Pure Gold Bar (Bonn)

Da dachte ich doch: Es ist wahrlich nicht alles Gold, was glänzt! Schon gar nicht in Bonn!!

Und plötzlich entsteht dort aus dem Nichts heraus (so wie in Bonn wohl alles entsteht) ein Ultra-Luxus-Hotel mit fernöstlichem Anstrich samt Cocktail Bar. Auf der anderen, der falschen Rheinseite, in Oberkassel-Ramersdorf. Das Kameha Grand. Wow, wow, wowstens.

Das Kameha Grand verhält sich zu seinem Bonn ungefähr so, wie das Ritz-Carlton zu seinem Wolfsburg (nur ohne drei-Sterne-Restaurant). Dazu muss man Volkswagen durch Telekom ersetzen. Eine gewaltige gläserne

Kamehalle

Kamehalle

Halle, gen Fluss gerichtet, umbaubar für Feiern, Kongresse, Vorträge, hat am hintersten Eck eine stylische Bar geschickt eingefügt.

Und hier sitzt man nun, an einem langen schwarzen Tresen, umgeben von sehr schönem durchdachtem Design, mit unglaublicher Raumhöhe und blickt in eine dicke, weichbespannte goldene Karte, die auch als Kissen dienen könnte.

Die Karte führt einige sehr schöne Posten. So entdecke ich Fentiman´s Tonic und Ginger Beer. Wow. Sofort möchte ich erfahren, welche Drinks Weiterlesen

Silvester soll prickeln!

Beinahe hätte ich das Jahresende mit einem „y“ versehen, doch der gnadenlose Duden gestattet es mir nicht. Silvester muss es heißen, was sich neben biografischer bischöflicher Historie angeblich von „Waldmensch“ herleitet. Das passt.

Auch dem Stadtmenschen wird klar: Finstere Schrat-Gestalten kommen aus ihren Weddinger Kellerverschlägen gekrochen, um mit selbstgebasteltem Sprenggut ihre Nachbarn und die die armen Hunde der Hauptstadt zu verstören.

Die Deutsch-Polnischen Beziehungen erleiden den alljährlichen Rückschlag, da der Berliner Blätterwald nicht umhin kann, vor den illegalen „Polen-Böllern“ zu warnen. Ich bin sicher, auch in Polen gibt es aufrechte Feuerwerksfabrikanten mit Prüfsiegel. Jawoll!

Eine Frau mit großen Knöpfen am Jackett wird uns ernsthaft ermahnen, das neue Jahr mehr oder weniger leicht zu nehmen. Das sollte gelingen, denn wie ich der gestrigen Zeitung entnehmen durfte, werden die Kalorien ab dem 1. Januar abgeschafft. Gleichzeitig wird die Pferdestärke zugunsten des Kilowatt gestrichen. Logisch: Bildschirme vermessen wir weiterhin in Zoll. Immerhin darf britisches Bier weiterhin als Pint gereicht werden.

Egal auf welche Neuerung, Hoffnung, Hinterlassenschaft oder Träumerei wir um 00.00 Uhr anstoßen, wir sollten es mit Champagner tun. Erstens ist Champagner eine tolle Sache. Zweitens ist der Champagnerabsatz hierzulande rückläufig. Drittens gibt es immer einen Grund, Champagner zu trinken.

Selbiges verriet uns die legendäre Dame „Tante“ Lily Bollinger aus dem Champagner Haus Bollinger in einem Interview in der Daily Mail im Oktober 1961, als Madame Bollinger  auf die Frage des Reporters, zu welchen Gelegenheiten sie denn Champagner trinke, antwortete:

„Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

Ansonsten wird für den Eichi auch in 2010 wieder der Martini das erste Getränk bleiben. Der Autor und Cartoonist James Thurber hat es einmal vernünftig zusammengefasst:

„Ein Martini ist in Ordnung. Zwei sind zu viele, und drei sind nicht genug.“

Martini Time

Martini Time

In diesem Sinne:

Alles Gute für 2010 und immer eine feine Flüssigkeit im Glas!

