Eine Zwiwwel sorgt für Tränen – selbst bei den Kochprofis

Dieser Bericht würde ach so gerne eine warmherzige Empfehlung sein. Stattdessen ist es ein trauriger Nachruf zu einem Restaurant in Berlin-Wilmersdorf, das nicht einmal die Kochprofis von RTL 2 zu retten vermochten.

Restaurant Zwiwwel

Das Restaurant Zwiwwel war all die Jahre eine versteckte Perle in der Bruchsaler Straße, nicht weit vom Bundesplatz. Uralt, mit Mobiliar, welches zur Kaiserzeit genau so eine Gaststube hätte ausstatten können, war die Zwiwwel stets eine kleine Zeitreise mit ordentlicher Speisenbegleitung. Es muss so zehn Jahre her sein, da lohnte sich der Weg durch die halbe Stadt alleine der genialen Seaks wegen. Das war noch die Zeit vor der großen Fleisch-Welle. Damals waren herrliche Cuts, wie T-Bone, Ribeye oder Porterhouse höchstens regelmäßigen USA-Reisenden ein Begriff. In der Zwiwwel beherrschte der Koch den Grill und die Entrecôtes waren genial. Ich erinnere mich noch an den damaligen Betreiber mit einer knarzigen Reibeisenstimme und der Berliner Mischung aus Herz und Schnauze.

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Typisch China: Bier & Kartoffel im Da Jia Le

„Für das Volk ist das Essen der Himmel“, lautet eine alte chinesische. Für Liebhaber der chinesischen Küche wird jener Himmel zunehmend prachtvoller. Ging man früher zum „Chinesen“, so lauten heute Überlegungen zu Verabredungen subtiler: Soll es Kanton Küche sein? Sichuan? Vielleicht Jiangxi oder Dim Sum? Nun gesellt sich eine zusätzliche Option hinzu, die Dongbei-Küche. Gemeint ist der Nordosten Chinas, mit kulinarischen Einflüssen aus Korea, Japan, Russland und der Mongolei.

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Auf Laufkundschaft muss das Restaurant nahe den Yorckbrücken verzichten. Umso wichtiger, dass das freundliche Betreiberehepaar seine Gäste überzeugt und zur Wiederkehr ermutigt. Das gelingt fulminant, aber nicht durch Innendesign. Chinesische Restaurants kommen gerne in klassisch-karg daher, da macht das Da Jia Le keine Ausnahme, auch wenn frische lindgrüne Farbe die Wände ziert. Hier ein Fächer vor dem Raumteiler, dort ein kunstvolles Schriftzeichen über dem praktischen Drehtisch für gesellige Runden, der „Lazy Susan“, der faulen Susanne. Das Essen ist der Blickfang und der Gaumenschmaus. Wie ein aufgefächerter Regenbogen kommt der Fünf-Farben-Salat mit Weiterlesen

Woody Allen wäre beinahe auch dort gewesen – Crackers

„Essen ist das neue Clubbing!“ Ein vielgehörter Satz in diesen Tagen in der Hauptstadt. Der Beweis läßt sich kaum besser antreten, als in den Räumlichkeiten des bisherigen Cookies Clubs mit der originellen Drayton Bar, der nun in ein cooles Restaurant transferiert wurde. Clublegende und Nightlife-Impresario Heinz Gindullis, besser bekannt als Cookie, entwickelte mit dem Cookies Cream und dem Chipps bereits ansprechende Gastro-Konzepte und geht mit dem Crackers jetzt noch einen Schritt weiter.

SAM_0598Neben einem schmackhaften Mahl erwarten zahlreiche Mitte-Menschen eine spezielle Atmosphäre, eine kosmopolitische Aura und womöglich noch einen gewissen Promi-Faktor. Das Crackers wird wohl durchaus in der Lage sein, Orten wie dem Grill Royal oder dem Borchardt den einen oder anderen Gast abspenstig zu machen. Insbesondere dem Grill Royal. Atmosphäre und Zielgruppe ähneln sich auf gewisse Weise. Die Faktoren stimmen.

Am Abend des Besuchs war Woody Allen als Gast avisiert. Weiterlesen

Mahlzeit trifft Märchen? aka nhusem

Es war einmal ein Mundschenk, dem waren Sterne und Sterntaler widerfahren. Da zog er hinaus in die Welt, um eine gastliche Stätte für Wein, Weib und Gesang zu predigen. Tischlein, deck dich! verkündete das tapfere Wagnerlein, fand aber kein knusper, knusper, knaus-Haus, in dem er die Brosamen auf den Tisch bringen konnte.

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Da unkten die ersten Froschschenkelkönige und Prinzessinen ohne Erbse bereits laut und schrien: „Bis nach Hameln folgen wir dieser Sektflöte aber nicht. Weiterlesen

Ein italienischer Klassiker: Don Camillo. Eine Groupon Gelegenheit.

