Fürstliche Martinis in London

…in einer Bar ohne Shaker. Für diesen Martini wäre ich beinahe gejoggt. Andererseits kann man auch ganz lässig in die merkwürdige Sackgasse am St. Jame´s Place schlendern, an deren Ende das kleine Dukes Hotel durch eine gigantische Union Jack Fahne markiert wird.

Streng blicken die Dukes von den Wänden

Streng blicken die Dukes von den Wänden

Die Bar öffnet um 14 Uhr (spätestens). Der Raum der Dukes Bar im ersten Stock vibriert nur so vor Mythen und Legenden. Ist dem Stammgast Ian Fleming tatsächlich genau hier der Satz eingefallen: „Geschüttelt, nicht gerührt!“? Wird dem Gast tatsächlich ein dritter Martini verweigert? Gehört eine Zitronen- oder doch eine Orangenzeste in den Vesper Martini? Es ist mir egal.

Ich lasse mich von plüschigen blauen Sesseln verschlucken, tauche ein in etwas, was nur der Begriff „sophisticated“ treffend beschreibt und würde jede(n) umbringen, der an diesem Ort ein Mobiltelefon zückt.

Wer hier sitzt, ist wegen eines Martini Cocktails gekommen. Die Karte verzeichnet einige sehr interessante Variationen des Klassikers (wie der Wildflower Martini mit Holunder und Chili), aber der Drink, der ganz oben auf der Seite steht, der Drink für den ich mich her begeben habe, ist der „Ian

Ins Glas getan, nicht gerührt...

Ins Glas getan, nicht gerührt…

Fleming´s Classic Vesper“. Polnischer Vodka, hochprozentiger Gin und Lillet Vermouth. Die ursprüngliche Rezeptur enthielt „Kina Lillet“, der dunkler und wohl weniger süß war. Den es heute aber nicht mehr gibt (außer man gehört zu den Glücklichen, die in der Berliner Triobar verkehren), daher gibt der Bartender einen Schuss Angostura Bitters in das Glas.

Apropos Glas! Auf einen Shaker wird verzichtet. Ein Wagen mit den Mixzutaten gleitet geschmeidig zum Tisch des Gastes. Die Spirituosen werden bei ca. minus 17 Grad aufbewahrt. Ein Schütteln, ein Rühren ist nicht notwendig. Die Zubereitung erfolgt im Glas. Eine Freude, zuzusehen bei den eleganten Handgriffen des Barmannes.

Unter uns: Ein Shaker steht durchaus am Bartresen bereit (poliertes Sterling-Silber würde nicht überraschen), aber während meines Verweilens in der Duke Bar habe ich keinen einzigen Eiswürfeln klackern gehört. Die Gäste kommen für einen Martini. Aber das sagte ich bereits.

Potacki Vodka, Beefeater Gin, Lillet Blanc, Angostura, Eichi

Potacki Vodka, Beefeater Gin, Lillet Blanc, Orangenzeste, Angostura, Eichi

Dukes Bar at Dukes Hotel, St. Jame´s Lace, London, SW1A 1 NY

www.dukeshotel.com

Barkeeper sind absolut überflüssig…

…meint zumindest „Onkel Reinhold“ aus dem Ruhrgebiet. Genau genommen aus der „Kulturhauptstadt“ Essen. Wie der Name schon sagt, hat Essen anscheinend mit Trinken nicht viel am Hut, daher dürfen die Cocktails dort auch gerne vorprogrammiert aus dem Automaten plätschern.

Im Kürze befüllt geschultes Barpersonal die Gläser (und zwar alle)

Im Kürze befüllt geschultes Barpersonal die Gläser (und zwar alle)

Nein, lauscht nicht meinem pessimistischem ge-unke. Bestimmt kommen vorzügliche Elixiere aus jenem illuminiertem Würfel getropft, dem die Macher desselben den, wie sie meinen, unglaublich genialen Namen The Qube gegeben haben. Meine eigenen Worte vermögen niemals an den lyrischen Klang des Promotion-Textes heran zu reichen, daher lasse ich diese Leute selbst zu Wort kommen, die listig-verschmitzt erklären:

COOL oder QOOL ?
Zugegeben, das neudeutsche Wort Cool mit Q zu schreiben ist sehr außergewöhnlich!

