Selig, wer Teigtaschen bestellt

Heute muss ich, etwas verspätet, eine winzige Gegendarstellung entschlossen vortragen!

Eine kleine Perle des Charlottenburger Mini-Chinatowns der Kant(on)straße, liegt unweit der Wilmersdorfer Straße und heißt „Selig“. Bei der Eröffnung, einige Jahre zurück, nannte man sich „Rote Laterne“, was allerdings gerade in

An der roten Säule: Die Weinempfehlungen

dem Tabledance-Viertel zwischen Kantstraße und Stuttgarter Platz eindeutig zweideutige Missverständnisse auf den Plan rief. So benannte man sich also um.

Von Anfang an war das Essen sehr gut. Das Hauptaugenmerk liegt auf frischen Teigwaren in nordchinesischem Stil, die man in Berlin kaum besser vorfindet. Großartig sind die Suppen mit den dicken Lanzhou Nudeln darin, oder die diversen Teigtaschen.

Ich liebe Teigtaschen, daher freute ich mich sehr über die Ausgabe 25/2009 des Stadtmagazins tip zum Ende des letzten Jahres, die einen großen asiatischen Teigtaschentest versprach. Insgesamt waren die Artikel/Tests auch ganz nett und teilweise zutreffend, mit lebendiger subjektiver Note verfasst. Zu meinem Entsetzen wurde das Selig mit der schlechtesten Wertung der 12 beschriebenen Lokale versehen. Nanu, denke ich. Was mag da passiert sein? Gerade die Jiaozi Teigtaschen werden dort doch so fein, subtil und original hergestellt. Zwanghaft muss ich sie bei jedem Besuch bestellen.

Dem Autor des tip schmeckt das nicht ausreichend intensiv und er wirft dem Lokal Weiterlesen

Invasion der Dönerroboter?

Einen gewaltigen Holzpfad schlug ich ein, als ich  dem Aufruf der Berliner Morgenpost folgte, die mit pathetischem Getöse die DÖGA ankündigte – die weltweit erste Döner-Messe.

Auf zur DÖGA

Auf zur DÖGA

Ich irrtumte in der Annahme, Zulieferer und Hersteller würden ihre Bandbreite präsentieren und die Facetten des Genusses des gerade in Berlin so beliebten Imbissgerichtes präsentieren. Auch um die letzten Schatten des Gammelfleisch-Skandals aus der Welt zu schaffen. Im Geiste hatte ich  das Mittagessen ersetzt durch eine Umfangreiche Dönerverkostung mit allen Hammel-Lamm-Chicken-Vegetarisch-Varianten, diversesten Brotoptionen und dem Nuancenreichtum von Knoblauchsoße. Ich wähnte mich quasi im Schlaraffenland der „Soße-Salat-Alles?“-Interaktion.

Ein anregendes Interview hatte die MoPo da mit dem Sprecher des ATDID,

Konzentrierte Kebap Kommunikation

Konzentrierte Kebap Kommunikation

dem Verein türkischer Dönerhersteller in Europa, improvisiert. Immerhin erfahren wir, dass es hierzulande mehr als 200 Dönerproduzenten gibt und die Deutschen jährlich 2,5 Milliarden Euro für drehendes Grillfleisch ausgeben. Weiterlesen

Korea ist kulinarisch im Kommen

Karantiert! Deshalb: Kochkurs für Eichi.

Eine spannende Art der Küche erobert die Hauptstadt. Endlich. Die Koreanische Küche. Einige interessante Neueröffnungen gab es zuletzt zu vermelden, wie das chic gestylte Kimchi Princess im SO36 oder das Madang in Kreuzberg 61. Der Kudamm kommt bereits seit längerer Zeit in den Genuss, beispielsweise im KimChiam Adenauerplatz  oder im Gung Jeon, meinem Favoriten,  weiter Richtung Halensee. Einige versteckte Imbiss-Geheimtipps in diversen Kiezen kommen hinzu.