Ist es zu glauben? Ganze 35 Jahre zaubert das Don Camillo bereits seinen Stammkunden ein seliges Lächeln auf die Lippen. Das Bemerkenswerte dabei: Die Gerichte sind seit 1979 weitestgehend die Selben geblieben. Eine Speiskarte gibt es nicht, alle Gerichte, Zutaten und Zubereitungsvariationen werden am Tisch vorgestellt. Für jeden Gang rollt der Service einen neuen Wagen an den Tisch, auf dem die Zutaten fein säuberlich aufgereiht sind.

Ich bin schon oft und gerne im Don Camillo eingekehrt. Besonders der herrliche Vorgarten im Schatten von Schloss Charlottenburg ist im Sommer ein wahres Idyll. Auch wenn die Gerichte die Gleichen bleiben, so sind einige darunter, auf die ich mich jedes Ma(h)l aufs neue freue. Beispielsweise das fein-pikante Kalbfleisch Pavarotti Art, die Shiitake-Pilze mit Algen, die gefüllte Kartoffelteig-Pasta mit Käse-Birnen-Füllung mit Butter und Salbei oder die frischen Erdbeeren mit Senf und Essig. Auch die Trüffel a la Friedrich sind großartig. Ein Dessert mit flambierten Kartoffelscheiben. Weiterlesen

Frischer Wind in traditionellen Wänden des Wohlfahrts & Dressler. Eine Groupon Gelegenheit.

„Ich hab´ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm“, sang einst Hilde Knef. Und ihr Ansinnen findet in diesen Tagen Gehör. Vom Hipster zum Apfelräuber schauen derzeit allerlei Gestalten wieder einmal in der guten alten City-West vorbei und entdecken dabei allerhand Neues. Auch kulinarisch gibt es einige Entwicklungen zu vermelden. Vom Restaurant Grosz bis zum Bikini Haus und weiter in das 25 Hours Hotel mit der famosen Monkey Bar und dem Neni Restaurant.

An der bewährten Adresse mit Theater und Komödie am Kurfürstendamm tat sich zuletzt ja deutlich weniger, als die Ballymore- oder Chipperfield-Pläne zuletzt versprachen, oder vielmehr androhten (der Tagesspiegel berichtete jüngst über die unklare Situation). Dennoch geschah zumindest gastronomisch – reichlich unbemerkt – so Einiges. Aus dem Dressler wurde im März das Wohlfahrts & Dressler. Mit Stefan Wohlfahrt bringt ein gebürtiger Kärntner eine souveräne Mischung aus mediterraner und vor allem österreichischer Küchenkultur in das Restaurant mit dem hellen Charme eines entspannten Bistros, das zugleich einen Hauch der goldenen 20er Jahre verströmt, die den Flaneurboulevard Kurfürstendamm so legendär werden liessen.

Unter der Schirmherrschaft von Sternekoch Kolja Kleeberg Weiterlesen

Heiliger Hopfen! Das Weihenstephaner Pale Ale

In das Jahr 1040 datiert die Geschichte der früheren Klosterbrauerei zurück, die heute als Bayerische Staatsbrauerei in Freising nicht nur braut, sondern auch Brauernachwuchs ausbildet. Insbesondere die Weissbiere sind weit über Bayern hinaus beliebt. bei einem Besuch in Israel in diesem Sommer, konnte man die coole Jugend von Tel Aviv sehr oft mit einer Weihenstephaner-Flasche in der Hand beobachten.

Bei einer Ausbildungsstätte darf man schon einmal etwas Experimentelles erwarten. So entstand vor einigen Jahren der Gemeinschaftssud mit der Samuel Adams Brewery in Boston, das spritzige Infinium.

Ein rares Vergnügen bietet sich nun den Craft Beer Liebhabern in diesen Tagen im Weihenstephaner in Berlin-Mitte. Ein Sud, der sonst von Weihenstephan aus nur den Weg in die USA findet, wird endlich auch einmal in Deutschland ausgeschenkt. Weiterlesen

Subkultur in der U-Bahnstation?

Die U-Bahnhstation Sophie-Charlotte-Platz bietet einige verläßliche Beständigkeiten. 1. Der Backshop hat einigermaßen vernünftige Waren im Angebot. 2. Die weisse Kachelung lockt die erbärmlichsten Tagging-Dilettanten in die stinkende Unterführung zwischen den Gleisen. 3. Man sammelt Karma-Punkte durch das Schleppen von Kinderwagen in der fahrstuhllosen Station. 4. Mein Freund der Geldautomat gibt mir meist ein wenig Bares für ein, zwei Cocktails. Eigentlich eine prima Idee mit den Geldautomaten in U-Bahnstationen.

