten und schwarz-weißen Farben die Wände der Vox Bar. Live Musik erklingt dann meist ab 22 Uhr. In dunklen Clubsesseln läßt man sich eiDSC02891nen Cocktail reichen, oder einen von ca. 240 Whiskies. Kein Preiswertes Vergnügen. Die meisten Drinks liegen kostentechnisch so um die 15.- Euro, reichlich Nüsse gibt es dazu serviert. Kitchen Style Drinks, mit Kräutern zubereitet, sind womöglich die interessanteste Bestellung.

Souverän ist man vorbereitet auf diejenigen Gäste, die mit Platinkarte den unvermeidlichen Larry heraushängen lassen möchten. Zur Wahl steht dafür eine Art Mega Mai Tai zu 35.- Euro, oder ein „Golden Vox Shrimptini“ Weiterlesen

Le Schicken – Foodfanzine

Dies ist kein Magazin für Hühnerfreunde mit Rechtschreibeschwächen. Nein, mit dem Namen gemeint ist die Anweisung eines Kochs, den Teller für den Gast fertig zu stellen.

Die vierte Ausgabe dieses sorgfältig und ansprechend hergestellten Lesefutters für Koch-, Kochen- und Küchen-Begeisterte ist erschienen und bietet, wie in den vorangegangenen drei Heften, informatives, nützliches und unterhaltsames rund um den Teller.

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Rezepte stehen dabei nicht im Vordergrund, auch wenn immer wieder spannende Angebote auftauchen. Das aufregendste sind die großartigen Interviews mit Meisterköchen, Küchenkünstlern und Produktexpertinnen. Privates wie Fachliches enthüllen die cleveren Fragesteller und runden den Lesespaß mit teilweise genialen Fotoserien ab.

In der aktuellen Ausgabe gilt das Leitmotiv dem Blick hinter die Kulissen der Fernsehköche. So berichtet beispielsweise Mario Kotaska von Pionierprojekten und Prozessen; Kolja Kleeberg von Jakobsmuscheln und Johnny Cash; Ralf Zacherl von Harald Wohlfahrt und George Clooney (und warum der Mitschuld an Kochsendungen trägt). Faszinierend auch mein  Lieblingkapitel: eine Gesprächsrunde von vier besseren Hälften von Herdhelden. Aber obacht, in diesem Abschnitt tauchen Bekenntnisse zu Ketchup und Küchentabus auf. Und der wunderschöne Satz: „Naja, er kocht halt.“

Großes Kochkino in Worten und Bildern zum Preis zweier Currywürste mit Beilage. Das leckere Magazin aus Berlin ist nicht an jeder Ecke zu haben. Verkaufsstellen und Bestelladresse sind auf der Website verzeichnet. Mein liebster Kauf-Ort in Berlin bleibt jedoch der supernette Kiosk an der Ecke Schlüter- zur Kantstraße. Support your local dealer!

Einziges Manko der aktuellen Ausgabe für mich: ausgerechnet der unvermeidliche Johann Lafer ziert das Titelbild mit seinem ewiggleichen Grinsen. Schnurrbart sells? Das geht noch weniger Mainstream.

www.le-schicken.de