Bars, Berlin, Bohème – 24 Stunden Buch in der Bar Raclette

24 Stunden Buch lautet der Titel einer neuen Veranstaltung rings um Bücher, Verlage, Autoren, Esprit und prickelnde Orte über Berlin verstreut.

Die ´Langen Nächte´, deren Programm meist um Mitternacht endet, können einpacken. Bei 24 Stunden Buch ertönt der Startschuss für einen bunten Reigen an kuriosen Lesungen, Events und Präsentationen am Freitag 31. Mai um 12 Uhr, um dann am Samstag Mittag, 24 Stunden später, zu Ende zu gehen.

Mein eigener Beitrag gemeinsam mit dem Grebennikov Verlag muss selbstverständlich getränkerelevanten Inhalts sein und an einem entsprechenden Ort, mit passendem Cocktail zu angemessener Stunde stattfinden.

Buch trifft SchluckIch freue mich daher auf die wackeren Nachtgestalten, die in den Morgenstunden von Freitag auf Samstag um 3 Uhr in der Bar Raclette in Kreuzberg einfallen, um sich dort an einem French 75 Cocktail zu erquicken und meinen Geschichten und getränkehistorischen Anekdoten aus der durstigen Historie Berlins zu lauschen.

Die Bar Raclette befindet sich in der Lausitzer Straße 34 in Kreuzberg, nicht weit vom U-Bahnhof Görlitzer Park und hält auch schon vor 3 Uhr nachts großartige Drinks (und hervorragend gezapftes Pilsner Urquell) bereit: www.bar-raclette.de

Weitere Informationen zu der Veranstaltung „24 Stunden Buch“, ins Leben gerufen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und das gesamte Programm gibt es auf deren Hompage: www.berlinerbuchhandel.de

Eine Bar für Fritz Lang in der Metropolis

Das Waldorf Astoria Berlin öffnet seine Pforten. Endlich ist es nach mehreren Verschiebungen und Vertröstungen soweit und der virtuelle Brückenschluss zwischen Berlins Kurfürstendamm und New Yorks Park Avenue ist vollzogen. Zwei legendäre Hotels, zwei traditionsreiche Straßen, ein Hauch Art Déco und anspruchsvolle Drinks erwarten die Besucher am Hudson bereits seit 1931 (das Ur-Hotel in der 5th Avenue an der Ecke zur 33rd Street aus dem Jahre 1893 war 1929 geschlossen worden), an der Spree erfolgte der Start-Korkenknall zu Jahresbeginn 2013.

Mit der Lang Bar erinnert das Waldorf=Astoria an einen bedeutenden Regisseur, der 1933 die Flucht antrat und in die USA emigrierte, Fritz Lang. Lang wusste, dass aller Anfang schwer ist und Tücken in sich birgt, wie visionär man auch sein mag. Als sein Film zur Vision der modernen Stadt im Januar 1927 uraufgeführt wurde, konnte „Metropolis“ – heute ein Klassiker der Filmgeschichte – weder bei den Kritikern noch beim Publikum überzeugen. Das Werk wurde überarbeitet und es dauerte einige Zeit, um dann die angemessene Beachtung zu erfahren. Für das Waldorf=Astoria und somit auch die Lang Bar dauerte es ebenfalls etwas länger als geplant, wobei man nun merkt, dass das Barteam die Zeit gut genutzt hat und bereits zur Eröffnung auf eingespielte Weise die Bar und den Gastraum beherrscht.

Lang Bar

Formensprache, Art déco Design und edle Materialien verweisen stilvoll auf die 1920er Jahre und greifen erneut die Verbindung New York-Berlin auf. Der dreieckige Raum nimmt wie der Bug eines Schiffes Kurs auf Weiterlesen

Berlin ist Weltklasse. Und manchmal sogar World Class

„World Class changed my life!“ Mit diesen Worten fasst Erik Lorincz seinen Erfolg bei dem Wettbewerb im Jahre 2010 zusammen, der als inoffizielle internationale Weltmeisterschaft der Bartender gilt, die Diageo World Class. 2012 betreute der Barchef der American Bar des Savoy Hotels in London viele der Vorausscheidungen als Vortragender und Juror und beriet und bewertete die teilnehmenden Bartender rings um deren Rezepturen und Präsentationen. Ich hatte damals das Privileg, als Jurymitglied, gemeinsam mit Erik und Christina Schneider, eine Berlin-Qualifikation zu bewerten. Ein feiner Moment zwischen Herausforderung, Konzentration und Vergnügen!