(Bisschen) Trauriger kulinarischer Jahresrückblick

Ich vermag gerade nicht zu sagen, ob es Jürgen Klinsmann oder Hermann Hesse war, der uns seinerzeit ermunterte: “ Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Seien wir optimistisch und gehen davon aus, das dieser Satz auch 2010 Gültigkeit besitzen wird. Mein heutiger kulinarischer Rückblick auf das Jahr 09 geschieht mit einer Träne im Knopfloch. Denn: Berlin ist um einige schöne, originelle, legendäre, kuriose Adressen ärmer geworden. An ein paar davon, die mir fehlen, mag ich kurz erinnern.

China Restaurant Tai Tung

Eingang zum Tai Tung

Eingang zum Tai Tung

Das älteste chinesische Restaurant gibt es nicht mehr. (Also das älteste erhaltene. Chinesische Restaurants in Berlin, vor allem an der Kantstraße, haben sich bereits seit 1923 angesiedelt.)

Über 50 Jahre hielt sich das Restaurant im Bikini-Haus an der Budapester Straße. Damals eine Sensation mit vielen prominenten Stammgästen von Peter Zadek bis Willy Brandt.

Zuletzt kannten viele Berliner das Lokal weniger über die servierten Speisen, sondern vor allem wegen des Plakates in einem der Schaukästen unter den Arkaden, auf dem Harald Juhnke für das Restaurant seines Schwiegervaters wirbt. Warb. Das Plakat wurde entfernt, nichts

Ente

Ente

erinnert mehr an das Tai Tung. Nun gut: Ein filmisches Denkmal gibt es noch. In „Goodbye Lenin“ fährt Daniel Brühl mit Moped in den Westen und hält genau neben dem berühmten Schaukasten. Godbye Tai Tung.

Pata Negra

Die Nachbarn sagen, die gewaltige Baustelle direkt vor der Tür konnte das Restaurant im Instituto Cervantes an der Rosenstraße, gleich hinter dem Hackeschen Markt, nicht verkraften.

Tisch abgeräumt

Tisch abgeräumt

Oder lag es doch an der Tatsache, dass die Bundesdeutsche Skepsis und Ablehnung bezüglich molekularer Küchenexperimente doch zu groß ist. Feiges Deutschland? Langweilige Küchenspießer? Ich glaube, ja. Wenn es hierzulande einmal kreativer molekular zugeht, als mit Hilfe der Fritteuse, gebt mir bitte Bescheid.

Ich habe im Pata Negra gelernt, wie aufregend und kreativ Küche mit molekularen Momenten sein kann. Verspielt, ja, aber stets mit den besten Zutaten. Herrlich chaotische Tischdeko – ich möchte gar nicht erahnen, wieviele der gestapelten und kühn drapierten Gläser zu Bruch gegangen sind – empfing den Gast, der mit besten Weinen versorgt wurde, erstklassig zu den Gängen abgeschmeckt.

Schutzbrille nötig

Schutzbrille nötig

Es schäumte, es dampfte, es war aufregend und intensiv. Wenn beispielsweise zur Kühlung eines Fruchtsorbets flüssiger Stickstoff verwendet wird, anstatt Wasser, so wird mit -196 Grad gekühlt, aber nicht verwässert. Dieses Geschmackserlebnis hat es in sich. Ihr habt es verpasst? Schade.

Diekmann im Weinhaus Huth

Daimler-Areal und Sony-Center sind für mich eine kulinarische Schauderzone. Jedenfalls wenn es um Alltagstauglichkeit geht. Das Facil ist fantastisch und macht mich glücklich, wirkt sich auf Dauer gesehen aber monetär

Gleich geht das Licht aus

Gleich geht das Licht aus

ruinös aus. Da war das Diekmann eine schöne Alternative zu den Touri-Deppen-Neppen-Einrichtungen, den halbherzigen Imbissen und den standardisierten Orten des mächtigen Laggner-Imperiums (Oscars, Lutter&Wegner etc.)

Prachtvolle Weine zu solidem Essen war die Devise. In zahlreichen Publikationen fanden sich Jahr für Jahr 2für1-Gutscheine, die einen Besuch erschwinglich gestalteten.