Das ist genau der Grund, aus dem wir uns dafür entschieden haben. THE QUBE ist nicht nur außergewöhnlich, sondern sieht auch noch so aus. Durch den Einsatz von THE QUBE heben Sie sich von der Masse ab.

Spricht Onkel Reinhold selbst zu uns, den unbedarften und bislang mächtig un-qoolen? Oder sind es die Praktikanten der zu Recht wenigst beachteten Werbeagentur diesseits des Mekong, die uns schelmisch-perfide mit einkommenstechnischen Vergleichen Ködern möchten, indem sie verraten: Weiterlesen

Doping, wie ich es mag

Die Tour de France. Land der Gourmets, Sport der Blutbeutel. Von Jahr zu Jahr schaue ich es mir weniger an. Vielleicht würde ich es gar nicht mehr anschauen, gäbe es nicht Jens Voigt, den sympathischen Kämpfer, engagierten Teamstreiter und liebevollen Papa.

Gleich nach dem Ende der 12. Etappe, die ein Spanier vor einem Spanier gewann, zeigte das ZDF einen sehr netten Bericht über das diesjährige Küchenkonzept vom Team Saxo Bank, dem Jens Voigt angehört und das vom ewigen Recken Bjarne Riis geleitet wird.

Das Team hat einen Küchen Truck dabei, in dem Mahlzeiten für die Fahrer bereitet werden, die weit über die klassische Pasta-Reis-Bananen Verpflegung für Sportler hinaus gehen.

Der dänische Spitzenkoch Thorsten Schmidt bereitet für die Saxoradler abwechslungsreiche Speisen zu. Riis hat erkannt, dass gutes Essen deutlich zur Moral der Truppe und zu positiver Energie beitragen kann.

Der Gewinner einer Etappe darf sich ein Essen wünschen. Andy Schleck hat sich Weiterlesen

Taj Mahal = Krone des Ortes?

Sollte man Vorsicht walten lassen, wenn ein Restaurant den Namen eines Grabmals trägt? Wahrscheinlich. Obgleich das originale Taj Mahal natürlich ein schöner und magischer Ort ist, benannt nach der Lieblingsfrau des Moguls Shah Jahan, der Indien im 17. Jahrhundert ordentlich Shakespeare-isch aufgemischt hat. Mumtaz Mahal hieß die Holde. Wurde sie vergiftet?

Zurück nach Charlottenburg, wo auf der schönen Seite des Stuttgarter Platzes

Auch das Brot hat sich aufgeblasen

Auch das Brot hat sich aufgeblasen

doch so feine kulinarische Orte warten. Optimistisch gehe ich nachträglich davon aus, dass man mich nicht vergiften wollte. Dennoch zog ich übellaunig fort und mag fortan die Krone des Ortes (wie Taj Mahal übersetzt lautet) nicht recht ernst nehmen.

Auf die Optik des Ladens kann die Betitelung nicht gemünzt sein, die sich innen architektonisch hart an der Grenze von schlicht zu schäbig bewegt. Auf uraltem Dielenboden wackeln rustikale Holztische, umringt von blauen Sitzgelegenheiten und schiefen Lampen. Nahe dem Savignyplatz hat kürzlich ein schwedisches Restaurant „Der alte Schwede“ geschlossen. Ob die dortige Inneneinrichtung indisch umgewidmet wurde?

Ein guter Grund, sich hier niederzulassen sind die Außenplätze unter den alten Gaslaternen und Weiterlesen

Bloggin´ on the Ritz

Umberto Eco beschreibt in seiner wunderbaren Geschichte: „Wie man mit einem Lachs verreist“, seine Schwierigkeiten in einem Londoner Luxushotel, in dem das Computersystem ständig zusammenbricht und zudem sprachliche Schwierigkeiten die Klärung seines Problems verhindern. („Ich verlangte einen Advokaten und man brachte mir eine Avocado.“)

Er war aus Stockholm angereist, wo er einen Räucherlachs erworben hatte, den er zum Zwecke der Kühlung in dem Minibar-Kühlschrank in seinem Hotelzimmer aufbewahren wollte. Den Getränke-Inhalt der Minibar hatte er zuvor in einen der Schränke geräumt. Täglich aufs Neue liegt, wenn er sein Zimmer wieder betritt, der Lachs oben auf dem Kühlschrank und die Minibar ist wieder üppig neu befüllt. Am Ende hat er laut Computer acht Liter Gin und mehrere Hektoliter Veuve Cliquot  vertilgt.