Bibliothek und Esszimmer

Bibliothek und Esszimmer

Der Kochkurs war ein wundervolles Geschenk für das ich immer noch dankbar bin. Es war der beste Kochkurs, den ich in den letzten fünf Jahren erlebt habe. Und es waren so einige. Die Erinnerung an einen vortrefflichen Abend begleitet mich bis heute, kulinarisch, wie atmosphärisch.

Das Ladenlokal von Goldhahn & Sampson am Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg ist sowieso eine Oase: Sorgfältig ausgewählte Produkte von Gewürzen, Käse, Sake, Schokolade, kulinarische Literatur bis zu ungewöhnlichen Spirituosen sind appetitlich arrangiert in den gemütlichen Räumen des Altbaus. Im hinteren Bereich versteckt sich die Küche für die Kurse, die regelmäßig mit unterschiedlichsten Themen stattfinden.

Der Kurs mit Lauren Lee findet vorwiegend auf englisch statt und verleiht

Küchendienst & Küchenfreuden

Küchendienst & Küchenfreuden

dem Abend zusätzlich ein kosmopolitisches Flair. Wobei das Durchmengen der Teigtaschen-Füllungen oder das Schneiden berühmten Kim-Chi auch ohne relevante Sprachkenntnisse kommuniziert werden kann. Weiterlesen

Die Berlinale kam mir Chinesisch vor

Ein Dummkopf, der arbeitet, ist besser als ein Weiser, der schläft (Chinesische Weisheit). Also: Ran an den 14. Februar, der es gewaltig in sich hatte: Valentinstag, Chinesisches Neujahr und Berliner Filmfestspiele. Würde ich alles unter einen kun-mien (kaiserlich, chinesische Kopfbedeckung) bekommen?

Teppich (rot)

Teppich (rot)

Den Reiz der Berlinale gilt es einmal im Jahr schon mitzunehmen, wenn alle so wichtig und kreativ sind und diejenigen, die es nicht sind, sich mit dem Kauf der alljährlichen Berlinale-Tasche, zumindest den Anschein geben können. (An dieser Stelle möchte ich ein für allemal anmerken: Nichts ist so uncool und oll, wie mit einer Berlinale-Tasche der Vorjahre auf das Festival zu kommen!)

Die Berliner Luft von Metropolis ist in der Festival-Zeit schon irgendwie elektrisiert und glücklicherweise können immer mehr Übliche Verdächtige im fünften Element sein und daran teilhaben. Selbst Ferris macht blau, verzichtet auf sein Frühstück bei Tiffanys  und hat gute Chancen, der Dritte Mann am Kassenschalter zu sein. Früher wartete man von Dusk till Dawn, aber seit der Friedrichstadtpalast dabei ist, sind einige Karten leichter zu bekommen. Das Kulinarische Kino erzählt

Dabei gibt es gar kein Jahr des Bären

Dabei gibt es gar kein Jahr des Bären

Kitchen Stories und lockt Randzielgruppen, quasi von Sideways, herbei. Auch ich war im Saturday Night Fever und stand 3 Tage des Condors Klapperschlange. Big Trouble in Little China? Nein! Schluss jetzt!!

San qiang pai an jing qi steht auf dem Ticket und bringt mich in den Genuss eines Wettbewerbsbeitrages aus China. Zu Deutsch: A Woman, A Gun And A Noodle Shop. Ein Remake des Debütfilms der Coen Brüder, Blood Simple, diesmal im alten China kurz nach 1800 spielend. Die Kritiken lasen sich nicht so begeistert. Ich mochte die breitbildigen Landschaftsaufnahmen von Regisseur Zhang Yimou, die Gelassenheit des Mörders und die Szene, in der der Nudelteig bereitet, geschleudert, balanciert wird.