Einmal begleitete ich eine Gruppe Damen durch ein abwechslungsreiches Berlinprogramm. Für den Abend war ein Musical Besuch am Marlene-Dietrich-Platz vorgesehen. Davor hatte ich ein Abendessen im Weinhaus Huth anempfohlen, welches die anspruchsvollen Ladies glücklicherweise zufrieden stellte. Am Musical-

Servus (leise)

Servus (leise)

Theater stellte sich heraus, das die Aufführung ausfallen musste, wegen Erkrankung wichtiger Darsteller.

Statt mich grimmig zu rügen und die Panne zu bejammern, strahlte die Runde fröhlich und beschloss, zurück ins Diekmann zu kehren, um doch noch ein Dessert zu bestellen. Der Kellner guckte schon ein wenig seltsam….

Vitrum im Ritz Carlton

„Ladies und Gentlemen kümmern sich um Ladies und Gentlemen.“ Diese Philosophie im Ritz-Carlton Hotel hat mir von Anfang an gefallen. In diesem Jahr konnten mich die Ritz-Carlton nicht wirklich glücklich machen. „Wer meine Erlebnisse in Wolfsburg gelesen hat, ist im Bilde.)

2008 löste Hendrik Otto seinen Vorgänger Thomas Kellermann ab, den es aus der Metropole nach Wernberg-Köblitz verschlug. In Windeseile erkochte Otto den Michelin-Stern für das Hotel zurück, der mit dem Weggang  Kellermanns vakant geworden war. Respekt.

Der großartige Koch und wundervolle Gastgeber, Hendrik Otto, gemeinsam mit dem einmaligen Weinfachmann Rakshan Zhouleh (heute im Tantris in München) bescherte mir eines der schönsten kulinarischen Erlebnisse meines Lebens. Ich werde es nie vergessen.

Eine Kochmütze von diesem Abend halte ich in besonderen Ehren und die „Ladies und Gentlemen“ des Ritz-Carlton können sich überlegen, wie sie diesen Verlust wieder gut machen (derzeit sind Mode-Lädchen geplant. Sehr originell.) Man munkelt, Hendrik Otto wird demnächst auf Sylt wieder Gäste verwöhnen. Wo immer er es tut, ich jedenfalls wünsche ihm alles Gute!

Café Möhring

Möhring- vorbei

Möhring- vorbei

1898 eröffnete das erste Café Möhring am Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße. Nun sind die letzten verschwunden. Am Kudamm sind die Schließungen schon ein wenig länger her, es folgte das Ende der Filiale am Schloss Charlottenburg und als letztes musste das Haus am Gendarmenmarkt dran glauben.

Die Betreiber hatten es hier versäumt, mit der Zeit zu gehen. Formfleisch-Mief  und mittelmäßige Torten in angestaubtem Ambiente konnten den Wettbewerb mit Fassbender&Rausch, Aigner & Co. nicht mehr bestreiten.

geschlossen (Eckhaus)

geschlossen (Eckhaus)

Schade, so ist ein weiterer Traditionsname der Hauptstadt Vergangenheit. Auch wenn die Firma Pfennig die Namensrechte noch besitzt und weiterhin original Berliner Möhring-Produkte bei Hannover produziert.

Demnächst soll an dieser Stelle ein bajuwarischer Brauereiausschank Besucher mit einem Humpen Augustiner erquicken. Joseph Laggner macht es mal wieder möglich. Dem gehört bald die gesamte Charlottenstraße.

So! Genug gejammert. Genug. Genug! Schließlich gab es 2009 auch grandiose kulinarische Augenblicke, glanzvolle Neueröffnungen und schmackhafte Erlebnisse. Und daher freue ich mich auf den Zauber – ab Januar 2010 – und weiteren regen kulinarischen Austausch. Virtuell, reell, Prost!

Umatoo im Quartier 206 (Mitte)

Es gibt Imbisse in Einkaufspassagen. Es gibt Food Courts in Shopping Malls. Und jetzt gibt es, als Luxusvariante des oben genannten,  das Umatoo im Quartier 206.

Tim Raue hat seinerzeit in Charlottenburg (Restaurant 44) aufgesattelt und

Ein neues Pferd am Start....