Folgerichtig bemühen sich Hotels, gegenüber Menschen die gerne schreiben, klar zustellen, dass ihnen vergleichbares Unbill nicht droht und sie getrost anreisen können. Ob mit Lachs oder ohne.

Am vergangenen Dienstag lud das Ritz-Carlton Berlin am Potsdamer Platz eine muntere Schar illustrer Berlin-Blogger ein, um entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten. Eine feine Idee. Drei Wochen zuvor war eine mysteriöse Einladung ergangen, in der verraten wurde, der geheimnisvolle Mister RC würde den Blog begeistert verfolgen und gerne die Verfasser zu einer exklusiven Hausführung laden.

Mister RC habe ich nicht kennen gelernt, dafür gaben andere charmante Damen und Herren den anwesenden Bloggern einige faszinierende und genussvolle Einblicke in das Tun und Treiben und die Philosophie des Hauses und suchten den Austausch mit den verschiedenen Berichterstattern der 2.0 Lektüren.

Ich halte es für einen klugen Gedanken, wenn Hotels oder auch andere Unternehmen den Kontakt mit Weiterlesen

Weisse Hunde soll man nicht…trinken!?

Marlene Dietrich bezeichnete einmal ihre Schauspielerkollegin Tallulah Bankhead als „die unmoralischste Frau, die jemals gelebt hat“. Die letzten Worte der exzentrischen Dame lauteten: „Cordeine….Bourbon“.

Ich selbst hatte vor wenigen Tagen das außerordentliche Vergnügen, nicht einen letzten, sondern einen ersten Bourbon Whiskey zu probieren.

Der Wunsch nach Cocktails trieb mich wieder einmal in die Triobar, in der ich die illustre Schar der üblichen Verdächtigen wähnte, was sich als Irrtum herausstellte. So genoss ich das Privileg, mit Mr. Triobar plaudern, fachsimpeln und probieren zu dürfen. Einige interessante Neuheiten sowie köstliche Raritäten kamen dabei ins Glas.

Besonders spannend für mich war, erstmalig einen ungelagerten,jungen

Flüssiger Weisser Hund

Flüssiger Weisser Hund

Bourbon verkosten zu können, der niemals ein Holzfass von innen sah. „Less than one day old“ vermerkt ein Schriftzug.

White Dog nennt sich das junge Destillat, bevor es in die Eichenfässer wandert. In USA gelten Weiterlesen

Drei Antworten auf einen missratenen Tag

Jeder der dienstleistet oder freiberufelt kennt womöglich das Phänomen eines Auftraggebers, dessen Manieren, Intellekt und Körpergeruch versagen, um den Tag und die Laune zu verderben.

Unwillig, mit meiner miesen Laune die Welt und die Gaststätten Berlins zu belästigen, suche ich Ablenkung in den eigenen vier Wänden mit Wein, Weib und Gesang, a.k.a. Fussball-WM mit Bier, Katrin Müller-Hohenstein und

Grün ist die Farbe der Hoffnung

Grün ist die Farbe der Hoffnung

Getröte. Eine selten dämliche Idee, gerade heute. Da sitze ich also mit einem schalen Bier und muss diese Frau ertragen („…das wollte ich auch gerade fragen, Olli…“), deren obere und untere Zahnleisten anscheinend zusammengeklebt sind. Sie spricht und unterbricht mit geschlossenem Kiefer. Ein sonderbares Phänomen, was heute leider auch den durchaus begabten Fan-Reporter traf/unterbrach: „Nein, ihr redet jetzt nicht weiter…jetzt kommt der Beitrag, denn XY hat sich damit so eine Mühe gegeben!“

Die Veranstaltung unter dem Motto: „Die Welt zu Gast bei Tröten“ verleidet die große Ball-Gala auf das unermessliche, auch wenn heute ein spanischer Schiedsrichter angemessen bemüht war, fröhliche Farbe ins Spiel Sauerkraut-Bohnensuppe zu bringen. Die Gurkensandwich-Truppe aus England gab mir danach den Rest.

Was also hilft gegen einen erbärmlichen, einen gebrauchten Tag?