Nun erfolgte der Startschuss für die Neuauflage der Diageo World Class in der neuen Saison und auch in Berlin gingen einige hochqualifizierte und talentierte Bartender an den Start, um die Herausforderung anzunehmen, sich durch die anspruchsvollen Aufgaben und Runden zu kämpfen, schütteln und rühren.

Die erste Herausforderung bestand zunächst darin, die Regeln halbwegs zu begreifen. Mir persönlich gelang dies nur mittelmäßig und auch die befragten Fachleute berichteten zaghaft von „Es geht um Retro Chic“ und „Irgendwas mit Vintage und Essen“. Stichworte wie ´Hollywood´ und ´König Whisky´ fielen ebenfalls.

World Class in der Schwarzen Traube

World Class in der Schwarzen Traube

International sind die Bartender aufgerufen, sich der Qualifikation zu stellen, die in ´Burst 1´ und ´Burst 2´ aufgeteilt ist. Eine Übersetzung mit Explosion, Durchbruch oder Salve liegt mir gerade nicht sehr Nahe, daher nenne ich es einfach ´Staffel´. Die zweite Staffel steht just bevor (wer noch teilnehmen mag, sollte sich sputen!), Staffel 1 wurde zum Jahresende 2012 ausgefochten und zu diesem Anlass wurde eine muntere Runde kulinarischer Berichterstatter eingeladen, um einige der Bewerber in Berlin zu testen.

Die Bewerber hatten sich zuvor für eine Basis Spirituose aus dem Diageo Sortiment entschieden und die Wahl wirkte sich auf die Herausforderung aus. Mit Tanqueray Ten war eine andere Herausforderung verbunden, als mit Ron Zacapa oder Johnnie Walker. Danach galt es, den Drink zu bewerben, sei es in der Bar selbst, in sozialen Netzwerken oder den Medien, und einen strengen Diageo Repräsentanten mit Drink und Präsentation zu überzeugen.

Die fünf Drinks, die uns vorgesetzt wurden waren allemal ungewöhnlich und bemerkenswert und auch wir sollten Bewertungsbögen ausfüllen. Einige Tage später wurden die offiziellen Ergebnisse verkündet und zwei unserer Kandidaten schafften den Einzug in die nächste Runde. Ein Ergebnis, was ich tatsächlich aus vollem Herzen und Gaumen unterschreiben möchte.

Atalay Aktas servierte uns in der Bar „Schwarze Traube“ einen köstlichen Drink namens „Dark Whisperings“, den er aus Weiterlesen

Wenn alle Sinne Whisky verkosten – auch die Ohren

So elegant und köstlich gab es selten etwas auf die Ohren. Glenmorangie lud Spirituosenexperten und Bartender aus Deutschland nach Berlin, um eine überraschende Reise der Sinne mit dem Glenmorangie Signet anzutreten.

Ich durfte bei der Glenmorangie Masterclass mitreisen und so begann die Fahrt in Ungewisse am Mani Hotel a der Torstraße, wo eine illustre, zunächst aber ratlose Runde von Getränkespezialisten in Fahrzeuge mit verschwiegenen Fahrern verfrachtet wurde. Schließlich entführte man uns in eine Galerie am Osthafen, wo ernsthafte Gestalten unserer harrten.

Der Vorhof des Rätsels

Nach kurzer Begrüßung und Beschallung mit Präsentation der optischen Philosophie der Marke und der besonderen Fassphilosophie im Hause Glenmorangie, geleiteten unsere Gastgeber die Runde in die obere Etage, wo Kerzenlicht und tiefes Schwarz die Neugierigen umfingen. Sollte uns ein sektengleiches Initiations Ritual bevorstehen? Einige blickten mulmig drein, lautete ihre situative Zustandsbeschreibung doch eher auf „Hunger“ und „Durst“.

Puh, man platzierte uns an Weiterlesen

Seepferdchen Crusta?

Es ist dringend an der Zeit, den Brandy Crusta wieder zu entdecken. Von all zu vielen Drink-Menus verschwand die Gattung der Crustas und generell führen Brandy, Weinbrand und Cognac oftmals leider ein Schattendasein am Bartresen.