Ein neues Pferd am Start….

mit seinem Ma, Uma und Shochu Bar Restaurant- und Barkonzept im Hotel Adlon eine Menge neues Flair und ein hohes Maß an Küchenkultur nach Berlin Mitte galoppiert. Den japanischen Bereich der Pferdekoppel (Ma=Uma=Pferd) betreut Steve Karlsch auf sympathische und kreative Art und Weise und lockt mich immer wieder gerne an den schwarzen Tresen, von wo aus man den besten Blick auf das geschickte hantieren der Köche werfen kann.

Meine Erlebnisse dort habe ich bereits an anderer Stelle niedergeschrieben. Jener Artikel wurde sogar prämiert und daher verdanke ich dem Uma demnach den Besitz eines Designer-Wursttopfes (ja, ja, lacht nur…). Weiterlesen

Weinproben bei Vinum (Charlottenburg)

Winterzeit ist Weinzeit. Und wir reden hier nicht von Glühwein auf fragwürdigen Weihnachtsmärkten oder Beaujolais Primeur zu 1,99 im Discounter. Ein klein wenig komplexer, anspruchsvoller, feiner darf unser Tropfen schon sein, gell?

Um neue Weinexperimente zu verkosten oder klassische Anbaugebiete neu zu entdecken, empfiehlt sich die Teilnahme an einer der stil- und

Unterichtsmaterial unterschiedlichster Art

Unterichtsmaterial unterschiedlichster Art

genussvollen Weinproben, die im Vinum Spezialitätenkontor im Charlottenburger Danckelmannkiez zwischen Oktober und März veranstaltet werden. (Über das Weingeschäft selber habe ich bereits hier ein wenig berichtet.)

In der Regel beinhalten die Weinabende so um die zehn Weine im Rahmen eines Dreigang-Menüs. Dazu trägt Andreas Schiechel Wissenswertes und Aktuelles zum jeweiligen Thema vor und regt zur geschmacklichen Diskussion bei der Weinerkundung an. Die Proben bei Herrn Schiechel sind etwas Besonderes. Behaupte ich, der ich eifrig, oft und völlig selbstlos Weinproben in Berlin besuche.

Der Mann ist ein Experte, sein Wissen ist phänomenal und stets auf dem neuesten Stand. Vor kurzem besuchte ich eine Weinprobe in Kreuzberg und stellte fest, dass die Referentin bestimmt seit zehn Jahren ihre Unterlagen nicht mehr aktualisiert hatte. Ähnliches wäre Weiterlesen

Dong Xuan Center (Lichtenberg)

Vietnam in Berlin. Ja, das gibt es. Und es ist vermutlich nicht immer einfach, mit all den Klischees und bisweilen den Vorurteilen umzugehen. Zahlreiche Berliner reduzieren die Vietnamesen der Stadt auf den zwielichtigen Zigarettenhandel, fragwürdige Fingernagelgestaltung und Blumenhandel in Bahnhöfen.

Missbilligend blicken chinesische Restaurantbetreiber auf das Phänomen, dass ca. 75% der China-Restaurants und Asia-Imbisse der Hauptstadt eigentlich von Vietnamesen betrieben werden. Die DDR holte ab Ende der 1960er Jahre ca. 60.000 vietnamesische Vertragsarbeiter vom Mekong an die Spree und nicht immer wurden die Ankömmlinge freundlich behandelt.

Kein Wunder also, dass sich die vietnamesische Gemeinde Berlins ihre

Geheimnisvolle Hallen

Geheimnisvolle Hallen

eigenen Orte in der Stadt geschaffen hat. Manche zurückgezogen im Verborgenen, andere zwar abgelegen, aber dennoch öffentlich. Ein solcher Ort befindet ich im Industriegebiet von Lichtenberg, zwischen der Herzbergstraße, dem historischen Wasserpumpwerk und der Vulkanstraße.

Da stehen sie nun, die sonderbaren Hallen, die zu einer Reise in die vorwiegend vietnamesischen Facetten des asiatischen Berlin mit Treffpunkten, Handel, Import-Export, Gefeilsche und vor allem reichlich Trubel einladen. Weiterlesen

i-nachtsmarkt ?

Wer erinnert sich noch an die Zeiten, als Kinder auf dem Schoß des Weihnachtsmannes Platz nahmen und ihm ein jahreszeit-gemäßes Liedchen vorsingen mussten um daraufhin eine Gabe aus einem riesigen Sack zu erhalten.