Karriereleitern

Karriereleitern

Hungrig wie Valentin entfernten wir uns aus dem Saal, ließen uns rasch noch auf dem roten Teppich feiern/anstarren (jeder wird dort prophylaktisch gefeiert und ratlos angestarrt), um dann noch den wichtigsten Ort der Berlinale anzuschauen, die Parkhausausfahrt des Hyatt-Hotel. Hier fahren die Limousinen mit den Stars an hoffnungsfrohen Autogrammjägern und Fotografen vorbei, die in den Tagen zuvor sämtliche Trittleitern aus allen Berliner Baumärkten aufgekauft haben.

Prominenteste Parkauseinfahrt

Prominenteste Parkauseinfahrt

Endlich Ruhe zu bestem Essen und vorzüglichem Wein finden wir danach bei Familie Wu im Restaurant Hotspot. Die pikante Sichuan-Küche ist genau das richtige zu dem edel-süßen Moselriesling vom Weingut Christoffel. Alle gemeinsam erheben die Gläser auf ein gutes neues Jahr im Zeichen des Tigers.

Weinpräsentation im Hot Spot

Weinpräsentation im Hot Spot

Wie sang eins Norma Jean Baker? Kiss me, Tiger. Und: Happy Valentine!

Grill Royal (Mitte)

Ich misstraue diesen in-Schuppen für it-people. Und ich war mir sicher, in einem solchen gelandet zu sein. Ich möchte einen Verriss schreiben, zumal mir bereits einige Geschichten über den unangemessenen Service zu Ohren gekommen waren.

There you g...o...rilllll

There you g...o...rilllll

Hinzu kommt: Ich war geflohen aus einer meiner Lieblings-Bühnen. Die aktuelle Aufführung von „Der Besuch der alten Dame“ im Maxim-Gorki-Theater ist dermaßen furchtbar, entsetzlich, laut, vulgär, kreischend, ejakulativ, wie ich es dort niemalsnicht erwartet hätte.

Bei derart miserabler Laune vermag nur ein Steak zu besänftigen. Gut, dass das Grill Royal nicht weit ist.

Behandelt mich schlecht und serviert mir mittelmäßige Fleischigkeit und ich habe mein unglückseliges Ventil der frustrierten Verdammnis. Yippiieeehh!

Nein, es kam ganz anders. Nach einer famosen Begrüßung führte man uns an einen wunderbaren Tisch mitten im Geschehen. Als New-York-Fan kann ich nicht umhin, den amerikanischen touch des Raumes und den Stil des Hauses zu bemerken und rasch einen Seufzer in Richtung Manhattan zu senden.

Seitlich stand ein Boot in einer Bibliothek umgeben von schönen Licht-Installationen; reflektierende Säulen mit Kunstobjekten funktionieren gleichsam als Schmuck und Raumteiler; gegenüber nahm Maria Furtwängler (die in Natura noch bezaubernder aussieht) Platz und ließ einen anderen Schauspieler am Nebentisch darob vom Star zur Nebensächlichkeit werden. So wollen wir das G.R.: Stars, Steaks, Stil. Stures Klischee? Nein!

Großartiges Essen, feine Weine und entspannter Service. So habe ich diesen Hot Spot erlebt. Es tut mir Leid. Ich hätte lieber lässig gelästert! Aber es war….einfach prachtvoll.

Ein Salat halt...

Ein Salat halt...

Die Vorspeise stellte eine gewisse Herausforderung dar: Eisbergsalat mit Tomaten, Roquefort-Dressing und Speckstreifen. Wer hier einen Salat bestellt, bekommt…einen Salat. Kopf!! Köstlich, reichhaltig, beinahe zu riesig.

Denn es drohte und lockte danach: Das Porterhouse Steak. Ein cut, der in Deutschland leider nur selten angeboten wird. Quasi ein T-Bone-Steak in groß mit reichlichst Filet dabei. Zunächst kann das Fleisch in den Kühlvitrinen begutachtet werden, später

Überzeugende Präsentation

Überzeugende Präsentation

präsentiert der Kellner das fertig zubereitete Stück am Tisch, bevor es schließlich geschnitten wird.