Ein prominenter Brandy Crusta Trinker war der Dichter Joachim Ringelnatz. Ein wundervolles Foto zeigt ihn vor dem Glas mit dem Zuckerrand, selig lächelnd. Und das, obwohl er eigentlich einen Gedichtband herausgeben wollte, dessen Tinte mit Rum vermengt ist. Aus seiner Stammkneipe in Berlin, der Westend Klause, sind bemerkenswerte Bestellungen von Aquavit verbürgt. Der durstige Dichter selbst erklärte:

„Bernhardiner ist das letzte, was ich sein möchte. Dauernd die Flasche am Hals, und niemals trinken dürfen!“

Hans Bötticher hiess der Dichter im wirklichen Leben, der seinen Künstlernamen ausgerechnet nach einem Seepferdchen wählte. So verrückt, verwegen und voller Leidenschaft waren sie nun einmal, die 1920er Jahre, in denen Ringelnatz dichtete:

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt. Weiterlesen

Drayton – Die Bar mit den Schirmchen

This is not a Pina Colada

This is not a Pina Colada

Es ist eine Weile her, dass ich mit einem Cocktail in der Hand gesehen wurde, den ein kleines Schirmchen ziert. Tatsächlich sind Saft-Sirup-lastige Blumenpötte, die sich Cocktail nennen, nicht meine erste Wahl.

In der Drayton Bar wird sich dieser Anblick demnächst öfters wiederholen. Dieser Schirmchen-Drink begeistert: „This is not a Pina Colada“ lautet der Name des Drinks mit dem leicht ironischen touch. Der Schirm steckt in der Schaumhaube, unter der sich ein aromatischer karibischer Rum mit den entsprechenden Zutaten verbirgt. Der Schaum hat es in sich und überrascht nicht nur mit dezentem Kokosaroma, sondern auch mit weißer Schokolade und kleinen, crunchigen Ananaschips darauf. Diese Sahne zu löffeln oder durch sie hindurch an den Rum zu gelangen ist großartig. Jeder Schluck ist neu. Mundgefühl, Textur, Dosierung Rum und Schaum. Jeder Schluck ist anders. So macht es Freude, sich mit einem Drink zu beschäftigen.

Zuletzt wurde der Cuisine-Style. mit frischen Kräutern und weiteren Küchenelementen, bei Mixologen leider in seiner Vielfalt vernachlässigt. Barchef Christian Gentemann ändert dies auf sehr gelungene Art und Weise. Die sorgfältig ausgesuchten Drinks der Karte (knapp 20 dürften es sein), enthalten spannende Zutaten, wie Agaven-Lavendelsirup, Mandarinen-Zitronengras-Püree und hausgemachten Earl Grey Gin. Gut, hinter der Bar verbirgt sich mit dem vegetarischen Restaurant Cookies Cream, eines der spannendsten Menüs der Stadt, wo Küchenchef Stefan Hentschel sicherlich seinen Anteil beiträgt, einen kreativen Austausch zwischen Küche und Bartresen zu pflegen.

Ehe? Womöglich die Abkürzung für errare humanum est!?

Ehe? Womöglich die Abkürzung für errare humanum est!?

Der Raum ist gerade völlig umgerempelt worden. Wir befinden uns in einem der bekanntesten Clubs der Stadt, Cookies. Gerade nach Umbauarbeiten frisch wiedereröffnet, erkennt man kaum etwas wieder, denn es wurde eine Zwischenetage eingezogen, in der sich die Bar befindet und auf der an den Club-Tagen (Di/Do/Sa) am späteren Abend der Vorhang Weiterlesen

Der Morgen nach der Nacht zuvor…schreit nach Bloody Mary!

Tomatensaft schmeckt nicht nur im Flugzeug gut. Auf dem Boden sollte man allerdings etwas Alkohol beimengen.

Der so gefüllte Kelch geht dann zum Brunnen, bis er bricht? Nun gut, jedenfalls geht es auf in die Brunnenstraße in Berlin Mitte.

I go back to red

Zumindest immer dann, wenn zwei positiv verrückte Bartender ihre abgefahren schmackhafte Pop-Up-Bar dort installieren und sich als Meister der Improvisation der Köstlichkeit betätigen.

Zwei Mal bereits galt das Motto dem zweitwichtigsten aller Hangover Drinks, der Bloody Mary. (Eine Prairie-Oyster-Party würde vermutlich nicht so ideal funktionieren.) Tomatensaft, Gewürze (Worcester, Tabasco, Salz, Pfeffer, u.ä.), ach ja: und Vodka. Im Ausschank: Diverse Variationen der Blutigen Marie (beispielsweise mit Mezcal), ansonsten Champagner. Das essenstechnsiche Begleitprogramm wechselte und enthielt beispielsweise Austern, Hummer und bei der Premiere einen wirklich hervorragenden Braten. Der Künstler am Hummer-Topf im Februar verdient allerhöchste Anerkennung. Perfekt gegart, butterzart und von höchster Qualität. So bekommen wir Hummer in der Hauptstadt ganz selten auf die Teller.