95 proof

95 proof

So hat es funktioniert: 1. Ein Glas von meinem aktuellen Lieblings-Bourbon, dem Black Maple Hill, 95 Proof.

2. Eine der schönsten Zeilen des unvergleichlichen Heinrich Heine: „Wenn Du eine Rose schaust, sag, ich lass sie grüßen“ aus dem Gedicht „Leise zieht durch mein Gemüt“.

3. Fußball-Gesänge einmal anders zu Gehör gebracht. Good old Johnny Cash.

And a good night to all of you.

Taco Time in Cross Mountain: Lone Star Taqueria

Lone Star – der einsame Stern im Staate Texas, the Lone Star Texas State. Ein Michelin-Stern kann hier nicht gemeint sein, dennoch habe ich mich in der Taqueria auf merkwürdige Art ganz köstlich amüsiert.

Gruß von Gauguin

Gruß von Gauguin

Diese Einkehr karikiert den Typus der üblichen Tex-Mex-Lokale auf charmant-hilflose Art. Die sehr freundliche asiatische Kellnerin trug mir ein schönes Estrella Damm aus Spanien herbei, während ich mich durch die üppige Liste an Sonderangeboten arbeitete.

Wir kommen aus der Happy-Hour gar nicht heraus. Mal sind es Burger, mal Drinks, mal alles, was zum Superdupersparpreis auf die Teller und in die Gläser kommt. Ab 19 Uhr gibt es alle Cocktails für 4,50 Euronen. Ich möchte nicht unbedingt erfahren, welch grottiger Fusel dann wohl zum Einsatz kommt. Auch wenn ganz oben im Regal, schier unerreichbar, eine Flasche mit ordentlichem Sierra Milenario Tequila verstaubt.

Notgedrungen wählte auch ich ein Gericht zum halben Preis und erhielt Weiterlesen

Text trifft Technik – Happy Birthday Teletext

Jedes Jubiläum ist ein guter Grund, eine feine Flasche zu öffnen, einen guten Drink zu mixen und andächtig inne zuhalten.

Fast wäre mir dieses Jubiläum entgangen: 30 Jahre Teletext. Und das auch noch zeitgleich mit der Einführung des i-Pad, welches ja angeblich das Lesen von Neuigkeiten komplett revolutionieren soll. Der Videotext hat das bereits getan und daher können die Macher auch stolz Bilanz ziehen und von 16 Millionen Nutzern berichten.

Die Schnittstelle zwischen Technik und Text, zwischen analog und digital, funktioniert jedoch nicht immer so reibungslos. Am bekanntesten sind bestimmt die Fälle, die sich seinerzeit im Vorfeld der Olympischen Spiele in China abspielten, als Geschäfte und Restaurants im Reich der Mitte gehalten wurden, für die ausländischen Gäste, international verständliche Schriftzeichen anzubringen. Gerne wurden dafür Übersetzungsutensilien der schönen neuen EDV-Welt herangezogen, die uns diese Perlen bescherten:

Guten Appetit im Restaurant "Translate Server Error"

Guten Appetit im Restaurant "Translate Server Error"

Wie mag Wikipedia schmecken?

Wie mag Wikipedia schmecken?

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Raclette in der Galeries Lafayette

Ich mag kein Veganer sein.

Wäre ich Veganer, dann hätte ich etwas gemeinsam, beispielsweise mit Woody Harrelson, Sinead O´Connor, Uri Geller, William Shatner und Carl Lewis.

Aber ich dürfte dann keinen Käse essen und das wäre unerträglich.

Einer meiner liebsten Orte für Käse ist die Feinkostabteilung der Galeries Lafayette. Ungefähr 190 Sorten werden dort angeboten oder auch gleich serviert. Besonders gerne lasse ich mir einen Raclette-Teller frisch zubereiten.

Der Käse-Laib wird unter dem Heizelement platziert und rasch entwickelt sich der betörende Duft zur Schmelze, während die Dame am Tresen den Teller vorbereitet mit Schinken, Salat und Kartoffeln.

Kurz verzichte ich auf den Duft, denn den passenden Wein hole ich mir von der gegenüber befindlichen Weinbar, wo Auswahl und Beratung deutlich interessanter und vielfältiger sind, als an den Speisebereichen.

Die heutige Empfehlung war ein Weißwein aus Crépy in Weiterlesen