Informationen zur Herkunft des Rindes werden aufgeführt, so kann man das Steak quasi von der Weide  in Omaha bis zum Teller begleiten. Die Küche ist einsehbar und gleich vorne zum Gastraum befindet sich die Grillfläche (darüber hängt ein Berghain-Schal 🙂 ).

Patrick, unser Gastgeber an jenem Abend, wusste viel wissenswertes und amüsantes zu berichten und glänzte mit der perfekten Weinempfehlung. Überhaupt war der Service sehr angenehm in der angemessenen Mischung aus professioneller Aufmerksamkeit und freundlicher Lockerheit.

Mit Blick zum Wasser

Mit Blick zum Wasser

Eine gute Nachricht für Charlottenburger, die seit geraumer Zeit in der Salumeria Da Pino am Stuttgarter Platz die wunderbaren Gastgeber- qualitäten und Weinkenntnisse von Alino schmerzhaft vermissen: Hier finden wir ihn wieder. Entspannter denn je.

Das Porterhouse war fantastisch und zerschmolz auf der Zunge. Die Sauce Bearnaise kam als sanfter Schaum luftig daher und die Pommes Allumettes rundeten das Ganze ideal ab. Für alle Fälle standen Schälchen mit erstklassigem Salz und Pfeffer bereit.

Leider wird das Porterhouse nur sporadisch in die Karte aufgenommen, aber dann schaffe ich beim nächsten Besuch hoffentlich noch den verlockenden Schokoladenkuchen mit flüssigem Innenleben. Diesmal ging nichts mehr.

Es gibt auch Fisch!

Es gibt auch Fisch!

Die Preise sind gehoben, was bei der Qualität der Zutaten und dem Ambiente nicht verwundern darf. Während der Berlinale wird es sicherlich wieder wichtig-wichtig zugehen und eine andere Art der Fleischbeschau steht im Vordergrund.

Anschließend rückt zum Glück wieder das irische Roastbeef, Hummer, das Entrecôte, australisches Wagyu Beef und weiteres feines Fleisch im Vordergrund. Peter Luger, die Brooklyn Steakhouse-Legende kann einpacken. Grill Royal rules.

Das einzige, was den Aufenthalt ein wenig irritiert hat, war das Einsinken in die Sitzmöbel, was Bewegung und Entfernung Kinn-Tischkante ein klein wenig beeinträchtigte. Bin ich etwa zu schwer?? Nein, nicht antworten, bitte. Vielleicht frage ich beim nächsten Mal nach einem Sitzkissen?!

Grill Royal, Friedrichstraße 105, 10117 Berlin-Mitte

Homepage

Empire Diner (New York – Chelsea)

Fast jeder kennt das berühmte Bild von Edward Hopper – “Nighthawks”. Die rätselhaften Nachtschwärmer rings um den neonerleuchteten Tresen.
Sie wollten sich immer schon einmal dazu setzen? Bitte sehr. An der 10th Avenue an der Ecke zur 23sten Straße in Chelsea ist ein Barhocker für Sie frei. Rund um die Uhr.

Empire Diner

Empire Diner

Ich mag Art Deco, daher wollte ich den Diner-Klassiker aus dem Jahre 1929 bei Tageslicht sehen und ging zum Frühstücken hin. Und tatsächlich, so gehört es sich: wie ein alter Speisewagen zieht sich innen der Tresen durch das langgezogene Lokal, außen an den Fenstern dann die Tische.

Platz genommen haben…..alle.
Verschiedenste Sprachen verraten die Touristen (ich verrate hier nicht wirklich einen Geheimtipp); es sind Handwerker zum Frühstück gekommen. Ein Tisch mit vier Damen gen Ende der Sechzig giggeln wie Teenager, als der Kellner sie mit “Hi, my darling bitches” begrüsst.