Gut, in Wahrheit saß da meist ein verkleideter Student mit kratzendem Plastikbart in der zugigsten Ecke des Kaufhauses oder der Einkaufspassage und entlohnte die Kinderlein mit mittelmäßigen Mandarinen und nervigen Nüssen um die Eltern kurz Luft holen zu lassen, damit Sie gestärkt für den weiteren Konsum sein mögen.

Im Center der Blauen Lichter

Im Center der Blauen Lichter

Die Zukunft sieht anders aus. Ich weiß das, seit meinem Besuch des Weihnachtsmarktes im Sony Center am Potsdamer Platz.

41.000 blaue Lichter formen einen Trichter. Aus bestimmten Perspektiven wirkt er gar bedrohlich und man könnte meinen, ein Sog erfasst den Menschen, um ihn in einem schwarz-blauen Loch verschwinden zu lassen.

Unter der Sony-Zeltkuppel, um den blauen Hut, sind Buden aus weißem Kunststoff angeordnet, die gleichfalls modern-blau illuminiert werden.

Schon ganz interessant: Ein Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art, wie eigentlich jedes Jahr im Sony Center. Es gab bereits den Lego-Weihnachtsmarkt.

I´ll have a blue christmas....

I´ll have a blue christmas....

Seit meinen Erfahrungen mit dem Markt in der Wilmerdorfer Straße bin ich etwas skeptischer geworden, was vollmundige Werbetexte anbelangt. Der Blaue Markt wird in der offiziellen Lyrik angepriesen als „Sternenzauber“ mit „Highlights auf der Bühne“, „Unterhaltung für die ganze Familie“, finnischen Waffeln und estnischem Glühwein. Klingt gut.

Kommt ein Weihnachtsmann hierher? Ich weiß es nicht. Wenn, dann trägt er eine blaue Robe und das Kind auf seinem Schoß hält ihm einen mp3-Player vor die Nase und spielt einen X-mas Song ab. Aus dem Sack zaubert er dann einen Klingelton-Download-Gutschein.

Glühwein Alm

Der Rebell: Glühwein Alm

Einen verwegen Rebellen machen wir in einem versteckten Winkel aus. Eine Bretterbude hat sich subversiv unter all die Plastik-Würfel-Buden gemogelt. Die Glühwein-Alm. Faszinierend.

Geöffnet ist bis zum 3.1.2010 meist so von 11 bis 21 Uhr. Die genauen sachdienlichen Hinweise finden sich hier….

Julie Powell: Julie & Julia

Dinner und Desaster. Butter und Blog. Und: Wodka Gimlet!

365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche, lautet der Untertitel zu dem wundervollen Buch, welches eher zufällig in meine Hände geriet, als über den gleichnamigen Film viele schmunzelten oder gähnten. Der Film klang nach Bridget Jones und ähnlichem Selbstverwirklichungs-Kram von Frauen um die 30. Nix für mich, dachte ich. Freunde waren anderer Meinung, schließlich würde es um Essen und Kochen gehen. So war ich denn zur Lektüre verdonnert.

Julie & Julia

Julie & Julia

Und tatsächlich geht es los mit den Gebärgedanken verwelkender Endzwanzigerinnen. Ich nehme mir vor, bis Seite 50 durchzuhalten und dann gegebenenfalls das Buch bei Nichtgefallen einer der gebärinteressierten Endreissigerinnen in meinem Bekanntenkreis zu überlassen. Ich habe Glück. Auf Seite 49 merke ich, ich werde das Buch zu Ende lesen.

Nun startet das „Julie/Julia Projekt“, in dem Julie Powell  den Kampf mit dem Kochbuch Mastering the Art of French Cooking(Vol. 1) von Julia Child aufnimmt, um innerhalb eines Jahres alle 524 Rezepte nachzumachen und auszuprobieren. Das Experiment wird von einer Berichterstattung in Form eines Blog begleitet, was Anno 2002 noch keineswegs eine derartige Selbstverständlichkeit darstellt, wie es heutzutage der Fall ist.