Ladies in red

Und wie passend doch eine Bloody Mary dazu funktioniert. Gerne auch in der Gin Variante mit Tanqueray, dem Red Snapper.

Die Erfindung des Drinks ist nicht ganz geklärt, wobei die meisten Quellen ihn auf Weiterlesen

The Piano has been drinking – Envy Bar

Wer möchte nicht ein wenig Musik in sein Leben lassen? Die Hope-Universität in Liverpool bietet immerhin einen Studiengang „Beatles“ an. Berlin verfügt hingegen seit kurzem über ein musikalisches Hotel, klangvoll gelegen zwischen mtv und Universal Music. Zwischen viva und der o2 Konzertarena.

Das stylische Hotel an der Spree mit seinem komplizierten Design, trendigen Gästen und bandrelevanten Besonderheiten verfügt zudem über eine bemerkenswerte Getränkeversorgung in der Envy Bar. Ob der Name von dem Song „Envy“ von Ash kommt? Immerhin gibt es dort Textzeilen wie: „Here´s a taste of the seven sins….you leave my mouth dry….I couldn´t get much higher….envy, envy, envy….“ Neid, Neid, Neid…

Die Envy-Bar platziert ihre beneidenswerten Gäste um einen runden Tresenbereich mit Sichtachsen, quer durch die Räumlichkeiten zwischen Rezeption und Restaurant. Diverse unterschiedliche Sitzgruppen bieten Plätze als diskrete Rückzugsräume oder öffentlichwirksame Bühne. Das Design von Karim Rashid ist Geschmackssache. Plastik-bunt erinnert so einiges an Weiterlesen

Polizeistunde ist Prima!

Stagger Lee war ein Mörder. Ja: dies ist eine Einladung zur Razzia, ein Aufruf zur Fahndung! Stellen wir uns gemeinsam einem fragwürdigen Verhör, bei dem seltsame Flüssigkeiten an die Kehle gehen. Es gibt auch was auf die Ohren.

CSI Schöneberg: Warum ist eigentlich immer der Gärtner der Mörder. Das ist ungerecht, es könnte doch durchaus einmal der Barmann sein, der ein köstliches Gift verabreicht.

„Stagger“ Lee Shelton erschoß am 24. Dezember 1895 einen Kumpan in einem Saloon in St. Louis. Auch Berlin hat Gauner , Gangster und Ganoven zuhauf zu bieten. Wo könnte man ihre Geschichten besser kennen lernen, als in der wunderschönen Cocktailbar,  die sich nach dem Mordbuben aus St. Louis benannt hat.

http://www.staggerlee.de/

Bye, bye Bar Gainsbourg…

Serge Gainsbourg hat einmal einen Song mit Namen „Lunatic Asylum“ geschrieben. Sicher trifft diese Bezeichnung auf die eine oder andere Bar zu. Für die die Bar Gainsbourg heißt es jetzt leider vielmehr: „Hou hou hou cha cha cha du loup“ – Der böse Wolf tanzt den ChaChaCha. Dieses Jahr tanzt der Wolf eher einen Flamenco, denn das benachbarte iberische Restaurant wird die Räumlichkeiten der Bar übernehmen, die eigentlich vom Savignyplatz kaum wegzudenken ist, wo sie seit der Mitte der 1990er Jahre eine bewährte Anlaufstelle für Freunde einer wahren „Bar Américain“ bietet.

Eine schöne Idee hatte seinerzeit Barbetreiber Frido Keiling: Eine Bar als begehbarer Nachruf auf einen Musiker, Trinker, Kettenraucher von Format. Seit 1994 treten Cocktailfreunde in ein kleines Stück Frankreich ein und werden mit hervorragenden Drinks beglückt.

Aus den Boxen klingt die passende Musik, teils von Serge selbst, aber immer mit einem Hauch von Chanson, nichts aufdringliches. Schummeriges Licht um die Tische, etwas heller am Tresen. Die Wände sind teils nackter, grober Backstein, teils mit Bildern dekoriert, die Gainsbourg zeigen und schöne Damen wie Catherine Deneuve und Brigitte Bardot. Haben die seine Lieder nicht auch gesungen?
Musiziert wird regelmäßig auch während der Fete de la Musique, da sind die Darbietungen im Gainsbourg schon absoluter Kult.

Die Drinks waren einmal spitzenklasse. Irgendwann hat man aber aufgehört, den neuesten Trends zu folgen. Es gibt ein Motto, wofür braucht man einen Trend? Weiterlesen