Höflich lauschen wir dem Bericht über seine letzte Tanzdarbietung. Sein Durchbruch steht kurz bevor. Er gibt eine Kostprobe. Einem Spanischen Touristen entgleitet die Ketchupflasche. Der Kellner reicht ihm einen Lappen.

Mir reicht er mein Frühstück. Klassische amerikanische Frühstücksgestaltung mit Eggs (how you like ´em), Würstchen, Pancakes, Ham and refill Coffee. Nichts Besonderes, vielleicht ein klein wenig teurer, als in so manch anderem diner.
Wir sind halt in einer Legende. Woody Allen war schon da, Ridley Scott, die Augen von Bette Davis haben hier so manche schräge Gestalt gesehen und in “Men in Black 2” geht Agent J hier sein Gebäck essen.

Nächstes Mal möchte ich nachts hier sein, wenn sich die Mitternachtscowboys treffen. Dann setze ich mich in das Bild.
Den Soundtrack liefert natürlich Tom Waits in “Nighthawks at the Diner”.
“Been drinking cleaning products all night…open for suggestions…”
Ich höre schon den Bass…

10th Ave 210, NY 10011

www.empire-diner.com

Admirals Absinth Bar (Mitte)

(Update: Leider ist dieser Ort geschlossen worden.)

Der Admiral ist ein wunderschöner Schmetterling- Vanessa Atalanta – sogar ein Edelfalter!

Die Deutsche Demokratische Republik hat ihm eine Briefmarke gewidmet. Wie passend, führt uns unser Weg doch in einen historischen Gebäudekomplex mit markanter DDR- Vergangenheit: den Admirals Palast.

1946 wurde in diesem Hause die Grundlage für die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED gelegt. Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck gaben sich die Hand. Ein Händedruck, der in symbolischer Form das Wappen der SED wurde.

Heute reichen sich für eine neue Union zwei Bartender die Hände. Mit Tayfun Sen und dem einmaligen Goncalo de Sousa Monteiro wurden zwei hervorragende Barmänner in einem Keller in Mitte versteckt, um dort gefunden zu werden. Das gestaltet sich gar nicht so leicht, aber wir wissen, das der Schmetterling an sich, bedingt durch zahlreiche Freß- und Trinkfeinde, sich tarnt. Es ist eine arg verborgene Treppe im Hof, die den Durstigen hinunter zum Nektar flattern lässt. Nach dem Betätigen der Klingel tut sich der Sichtschlitz auf und nach wohlwollendem Beäugen wird der Einlass gewährt.

Pre-BCB-Party

Pre-BCB-Party

Jeder Schmetterling beginnt seine Karriere als Raupe, um dann zur Puppe zu werden. Die Admirals-Raupe hat sich mit dem Schlüpfen nicht wenig Zeit gelassen. Vermutlich gab es noch nie eine Bar, die jeder Cocktailkundige kannte, jedoch für ein gutes Jahr nicht betreten durfte. Zum Bar Convent Berlin (BCB) war es dann soweit und derKeller wurde freigegeben. Neben der Bar befindet sich noch die abgebildete Party-Dance-Veranstaltungs-Zone, die weiter larvt, wohl bis zum Herbst 2010.

Die Admiral Absinth Bar ist hingegen geöffnet, was kaum jemand erfährt. Ich traue mich erst heute, meine Zeilen zur Admirals Bar zu verbrechen, weil: 1.) Heute die neue Ausgabe von Mixology – Magazin für Barkultur in meinem Briefkasten lag. Darin ein feiner Bericht von Tanja Bempreiksz zu Haus und Bar und Keeper mit extrem genialen Fotos von 103prozent. Und weil 2.)  die geschätzte Christina Schneider für das Bartender Labor ihre Liebeserklärung an selbige Bar verfasste.

Die Betreiber überlegen noch sorgsam, welches Publikum wohl wie zu adressieren wäre. Daher: Psssst!!