So bietet das Buch auf vielfältige Art und Weise Unterhaltung. 1. Berichte über erste unbeholfene Schritte aus den Anfangstagen des bloggens. 2. Pleiten, Pech und Perfektes im Umgang mit Weiterlesen

Heavy Metal Weihnachtsmarkt?

Heute fand ich den Ort der ultimativen Trübseligkeit. Unglücklicherweise liegt er beinahe vor meiner Haustür.

Ein Weihnachtsbaum!?

Ein Weihnachtsbaum!?

Meine Laune als fröhlicher Wandersmann durch die Strassen der Hauptstadt erreichte einen jähen Tiefpunkt bei dem Durchmessen des Fußgängerzonenabschnitts der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Angeblich soll es sich bei den dortigen Aufbauten nicht nur um einen Weihnachtsmarkt handeln, sondern sogar um einen „Wintertraum Weihnachtsmarkt“ (so der Veranstalter). Immerhin verspricht er „beheizte Toiletten und verkleidete Müllbehälter.“

Die Fußgängerzone ist immer mal wieder Schauplatz von traurigen Veranstaltungen nach dem Prinzip: Wir stellen ein paar Verkaufs- und Imbissbuden hin und denken uns schnell irgendein Motto aus, für das sich ein Sponsor findet. Die Geschäftsleute entlang der Wilmersdorfer Straße unterstützen gerne diese Projekte. Listig grinsen sie, da sie zurecht annehmen dürfen, dass die grauenvolle Wegelagerei die Kunden noch schneller als sonst  in ihre Geschäfte treibt.

Im Mai 2009 gab es daher beispielsweise das „Singha Asien Kulturfest“, der vermutlich bei zahlreichen asiatischen Mitbürger eine Identitätskrise ausgelöst haben dürfte. Ob es zu diplomatischen Nachwirkung kam, ist mir nicht bekannt. Immerhin gab es Bratwurst. Mit Curry….

Das Motto in diesen Tagen lautet überraschender Weise „Weihnachten“. Neben dem Wintertraum finden sich jedoch weitere Werbeparolen, mit denen die Veranstaltung beworben wird. Das Stadtmagazin zitty ist anscheinend mit von der Partie und preist den „Kultur Weihnachtsmarkt“ an und auf berlin.de ist zusätzlich von dem Event „Berlin lacht“ die Rede.

Berlin weint würde es treffender beschreiben. Heulende Kinder zeigen unglücklich auf den Weihnachtsbaum (in dem ein triefend-nasser Teddybär unglücklich stranguliert wirkt) und schauen verängstigt drein. Für den lachenden Weihnachtskulturtraum wurde der Weiterlesen

Clo Wine Bar (New York – Upper West Side)

Nehmen Sie Platz in einem Videospiel mit Weinversorgung. Sieht so die Weinkultur der Zukunft aus?

Eine umfangreiche Einweisung gefolgt von ersten unbeholfenen Übungen ist vonnöten, bevor der Gast dieser Wein-Bar souverän in der Lage ist, Bewegungen auszuführen, die irgendwo zwischen Dirigent und Hütchenspieler anmuten, um letztendlich an ein Glas Rebensaft zu gelangen.

Willkommen im Clo

Willkommen im Clo

Nach Betreten des futuristischen Rechtecks im vierten Stock des Time-Warner-Center am Columbia Circle an der südwestlichen Ecke des Central Park, tauscht der Gast seine Kreditkarte gegen eine Chipkarte und nimmt an einem langen Tresen Platz, der sich als Mitmach-Monitor entpuppt.

Der Monitor-Tresen

Der Monitor-Tresen

An jedem Platz wird ein Bildschirm aktiviert, an dem man sich iphonesque durch eine Weinkarte mit 100 Positionen winken kann. Suchfunktionen nach Farbe, Geschmack, Region oder Winzer können aktiviert werden und führen zu zahlreichen Informationen und Verkostungsnotizen der angebotenen Weine. Soviel Wein-Googeln (woogeln?) macht Durstig.

Das Kind im Manne ist selbstverständlich angetan und so versuche ich beständig die Technik zu perfektionieren, an der richtigen Stelle zu reagieren und die entsprechende Flascheninformation zu treffen. Highscore? Ein Knuff in die Seite Weiterlesen