Ab und an ist dieser hier mal wegen einer Störung ausser Betrieb, ziemlich langsam war er immer schon. Aber der aktuelle Anblick macht nachdenklich. Eine Lücke klafft in seiner Nische mit der rotleuchtenden Illumination. Ist es Sparkassen-Subkultar-Streetart und weist auf das Loch im Geldbeutel hin? Ist er auf Reisen, wie Hitchbot, der trampende Roboter?

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Wie auch immer, er hinterläßt eine Lücke in meinem Alltag. Come back, Cashbot.

Richard ruft! Ich folge gerne

Ich nehme es vorweg: mein aktuelles Lieblingsrestaurant für frische Küche mit regionaler und französischer Prägung, überraschenden Twists und großartiger Weinberatung, liegt in Kreuzberg. Gleich gegenüber des Geländes der Spedition Zapf mit der sonderbaren Lenin-Statue darauf.

Vom Offizierskasino zur Tarantel, vom Auerbach zum Richard, die prachtvollen Fesnsterbögen bleiben die gleichen.

Vom Offizierskasino zur Tarantel, vom Auerbach zum Richard, die prachtvollen Fensterbögen bleiben die gleichen.

Richard, genauer: Hans Richard, ist eigentlich Künstler, kommt aus der Schweiz und entwickelte ein Faible nicht nur für die Kunst der Malerei, sondern auch für die Küchenkunst. Er nahm sich den wundervollen und historischen Räumlichkeiten an der Köpenicker Straße an. Ursprünglich ein Offizierskasino, später eine sonderbare Kaschemme namens „Tarantel“, in der Kreuzberger Linke, Agenten, Kommunarden und V-Männer verkehrten. Später ein wagemutiges Gastro-Projekt namens Auerbach, in dem Koch-Genie Tim Raue sein Handwerk erlernte, dass verwegen mit weissen Tischdecken und edler Küche ausgestattet war, als es das frühe 90er-Jahre-Kreuzberg ertragen konnte, weswegen diverse bizarre Anschläge erfolgten. Sogar Handgranaten flogen.

Heute ist Kreuzberg durchaus im Stande, sich auf gutes Essen in gehobener Atmosphäre einzulassen (auch wenn kürzlich die Mauern der Long March Canteen mit der Parole: „geht doch Weiterlesen

Groupon Gelegenheit: Ristorante Peppone

Die Frank Rosin Restaurant Wochen schrien nach Wiederholung. Nach dem hocherfreulichen Abend im Parioli Restaurant vor wenigen Tagen (hier der Bericht), gab es eine weitere Gelegenheit, das besondere Angebot zu nutzen. Diesmal im Restaurant Peppone am Leipziger Platz.

Ich bin großer Fan des Restaurants Don Camillo in Charlottenburg, also warum nicht den Quasi-Partner austesten. Die Lage auf der Nordseite des Leipziger Platzes ist keine Laufgegend, zumal auf allen Seiten gebaut wird, insbesondere die gigantische Baustelle auf dem alten Wertheim-Grundstück stellt eine Beeinträchtigung der Lage dar. Aber der Weg ins Lokal lohnt sich, wie die Groupon-Aktion beweist.

Der Gutschein beinhaltet diesmal ein Menü mit vier Gängen und Wahlmöglichkeit bei der Vor- und Hauptspeise. Die Auswahl zwischen dem Carpaccio di sedano mit feinen Kräutern und köstlichen Pilzen einerseits und dem klassischen Büffelmozzarella mit Basilikum und Tomaten andererseits, ließ uns jeweils eines wählen. Alle beide waren zum Zungeschnalzen. Beste Zutaten und elegante Zubereitung. Das Carpaccio wurde gleich am Tisch angerichtet, der Dressing frisch dazu geschlagen. Eine besondere Spezialität stellen die hausgemachten Nudeln da, wovon der Zwischengang überzeugen wollte. Die grünen Spaghetti waren auf den Punkt al dente und mit Kräutern, Kapern und Peperoni angenehm pikant angemacht.

Die Karte im Peppone ist knapp und frisch gehalten mit italienischen Klassikern, gerne mit einem dezenten Twist zubereitet. So kommen beispielsweise Shiitake-Pilze ins Spiel oder Balsamico kommt ins Dessert. Die Einrichtung im Restaurant ist modern und sachlich, ohne ungemütlich zu wirken. Filmszenen aus Don Camillo und Peppone zieren die Wände und eine große Flaschenbatterie macht neugierig auf die weintechnische Kompetenz des Hauses. Der Service ist aufmerksam und sehr freundlich und beherrscht das Sortiment. Fragen zum Essen werden sorgfältig beantwortet und die Weinempfehlung ist souverän, ohne zu bevormunden. Der Terre Bianche von Torbato war ein universeller Begleiter, passend zum sommerlichen Wetter. Zudem mit 28 Euro sehr preiswert.

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