Ich glaube, so ganz geschlüpft ist der Schmetterling noch nicht. Gerade das ist der Zauber. Hereinspaziert in eine Bar, die im Augenblick wohl nur Barkeeper kennen. Die Kreationen? Klassisch, originell, ungewöhnlich. Wer

Absinth und Classic

Absinth kennen lernen möchte ist goldrichtig und wird bestens versorgt und informiert. Die historischen Details – Wasserspender, Tapeten, Licht –  versetzen den Gast in eine verruchte Stätte des Verbotenen, ohne Ohrabschneidtendenzen à la van Gogh.

Die Admirals Bar ist derzeit ein magischer Ort. Ruhig, geheimnisvoll, entspannt, mysteriös. Mit guten Drinks zu gehobenen Preisen. Mit Schwächen: Der sonderbare Lichteffekt im Niemandsland der Decke über

Secret sipping...

Secret sipping…

einer leeeeeeren (Tanz?-)Fläche. Eine Kälte der Einsamkeit. Und: Viel zu wenigen Barhockern!

Großartiges Geheimnis trifft auf den Schmetterling, der seit der Antike die Seele symbolisiert. Die Barkeeper tragen diese Seele in sich. Definitiv. Der Raum benötigt noch ein wenig Zeit. Gut, wenn man sich die Zeit zum Schlüpfen lassen kann!

Bis dahin: Geöffnet täglich ab 18 Uhr, Friedrichstraße 101, 10117 Berlin, im Hof des Admiral Palast.

Café Einstein Stammhaus (Nicolai Verlag)

Die Geschichte des Berliner Kaffeehauses. Geschrieben von Kirstin Buchinger. Endlich. Längst schien es überfällig, diesem Café endlich eine Chronik zu widmen.

Das Café Einstein ist eine gastronomische Legende und hat für seinen Kaffee, sein Wiener Schnitzel, seine Veranstaltungen, seinen Apfelstrudel(!!) und den Cocktails im Obergeschoss einen festen Platz in den Herzen vieler treuer Stammgäste. (Nicht zu vergessen: der traumhafte Garten) Endlich hat es auch einen Platz im Bücherregal.

Gut, das hatte ich auch im Jahre 2006 gedacht, als unter dem Titel „Berliner Melange“ ein Buch über das Einstein mit Adresse Unter den Linden erschien. Mit Ausnahme des Namens bestehen keine Verbindungen der beiden Häuser. Glücklicherweise haben auch die Bücher gar nichts gemeinsam. Der Linden-Band enthielt eine Art bunte Zettelsammlung mit künstlerischen Beigaben in ein fotografisches Gästebuch. Ein Fall für enge Freunde des Hauses oder den Mängelexemplar-Strich bei Wohltat.

Was Kerstin Buchinger uns vorlegt ist ein richtiges, echtes Berlin-Buch, wofür auch die Nicolaische Verlagsbuchhandlung bürgt, deren Verlagsprogramm in Sachen Berlin für absolute Verlässlichkeit steht.

Das Buch zum Café

Das Buch zum Café

Sie berichtet die Historie, wie der Kaffee Ende des 17. Jahrhunderts  nach Berlin kam und dort seinen Siegeszug antrat. Erst in den berühmten Häusern Unter den Linden, dann, und umso heftiger, im „Neuen Westen“ am Kurfürstendamm. Dazwischen liegt die Villa an der Kurfürstenstraße, räumlich und historisch. Vom „Alten Westen“ südlich des Tiergartens ist wenig übrig geblieben und die Recherche durchweg mühsam. Die Wege in die Archive haben sich gelohnt!

Der Leser hält ein Buch in Händen, das die Geschichte der Stadt erzählt, mit einer Villa als Hauptfigur. Erbaut von einem Nähmaschinenfabrikanten in der Zeit der Industrialisierung; Zeuge eines neuen kreativen Geistes, der den Charlottenburger Kudamm zum bürgerlich-freien Gegenstück zum kaiserlich-konservativen Berlin werden ließ; Wohnhaus von Henny Porten, Stummfilmstar und Begleiterin der „Goldenen“ 20er Jahre; Von Schutt und Asche der Stunde Null zur eleganten Kaffeehausadresse am Boulevard der Bordsteinschwalben mit faszinierenden Gästen, Kellnern und Betreibern.

Flott geschrieben, unterhaltsam und informativ mit schönen Bildern und sogar dem Rezept für den Apfelstrudel.

Kirstin Buchinger: Café Einstein Stammhaus
Die Geschichte des Berliner Kaffeehauses
erschienen 2009 im Nicolai Verlag
ISBN 978-3-89479-510-8

Einzusehen selbstverständlich auch vor Ort im Café Einstein, Kurfürstenstraße 58, 10785 Berlin

Bye, bye, Bürgerbräu…

„Keinen Tropfen im Becher mehr…“ beginnt das Lied „Die Lindenwirtin“ von Rudolf Baumbach.

Die Bürgerbräu-Wirtin vom Müggelsee scheint ebenfalls dieser Ansicht zu sein. Vorbei ist´s mit der langjährigen Geschichte einer weiteren Berliner Bier-Traditionsmarke (die 1869 unter dem Namen Lindenbrauerei gegründet wurde). Die letzte größere Brauerei, die noch in Privatbesitz befindlich war, ist verkauft. Ausgerechnet an die Radeberger Gruppe. Offizielle Übernahme erfolgt zum 1. März 2010.

Die Tradition des Bieres in Berlin ist dahin. Vor 100 Jahren war die Zahl der Brauereien noch dreistellig. Jetzt ist aus Vielfalt endgültig Einfalt geworden. Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe übernimmt die Markenrechte von Bürgerbräu und deren Rezepturen.

Sonderlich originell ist diese Entwicklung nicht. Gehört dieser Gruppe doch bereits die komplette Bierlandschaft der Region: Berliner Kindl, Berliner Pilsner, Rex Pils, Schultheiss, Engelhardt und Märkischer Landmann. Nach jeder Übernahme wurde etwas eingestampft und das Angebot noch weiter reduziert. Viele vermissen Biere wie das Patzenhofer oder die Schultheiss Berliner Weisse. Vermutlich hat dann auch bald das Rotkehlchen ausgezwitschert und das Bernauer Schwarzbier ist Schaum von Gestern.

Tina Häring, die Geschäftsführerin von Bürgerbräu in Friedrichshagen gibt an, demnächst ein Öko-Bier unter der Marke „Köpenicker Bürgerbräu“ anbieten zu wollen. Soll man das glauben? Funktionieren die Kessel überhaupt noch? Kam doch zuletzt das Berliner Bürgerbräu aus Chemnitz. Seit mindestens zweieinhalb Jahren steht auf der Homepage von Bürgerbräu: „Die Seiten der Berliner Bürgerbräu werden überarbeitet.“ Jetzt stimmt das wohl endlich.

Zahlreiche Medien haben bezüglich der Übernahme weitestgehend den üblichen larifari Pressetext übernommen und dahergeleiert. Die Autoren Honert und Hoffmann haben für den Tagesspiegel in ihrem lesenswerten Artikel zurecht etwas kritischere Töne angeschlagen.

Mein Vorschlag: Zeichen setzen gegen den Bier-Einheitsbrei aus Hohenschönhausen. Auf in die kleinen Hausbrauereien, deren Angebot bald der letzte Zufluchtsort für die Liebhaber und Sympathisanten der Berliner Bierkultur sein dürfte. Eilig ins Eschenbräu, hurtig ins Hops&Barley, schnell zum Südstern, marsch ins Marcus Bräu und ran an den Rollberg.

Also, Lindenwirtin, mach den Becher bitte wieder voll! Dann kann das Lied zurecht zu Ende gesungen werden: „Vor ihm stand ein volles Glas,
neben ihm Frau Wirtin saß. Unter der blühenden Linde.“

Pusser´s New York Bar (München)

Gebrochene Herzen werden am Meer geheilt, heißt die Textzeile in einem Lied, das als einleuchtende Erklärung gelten muss, warum ausgerechnet die womöglich angenehmste Bar von München im Stil einer alten Matrosen Pinte ausgestattet ist. Also stechen wir in See mit Captain Morgan….(bzw. mit dem legendären Pusser´s Navy Rum).

Pusser´s

Pusser´s

Bill Deck ist der Mann, der nun schon vor über 30 Jahren die Segel setzte, um die Barkultur amerikanischer Prägung in München auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit seinem Sohn Dave betreibt er nicht weit vom Hofbräuhaus, aber glücklicherweise gut versteckt, einen genialen Ort. Einen Raum, der mehr ist als eine Cocktail Bar. Es ist ein Treffpunkt für Stammgäste jeden Alters.

Ein bisschen wie ein britischer Pub mit der Philosophie: Vor dem Tresen ist jeder gleich – nur, mit besseren Cocktails! Schickeria-Faktor glücklicherweise gleich Null.

Ein alter, dunkler Holztresen mit Kerben und Spuren der Zeit. Maritime Beflaggung und entsprechende Devotionalien. Ein Duft nach Blut, Schweiß und Tränen. Das Umschlagbild der Karte zeigt, wie die britische Marine

In the Navy...mit 1-A-Zeitschriftensortiment

In the Navy...mit 1-A-Zeitschriftensortiment

gerade ein feindliches Schiff versenkt (ungefähr Ära Nelson). Diese Karte ist übrigens  gleichsam eine Geschichtsstunde zur britischen Marine. Darin viel wissenswertes über Flaggen, Begriffe, die Rumzuteilung für Matrosen der Navy und ihre Trinksprüche. Was ist heute? Donnerstag? Wir trinken also auf: A bloody war and a quick promotion.

Als Cocktailfreund bin ich begeistert, das auf geschickte Weise Klassiker den atmosphärischen Rahmen begleiten, ohne dass das aktuelle Bargeschehen übersehen wird. So gibt bereits einige Drinks mit dem genialen neuen Bols Genever auf der Karte. Aber auch die wieder entdeckten Klassiker. Ich

Zum Oberdeck

Zum Oberdeck

bestelle einen Pegu Club (Gin, Cointreau, Lime, Bitters), welcher mir solide gemixt wird, allerdings mit Gordon´s; ich hätte mir lieber einen Plymouth Gin gewünscht.

Preislich bewegen sich die Drinks zumeist zwischen 8 und 12 Euro. Dazu kommen feine kleine Speisen, eine solide Malt Whisky Auswahl, ein ordentliches Zigarrensortiment und ein Piano. Das Lokal hat mehrere Ebenen (Decks?!), daher kommt sich kein Genussbedürfnis in die Quere.

Ein Besuch in der Pusser´s Bar wäre nicht komplett ohne den Genuss eines

Die Becher sind käuflich

Die Becher sind käuflich

Pusser´s Painkiller. Dem legendären Drink, der in der „Soggy Dollar Bar“ auf der Jost-van-Dyke-Insel kreiert wurde. Es gibt ihn in mehreren Stufen (Stufe 4 wird vom Schiffsarzt mitunter als Betäubungsmittel verwandt – 8 cl Rum!) und stets serviert im kultigen Blechbecher.

Ich mag diese Bar. Sie hat etwas erwachsenes mit einer gelungenen Mischung aus entspannt und elegant. Und sie hat grandiose Gastgeber und Barmixer mit einer sehr persönlichen Note.

Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch.  Auch ohne Herzschmerz ist ein Platz an diesem Tresen etwas erfreuliches.

Falkenturmstraße 9, 80331 München. Täglich von 18-03 Uhr

www.pussersbar.com

Das eingangs erwähnte Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1997 von Garth Brooks und trägt den Titel „Two Pina Coladas,  die selbstverständlich in der Pusser´s Bar auch erhältlich sind!